Integration

Fundstück, das ich niemandem Vorenthalten möchte:

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Integration bedeutet doch, dass zwei unterschiedliche Teile sich durch Anpassung angleichen und zu einer gemeinsamen Schnittmenge verschmelzen, oder?

Eigentlich nicht. Erste Versuche zur Integration hatten wir mit den Behinderten unternommen, denen per Quote und Förderung der Einstieg ins Berufsleben, mit Rampen und Blindenampeln der Zugang zum und die Bewegung im öffentlichen Raum ermöglicht werden sollte.

Auch Frauen sollten per Quote und Beauftragte ins Berufsleben integriert werden, bekamen gar ihre eigenen Parkplätze (wie die Rollifahrer).

Für eine Gemeinsamkeit ist da nicht viel bei rum gekommen, auch mit mehr Präsenz bleiben Behinderte immer noch Exoten, die man am liebsten im Abseits, möglichst nicht am Nachbartisch in Restaurant und Hotel haben möchte, und Frauen verdienen weiterhin deutlich weniger, werden weiterhin tagein und -aus mit tumben Sexismus konfrontiert.

Von ‚Integration'(tm) reden wir immer dort, wo uns Dominanzen ganz gut passen, eigentlich zwar keine Aufnahmebereitschaft besteht, aber ein bißchen guter Wille an den Tag gelegt werden soll, damit wir leichter über das Gejammer aus dem Abseits hinwegkommen Cool

Von ‚Integration'(tm) reden wir immer dann, wenn wir das Gegenstück – nämlich die Emanzipation – vermeiden wollen, in der die per Dominanz Ausgegrenzten nicht lieb, artig und geduldig bittebittebitte sagen, sondern dreist und selbstbewußt auf ihre Rechte und ihre Geltung pochen.

Wir sind eine Gesellschaft, die gerne von Integration redet … und sich jetzt schon fürchtet, dass rein demografisch-demokratisch ja demnächst die Rentner dominant würden … wenn wir uns jetzt nicht schnell was einfallen lassen Lachen

Also ‚integrieren‘ wir sie schnell in die Politik und spenden (oh unter welchem Protest!) ein Extraprozent Rente, bevor sich da eine Rentnerpartei auf die Hufe stellt, die sich um Parlamentshürden wenig sorgen müsste. So kommt’s auch weit besser rüber, wenn wir einen ‚Generationswechsel‘ in der Politk fordern, denn so bleibt es klar, dass jeder, der ein gewißes Alter erreicht hat, nicht mehr mitzureden hat, da es immer nur eine Generation ist, die was zu sagen haben darf.

Wir sind eine Gesellschaft, die gerne von Integration redet … und eigentlich nur aus der Generation besteht, die genau weiß, wie die Jugend an sie heranzuziehen ist, die genau weiß, wieviel den Alten so gerade noch zusteht … auch an Supermarktskassenzeit.

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Welcher Teil dabei jetzt die Grundlage bildet an den sich der andere Teil orientieren kann…. wer sind wir schon das zu entscheiden?

Es ist entschieden, indem Dominanzen gesetzt sind. Und die müssen nicht einmal vom dominierenden Teil gesetzt sein, es reicht vollends, wenn der die billigt, weil er meint, dass er sich am ehesten mit ihnen arrangieren, sich so einen Vorteil verschaffen kann.

Auch Hitlerdeutschland hatte nur recht wenig echte Faschisten und Menschenverachter, aber eine breite Mehrheit, die sich da nun in den Vorteil rücken sah, die drauf hoffen konnten, in der Zurücksetzung anderer selbst bevorzugt zu werden.

Jetzt sind wir in einer hoffnungslosen Zeit, jetzt muss also gezeigt werden, dass andere zu Unrecht bevorzugt werden. Ob jetzt in Österreich verkündet wird, dass man mit Kopftuch umgehend eine Riesenwohnung bekommt .. oder ob vor 30 Jahren dem Kollegen mit dem appen Bein gesagt wurde, dass er sich ja keine Sorgen um seinen Job machen muss, weil ihm als Krüppel ja keiner ans Leder kann … es macht keinen Unterschied, man will sich einfach als wen besseren sehen, der drum besseres verdient hat.

Die Integrationsfrage ist mir drum reichlich schnuppe, denn ich komme gerade aus Bochum. Da wurden nicht Migranten integriert, sondern da stand man zusammen, jung und alt, alle Ratsparteien, Gewerkschaften und Kirchen, Schulen und Verbände, Deutsche x-ter, 2. und 1. Generation nebst Deutschen ohne Pass … und war sich einig und darin stark "WIR SIND BOCHUM".

Keine Dominanzen, sondern vielfarbiges und vielfältiges Selbstbewußtsein derer, die je so stolz auf sich sein können und wollen, dass ihnen der Respekt vorm anderen keinen Zacken aus der Krone bricht, sondern Echo findet. Ein Klima, in dem der Rollifahrer dann nach’ner Stunde zu seinem Nachbarn scherzen kann »Schon *****, wenn man auf zwei Beinen stehen muss«, weil die Blicke auf den Rolli langsam aber sicher immer neidischer werden, je länger die Reden werden Lachen

Von Integration war da keine Rede, sondern davon, was wir für die Ausbildung unserer Jugend tun, was wir für die Kultur und das Miteinander in unserer Stadt machen, was wir gegen unsere Nazis machen, von denen’s auch in der Türkei mehr als genug hat.

Migration und ‚Integration’sfragen sind eine enorme Chance für diese sich immer weiter zerklüfftende Gesellschaft, denn gegen die Dämlichkeit ihrer Widersacher und gegen ihr dumpfes Streben nach nationalistischer Dominanz wächst in dieser Gesellschaft wieder etwas zusammen, entsteht Solidarität und ein Sozialbewußtsein, mit dem dann wie in Köln eine Stadt urplötzlich geschlossen dasteht, von linken Antikapitalisten über Taxifahrer bis zur Einzelhandelskammer.

Da kommt eine Gemeinschaft hervor, mit der wir unsere Porbleme gemeinschaftlich und auf vielfältigste Art und Weise in Angriff nehmen können. Und da stehen die Migranten und Migrierten nicht als Bittsteller und Almosenempfänger da, sondern als Partner, auf deren Beitrag zu verzichten schlicht blöd wäre.

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