Piratenwelt: Die Zukunft der Piratenpartei

Anlässlich des Interviews der Piratenpartei mit der rechtsaußen-Postille “Junge Freiheit” ist in Teilen der Piratenpartei eine teils heftige Diskussion über den Umgang mit anderen politischen Strömungen entbrannt. Ein Beitrag zur Diskussion fiel hierbei ganz besonders aus:

Piratenwelt

Hier ist Tom Hurry vom ZDF. Wir befinden uns hier im Foyer des Congress Center Berlin, gerade geht der Parteitag 2021 der Piratenpartei zu Ende. Nach ihrem sensationellen Wahlerfolg setzen hier die Piraten die Segel für die Koalitionsverhandlungen mit der immer noch größten Partei, der Bürgerbewegung "Mensch im Markt", in der ja vor nunmehr vier Jahren CDU, FDP und Teile der SPD aufgegangen sind. Wird es den Piraten und der Bürgerbewegung gelingen, den 77jährigen Oskar Lafontaine und seine erstarkte Linkspartei von der Macht fernzuhalten?

Gerade eben hören wir die letzten Takte der Parteihymne "Fünfzehn Mann auf des toten Manns Kiste" aus der großen Halle herüberwehen, gesungen aus rauen Piratenkehlen.

Aus ganz Deutschland sind sie hier zusammengeströmt, Laptops aus allen Bundesländern und Netzwerken, wuchtige XXL-Kaliber stöpseln sich an elegante Notebooks in den Trendfarben, ernst wirkende Programmierer-Tools stehen Seit an Seit mit zierlichen Palms. Alle aber vereint ein Gedanke: die gemeinsame Piraterie. Wir gehen vorbei an den Nebenhallen der zahlreichen Parteigliederungen, die in den letzten Jahren ihren Startup erlebt haben. Da ist die LAN-Party zahlreicher Clans der Parteijugend. Wir sehen die Totenkopffahnen des Clans "Fear and Honour" neben den gebeamten John-Drake-Porträts des Clans "God – Guts – Guns". Die reizenden Girls vom Clan "Depp’s Darlings" haben ihr "Treasure Island" aufgebaut, eine Bar mit fantasievollen Drinks, die sie den hart arbeitenden Bildschirm-Piraten an den PCs servieren. Die Party geht in den dritten Tag. Nimmermüde übt sich hier der Parteinachwuchs und erlernt sein anspruchsvolles politisches Handwerk.

Aber auch im nächsten Raum herrscht Betriebsamkeit an den PCs. Der Seniorenclan "Holzbein" hackt, surft, zockt und gamet. Blitzende Augen unter dem Silberhaar, heisere Aufschreie vor den Bildschirmen lassen die Leidenschaft und das Engagement dieser älteren Piraten erkennen, die genau wie der Nachwuchs sich der aufstrebenden Sache der Freibeuterei verschrieben haben.

Gerade zieht ein Trupp der "Pirate-Moms" vorbei, junge Piratenmütter mit ihren Allerkleinsten von der Babygruppe "Bloody Young". Als Frauen sind die Moms immer noch eine kleine Minderheit unter den Tausenden von Männern hier im Center. Aber man spürt die Begeisterung in den Gesichtern der Piraten-Nesthäkchen, die in ihren Kinderwagen vor den Notebooks abgestellt werden und ihre ersten Web-Erfahrungen machen. Keck tragen schon die Kleinen ihre Augenklappe, während sie mit dem unbedeckten Auge wissbegierig in die neue Welt blinzeln. Wenn man die winzigen Babyhändchen sieht, die munter auf die Tastatur patschen, versteht man die großen Zukunftshoffnungen der jungen Piratenpartei.

Doch nun haben wir uns endlich zu Kevin Blass durchgefunden, dem trotz seiner immerhin schon 28 Jahre jugendlich wirkenden Chef der Piratenpartei, der soeben mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt worden ist.

Herr Blass, gestatten Sie einige Fragen. Ihr Parteivize Sydney Castorp hat der umstrittenen Zeitschrift „Der rechte Stürmer“ ein Interview gegeben. Wie sehen Sie das?
Zunächst mal ahoj. Syd kann ich da nichts vorwerfen. Auch ich hab die Zeitschrift nicht gekannt, ich hielt sie für ein Sportmagazin oder so etwas. Man muss ja nicht jede Zeitschrift kennen. Offline-Medien sind eh von gestern.

Wie sieht die Piratenpartei die dramatische Wirtschaftslage? Hat der Kapitalismus noch eine Zukunft?
Nur online, sozusagen. Schauen Sie sich das überzeugende Standing des webgestützten Trading an in den letzten zehn Jahren. Wir Piraten schauen nicht auf die alten Industrien, das sind Bugs. Wir Piraten fördern das Leben, Arbeiten und Chillen im Web. Nur schnelles Saugen hilft. Und zwar jedem. Das ist unsere Definition von Bürgerrecht. Hier muss massiv investiert werde, alle staatlichen Beschränkungen müssen fallen.

Wie sehen Sie das Problem der sozialen Kluft? Die Linkspartei beklagt, dass immer mehr Menschen unter der Armutsgrenze leben.
Auch hier ist unsere Antwort eindeutig: Im Hartz-4-Regelsatz muss full supply mit PCs und sonstigem Equipment drin sein, mit allen Features und bitte aktuell, das sind wir diesen Leuten schuldig, keine Frage. Ansonsten sind solche sozialen Fragen nicht so unser Thema. An ideologischen Debatten haben wir kein Interesse. Bei uns zählt der gesunde Menschenverstand. Und sonst nichts.

Auch die Bildung war ja ein Thema im Wahlkampf. Was ist für Sie in den Koalitionsverhandlungen wichtig?
Wir Piraten stellen uns dieser Challenge. Der ganze Diskurs über Schulformen ist allerdings für die Fische. Die Unterrichtsmethoden müssen entrümpelt werden, Altes muss über Bord. Wir brauchen einen vernünftigen Mix. Viel mehr Medienerziehung, daneben Lernen am PC und v. a. Online-Lernen zuhause. Hier muss klar Schiff gemacht und eine volle Breitseite gegeben werden. Die Einsparungen bei den Lehrern finanzieren dann die technische Aufrüstung. Und noch eins, in aller Bescheidenheit: Wenn überhaupt noch so ein Fach wie Geschichte, dann muss der Schwerpunkt auf unterdrückten Freiheitsbewegungen in der Karibik und am Horn von Afrika liegen.

Ah, verstehe. Eine letzte Frage: Mehrere NATO-Staaten haben ihre Truppen aus Afghanistan abgezogen. Die USA und Deutschland kämpfen weiter. Die Linkspartei bezeichnet den Krieg als völkerrechtswidrig und sinnlos und weist auf die steigenden Opferzahlen unter Soldaten und Zivilisten hin. Wie positioniert sich hier die Piratenpartei?
Hier sind wir kompromisslos, hier wackeln wir nicht. Wir fordern klipp und klar für alle deutschen Soldaten am Hindukusch schnellen Internetaccess, und zwar zu Lande, zu Wasser und in der Luft! Auch in Schützenpanzern und Kampfhubschraubern! Über den Einsatz als solchen haben wir uns noch keine abschließende Meinung gebildet. Wir sind ja eine junge Bewegung.

Herr Blass, vielen Dank für dieses Gespräch. Und damit geben wir zurück ins Funkhaus.

Humorvoll wie bezeichnend zugleich, warnt er schließlich vor einem inhaltlichen Stillstand in der Piratenpartei.

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