Kreuzritter 2.0 – Im Netz der Islamfeinde
“Politically Incorrect” – Parteien, Populisten, Publizisten
Herres Netzwerk – Auf Du und Du mit Europas Rechter
Eine Kurzzusammenfassung gibt es beim Politblogger.
Kreuzritter 2.0 – Im Netz der Islamfeinde
“Politically Incorrect” – Parteien, Populisten, Publizisten
Herres Netzwerk – Auf Du und Du mit Europas Rechter
Eine Kurzzusammenfassung gibt es beim Politblogger.
Der Zwischenruf aus Berlin von HANS-ULRICH JÖRGES
Wo der Schweinehund knurrt, lautete der Titel meiner Kolumne vor zwei Wochen. “Niemals seit der Judenverfolgung wurden Menschen in Deutschland so pauschal, so grobschlächtig und so verletzend ausschließlich nach ihrem Glauben beurteilt und herabgewürdigt”, schrieb ich über den Umgang mit den Muslimen. Diese Kolumne (www.stern.de/integration) hat viele Zuschriften ausgelöst, die einen schockierenden Eindruck vermitteln von der Stimmung nach Thilo Sarrazin. Also schweige ich diese Woche und lasse einige Verfasser zu Wort kommen. Keiner von ihnen scheint sich übrigens darüber im Klaren gewesen zu sein, wie sehr er den Titel meiner Kolumne bestätigt hat.
„Die meisten Deutschen wollen nun mal keine Nachbarn, deren Bibel, der Koran, sie Dutzende Male dazu auffordert, alle Ungläubigen, also uns, die christlichen, jüdischen oder atheistischen Deutschen, gnadenlos umzubringen.”
„Der Islam erklärt seit Anbeginn alle Nicht-Moslems für minderwertig und tötbar.”
„Lesen und verstehen Sie den Islam – nicht den kleinen, dummen oder von mir aus intelligenten Muslim – nein, das faschistische, menschenverachtende Buch des Koran. Auch Sie sind doch nur ein Untermensch, den man töten müsste, wenn er nicht konvertiert.”
„Für mich sind Sie ein Verräter am eigenen Volk.”
„Jetzt reiht er sich ein in die Riege der dummen oder verbrecherischen Moslemversteher!”
„Am besten, Sie verpissen sich in die Türkei. Oder in ein anderes Islamistenland. Zusammen mit Ihrem Busenfreund Wulff. Ein dreifaches Hoch auf Dr. Thilo Sarrazin!!!!!”
„Widerlicher Vaterlandsverräter. Die Moslems werden deinen Fladenbrotkopf auch absäbeln. Alle gläubigen Moslems, die nach dem Koran leben, sind potenzielle Mörder.”
„Aber nichts für ungut. sollten Sie mal unter kriminellen und tötenden Migranten-kindern leiden, dann können Sie Ihren Kommentar ja mal modifizieren.”
„Sie werden wohl auch erst wach, wenn der Rotweingürtel brennt.”
„Wie bei Stalin. Wir groß muss der Gulag eigentlich sein, damit Herr Jörges ein entspanntes Leben führen kann?”
„Wie ja auch die bisherigen ,Politiker’ und ‚Politikerinnen’, türkischstämmig, in den Parteien deutlich zu verstehen geben: Sie vertreten nur türkische Interessen.”
„Lesen Sie den Koran… und Sie werden wissen: Es gibt keine Integration!”
„Man ist, als nicht ganz so gut situierter Mensch, der sich keine Stadtrandlage mit Mauer ums Grundstück leisten kann, immer wieder bestürzt, wie blauäugig gebildete Menschen wie Sie mit der Islamischen Ideologie verfahren und in typischer Appeaser-Manier versuchen, gewaltbereite Islamisten von der großen Masse der angeblich so friedlichen Moslems abzutrennen. Mit Verlaub, das ist genauso unsinnig, wie zu behaupten, man müsse zwischen guten und schlechten Nazis unterscheiden, um diese Ideologie … zu verteidigen.”
„Ich hoffe, die Zelten ändern sich und Leute wie Sie verlieren an Einfluss und wie andere vielleicht auch ihren Job.”
