Moderner Antisemitismus

Kopie der Videobeschreibung:

Der Journalist und Polemiker Henryk Broder bezeichnet auf einer Anhörung des Bundestages 2008 den Antizionismus als eine neue Form des Antisemitismus. Man kann ja von Broder halten was man will, aber in einem Punkt hat er Recht:
Wer zum Nahostkonflikt Vorschläge macht, die im Endeffekt auf die Eliminierung Israels hinauslaufen, wer ständig die Rechte der Palästinenser hervorhebt, andererseits aber die Israelis wegen einer angeblich agressiven Politik verurteilt, obwohl doch gerade Israel immer Vorleistungen erbringt, die Palästineser aber trotzdem auf die Auflösung/Vernichtung dieses Staates hinarbeiten, der ist nicht neutral, sondern will im Grunde genommen nur die Zerstörung des demokratischen Staates Israel und damit der dort lebenden Juden!
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Die Tatsache, dass kein westeuropäischer Staat im Stande war, die Verteidigung der Grundrechte des jüdischen Volkes zu gewährleisten und es vor der Gewalt der faschistischen Mörder zu beschützen, macht den Wunsch der Juden begreiflich, einen eigenen Staat zu gründen. Es wäre ungerecht, diesen Grund nicht mit in Erwägung zu ziehen und das Recht des jüdischen Volkes auf die Verwirklichung seines Wunsches zu leugnen.
Andrejewitsch Gromyko (1948 Vertreter der UdSSR im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen)
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Die gescheiterte politische Emanzipation der Jüdinnen und Juden in den europäischen Nationalstaaten und insbesondere der Holocaust haben das Projekt der Gründung eines jüdischen Nationalstaats zwingend erforderlich gemacht. Erforderlich in dem Sinne, dass die bürgerlichen Nationalstaatsentwicklungen unter Beweis gestellt hatten, dass die Zionisten mit ihrer Skepsis Recht hatten. Nach tausenden Jahren Ausgrenzung, Pogromen und dann der nationalsozialistischen Barbarei, das heißt der Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden, den Überlebenden des Holocaust zu empfehlen, nun doch auf die Emanzipation in anderen Nationalstaaten zu setzen, wäre wohl deutlich zu viel verlangt gewesen. Und so stellte sich das jüdische Nationalstaatsprojekt als alternativlos dar.
Daraus resultiert auch die stabile Verantwortung für Israel. Alle modernen Nationen haben irgendwo einen antisemitischen Schandfleck in ihrer Geschichte. Aber der von den Deutschen durchgeführte Holocaust ist singulär. Die Grundannahme des Zionismus, wenn die Jüdinnen und Juden eine Staatsmacht haben wollen, die sie auch wirklich schützen soll, dann nur in ihrem eigenen Staat, ist nach dieser historischen Entwicklung kaum noch ernsthaft bestreitbar.
Gregor Gysi Die Linke
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Israel ist der Jude unter den Staaten.
Léon Poliakov (französischer Historiker)
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16 responses to “Moderner Antisemitismus

  • Dennis

    obwohl doch gerade Israel immer Vorleistungen erbringt

    Sind mit Vorleistungen zum Frieden die völkerrechtswidrigen Bombardements des Gaza-Streifens oder der fortgeschreitende Siedlungsbau in den besetzten Gebieten gemeint? Oder der Abriß von Gebäuden und damit das vertreiben der palästinensischen Bewohner in Jerusalem?

    die Palästineser aber trotzdem auf die Auflösung/Vernichtung dieses Staates hinarbeiten

    Ah! „Die Palästinenser“ wollen ALLE Israel vernichten. Na dann sind die Feindbilder ja klar sortiert. Dann verstehe ich das auch mit den Vorleistungen erbringen. Erst wenn alle Palästinenser vernichtet sind, gibts Frieden. Ja, so kann man’s auch sehen.

    Das genau ist das schwarz/weiß Denken, dass einen Frieden auf lange Sicht unmöglich macht. Und im übrigen jegliche weitere Diskussion. Man zieht sich gerne auf die einfache Formel zurück: Jeder, der Israel kritisiert, ist gleich auch für die „Vernichtung des Judenstaates“ und damit ein Antisemit.

    • NDM

      Mit den Vorleistungen war in diesem Zusammenhang gemeint, dass man die Siedlungen in Gaza geräumt hat. Die Reaktionen sind ja bekannt. Danach ging der Raketenbeschuss auf Israel los.

      „Die Palästinenser“ stammt nicht von mir, sondern aus der Videobeschreibung, trifft aber korrekt die Position der Hamas, in Teilen auch die Fatah. An anderer Stelle hatte ich ja bereits beschrieben, dass die Palästinenser mit der Hamas wenig anfangen können. Mit der Fatah etwas mehr.

