Zum Jahrestag am Mord an Marwa S.

Gedenktafel - Klick für größeres Bild

Etwa 250 Dresdner haben am Donnerstagabend an die vor einem Jahr ermordete Marwa El-Sherbini erinnert. Justizminister Jürgen Martens (FDP) sagte, der Mord an der Ägypterin sei ein Anschlag auf die gesamte Gesellschaft gewesen. Es sei beschämend, dass solch eine Tat in Dresden passiert sei.

(…)

Nach den Worten von Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) sucht die Stadt ein Jahr nach dem Mord einen gemeinsamen Weg, damit der 1. Juli nicht in Vergessenheit gerät. In Dresden habe sich nach der Tat noch lange nicht genug verändert. Nach wie vor gebe es Rassismus. "Die Stadt braucht die Menschen aus aller Welt", betonte Orosz. Nach ihren Worten wird die Universität Bielefeld nun untersuchen, wie verbreitet der Rechtsextremismus in der Landeshauptstadt ist.

(Quelle)

Weiße Rosen als Zeichen der Anteilnahme

Mazyek betonte, nötig sei dabei auch ein klares Signal der Bundesregierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe zwar nach dem Mord kondoliert. Allerdings sei bislang nicht deutlich geworden, dass die Sorgen der Muslime wirklich ernst genommen würden. „Bis heute warten die 4,3 Millionen Muslime in Deutschland auf eine solche Geste.“

An der bewegenden Zeremonie im Landgericht hatten am Vormittag ebenfalls rund 200 Menschen teilgenommen, darunter zahlreiche Bedienstete der Justiz. Im Andenken an das Opfer legten viele von ihnen weiße Rosen vor der Tafel ab, die in deutscher und arabischer Schrift an das Geschehen in einem Gerichtssaal in dem Gebäude erinnert. „Wir ehren unsere ägyptische Mitbürgerin Marwa El-Sherbini“, heißt es darauf unter anderem. „Sie wurde Opfer von Islamfeindlichkeit und Fremdenhass. Sie ist dem mit Würde und vorbildlicher Zivilcourage entgegengetreten.“

(Quelle)

Die FAZ beschreibt in einem sehr ausführlichen Artikel, welchen Einfluss dieses Ereignis in der Folge auf die Stadt ausgeübt hat.

Vorher:

„Wer was gegen rechts tut, kann nur links sein, das war hier bis vor einem Jahr das gängige Vorurteil“, sagt Demuth. Sichtbar wurde das jahrelang am 13. Februar, wenn anlässlich der Zerstörung der Stadt Rechtsextreme aus ganz Europa aufmarschierten, ein überparteiliches Bündnis stets zur Gegendemo aufrief, CDU und FDP jedoch die „stille Trauer“ propagierten und sich öffentlich von allen anderen Aktionen distanzierten. Während in Städten wie Jena, Leipzig oder Köln die Oberbürgermeister in der ersten Reihe gegen Neonazi-Aufmärsche protestierten, duckten sich Stadt- und Landesregierung in Dresden lieber weg. In der Folge blieben immer mehr Dresdner, die sonst zu Tausenden öffentlich der Opfer gedacht hatten, zu Hause.

Nachher:

In diesem Jahr war das erstmals anders. Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) hatte sich überraschend an die Spitze der Protestbewegung gesetzt, zu der von ihr initiierten symbolischen Menschenkette in der Innenstadt kamen 15.000 Menschen, mehr als doppelt so viele wie erwartet. Die erfolgreiche Blockade des Neonazi-Aufmarschs außerhalb des Zentrums war freilich mindestens ebenso vielen unangemeldeten Demonstranten zu verdanken. Aber seit langem bestimmte mal kein parteipolitisches Gezänk den Gedenktag. Nicht wenige sehen das als ein Indiz dafür, wie die Ermordung Marwa al Scharbinis die Stadt verändert hat.

Zumindest ein Anfang.