„Wir können Herrn Sarrazin nicht dankbar genug sein, dass er sich dafür opferte, dass die innere Mauer der politischen Korrektheit, mit der Sie und Ihre Kollegen mit DDR-Methoden die Menschen über Jahrzehnte umzingelten und in Schach hielten, durchbrochen Wurde. (…) Ja: Die Luft der Freiheit weht. Endlich!”
„Sagt Ihnen das ,arabische Modell’ im deutschen Gebrauchtwagenhandel etwas? In meinem Bekanntenkrei wundert sich nur jeder, wie die vielen fliegenden Autohändler von diesen Schrottkisten leben können, dabei sogar Rollen von Euroscheinen in der Hosentasche haben.”
„Jetzt wird Tacheles geredet und hoffentlich bald einmal Tacheles getan! Erbdummheit? Tja, ob Sie’s nun glauben oder nicht, aber die entwickelt sich zwangsläufig, wenn, wie bei den Mohammedanern statistisch erwiesen, beinahe jeder Zweite mit einem Familienmitglied verheiratet ist. (…) Islam macht dumm.”
„Ich werde das Gefühl nicht los, dass vielleicht – wie in die europäische Wirtschaft – auch arabisches öl-Geld in deutsche Medien, Kirchen, Institutionen etc. geflossen ist.”
„Und dann auch noch Wulff … Natürlich kann man den Eindruck bekommen, er wäre nur der Präsident der Türken.”
„Das Fluten Deutschlands mit muslimisch osmanischen Fremdlingen raubt den autochthonen Deutschen ihre nationale Identität, sie werden kulturell entkernt und letztlich zu den künftigen Indianern Europas gemacht.”
Das alles wird man doch noch mal sagen dürfen…Oder, Herr Sarrazin?
Man mag es kaum fassen, in den USA gab es sogar eine Show, die sich “Politically Incorrect” nannte.
Sie hat übrigens eine interessante Geschichte: Sie wurde nämlich aufgrund “patriotischen Drucks” abgesetzt, weil der Name der Sendung Programm war.
”Hard times for the first amendment tend to come at very hard times for the country,” Mr. Abrams said. ”When we feel threatened, when we feel at peril, the First Amendment or First Amendment values are sometimes subordinated to other interests.”
One of the most visible examples of this burgeoning debate involved a scuffle between the White House and Bill Maher, host of the late-night talk show ”Politically Incorrect.” Last week, Mr. Maher said that the hijackers were not cowards but that it was cowardly for the United States to launch cruise missiles on targets thousands of miles away.
Some of his main advertisers abruptly ended their sponsorship of the program, which is designed to be controversial. He later apologized for the remarks.
On Wednesday, Ari Fleischer, the White House press secretary, denounced Mr. Maher, saying of news organizations, and all Americans, that in times like these ”people have to watch what they say and watch what they do.”
Und:
Now that ABC has canceled the program (…), it seems clear that Maher’s comments doomed him and that there are still, and probably always will be, some things a person just can’t say on television.
Diese Show ist der Namensgeber für das Blog “Politically Incorrect” geworden.
Okay, das ist wohl nicht ganz das, was die Überschrift versprach.
Aber weil mir die Inhalte des Blogs nach dem ersten überfliegen zusagen, landet es erstmal in der Rolle.
Hier ein Flyer zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus
Für einen herzlichen Lacher und anschließende Schmerzen im Bereich des Zwerchfells hat bei mir heute folgende Story des Kübel-Fanblogs gesorgt:
Es war frisch nach dem Schichtwechsel am letzten Tag der Woche.
Es war der 11. Dezember.
Langeweile machte sich breit.
Erfahrungsgemäß würde heute auch nicht mehr viel passieren…es wurde Zeit etwas Chaos zu stiften.Wir griffen in die Chaoskiste die wir vor einigen Tagen angeschafft haben und in die wir immer Ideen schmeißen die etwas abgedrehter sind als das übliche was wir uns leisten und die Beschäftigung stand fest:
Wir gründen eine PI-Gruppe.
Normalerweise kommen maximal 10 Besucher pro Tag über sämtliche Suchanfragen, die “Pi News” enthalten, zum Kruppzeuch-Blog. Die Regel sind eher 5-6, trotz der netten Platzierung bei Google, also kaum relevant. Gestern waren es jedoch weit mehr. Dazu Screenshots einiger Suchanfragen, die evtl. ansatzweise erklären könnten, was los war.
