16 Seiten über Henryk M. Broder und PI-News – und warum man ihm keinen Glauben schenken sollte

Ein paar kurze Auszüge aus der 16-Seitigen Leseprobe(PDF) zum Buch “Feindbild Moslem”, die sich in erster Linie mit Henryk M. Broder beschäftigt, hierbei auch sein Verhältnis zum rechtsextremen Blog “PI-News” beleuchtet. (Gefunden bei Heise)

Henryk M. Broder also hat vor einigen Jahren das Islam-
Keulen als neues Betätigungsfeld entdeckt. Es bekam ihm nicht schlecht.

Er verdient damit sicherlich nicht schlecht. Möglicherweise ging es ihm anfangs auch nur darum.

Das hat er weniger der Brillanz seiner Pamphlete zu verdanken als der Lautstärke, mit der er sie und sich vermarktet. Broder kommt mit recht wenig Material aus, um die drohende Islamisierung des Abendlandes zu belegen; und er hat sowenig Material, weil er zu bequem und vielleicht auch zu eitel ist, um sich ernsthaft mit dem Thema zu beschäftigen. Deshalb fällt er schon mal auf Fakes herein und verbreitet sie weiter – zum Beispiel die Ente von den Sparschweinen, die aus einigen britischen Banken verbannt worden seien, um muslimische Kunden nicht zu provozieren. Als man ihm nachgewiesen hatte, daß er mit einer Falschmeldung hausieren ging, pöbelte er los, die »islamophile Bloggerszene« sei vom gleichen Kaliber wie die »Scharen von Revisionisten«117, die das Tagebuch Anne Franks als Fälschung denunzieren, um so die Shoah zu leugnen. Dieser Vergleich war selbst für Broders Verhältnisse von überraschender Ekelhaftigkeit.

Nicht zu vergessen, dass er kürzlich ankündigte, sich für die Legalisierung der Holocaustleugnung einzusetzen, und und sich hierbei auch gegen die zukünftige Errichtung von Holocaustmahnmalen aussprach.

Er ist ein Fachmann für Krawall und damit auf jeden Fall unterhaltsamer als irgendein echter Experte mit Bedächtigkeit, guten Manieren und Interesse für andere Meinungen. Broder will nicht aufklären, sondern Horrorstorys in die Welt setzen:

Broder wird zitiert:

“Der Islam wächst in Österreich stetig(…). Nach derzeitigen Prognosen lösen die Muslime im Jahr 2010 die Protestanten als derzeit größte Religionsgemeinschaft nach dem Katholizismus ab.”

und seine mangelnde Fachkenntnis wird belegt:

In Österreich lebten 2006 etwa 400 000 Muslime, doch nur mehr 326 117 Protestanten

Auf Seite eins zurückgespult:

»Der Mann ist eine Faktenmaschine«, schwärmt PI-Leserin
»Makieken«

Die Leseprobe beschäftigt sich auch mit einem von Broders Lieblingsthemen – den Mohammedkarikaturen – und belegt, wie Broder übertreibt, Zahlen frisiert und pauschalisiert, den Islam mehr oder weniger als monolithischen Block darstellt, und den Islam als ganzen, und damit eben auch impliziert alle Moslems für die Taten einzelner oder einzelner Gruppierungen in Mithaftung nimmt.

Recht treffend wird daher schon vorangehend Broders allgemeines Wirken zum Thema Islam beschrieben:

Die Verwechslung von Ausnahme und Regel kehrt in Broders
antiislamischer Kampagne wieder. Denn der nachgeborene Kant versteht nicht nur vieles nicht, ihm fehlt meistens auch die Lust, sich um Verständnis zu bemühen

und der Auseinandersetzung mit den Übertreibungen bezüglich der Reaktion einiger auf die Mohammedkarikaturen folgend kommentiert:

Broder hat eine These, und weil er sie hat, hält er es für überflüssig, sie ordentlich zu belegen. Er phantasiert von »1,5 Milliarden Moslems in aller Welt, die chronisch zum Beleidigtsein und unvorhersehbaren Reaktionen neigen«, und wenn in Wirklichkeit kaum ein Muslim chronisch beleidigt ist, wenn Abermillionen tobender Irrer auf einige Hunderttausend zusammenschrumpfen, kümmert das Broder gar nicht. Denn was Wirklichkeit ist, entscheidet allein er.

Und noch treffender:

Seine Art, die Welt wahrzunehmen, ist der des islamistischen Mobs eng verwandt.

