Ein Brandbrief

Autor:

Dr. Stefan Jakob Wimmer, habilitierter Kulturwissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Autor zahlreicher Publikationen, ist zugleich als Lehrbeauftragter an der Katholisch-Theologischen Fakultät tätig und im interreligiösen Dialog engagiert. Seine Internetseite: http://www.stefan-jakob-wimmer.de/index.html

Teaser:

Der Verfassungschutzbericht Bayern kennt bisher neben Rechtsextremismus und Linksextremismus noch die Scientology-Organisation sowie „extremistische und sicherheitsgefährdende Bestrebungen von Ausländern“. Er sollte dringend um eine Kategorie „extremistische Bestrebungen gegen Minderheiten“ erweitert werden. Denn speziell Islam-feindliche Hetze nimmt inzwischen Formen und Ausmaße an, vor denen uns allen Angst werden muss. Mechanismen greifen um sich, die an die finstersten Zeiten von Ausgrenzung anderer Religionen erinnern. Im Dunstkreis von solchen Organisationen wird agitiert, und das sogar an wechselnden Staatssekretären und Ministern vorbei, äußerst wirkungsvoll direkt aus bayerischen Ministerien heraus. Damit haben ehrliche Bemühungen um gelingende Integration keine Chance mehr. Die logische Konsequenz: das Ende der Integration. Geben wir auf!

Hier entlang zum weiterlesen.

“Extremistische Bestrebungen gegen Minderheiten” – das halte ich sogar für eine sehr vernünftige Kategorie. Ich würde sogar das “Extremistische” herausstreichen, denn Bestrebungen gegen Minderheiten sind in jedem Falle gegen den Geist der Verfassung gerichtet.

Advertisements

7 responses to “Ein Brandbrief

  • Heiko C.

    Meinst du da nur ethnische Minderheiten? Und wenn nicht, was ist mit Minderheiten die in sich gegen die Verfassung streben?
    Alleine die Definition von „Minderheit“ finde ich da echt schwierig…
    Ist ein Club aus überzeugten Serienmördern schon eine Minderheit, wenn er groß genug ist?
    Und was ist, wenn die eine Minderheit Bestrebungen gegen die andere hegt und umgekehrt?

    Ich glaube ich würde eher jegliche Gruppierung, Ideologie oder wasauchimmer im Auge behalten wollen, die sich gegen Rechtsstaat und Verfassung wendet. Denn die Minderheiten stehen ja ´durch letztere sowieso im Prinzip unter Schutz.

    • NDM

      Ich ging hier von Minderheiten aus, die von diversen nationalen und internationalen Antidiskriminierungsgesetzen geschützt werden (sollten). Die könnten ja theoretisch auch Rechtstaatlich ausgehebelt werden. Wenn ich bedenke, dass sich z.B. Pro-NRW zwar auf legalistische Art, aber eben doch tendenziell gegen Art3(3)GG und Art4GG richtet, sollten sie aus diesem Grunde im Auge behalten werden. Momentan werden diese Strömungen AFAIK lediglich aufgrund von Kontakten ins Neonazistische Milieu beobachtet.

  • Marti

    Gemeint sind natürlich Muslime, wenn hier „Minderheiten“ gesagt wird.

    Meist glaubt man auch gleich „den Islam“ von jeglicher Kritik ausschließen zu müssen, weil er ja eine „Religion“ sei, und nach dem herrschenden links-liberalen Zeitgeist sind alle Religionen sowieso gleich, weil Gott gibt es ja eh nicht, also egal, welcher Hokuspokus da verkauft wird.

    […] Der orthodoxe Islam ist nach eigenem Selbstverständmis eine alle Lebensbreiche unfassende Weltanschaung, „din wa daula“, Ritualordnung und Staat.

    Schon Mohammed war nicht nur Religionsgründer, sonder auch Staatsgründer und Staatsmann, Gesetzgeber, Richter und Kriegherr, Sklavenjäger und Sklavenhalter.

    Orthodoxer Islam ist, wenn der eigene Anspruch umgesetzt wird, ein Totalitarismus, wie Nationalsozialismus und Kommunismus.

    Diesen dritten Totalitarimus abzuwehren, das ist die Herausforderung von heute.

    Das ganze Gewimmere von Minderheiten, Rassimus, Islamophobie und so weiter, ist nichts andres, als der Versuch jegliche Kritik an den neuen Totalitarismus zu delegitimieren.

    Necla Kelek hat in der taz dazu Grundlegendens gesagt:

    http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/der-menschliche-makel/

    Wenn Wimmer eine Muslimin geheiratet hat, muss er eigentlich selbst Muslim sein, sonst haben beide da ein riesiges Problem in jedem muslimnischen Land und zumehmend auch in Europa.

    Aber wahrscheinlich ist Wimmer längst übergetreten, aber das sagt er besser nicht, sonst käme das ganze ja nicht so selbstlos rüber.

    • NDM

      Zum „herrschenden links-liberalen Zeitgeist“ geht es hier entlang: http://florianroepke.wordpress.com/?s=Ich+habe+%C3%BCbrigens+den+linken+Zeitgeist+gefunden!

      Übrigens ist es in der Praxis kein Problem, interkonfessionell zu heiraten. Auch dann nicht, wenn die Frau dem Islamischen Glauben angehört. Probleme gibt es erst dann, wenn Konservatismus oder Dogmatismus ins Spiel kommt. Und ja, beides kann totalitär werden.

      Wo steht denn, dass Wimmer mit einer Muslima verheiratet ist?

      • Agent K

        „Wo steht denn, dass Wimmer mit einer Muslima verheiratet ist?“

        Da: http://www.stefan-jakob-wimmer.de/Galerie.html
        Zwar ist die Religion nicht explizit erwähnt, aber der Ort und der Name lassen es naheliegend erscheinen, dass seine Frau Muslima ist.

        Grundsätzlich: Wenn seine Frau als Muslima praktizierend ist, dann muss Wimmer ein Konvertit sein, denn dann müssten sie vor einem Imam heiraten. Kein Imam der Welt würde eine Muslima mit einem „Kuffar“ verheiraten, selbst wenn sich der Imam noch so liberal gibt.

        Einfacher ist es übrigens andersrum, ein muslimischer Mann darf nach koranischem Rechtsverständnis jede Frau heiraten, egal welchen Glaubens… eine Bewertung dessen erspare ich mir an dieser Stelle.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s