Aus den Statistiken:
Das freut mich ja schon irgendwie, aber was war denn bei den Hassenden los? Any Hint?
Der NPD-Blog: DVU streckt Fühler in Richtung “Pro”-Gruppen aus
(CC-Beitrag von redok)
Die rechtsextreme Deutsche Volksunion (DVU) hat offenbar Fühler zu den rechten “Pro”-Gruppen ausgestreckt. In einem Video erklärt der als DVU-Unterstützer bekannte schwedische Millionär Patrik Brinkmann, er sei in Beratungen mit der pro Köln-Funktionärin Judith Wolter.
Hintergrund der Kontakte ist das Bemühen rechtsextremer Gruppierungen, nach dem Vorbild der Schweizer Volksabstimmung über das Verbot von Minaretten ähnliche Kampagnen in Deutschland gegen “den Islam” zu starten. Brinkmann spricht in einem auf der DVU-Webseite verbreiteten Video von “Opfern türkischer Zwangsheiraten”, denen er helfen wolle; “Konvertiten – Christen, die von einem Islam gejagt werden”, müsse “Schutz gewährleistet werden”. Er “bespreche deshalb gerade” mit Wolter die Errichtung eines Frauenhauses für verfolgte junge Frauen.
Offenbar um die feministische Glaubwürdigkeit des Schweden-Millionärs zu erhöhen, wird im Abspann des vorweihnachtlichen DVU-Videos eingeblendet, seine Mutter sei 1945 in den Trümmern des zerstörten Berlin geboren worden. Brinkmanns Botschaft: “Ich möchte meinem Mutterland dienen!”
…
Judith Wolter also.
Na da wächst ja zusammen, was zusammen gehört.
Ich nutze im folgenden Links von einem Internet-Archiv(“Wayback-Machine”), das z.T. etwas langsam ist. Wenn man einen der Links anklickt, kann es also auch mit einer schnellen Internetanbindung schon mal eine Minute dauern, bis sich die Seite aufbaut. Manchmal erscheint eine Fehlermeldung, dann muss man es eine Weile später nochmals versuchen(kann minuten bis Stunden dauern)
Wenn man also nun durch die Zeitschleife dieser Wayback-Machine geht, und in das Jahr 2002 zurückkehrt, finden sich zwei “interessante” Texte des Kölner “PDST”, für die sich offenbar genau diese Dame verantwortlich zeichnete. Hierzu das Impressum:
http://web.archive.org/web/20020810132158/www.pro-koeln-online.de/impressu1.htm
Ich zitiere im folgenden nur das, was ich persönlich als typisch rechtsaußen identifiziere:
http://web.archive.org/web/20020603070022/http://www.pro-koeln-online.de/manifest.htm
Das interessanteste zur “Völkerfreiheit”:
Hauptfeind der Völkerfreiheit sind jene internationalen Banken und Großkonzerne, die, von ihrer derzeit noch sicheren Basis an der amerikanischen Ostküste aus global operierend, im 20. Jahrhundert mehrere Kriege angezettelt und Millionen Menschen in den Tod getrieben haben. Ihre Macht soll im 21. Jahrhundert gebrochen werden! Die PLATTFORM DEMOKRATISCHER STUDENTEN erklärt sich solidarisch mit allen Völkern, die im Kampf um nationale Befreiung stehen!
Das interessanteste zur Demokratie:
Jedermann, der die allgemeinen Gesetze achtet, soll das Recht auf freie Meinungsäußerung haben. Das muß auch für die Verteidiger von politischen Verhältnissen gelten, die wir als rückständig oder ungerecht empfinden – denn wer will sich anmaßen, zu richten darüber, welche politische Meinung “zulässig” und welche “unzulässig” sein soll? Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden.
Das interessanteste zur sozialen Gerechtigkeit(gut, das gibt’s auch bei Marxens Anhängern):
Längst hat der Kapitalismus seine ehedem progressive Rolle in der Geschichte ausgespielt. In Deutschland üben internationale Banken und Konzerne, frei von jeder demokratischen Kontrolle, mehr Macht aus als irgend eine der im Bundestag vertretenen Fraktionen. Es gilt, das Primat der Politik vor der Wirtschaft wiederherzustellen und dafür zu sorgen, daß jedermann den ihm zustehenden Anteil am volkswirtschaftlichen Ertrag erhält.