Jedoch wird Broder nicht undifferenziert als “das Böse” schlechthin dargestellt. Auch seine – wenn auch seltenen – differenzierten Beiträge werden hervorgehoben. Verwundert betrachtet man beispielsweise seine wohlwollende Haltung zum EU-Beitritt der Türkei – ebenso, wie man bei PI-News verwundert war:

Seine glühenden Verehrer bei Politically Incorrect stürzte Broders Plädoyer für den EU-Beitritt der Türkei in eine Verwirrung, die nur dann größer ausfiele, wenn ein Türke ihnen Immanuel Kant vorlesen würde. Die »Faktenmaschine« hatte plötzlich ausgedient, war ein Fall für den Schrotthaufen. Der Bild-Artikel, fand ein »Jack Black«, sei »Intellektuellengeschwätz. Wenn 10 Millionen Musel nach Deutschland kommen, kann Broder auf dem Schiff nach Amerika weiterdichten.« Der User läßt offen, ob er und seine Kameraden oder die »Musel« Broder deportieren werden. Zwar hatte der Autor sich in Bild nicht verdächtig gemacht, demnächst in die Kommunistische Plattform eintreten zu wollen, doch plötzlich erinnerten sich die PI-Nazis, aus welcher Ecke ihr gestürztes Idol stammt: »Er ist
bekennender Linker«, halluzinierte der User »Plebiszit«, »ein Internationalist und damit kein Deutscher, der sich um den Erhalt seiner Kultur und Heimat sorgt«. Also: ein Jud. Sie hatten es ja immer schon geahnt: »Broder ist auch nur ein Lohnschreiber«, greinte »Kim«; »[der] Mann ist aalglatt«, teilte »Taufbecken« mit. Und so räumten sie jeden Zweifel daran aus, daß PI-Gäste neben Hurra, wir kapitulieren! besonders gern die Werke von Joseph Goebbels durchblättern.

Zum rassistischen Blog “PI-News” gibt es im Buch wohl ein eigenes Kapitel…

Diese 16 Seiten über Brodaganda sind jedenfalls schon sehr lesenswert, und für Menschen, die eine Auseinandersetzung über den Islamismus zwar befürworten, aber im unter dem Deckmantel der “Islamkritik” grassierenden Mainstream-Rassismus ein brandgefährliches gesellschaftliches Problem sehen, sehr empfehlenswert. Für die anderen ebenfalls. Daher sollte auch die Frohe Botschaft über diese Leseprobe verbreitet werden. 🙂

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5 responses to “16 Seiten über Henryk M. Broder und PI-News – und warum man ihm keinen Glauben schenken sollte

  • Broder-Watch

    „Broder wird zitiert:

    “Der Islam wächst in Österreich stetig(…). Nach derzeitigen Prognosen lösen die Muslime im Jahr 2010 die Protestanten als derzeit größte Religionsgemeinschaft nach dem Katholizismus ab.”

    und seine mangelnde Fachkenntnis wird belegt:

    In Österreich lebten 2006 etwa 400 000 Muslime, doch nur mehr 326 117 Protestanten

    Broders Aussage: „Der Islam wächst in Österreich stetig“ stimmt also. Man kann Broder nur vorwerfen, dass er die Dynamik dieser Entwicklung unterschätzt hat. Was er für 2010 prophezeit ist schon 4 Jahre früher eingetreten. Das zahlenmäßige Wachstum der Muslime ist offenbar rasanter als selbst Broder es sich vorstellen konnte.

    Vielleicht hat Broder aber auch aus folgendem Focus-Artikel zitiert:

    „Einer Studie zufolge ist die Zahl der Moslems in den letzten 35 Jahren stark angestiegen.

    Nach den derzeitigen Prognosen werden die Moslems die Protestanten – in Österreich eine Minderheit von knapp vier Prozent – im Jahr 2010 überholt haben, heißt es nach österreichischen Medienberichten von Dienstag in der Untersuchung der Österreichischen Gesellschaft für Völkerverständigung.

    Während die Zahl der evangelischen Christen von 1971 bis 2006 um etwa 120 000 Mitglieder auf etwa 326 000 Menschen zurückgegangen sei, habe sich die Zahl der Moslems im Alpenland im selben Zeitraum fast verfünfzehnfacht.
    Nach manchen Schätzungen lag die Zahl der Moslems in Österreich bereits 2006 bei 400 000 Gläubigen und übertraf damit die Zahl der evangelischen Christen. (…)“

    Quelle: http://www.focus.de/politik/ausland/oesterreich_aid_229075.html

    Broders Aussagen stammen also offensichtlich aus der Studie der Österreichischen Gesellschaft für Völkerverständigung. Es gibt also keinen Grund ihm hier mangelnde Fachkenntnis vorzuwerfen.

