Engagement für Bürgerrechte gefordert

Ridwan as-Sayyid scheut vor massiver Kritik nicht zurück. Der 61-jährige Islamwissenschafter von der Libanesischen Universität in Beirut, der seine Ausbildung sowohl an der renommierten islamischen Hochschule Al-Azhar in Kairo als auch an westlichen Universitäten erhielt, bemängelt die Tatenlosigkeit einflussreicher islamischer Institutionen und religiöser Autoritäten gegenüber den sich häufenden Attacken auf Christen in der islamischen Welt. Das Pochen auf die im Islam verankerte Toleranz genüge nicht. As-Sayyid fordert die klassischen Lehrstätten islamischer Theologie – die Zaituna in Tunis etwa, die Qarawiyyin in Fes oder die Al-Azhar und die obersten Muftis – auf, sich für die Rechte aller Bürger in ihren Staaten einzusetzen: «Es muss einen Aufschrei geben und vehemente Forderungen an die Adresse arabischer Regierungen, die Bürgerrechte wiederherzustellen! Sie müssen die Religionsfreiheit und die Gleichheit aller Bürger einklagen.»

Hier kann man alles lesen.

Was es heute an Problemen bei uns gibt, (…) geschieht im Namen der Religion, und die Al-Azhar oder die Muftis vertreten nun einmal den Islam. Also müssen sie auch etwas unternehmen, denn sie sind dafür verantwortlich!»

Nicht jede im Artikel dargestellte Position ist wirklich brauchbar, so z.B. die von Mohammad as-Sammak, dass sich die Religion vom Thema “bürgerliche Rechte” fernhalten solle, dies sei die Aufgabe des Staates. Bei der Ausgestaltung dieser Rechte solle sich der Staat jedoch religiösen Vorgaben unterordnen. Das ist in sofern schwierig, da es Schriftenauslegungen gibt und wohl weiterhin geben wird, die eben keine Gleichheit im Recht vorsehen.

Problematisch sind dann auch die Aussagen von Al-Qaradawi:

Al-Qaradawi gestand zu, dass in Ländern, welche die islamische Gesetzgebung als erste Quelle ihres Rechts festgelegt haben, wie etwa Ägypten, einige Reformen und eine neue Lesart der aus dem Islam abgeleiteten Bestimmungen nötig seien. Als Beispiel nannte er die Regeln zum Bau von Kirchen. Und er bekräftigte in diesem Zusammenhang, dass Christen und Muslime nach seinem Verständnis vor dem Gesetz gleich behandelt werden müssten.

Nicht das Gesagte, sondern das Nichtgesagte ist hier bedeutend – in einer Region, in der es deFacto mehr Juden als Christen gibt, können erstere nicht übersehen werden, wenn es um das Gewähren von Rechten geht. Das ist nicht möglich. Allenfalls werden sie bewusst ausgeklammert. Die Tatsache, dass es einen jüdischen Staat gibt, kann hier nicht als Ausrede herhalten, denn es geht bei diesem Thema um Menschenrechte in den islamischen Staaten.

Ridwan as-Sayyid hingegen äußert sich allgemeiner (Hervorhebung von mir), auch wenn er selbst das Wort “Judentum” vermeidet:

Ridwan as-Sayyid meldet sich immer wieder in überregionalen arabischen Zeitungen zu Wort. Er konfrontiert die Leser mit der bitteren Tatsache, dass die vielgerühmte historisch gewachsene Tradition des Zusammenlebens zwischen den Anhängern verschiedener Religionen in den orientalischen Gesellschaften am Ende sei. Er wählt drastische Worte und sieht in der gegenwärtigen, von Gewalt geprägten Entwicklung im Nahen Osten einen selbstzerstörerischen Prozess, der ohne nennenswerten Widerstand seinen Gang nimmt.

Kassim Qassir schlussfolgert angesichts all solcher real existierenden Probleme: «Die Lösung heisst Demokratisierung, bürgerliche Rechte und ein nichtreligiöser Staat. Das ist der richtige Weg, und wir müssen uns dafür einsetzen!» – Bingo!

Nachtrag: Zu diesem Thema passt auch dieser englischsprachige Artikel.


One response to “Engagement für Bürgerrechte gefordert

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s