Lediglich an die 80 Anhänger waren zum großspurig angekündigten Parteitag von „pro Deutschland“ nach Berlin gekommen – mehrere hundert Gegendemonstranten versuchten, die Veranstaltung der Rechtspopulistentruppe im Schöneberger Rathaus zu blockieren.
Am 17. Juli fand in Berlin der 4. Bundesparteitag der antimuslimischen „Bürgerbewegung pro Deutschland“ statt. Trotz großspuriger Ankündigungen fanden keine 100 Parteianhänger den Weg ins Schöneberger Rathaus, wo an diesem Tag Hetze gegen Migranten und Muslime auf der Tagesordnung stand.
Hier kann man alles lesen. Alles in allem zeigt sich das, was zu erwarten war: Eine Handvoll Leute kommen zusammen, um gegen Linke und vermeintliche Linke, Ausländer, Schwule und Muslime zu wettern. Israelfähnchen gab es vermutlich auch keine mehr.
Ganz kurze Auszüge:
[…]Ein Großteil der Anwesenden war weit über 40 Jahre alt, man unterhielt sich erregt über die Demonstranten vorm Rathaus. „Dem Dreckspack müsste man gleich eine reinhauen“ sagte eine ältere Frau.
Solche Gentlemen.
Bevor Jacques Cordonnier, von der extrem rechten Partei „Alsace d’abord“ („Das Elsass zuerst”), über die „Gefahr“ des Islam als einer „fremden Kultur auf unserem Boden“ sprach,[…]
Eine französische Partei spricht also auf der Demo von Deutschnationalisten in Berlin von “unserem Boden”.
Gibt es eigentlich noch eine Partei im Saarland, die für den Anschluss an Frankreich wirbt?
20. Juli 2010 um 21:17
Die haben vor ein paar Monaten auch ein Versammlung bei uns in München gemacht. Etwa in der selben Größenordnung.
Mein Eindruck: Eine halbe Sache. Das fanden auch einige anwesende PImaten? NPDler? … die enttäuscht meinten, über die bloße Islamkritik sei man doch inzwischen hinaus, man müsse endlich zu Taten schreiten …
Das ganze war B I E D E R. Da hat sozusagen der Goebbels gefehlt. Scharfe, bösartige Islamverhetzung gab’s wie üblich, man war aber dabei irgendwie professoral und hausfraulich, oft defensiv (man wird ja soo missverstanden vom bereits dhimmisierten Establishment).
Sie hatten jemand von einer christlichen Hilfsorganisation eingeladen, der einen langen und für mich recht interessanten Beitrag zum Thema Christenverfolgung in islamischen Ländern vortrug.
Der Mann sagte – aufgrund von Nachfragen mehrmals und deutlich:
Ohne die mutige, engagierte Unterstützung von gläubigen Muslimen hätte seine Hilfsorganisation in den muslimischen Ländern keine Chance, dort den verfolgten Christen zu helfen. –
Das war wie ein Stich in den Ballon. Der Beitrag war zwar alles in allem ziemlich einseitig gewesen, aber dann diese blitzartige Offenbarung: Es gibt doch tatsächlich gläubige Muslime, die engagiert und unter Risiko Christen in den muslimischen Ländern verteidigen. Unfassbar für die fanatische Islamhasser von “pro Deutschland”.
Unbefriedigend (für die ProDeutschen) war es auch, dass lauter (meist ältere oder mittelalterliche) Leute besammen waren, von denen jeder sein privat-persönliches Anti-Islam-Süppchen am Kochen hat – eine richtige Gemeinsamkeit war nicht zu spüren. Die glauben zwar schon alle, dass Deutschland vor dem Abgrund und der Islam vor der Tür steht – aber sie glauben es halt doch nicht so entschlossen, dass sie in einen echten (riskanten!) Kampf ziehen möchten. Da fehlt noch das revolutionäre Pulver. (Noch.)
Die Versammlung ist rasch abgebröckelt – die Leitung hat nicht die Kompetenz gehabt, der Sache einen starken Schluss zu geben, und so hat sich über eine Stunde hinweg allmählich der Saal geleert, während sich Leiter und Referenten abgemüht haben …
21. Juli 2010 um 21:01
Das ist ja kurios, zumal sich Pro-München bzw. Pro-Bayern ja eher NPD-Affin gibt:
http://www.stmi.bayern.de/imperia/md/content/stmi/sicherheit/verfassungsschutz/verfassungsschutzberichte/verfsch_2007_hj.pdf
Aber man weiß ja, es geht um Mimikry. Was in diesen Kreisen hinter verschlossenen Türen gesagt wird, unterscheidet sich deutlichst von dem, was in die Öffentlichkeit herausposaunt wird.