(…)
Die auf deutschem Boden operierenden internationalen Banken und Großkonzerne dagegen sind in öffentlich-rechtliches Eigentum zu überführen.
Sehr interessant ist das Plädoyer für ein Scharia-konformes Finanzwesen:
Die Börsenspekulation wird abgeschafft. Wer für wirtschaftliche Unternehmungen in Deutschland Kredite braucht, muß sie sich von öffentlich-rechtlichen Geldinstituten holen, deren Gewinne in die Staatskasse fließen.
Das interessanteste zur Ökologie:
Der Staat hat die natürlichen Lebensgrundlagen des Volkes zu sichern.
Nächster Text zum Krieg Israel-Hisbollah im Libanon, unter der Überschrift “Solidarität mit Palästina!”(wieder nur das interessante herausgenommen):
http://web.archive.org/web/20020603070022/www.pro-koeln-online.de/pdst.htm
Noch immer führt Israel Krieg gegen das palästinensische Volk. Seit Wochen sterben auf beiden Seiten in den Autonomiegebieten Menschen, einerseits durch die Angriffe des israelischen Militärs, andererseits durch die Selbstmordattentate verzweifelter Palästinenser.
(…)
Ursache der Eskalation ist ein Rachefeldzug Ariel Scharons gegen die Bevölkerung Palästinas. Israelische Soldaten sind in bis dahin autonome Palästinenser-Gebiete einmarschiert und haben Zivilisten zu ihren Geiseln gemacht, Panzer haben Häuser niedergewalzt, Soldaten haben lebenswichtige Wasser- und Stromleitungen, Krankenhäuser, Schulen, Kirchen und Moscheen zerstört. Frauen und Kinder waren wieder einmal die Opfer des Krieges.
Der amerikanische “Krieg gegen den Terror” scheint die israelische Regierung zu ihrem rigorosen Vorgehen ermuntert zu haben. Sie glaubte wohl, im Windschatten der Supermacht ihre Ziele erreichen, sie im militärischen Handstreich durchsetzen zu können.
Später auch grundsätzliches:
(…) eine verantwortungslose Polit-Schickeria will die 1990 gerade erst neu erworbene politische Souveränität der Deutschen auf dem Altar der westeuropäischen Integration opfern. Unsere Währung, ein wesentliches Instrument politischer und wirtschaftlicher Steuerung, hat sie bereits im Interesse fremder Länder aufgegeben. Filz und Korruption beherrschen die politische Szene. Amerikanismus prägt den Kultur- und Medienbetrieb. Presse und Fernsehen marschieren im Gleichschritt der “political correctness”.
Die Wayback-Maschine kann aber noch mehr:
http://web.archive.org/web/20020509235057/http://www.pro-koeln-online.de/index.html
Die pro-Köln-Vertreter Manfred Rouhs und Markus Beisicht, die mit Le Pen persönlich bekannt sind
Am Wochenende 29./30. Juni 2002 wird auf dem Heumarkt im Herzen von Köln das SIGNAL Pressefest 2002 stattfinden, bei dem nonkonforme politische Redner und Musiker auftreten. Pro Köln begrüßt die vom Pressefest ausgehende Bereicherung des kulturellen Lebens der Domstadt.
Dort wird auf eine Website zum SIGNAL-Pressefest 2002 verlinkt, auf der Namen fallen wie zum Beispiel:
“Dr. Alfred Mechtersheimer” und “Harald Neubauer” sowie Bandnamen wie “Eskil“, “Nordwind” und “Von Thronstahl“.
1998:
“Peter Dehoust“, “Frank Rennicke“
1999:
“Generalleutnant a.D. Dr. Franz Uhle-Wettler“, “Franz Schönhuber“, “Frank Rennicke“, “Dr. Gert Sudholt“, “Jürgen Schützinger“,
Im Jahr 2000 fallen beim “Pressefest” von Manfred Rouhs weitere interessante Namen:
“Dr. Klaus Sojka“, “Peter Dehoust” und “Dr. Claus Nordbruch” (nachweislich auch bei der FPÖ nicht unbeliebt). Musikalisch konnte der Pro-Köln-Mitgründer ‘Szenegrößen’ wie “Frank Rennicke” und “Jens B.”(Sturmwehr) ‘präsentieren’.
