Interview mit Wolfgang Benz

Im Gespräch mit Claudia Mende warnt Professor Dr. Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, vor den Folgen der Islamophobie und Ausgrenzung von Minderheiten in Deutschland.

Das Interview auf Quantara ist im ganzen interessant, hier aber drei Auszüge.

Zur Gemeinsamkeit zwischen Islamfeindlichkeit und Antisemitismus:

(…) die Mechanismen von Ausgrenzung und Diskriminierung sind sich nicht nur ähnlich, sie haben auch den gleichen Grund: Die Mehrheitsgesellschaft braucht fremde Minderheiten, denen man Schuld zuschreiben kann und an die sie Bedrohungsängste, Überfremdungs- und Überwältigungsfantasien delegiert. Das stärkt den Zusammenhalt der Mehrheitsgesellschaft und verhilft ihr zu übersichtlichen Erklärungen und Definitionen, wie es in der Welt zugeht.

Zur Versachlichung der Feuilletondebatte über den Islam:

Von einem Umdenken kann noch keine Rede sein. Erfreulicherweise geben jetzt einige große seriöse Blätter wie die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung der Vernunft eine Stimme. Das ist ein Lichtblick aber kein Durchbruch. Diese Debatte ist noch lange nicht ausgestanden. Sie bietet einfach zu viel Reizstoff. Ich fürchte, bei der nächsten großen Verfehlung mit einem Muslim als Täter, zum Beispiel einem so genannten Ehrenmord, werden wir wieder einen Rückschlag erleben.

Die Abgrenzung zwischen Kritik und Ressentiment:

Islamfeindschaft, die sich selbst Islamkritik nennt und von manchen als Islamophobie bezeichnet wird, ist immer dann im Spiel, wenn keine Argumente mehr stattfinden, sondern nur noch gehasst wird. Was sich in manchen Blogs abspielt, hat nichts mehr mit Argumenten zu tun sondern mit Diskriminierung. Negative Eigenschaften werden Muslimen ein für alle Mal zugewiesen, das ist Ausgrenzung, keine Debatte.

Hier nochmal der Link zum Interview.

Grundsätzlich kann man wohl sagen, dass Wolfgang Benz genau das tut, was manche Islamkritiker noch vermissen lassen: Er blendet die Abgründe der “Islamkritik” nicht aus.

Islamkritiker, die etwas auf sich halten, sind meines Erachtens nach dazu angehalten, sich wenigstens zu ihren “Fans” sowie den in “ihren” Kommentarspalten getätigten Äußerungen deutlich zu verhalten.

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4 responses to “Interview mit Wolfgang Benz

  • Agent K

    Mit Wolfgang Benz wäre ich etwas vorsichtig, seit bekannt gemacht wurde, dass er sich in keiner Weise von seinem Doktorvater Karl Bosl distanziert hat, einem Professor, der bereits 1933 in die NSDAP eingetreten ist und noch im Frühjahr 1945 an einer Tagung im Geburtshaus Hitlers teilgenommen hat. Im Nachkriegsdeutschland schweigt sich Bosl über die Nazizeit aus und behauptet von sich, diese Zeit in aller Stille verbracht zu haben. Mitnichten.
    Und Herr Benz als Leiter des Antisemitismuszentrums distanziert sich nicht von einem damals anscheinend überzeugten Nazi? Das halte ich für sehr fragwürdig und diskrediert meines Erachtens seine ganze Arbeit im Dienste der Antisemitismusforschung.

    • NDM

      Es stimmt wohl, dass Vorwürfe im Raum stehen. Diese beziehen sich allerdings mit keiner Silbe auf den Kern der Arbeit, sondern auf das Verhältnis zwischen zwei Personen, wobei der *Versuch* unternommen wird, den eigentlichen Arbeitsansatz zu personifizieren und zu delegitimieren. Ein sehr gefährliches Vorhaben.

      Das ginge aber auch umgekehrt:
      http://clemensheniswunderwaffe.wordpress.com/
      (Heini ist mir eh nicht ganz geheuer. Mich dünkt, er hortet eine „Wahrheit“, die schwerer wiegt, als die Wissenschaft.)

      Interessanterweise werden die Vorwürfe exakt von denen am Kochen gehalten, die schon so abgehoben sind, dass sie den Gegenstand, die „Kritik“ an lokaler Anwesenheit des Islam – und zwar in Europa(der Rest der Welt ist zweitrangig, wenn nicht gar unwichtig) – und die damit verbundene „Moslemfrage“(O-Ton NPD) nicht zur Kenntnis nehmen können oder möchten, und das obwohl hierin auch die Gefahr der Renaissance offen geäußerten Antisemitismus lauert. Teils findet sogar eine Identifikation mit solcher rechtsradikaler/reaktionärer Moslemfeindlichkeit statt. Wird vor rassistischen Strömungen wie z.B. „PI“ gewarnt, fühlen sie sich selbst angeklagt, ohne gemeint zu sein. Ob damit eine Sympathie zu dieser eliminatorischen „Islamkritik“ ausgedrückt ist, kann ich momentan nicht belegen. Der Frage jedoch, in wieweit sich in deren Schwerpunkt Anknüpfungspunkte für die extreme/neue Rechte finden, verschließen sie sich jedoch(aus Scham?). Die mittlerweile herausragende Rolle der indifferenten Islam/Moslemfeindlichkeit für den Rechtsextremismus und die Anknüpfungsfähigkeit eines derart gespinten Diskurses im konservativen Milieu marginalisieren sie, oder leugnen sie teils sogar völlig.

      Ordentliche Schritte in diesem Bezug machen hingegen einige linksradikale „Antideutsche“ Gruppen und einige humanistische Zusammenchlüsse, die dieses Problem(drohende „Querfront“ einer neuen Art) erkannt haben. Sie beginnen langsam, ihre Kritiken auf eine Weise zu formulieren, dass sie nicht oder nur mit starken Verrenkungen von Deutschtümlern und Abendlandtümlern adaptiert werden können.

  • Dichtung und Wahrheit bei Blogs, Twitter & Co « Kruppzeuch

    […] – “Sind Muslime die Juden von heute?” “Mir schlägt ein unglaublicher Hass entgegen” Interview mit Wolfgang Benz Kleiner Lesetipp: Feindbild […]

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