  • fareus

    Also NDM selten so etwas dummes bei dir gelesen.
    Du steckst wirklich voller Vorurteile.

  • Tweets that mention Moderner Antisemitismus « Kruppzeuch -- Topsy.com

    […] This post was mentioned on Twitter by Homo piraticus, NDM. NDM said: Moderner #Antisemitismus « Kruppzeuch http://bit.ly/bo8HaL #Broder #hatterrecht […]

  • Seatroll

    An den meisten Lesern dürfte dieser jämmerliche Versuch, die rücksichtslose und gewaltsame Annexion großer Regionen im nahen Osten zu rechtfertigen, wirkungslos abprallen.

    Wir sind „Generation 2.0“ nach dem zweiten Weltkrieg, wir akzeptieren eine gewisse historische Schuld – sind deswegen aber keineswegs gewillt, die barbarischen Methoden des israelischen Regimes unkommentiert oder tatenlos hinzunehmen.

    Es bedarf dringend einer Lösung in diesem Konflikt – oder der Streichung des milliardenschweren US-amerikanischen Rüstungsetats für Israel. Den Etat komplett zu streichen wäre meiner Meinung nach die beste Lösung. Ohne Nachschub an Kriegsgerät wäre die isrealische Wehrmacht vermutlich sehr schnell friedlich, verhandlungs- und kompromissbereit.

  • Dennis

    Hallo NDM,

    mir war schon klar, dass der Text den Videobeitrag beschreibt und nicht direkt von Dir ist, auch wenn ich durchaus glaube, dass Du dem Text nicht abgeneigt bist, sonst stünde er hier wohl nicht so ausführlich.

    Dr. Christian Böhme, Chefredakteur der „Jüdischen Allgemeinen“ hat es auf den Punkt gebracht:

    die Gleichung Judentum = Israel geht nicht auf. Wir leben hier in Deutschland, sind Deutsche, keine Zweistaatler. Das fällt vielen schwer zu verstehen oder gar zu akzeptieren.

    Link zur Quelle: http://www.juedische-allgemeine.de/blogs/ber/2010/06/#post_113

    Da hat er recht. Es gibt leider genügend Leute die nicht unterscheiden können. Das ist aber sicherlich ein Phanömen auf allen Seiten.

    Es gibt auch auf der, nenne ich es mal „Pro-Israel Seite“, welche, die bewußt nicht unterscheiden wollen und in jeglicher Kritik an Israel offenen oder zumindest verkappten Antisemitismus, also Judenhass, vermuten. Gleichsam kommt es diesen Leuten dann auch sehr zu pass, nicht unterscheiden zu wollen. Das verhindert eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Thematik im Keim.

    • NDM

      Den ersten Absatz hatte ich beim Einstellen gar nicht komplett gelesen. Die anderen waren wichtig. Daher nochmal präziser: „Die Palästinenser“ ist nichts, was ich so schreiben oder denken würde. Aber ich ändere es auch jetzt nicht mehr, weil du es schon thematisiert hast. Krass, dass ich derartiges auf meinem Blog schreiben muss. Hast du schon einmal andere Einträge von mir gelesen? 🙂

      Natürlich hat Böhme dabei recht. Genau das ist aber auch der Punkt. Für Antisemiten, die sich speziell an Israel aufhängen, ist dieser Unterschied eben *nicht* relevant. Ganz besonders grotesk zeigt sich dies in dem Link zu Facebook, den ich bereits gezeigt hatte. Perfider ist da eben die Intelligenzia, die das ganze etwas hübscher verpackt, aber in die selbe Richtung stößt.

      Der große Knackpunkt: Antisemiten geht es bezüglich Israel nicht darum, bestimmte Ereignisse abwägend(ob wohlwollend oder nicht) zu beurteilen und daraus objektive Schlüsse zu ziehen. Es ist perfider und manchen von ihnen selbst nicht bewusst. Sie nehmen Ereignisse als *Anlass*, grundsätzlich gegen Israel vom Leder ziehen zu können, an der Substanz zu nagen, und einmal zu sagen, wie bösartig Israel doch ist. Hier zieht sich eine klare Linie zum Antisemitismus.

      Dass es Knallköpfe auf Antideutscher oder Israelisch-rechter Seite gibt, weiß ich. Denen bin ich fremd.

    • NDM

      Achja. Und in erster Linie ging es mir um den Inhalt des Videos.

  • Lyli

    Viele jetzt ach so tief betroffenen Israelbasher würden glaubhafter erscheinen, wenn sie in der Heftigkeit bei anderen Konfliktherden auf die Aggressoren reagieren würden.

