Die Sicht Evangelikaler auf den Islam

In den USA hat nach den Anschlägen des 11. September die anti-islamische Stimmung in der Öffentlichkeit zugenommen. Doch was denken christlich-amerikanische Gruppen über den Islam? Der amerikanische Historiker Thomas S. Kidd analysiert in seiner Studie die Wahrnehmung des Mittleren Ostens durch die Evangelikalen. Von Joseph Croitoru

Auf Quantara kann man alles lesen. Ein paar kurze Auszüge:

In der Kolonialphase hatten die europäischen Einwanderer in Nordamerika so gut wie keinen Kontakt mit Muslimen, die Minderheit der muslimischen Sklaven wurde kaum wahrgenommen. Die Sicht auf den Islam war durch christliche Streitschriften aus Europa geprägt.[…]

[…]so sahen die evangelikalen Kolonisten in ihren Endzeitideen den Antichrist im Islam und Katholizismus direkt verkörpert.[…]

[…]Durch die Endzeitstimmung, die der antiklerikaler werdende Charakter des nachrevolutionären Frankreichs unter den christlich-konservativen Amerikanern ausgelöst hatte, erfuhr die Sicht auf die Türkei jedoch bald eine erneute Sakralisierung: Die Prophezeiung in der Offenbarung des Johannes, […], wurde als Hinweis auf den Untergang des Türkischen Reichs gedeutet.[…]

Das Scheitern der Missionare, das man auf die angebliche Rückständigkeit, Grausamkeit und Frauenfeindlichkeit der Muslime schob […]

Ein beliebtes Motiv [prophetischer Literatur, Anm. NDM] ist die Zerstörung der Moscheen auf dem Jerusalemer Tempelberg und der Wiederaufbau des jüdischen Tempels.

Ebenso die islamisch-russische Koalition, die auf Seiten des Antichristen kämpft.[…]

Allerdings traten die Iraner vorübergehend wieder in den Hintergrund, um in der Endzeitschlacht, von Saddam Husseins neubabylonischem Kult und dem ersten Golfkrieg inspiriert, Platz für das wiedererrichtete Babylon zu machen, das nun zum Sitz des Antichrist erklärt wurde[…]

Nun wird auch der Irak-Krieg als Zeichen für den bevorstehenden Vernichtungsschlag gegen den Islam gedeutet. Und der Antichrist ist neuerdings Muslim durch und durch: Er erscheint in Gestalt des islamischen Mahdi, ausgerüstet mit russisch-iranischer Atomwaffentechnik.

Thomas S. Kidd: „American Christians and Islam. Evangelical Culture and Muslims from the Colonial Period to the Age of Terrorism“. Princeton University Press, Princeton 2009.

Siehe auch:
Evangelikale Apokalyptiker
bzw. extern:
Armageddon und der apokalyptische „Holocaust“


3 responses to “Die Sicht Evangelikaler auf den Islam

  • InitiativGruppe

    Da gibt es etwas, das mir Sorgen macht: Könnte der Irrsinn amerikanische Politik werden?

    Millionen Amerikaner glauben an dieses Szenario:

    Die Endzeitschlacht (Armaggedon) ist nah. Wir werden sie erleben. Der Antichrist wird seine Truppen gegen Israel um sich scharen, sobald die Juden das ganze Palästina in Besitz genommen haben, und wird anfangen, sie zu vernichten. Das wird (siehe Apokalypse des Johannes) The Second Coming Of Jesus Christ auf den Plan rufen, der die Truppen der Christen gegen den Antichristen in die Schlacht führen wird … und das Ende der Welt herbeiführen wird – The Day of Rapture.

    Sarah Palin scheint eine Anhängerin dieser Endzeit-Vorstellung zu sein. Die Kirche, der sie in Wasilla, Alaska, beigetreten ist, soll jedenfalls zur Armaggedon-Richtung gehören. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Palin Präsidentin der USA werden wird.

    Wer den Armaggedon-Irrsinn glaubt, hat keine Bedenken, den Nahostkonflikt hemmungslos zu eskalieren, Israel zur Deportation der Palästinenser aufzufordern und auf Teheran wenn’s sein muss eine Atombombe zu werfen.

    Im Moment ist das nur ein Alptraum von mir, ein verrücktes worst case scenario. Aber wenn ich in vielen außenpolitischen Stellungnahmen aus den USA bedenkenlose Kriegstreiberei vernehme, und dass es künftig nötig sein werde, ohne Rücksicht vorzugehen, dann scheint mir: Da muss man ein Auge drauf haben. Da entwickelt sich vielleicht etwas, das hat ein Zerstörungskaliber schlimmer als das der Nazis.

    Vielleicht. So verrückt kann die Welt doch nicht sein …

    • NDM

      Ich kann momentan nicht einschätzen, in wie weit diese religiösen Gruppen über politische Macht verfügen – sie streben jedenfalls auf vielfältige Weise danach.

      Wahrscheinlich findet man auf atheistischen Portalen mehr Infos dazu. z.B.:

      http://www.wissenrockt.de/?s=evangelik
      http://hpd.de/search/node/evangelikal%20OR%20evangelikale

      Kurz quergelesen fand ich hier teils erschreckendes. z.B.:

      Im April betete der ehemalige Kaplan der US-Navy Gordon Klingenschmitt, dass Gott Mikey Weinstein töten möge. Weinstein leitet die Military Religious Freedom Foundation, die sich dafür einsetzt, dass die Trennung von Staat und Kirche auch im Militär vollzogen wird. In den Jahren der Bush-Regierung hatten Evangelikale in der Armee an Einfluss gewonnen. Memoranden, die Verteidigungsminister Rusmfeld während des Irakkriegs an Bush sandte, waren mit Bibelpassagen versehen. Weinsteins Haus wurde in der Vergangenheit mit Fäkalien, Tierkadavern und Hakenkreuzen (Weinstein ist Jude) beschmutzt.

      und

      US-Militärs hatten im Krieg gegen den Terror christliche Missionierung betrieben. Der höchste Militärgeistliche in Afghanistan gab die Parole „Hunt People for Jesus“ aus. An den Missionierungen beteiligte sich auch Jim Ammerman, der die Chaplaincy of Full Gospel Churches leitet, die knapp 270 Kaplane, also ca. 7% aller Militärgeistlichen vertritt. Im Wahlkampf 2008 hatte Ammerman zur Ermordung demokratischer Politiker aufgerufen, in den 90ern vertrat er antisemitische Verschwörungstheorien.

      http://hpd.de/node/8478

  • Christian aufer Schicht

    Apokalyptische Sichtweisen scheinen ein Merkmal aller Fundamentalisten zu sein.

    Auch von fundamentalistisch-islamistischer, fundamentalistischer-jüdischer Seite, wie auch von Seiten wie pi-news wird ja geradezu der große Bang herbeigesehnt.

    Offenbar ist das Moment des „Angstmachens/Angsthabens“ das zentrale Element um das herum sich Gruppenidentität aufbaut und stabilisiert. In Zeiten der Krise, wie momentan, haben derartige Gruppen sicherlich verstärkt Zulauf.

    Solange es möglich ist alternative Wege zum Weltuntergang aufzuzeigen, werden diese sektenartigen Vereinigungen kaum nachhaltigen Einfluss bekommen, zumal sie untereinander häufig sehr zerstritten sind.

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