Die Zeit und der Tagesspiegel titeln mit “Lehrstück in Rassismus” und schreiben:

Auch Wolfgang Donsbach, Professor für Kommunikationswissenschaft an Dresdens Technischer Universität, sieht die politische Aufgabe, die man anpacken kann und muss, unter den besseren Leuten, nicht bei den Underdogs wie al-Scherbinys Mörder Alex W., einem frustrierten arbeitslosen Russlanddeutschen, der inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. „Das größere Problem sind die, die vielleicht nicht gewalttätig sind, die aber schweigen oder stillschweigend billigen. Man muss an die Leute ran, die überhaupt erreichbar sind.“

(Hervorhebung von mir)

Und ein Kommentar dazu bei der Zeit:

Von "Gästen" und was man in Dresden sagen darf…

Einige, hoffentlich wenige, Dresdner und Ostdeutesche (oder doch bloß Rechtsradikale, die sich hier feige und in Anonymität als solche ausgeben??) haben angsichts dieser nötigen Erinnerung an die entsetzliche Tatsache des bis zum Mord getriebenen Rassismus nichts besseres zu tun, als schamlos diejenigen zu diffamieren, die dem Rassismus dort mit ihrem Namen entgegentreten. Die selbstgerechte Aufregung ist schädlich und künstlich: Jedes Kind weiß, dass Rassismus und rassistische Gewalt keine Spezialität des Ostens ist. Ebenso weiß jedes Kind, dass es im Moment der sichtbaren Gewalt an jedem Ort entscheidend ist, dass sich die lokale Öffentlichkeit breit, sichtbar und unmitsverständlich hinter die Opfer stellt. Wer nicht möchte, dass seine Stadt in den Geruch von Rassismus und Rechtsradikalismus gerät, hat alle Möglichkeit, das zu verhindern. In kleineren Städten als Dresdens gingen tausende aus harmloseren Anlässen auf die Straße. Das "Zeichen" der Bürgermeisterin war in diesem Fall fatal – und das war auch vorher abzusehen.
Im Übrigen ist die Sprache einiger Kommentare aus dieser Ecke verräterisch: Wer nicht aus Dreden kommte, sei "Gast" – ja dann wäre wohl auch Ostdeutschland nur "Gast" in der BRD? Wegen solcher Unverschämtheiten – auch wenn sie Minderheitsmeinung ist – wird Ostdeutschland immer unbeliebter bei Toruisten, Investoren, Wissenschaftlern Meine Bewunderung und guten Wünsche denen, die egal von woher mit Namen und Gesicht dem entgegentreten!

Mehr dazu:
Gedenktafel für Marwa El Sherbini
Die “Jüdische Allgemeine” über den Islamhass
PI-NEWS sieht im Mörder von Marwa S. einen Marinus van der Lubbe
18 Stiche
Mord an Ägypterin in Dresden – Teherans Radikale drehen durch
NPD-Wähler ermordet schwangere Ägypterin mit 18 Messerstichen – warum?


17 responses to “Zum Jahrestag am Mord an Marwa S.

  • Limited

    Traurig, diese Geschichte.

    Man kann nur hoffen, dass sich derartiges nicht noch einmal zuträgt.

    Schaue ich mir die tiefer werdenden Gräben an und die Suche nach Sündenböcke, die von einigen betrieben wird, dann ist allerdings absehbar, dass es weitere Opfer von pi-news und entsprechenden Giftmülldeponien geben wird.

  • hokoerner

    Eine sehr selektive Auswahl der „Zeit“-Kommentare, wenn ausgerechnet die dümmsten Unterstellungen als Meinung der Leser ausgegeben werden (oder stammte der Kommentar von Ihnen?)

    Über die Fakten und die Instrumentalisierung des Mordes durch pseudolinke West-Importe können Sie sich hier informieren:

    Auf solche Seiten wird hier nicht verlinkt. NDM

  • Jack Jones

    Der Zensor geht um ? Naja, mit Freiheit im Generellen hat es die Linke noch nie so gehabt.

  • Jack Jones

    Nein nein, du bist ganz klar libertär, das merkt man🙂

  • Jack Jones

    Ich meinte ja auch nur dass dein Hang zur Zensur eine kritische Grundhaltung zur Freiheit durchscheinen lässt, was v.a. bei der Linken vorzufinden ist. Das war demnach Ironie.