2001:
“Friedrich Löffler“, “Alexander Jacob“(in D praktisch unbekannt), “Prof. Dr. Michael Nier“, “Frank Rennicke“, “Jens B.”(Sturmwehr), “Nordwind“
Weiteres:
Bis ende 2003 wurde das Internetforum von “Signal”(heute: “Nation24”) als Pro-Köln-Forum ausgegeben.
http://web.archive.org/web/20031004110035/http://forum.signal-online.de/discus/
Hier kann man(sofern die Wayback-Machine gerade funktioniert, oder die betreffende Seite archiviert ist) stöbern, und schauen, was das Herz der “nonkonformen politische Szene” in dieser Zeit begehrte.
Der aktuellste Link ist wohl folgender:
http://web.archive.org/web/20031204220513/http://forum.signal-online.de/discus/
Interessant oder eher amüsant ist zum Beispiel eine Nachricht an Manfred Rouhs:
Was Ihre Ausführungen im WDR-Film angeht,frage ich
an wo ich betreffende Single Seite für Nationale
Deutsche finden kann,da die Suchmaschinen von
Google und Yahoo für mich leider kein verwertbares
Ergebnis erbrachten.
Im voraus schon besten Dank!
Kameradschaftlichst
Viel Spaß beim weiterstöbern. Ein sehr erhellendes Forum, das viel über die Denkweisen der sich selbst als “rechtspopulisten” verharmlosenden “Bürgerbewegung Pro-NRW” preisgibt.
Ein paar kurze Auszüge aus der 16-Seitigen Leseprobe(PDF) zum Buch “Feindbild Moslem”, die sich in erster Linie mit Henryk M. Broder beschäftigt, hierbei auch sein Verhältnis zum rechtsextremen Blog “PI-News” beleuchtet. (Gefunden bei Heise)
Henryk M. Broder also hat vor einigen Jahren das Islam-
Keulen als neues Betätigungsfeld entdeckt. Es bekam ihm nicht schlecht.
Er verdient damit sicherlich nicht schlecht. Möglicherweise ging es ihm anfangs auch nur darum.
Das hat er weniger der Brillanz seiner Pamphlete zu verdanken als der Lautstärke, mit der er sie und sich vermarktet. Broder kommt mit recht wenig Material aus, um die drohende Islamisierung des Abendlandes zu belegen; und er hat sowenig Material, weil er zu bequem und vielleicht auch zu eitel ist, um sich ernsthaft mit dem Thema zu beschäftigen. Deshalb fällt er schon mal auf Fakes herein und verbreitet sie weiter – zum Beispiel die Ente von den Sparschweinen, die aus einigen britischen Banken verbannt worden seien, um muslimische Kunden nicht zu provozieren. Als man ihm nachgewiesen hatte, daß er mit einer Falschmeldung hausieren ging, pöbelte er los, die »islamophile Bloggerszene« sei vom gleichen Kaliber wie die »Scharen von Revisionisten«117, die das Tagebuch Anne Franks als Fälschung denunzieren, um so die Shoah zu leugnen. Dieser Vergleich war selbst für Broders Verhältnisse von überraschender Ekelhaftigkeit.
Nicht zu vergessen, dass er kürzlich ankündigte, sich für die Legalisierung der Holocaustleugnung einzusetzen, und und sich hierbei auch gegen die zukünftige Errichtung von Holocaustmahnmalen aussprach.
Er ist ein Fachmann für Krawall und damit auf jeden Fall unterhaltsamer als irgendein echter Experte mit Bedächtigkeit, guten Manieren und Interesse für andere Meinungen. Broder will nicht aufklären, sondern Horrorstorys in die Welt setzen:
Broder wird zitiert:
“Der Islam wächst in Österreich stetig(…). Nach derzeitigen Prognosen lösen die Muslime im Jahr 2010 die Protestanten als derzeit größte Religionsgemeinschaft nach dem Katholizismus ab.”
und seine mangelnde Fachkenntnis wird belegt:
In Österreich lebten 2006 etwa 400 000 Muslime, doch nur mehr 326 117 Protestanten
Auf Seite eins zurückgespult:
»Der Mann ist eine Faktenmaschine«, schwärmt PI-Leserin
»Makieken«
Die Leseprobe beschäftigt sich auch mit einem von Broders Lieblingsthemen – den Mohammedkarikaturen – und belegt, wie Broder übertreibt, Zahlen frisiert und pauschalisiert, den Islam mehr oder weniger als monolithischen Block darstellt, und den Islam als ganzen, und damit eben auch impliziert alle Moslems für die Taten einzelner oder einzelner Gruppierungen in Mithaftung nimmt.
