EKD: “Wer ‘Christenland in Christenhand’ fordert, handelt unchristlich”

Ein paar Zitate aus einem Interview bei Welt-Online mit dem EKD-Ratsvorsitzenden.

WELT ONLINE: Herr Ratsvorsitzender, je nach Umfrage sind 60 bis 90 Prozent der Deutschen besorgt über den hiesigen Islam. Laut Gruppen wie "Pro NRW" wird aber jeder, der diese Sorge artikuliert, als islamophob diffamiert. Stimmt das?

Nikolaus Schneider: Überhaupt nicht. Es ist festzustellen, dass in der Öffentlichkeit häufig kritisch über Muslime gesprochen wird.

(…)

WELT ONLINE: Islamkritiker sagen, der Islam sei eine Ideologie, die sich nicht reformieren lasse.

Schneider: Das ist reine Polemik. Keine Religion ist statisch, weder Islam noch Christentum. Im Alten Testament wurde die Steinigung von Ehebrechern angeordnet oder die Todesstrafe, wenn jemand sein Feld falsch bewirtschaftete. Und? Wer nimmt das heute noch wörtlich? Gottes Wort hat ewigen Anspruch, aber es ist immer auch zeitgebunden und interpretationsbedürftig.

(…)

WELT ONLINE: Das verlangt Wachsamkeit. Wo schlägt die in einen Generalverdacht um?

Schneider: Ganz sicher bei dem Motto der Radikalen. Wer „Christenland in Christenhand“ fordert, handelt unchristlich, auch wenn in der Parole zweimal „Christen“ auftaucht. Denn dieser Slogan soll doch wohl in erster Linie heißen: Moslems raus. Solch eine Forderung kann kein Mensch, der sich dem christlichen Menschenbild verpflichtet weiß, akzeptieren. Abgesehen davon, dass es auch zu schlicht gedacht ist. Europa ist jüdisch-christlich geprägt. Aber nicht nur: Die heidnische Antike und der mittelalterliche Islam haben uns ebenfalls beeinflusst – denken Sie nur an Philosophie, Naturwissenschaften und Mathematik!

WELT ONLINE: Ist radikal, wer auch Europas christliche Identität bewahren will?

Schneider: Nein, das halte ich für legitim. Aber die Vertreibung von Muslimen wäre ein massiver Verstoß gegen diese christliche Prägung. Wir Christen glauben: Diese Welt ist Gottes Welt, und damit ist Europa auch Gottes Kontinent. Hier haben alle seine Kinder Platz. Und Muslime sind Gottes Kinder.

Es ist schon bemerkenswert, dass die christlichen Strömungen so besonnen und sachlich auf die Vereinnahmungsversuche der völkischen Nationalisten reagieren, und sich dem öffentlich entgegenstellen. Das verdient Respekt.


2 responses to “EKD: “Wer ‘Christenland in Christenhand’ fordert, handelt unchristlich”

  • petersemenczuk

    Herr Schneider,
    Sie liegen im Irrtum mit Ihrer Bemerkung
    „dass diese Welt ist Gottes Welt“ und
    machen Christus und alle seine Jünger zu Lügner.

    Ich weiß zwar nicht wer Sie zu einem Christen gemacht hat aber Christus sicherlich nicht sondern ein anmaßender und selbstberufener Oberhaupt Ihrer Kirche.
    WER ist der GOTT dieser Welt?
    Und nun zu Ihren „Gott, Geist und Fürsten dieser Welt“: Jesus Christus,
    1.“Jetzt geht das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden“;welcher ist Satan und Teufel genannt.Johannes 12, 31
    Jesus Christus,
    2.Um das Gericht,dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist“. Johannes 16, 11

    Apostel Paulus,
    3.“Bei welchen der >Gott dieser Welt“alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit“<
    Und sprach zu ihm:Das alles will ich dir geben,
    so du niederfällst und mich anbetest". Matthäus 4,

    Wenn Sie Herr Schneider den Teufel, als Gott ihrer Welt nennen, dann glauben und leben Sie ihm auch.
    Sie gleichen den von Christus erwähnte "geistigen Blindenleiter.
    "Und wenn ein Blinder den anderen leitet,so fallen sie beide in die Grube" sagte auch Christus.
    Matthäus 15, 14
    Ich danke heute noch meinem erfahrbaren Schöpfer- Gott und seinem Christus, dass ER mich von 48 Jahren in Hildesheim von solchen Blindenleiter befreit hat.

    • NDM

      Wow. Irgendwie erinnern mich Ihre Worte an Salafiten: „Alles Häretiker, außer wir!“ – Im Christlichen Sprachgebrauch nennt man derartiges AFAIK „Schisma“. Derartiges „Wir haben die Wahrheit gepachtet“ stört mich an den Salafiten gleichermaßen, wie an der Strömung der sogenannten „Wiedergeborenen“, denn es heißt nichts anderes, als: „Durch nichts als durch *uns* ist die Wahrheit!“

      Aus Agnostischer Sicht lässt sich hier nur eines entgegnen:
      „Die Wahrheit™ ist die Erfindung eines Lügners.“

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