    Wenn in Iran Protestler erschossen und gefangengenommen/vergewaltigt werden, ist von gleicher Stelle nichts zu hören. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall, man solle nicht übertreiben, die Berichterstattung sei einseitig usw.
    Den widerwärtigsten Tyrannen biedert man sich an, bloß weil jene angeblich „antiimperialistisch“ sind, was auch nichts anderes heißt als antiamerikanisch und antiisraelisch.

    Jeder ist beim Thema Israel ein Experte und hat dennoch keine Ahnung was es heißt, im Nahen Osten Politik zu machen.
    Dazu als winziger Staat, dem ein Großteil seiner Nachbarvölker und Islamisten in aller Welt Vernichtung wünschen.
    Vll einfach mal etwas mehr Zurückhaltung, Reflektion ?

    • Dennis

      Wenn in Iran Protestler erschossen und gefangengenommen/vergewaltigt werden, ist von gleicher Stelle nichts zu hören. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall, man solle nicht übertreiben, die Berichterstattung sei einseitig usw.

      Oh, das habe ich ganz anders in Erinnerung. Auf Twitter gabs damals schon die „grüne Welle“ und die Leute solidarisierten sich mit der Protestbewegung en Masse. Ich erinnere an die ganzen Neda-Sites die eröffnet wurden, z.B. auch auf Facebook. Also was die Onlinecommunity angeht, war dar sogar gefühlt mehr los als bei dem Flotillenangriff. Und die Exiliraner sind En-Masse auf die Straße gegangen. Hat ja nunmal eben keine internationalen Protestler im Iran erwischt, sonst wär wahrscheinlich auch mehr los gewesen.

      • Lyli

        Na, die grüne Welle ist jedenfalls nicht zu denen geschwappt, die sich so leidenschaftlich über den Judenstaat mokieren.
        Dass LINKE „Friedens“aktivisten in den Golf schippern werden wir niemals erleben, bleiben wir realistisch.

        Stattdessen wird bei den Genossen wohl wieder heiß diskutiert, wie die neusten antiisraelischen Vernichtungswünsche des Herrn Achmachmirdendschihad in Istanbul „friedlich“ interpretiert werden können.

        Wobei, „Frieden“ in Aktivistensprech heißt ja ohnehin Anti-Usrael. Warum also interpretieren ?

  • Seatroll

    Den „Niedlichkeits-Bonus“ hat Israel längst aufgebraucht. Israel ist einer von zu vielen gewaltbereiten Aggressoren auf diesem Planeten. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Krisengebieten aber, kann Israels Verhalten nicht durch kulturelle und/oder entwicklungstechnische Rückständigkeit begründet oder gar „entschuldigt“ werden.

    Israel erhielt 2009 ca. 2,5+ Milliarden allein an „Auslandshilfe“ (aka „Entwicklungshilfe“) aus den US of A – zuzüglich der 12+ Millarden schweren „Rüstungshilfe“. Wir wollen jetzt nicht ernsthaft darüber streiten, wieviele friedvolle Massnahmen man mit einem solchen Etat [oder auch nur der Hälfte davon, damit die armen Israelis ihre Sturmgewehre und Panzer behalten können] realisieren könnte, oder? Immerhin leben ja in Israel selbst an die 25% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze – von den umliegenden Gebieten gar nicht erst zu sprechen.

    Davon ab würden viele der israelischen Wasserträger glaubhafter wirken, wenn sie zunächst vor der eigenen – bzw. der israelischen – Haustür kehren würden, anstatt selbstgefällig immer erst auf den Dreck anderswo zu zeigen.

    Die naive Unterstellung, „Israelbasher“ würden die Berichterstattung aus anderen Krisengebieten herunterspielen, ist schlicht armselig und verallgemeinernd.

    • NDM

      Die Antisemiten von PI, die sich einerseits vor Martin Hohmann stellen, aber andererseits dann(nur dann!) Antisemitismus kritisieren, wenn sich dies gegen Moslems oder Türken ausschlachten lässt, können mich mal kreuzweise. Das weißt du. Die heucheln sich einen ins Fäustchen. Deutschtümelei kommt ohne Antisemitismus nicht aus.

  • fareus

    University of Waterloo:

    Eine vermutlich jüdische Studentin diffamiert Dr. Norman Finkelstein nach seinem Vortrag zur Lage der Palästinenser, wegen angeblicher Beleidigung von Juden und Deutschen.
    Dr. Norman Finkelstein ist jedoch selber Jude, seine Eltern waren in Konzentrationslagern und das Warschauer Ghetto erlebt. Seine meisten Verwandten wurden von den Nazis umgebracht und seine Lehre die er daraus zieht, ist dass kein Volk der Welt diese leiden erneut erfahren soll, weshalb er vehement/leidenschaftlich auf die existenzielle Bedrohung der Palästinenser aufmerksam macht.

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