Pseudofeminismus

Ein interessanter Beitrag zur Islamophobiedebatte aus feministischer Sicht kommt von Ursula Müller und steht in der taz(hatte ich schon hier erwähnt).

Es geht um Minarette, Kopftücher, Die Entwicklung der Frauenrechte in Islamischen Ländern, mit dem Koran argumentierende Frauenrechtlerinnen in Deutschland, nicht existente diesbezügliche Außenpolitik, Obama, Taliban, Gastarbeiter.

Man kann diesen Kommentar als Rundumschlag gegen die selbsternannten “Frauenrechtler” der Islamfeindlichen Szene verstehen, sowie als Appell, beim Einstehen für die Frauenrechte auch religiös geprägte Frauen einzubeziehen.

Der Kern des Kommentars findet sich in einem sehr prägnanten Schlüsselsatz, der Frauenrechtlerinnen und Frauenrechtlern eine Frage ans Gewissen stellt:

Können Frauen etwa nur dann auf Unterstützung zählen, wenn sie sich vom Islam abwenden und "unseren" Lebensstil annehmen?

Abschließend werden in zwei Absätzen konkrete Forderungen gestellt:

(…) Wichtig ist es, dort einzugreifen, wo Unrecht geschieht: LehrerInnen, die im Unterricht Inhalte verbreiten, die nicht verfassungskonform sind, sind zu suspendieren oder zu verklagen, ob sie nun ein Kopftuch tragen oder nicht. Hassprediger sind zu verurteilen, egal auf welche Religion sie sich berufen. Und Mörder sind hart zu bestrafen, ganz unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund.

Ebenso muss Frauen, die von Gewalt und Verfolgung bedroht sind, Hilfe angeboten werden. Da sollte es stutzig machen, wenn Parteien, die sich für das Verbot muslimischer Symbole stark machen, auch Gelder für Beratungsstellen für Migrantinnen streichen wollen. Indem sie solche Parteien unterstützen, entlarven sich die PseudofeministInnen selbst. Es braucht aber engagierte FeministInnen, die solche Widersprüche aufzeigen und sich von scheinbar frauenfreundlichen Forderungen keinen Sand in die Augen streuen lassen.

So ist es. Es geht letztendlich darum, denjenigen Frauen, die Hilfe benötigen, zu helfen. Wenn man aber wissen möchte, welche Frauen welche konkrete Hilfe benötigen, dann muss man sie auch dahingehend befragen, wo ihnen der Schuh wirklich drückt. Am besten befragt man hierbei Frauen entsprechender Prägung, die sich zwecks Behandlung dieses Themenkomplexes zusammengeschlossen haben. Ein besonders hervorzuhebendes Beispiel ist das von der Islamischen Theologin Hamideh Mohagheghi mitbegründete Frauennetzwerk Huda(hatte ich ebenfalls bereits  hier erwähnt), das schon im Onlineangebot einige sehr interessante Texte zu Frauenrechts-Themen(auf den Islam bezogen), aber auch andere auf den Islam bezogene sozialkritische Texte, sowie die Telefonnummer eines Sorgentelefons für Islamische Frauen(am Ende der Seite) liefert.

Hier Links zu einigen Texten:

Die Stellung der Frau im Islam
Mahnwache “Muslime gegen Terror”
Stellungnahme zum Thema Genitalverstümmelung
Situation von Frauen in Afghanistan

Zwei Textübersichten:

Texte aus der Huda
Frauen klagen an

Die Wirkung des Eurozentristischen, mitunter sogar islamophoben “Feminismus” hingegen entfaltet sich weniger darin, dass Frauen zu den Rechten verholfen wird die sie nach ihrer eigenen Auffassung noch nicht haben, sondern vielmehr darin, dass Frauen (und Männern) repressive Verbote und Vorschriften erteilt werden, die keine Verbesserung ihrer Situation zur Folge haben, sondern sogar ein subjektives Gefühl der Unterdrückung bewirken. Ein generelles Minarettverbot stärkt Frauenrechte ebensowenig wie ein Kopftuchverbot patriarchale Unterdrückung oder häusliche Gewalt verhindert. Verbote von äußeren Erscheinungsformen einer Religion oder einer Kultur gehen in der Regel völlig am Kernanliegen vorbei.

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