    Der Focus-Bericht belegt die Richtigkeit von Broders Kernaussage: „Der Islam wächst stetig.“ Wobei Broder sehr zurückhaltend ist in seiner Formulierung. Angesichts der „Verfünfzehnfachung“ innerhalb der letzten 35 Jahre könte man durchaus sagen: Der Islam wächst nicht nur stetig – er wächst rasant!

  • Broder-Watch

    Sorry wg. dem Doppelpost – ein Blockquote-Tag war nicht geschlossen. Hoffe jetzt passt alles…

    „Broder wird zitiert:

    “Der Islam wächst in Österreich stetig(…). Nach derzeitigen Prognosen lösen die Muslime im Jahr 2010 die Protestanten als derzeit größte Religionsgemeinschaft nach dem Katholizismus ab.”

    und seine mangelnde Fachkenntnis wird belegt:

    In Österreich lebten 2006 etwa 400 000 Muslime, doch nur mehr 326 117 Protestanten

    Broders Aussage: „Der Islam wächst in Österreich stetig“ stimmt also. Man kann Broder nur vorwerfen, dass er die Dynamik dieser Entwicklung unterschätzt hat. Was er für 2010 prophezeit ist schon 4 Jahre früher eingetreten. Das zahlenmäßige Wachstum der Muslime ist offenbar rasanter als selbst Broder es sich vorstellen konnte.

    Vielleicht hat Broder aber auch aus folgendem Focus-Artikel zitiert:

    „Einer Studie zufolge ist die Zahl der Moslems in den letzten 35 Jahren stark angestiegen.

    Nach den derzeitigen Prognosen werden die Moslems die Protestanten – in Österreich eine Minderheit von knapp vier Prozent – im Jahr 2010 überholt haben, heißt es nach österreichischen Medienberichten von Dienstag in der Untersuchung der Österreichischen Gesellschaft für Völkerverständigung.

    Während die Zahl der evangelischen Christen von 1971 bis 2006 um etwa 120 000 Mitglieder auf etwa 326 000 Menschen zurückgegangen sei, habe sich die Zahl der Moslems im Alpenland im selben Zeitraum fast verfünfzehnfacht.
    Nach manchen Schätzungen lag die Zahl der Moslems in Österreich bereits 2006 bei 400 000 Gläubigen und übertraf damit die Zahl der evangelischen Christen. (…)“

    Quelle: http://www.focus.de/politik/ausland/oesterreich_aid_229075.html

    Broders Aussagen stammen also offensichtlich aus der Studie der Österreichischen Gesellschaft für Völkerverständigung. Es gibt also keinen Grund ihm hier mangelnde Fachkenntnis vorzuwerfen.

    Der Focus-Bericht belegt die Richtigkeit von Broders Kernaussage: „Der Islam wächst stetig.“ Wobei Broder sehr zurückhaltend ist in seiner Formulierung. Angesichts der „Verfünfzehnfachung“ innerhalb der letzten 35 Jahre könte man durchaus sagen: Der Islam wächst nicht nur stetig – er wächst rasant!

    • NDM

      Broder nahm folgende Pressemeldung, die zur Christlichen Missionierung aufrief, und duplizierte den Catcher, wobei ich bezweifle, dass er damals mehr gelesen hatte, als nur den Catcher:
      http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/348342/index.do

      Er betätigte sich mit dieser Aussage einzig als Multiplikator. Selbst eingeschätzt oder überprüft hatte er hierbei überhaupt nichts. Und daher muss er sich mangelnde Fachkenntnisse vorwerfen lassen, wenn er sich meinungsbildend äußert. Wissenschaftlichkeit kann man ihm jedenfalls nicht nachsagen. Im Prinzip kann man hierbei sogar seine Arbeitsweise erahnen: Meldungen herauskramen, die gerade sein Weltbild bestätigen – ob richtig oder falsch – und den Rest einfach ignorieren.

      „verfünfzehnfacht“ in 35 Jahren(1-2 Generationen) klingt ja schön schaurig. Fast wie ein Geburten-Jihad. Als läge die Fertilität bei 7-15 Kindern pro Frau.

      Diese Verfünfzehnfachung rührt in erster Linie von vergangener Arbeitsmigration her. Ein „stetiges Wachstum“ des Islam aus sich selbst heraus ist damit nicht belegt.

      Zudem wächst (besser: wuchs) nicht der Islam, sondern zuerst einmal die Zahl der Moslems. Wie viele davon ihr Leben konservativ ausrichten, wie viele davon eher folkloristisch auf den Islam blicken, und wie viele den Koran nur vom Hörensagen kennen, ist nicht bekannt.

  • Oscar Mercator

    Auf dem Blog „von den einzigwahren Freunden Israels“ finden Sie ein paar Hinweise, wie Broder tickt.

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