Recht treffend wird daher schon vorangehend Broders allgemeines Wirken zum Thema Islam beschrieben:
Die Verwechslung von Ausnahme und Regel kehrt in Broders
antiislamischer Kampagne wieder. Denn der nachgeborene Kant versteht nicht nur vieles nicht, ihm fehlt meistens auch die Lust, sich um Verständnis zu bemühen
und der Auseinandersetzung mit den Übertreibungen bezüglich der Reaktion einiger auf die Mohammedkarikaturen folgend kommentiert:
Broder hat eine These, und weil er sie hat, hält er es für überflüssig, sie ordentlich zu belegen. Er phantasiert von »1,5 Milliarden Moslems in aller Welt, die chronisch zum Beleidigtsein und unvorhersehbaren Reaktionen neigen«, und wenn in Wirklichkeit kaum ein Muslim chronisch beleidigt ist, wenn Abermillionen tobender Irrer auf einige Hunderttausend zusammenschrumpfen, kümmert das Broder gar nicht. Denn was Wirklichkeit ist, entscheidet allein er.
Und noch treffender:
Seine Art, die Welt wahrzunehmen, ist der des islamistischen Mobs eng verwandt.
Jedoch wird Broder nicht undifferenziert als “das Böse” schlechthin dargestellt. Auch seine – wenn auch seltenen – differenzierten Beiträge werden hervorgehoben. Verwundert betrachtet man beispielsweise seine wohlwollende Haltung zum EU-Beitritt der Türkei – ebenso, wie man bei PI-News verwundert war:
Seine glühenden Verehrer bei Politically Incorrect stürzte Broders Plädoyer für den EU-Beitritt der Türkei in eine Verwirrung, die nur dann größer ausfiele, wenn ein Türke ihnen Immanuel Kant vorlesen würde. Die »Faktenmaschine« hatte plötzlich ausgedient, war ein Fall für den Schrotthaufen. Der Bild-Artikel, fand ein »Jack Black«, sei »Intellektuellengeschwätz. Wenn 10 Millionen Musel nach Deutschland kommen, kann Broder auf dem Schiff nach Amerika weiterdichten.« Der User läßt offen, ob er und seine Kameraden oder die »Musel« Broder deportieren werden. Zwar hatte der Autor sich in Bild nicht verdächtig gemacht, demnächst in die Kommunistische Plattform eintreten zu wollen, doch plötzlich erinnerten sich die PI-Nazis, aus welcher Ecke ihr gestürztes Idol stammt: »Er ist
bekennender Linker«, halluzinierte der User »Plebiszit«, »ein Internationalist und damit kein Deutscher, der sich um den Erhalt seiner Kultur und Heimat sorgt«. Also: ein Jud. Sie hatten es ja immer schon geahnt: »Broder ist auch nur ein Lohnschreiber«, greinte »Kim«; »[der] Mann ist aalglatt«, teilte »Taufbecken« mit. Und so räumten sie jeden Zweifel daran aus, daß PI-Gäste neben Hurra, wir kapitulieren! besonders gern die Werke von Joseph Goebbels durchblättern.
Zum rassistischen Blog “PI-News” gibt es im Buch wohl ein eigenes Kapitel…
Diese 16 Seiten über Brodaganda sind jedenfalls schon sehr lesenswert, und für Menschen, die eine Auseinandersetzung über den Islamismus zwar befürworten, aber im unter dem Deckmantel der “Islamkritik” grassierenden Mainstream-Rassismus ein brandgefährliches gesellschaftliches Problem sehen, sehr empfehlenswert. Für die anderen ebenfalls. Daher sollte auch die Frohe Botschaft über diese Leseprobe verbreitet werden.