    • NDM

      „Hang zur Zensur“ – aha. Habe ich schon von vielen Seiten gehört. Stört immer nur dann, wenn man selbst betroffen ist.

      Schau mal in konservative Blogs. Da wird in der Regel vorzensiert. Oder rechte Blogs wie PI und Altermedia. Viel Spaß. Auf dem einen wird vorzensiert, auf dem anderen wird alles gelöscht, was als „links“ wahrgenommen wird.

      Die Freiheit nehm ich mir, persönliche Anfeindungen und Links auf dubiose Autoren zu löschen. Ich denke auch darüber nach, Diskussionsregeln zu erstellen. Bis dahin übe ich freiheitliche Willkür.

  • Jack Jones

    Persönliche Anfeindungen war gut, echt.
    Bei linken Blogs fällt mir auf, dass die Lizenz zur Diffamierung vorhanden ist, allerdings nur vonseiten der Linken. Wer als Gegner linker Ideologie ausgemacht wurde, darf weitgehend hemmungslos unhöflich diffamiert werden.
    Bei „Gegnern“ ist die Sensibilität seitens Moderation ungleich höher. Bestes Beispiel dafür ist der „Politblogger“ mit seinen auffällig willkürlichen „Verwarnungen“.

    Btw, mein Lieblingsblog, achgut.de, lässt gar keine Kommentierung zu. Geht auch.

    • Limited

      Dann heul doch, […]😉

      Ich kann dieses ständige Beleidigtsein a la Jack Jones, diese andauernde Opferrolle, dieses manisch Fordernde und die sich im Besitz der alleinigen Wahrheit wissende Attitüde kaum ernst nehmen.

      [*hüstel*; NDM]

  • Limited

    @ NDM

    Danke im übrigen für den Hinweis auf die Traurigkeit des Tages.

    Eine gute Analyse. Der strukturkonservative Impetus insbesondere einiger der ostdeutschen Gruppierungen der Partei „Die LINKE“ ist etwas, was unter anderem für mich diese Partei für unwählbar erscheinen läßt.

    Der These, dass der Zwang zum „Kollektiv“, die fraglose Unterordnung und die Herrschaft von Betriebsführer und Partei etwas ist, was sich durchaus vom 3.ten Reich in die DDR hinübergerettet hat und dort sozialisierend gewirkt hat, ist durchaus schlüssig.

    Wer sich in diesem Bereich für Forschungen im Bereich des historischen Instiutionalismus interessiert, dem kann ich zum Einstieg ein kleines Studentenwerk empfehlen:

    http://www.student-online.net/Publikationen/692/AGG.pdf
    😉

    • NDM

      der Zwang zum „Kollektiv“, die fraglose Unterordnung und die Herrschaft von Betriebsführer und Partei

      Vielleicht kann man in diesem Zusammenhang auch anders betrachten, weshalb sich in solchen Regionen Arbeitslosigkeit fatal auswirken kann. Denn wo es an „sinnstiftender“ Kollektivzugehörigkeit (in Form einer Betriebszugehörigkeit) fehlt, ist es ein leichtes, diese Lücke nationalkollektivistisch (inklusive Führung) zu füllen. Genau damit hatten die West-Nazis direkt nach der Wende begonnen. Im Grunde wären diese Regionen aber auch ein immenses Betätigungsfeld für religiöse Missionare. Bei ca. 80% Konfessionslosigkeit dürfte der Bodycount recht hoch ausfallen. In der Breite führte sich aber wohl ein Ost-Kollektivismus fort, was sich ja auch in einem Versuch zeigte, die Existenz einer Ossidiskriminierung gerichtlich festzustellen, und ein nach innen gekehrter Regionalkollektivismus als eine Art „Schutzgemeinschaft“, die sich gegenüber äußeren Einflüssen und „Nestbeschmutzern“ wehrhaft zeigt – was sich wiederum sehr leicht instrumentalisieren lässt, siehe Mügeln.

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