PI-News leugnet Rassismus

Ein PI-Autor regt sich in einem Betragsversuch über die Sächsische Zeitung auf.

Der Grund: In einem hervorragenden Artikel wird der Diskurs um eine “Deutschenfeindlichkeit” zurückgewiesen und dessen rassistische Funktion beleuchtet. Dazu kommt:

Und von welchen „Deutschen“ wird hier eigentlich geredet? Ohne es benennen zu müssen, ist hier von weißen (nichtmigrantischen und nichtjüdischen) Deutschen als Opfern die Rede – ihr Weißsein bleibt unmarkiert, sie sind schließlich Mehrheitsdeutsche. Dass tagtäglich Deutsche mit migrantischem Background Opfer von Rassismus sind, geht bei diesem Diskurs nicht nur unter. Mehr noch werden die tatsächlich Betroffenen von Rassismus systematisch unsichtbar und der nichtweißen Gruppe der potenziellen „Täter“ – egal ob mit oder ohne deutsche Staatsangehörigkeit – wird ein weiteres Mal deutlich gemacht: Ihr seid keine Deutschen!

(Siehe auch: “Biodeutscher”)

Die Mär vom “bedrohten Deutschen” kommt ursprünglich von den klassischen – äh – “Opfern” der Geschichte:

Geschichtsrevisionisten kolportieren seit Jahrzehnten die Mär des Deutschenhasses als historisches Phänomen: Deutschenfeindlichkeit sei einerseits das Motiv aller anderen (westlichen) Nationen, Deutschland über Jahrhunderte in Kriege getrieben zu haben, Deutschland auch nach 1945 „klein“ zu halten, zu gängeln und zu schikanieren. Andererseits beschreibt der Begriff eine, auch „antideutsch“ genannte Haltung von Deutschen gegenüber ihrer „eigenen“ Nation. Also einen masochistischen Selbsthass, den die Jahre der „Umerziehung“ und eine „Systempolitik“, die sich „gegen das eigene Volk“ richte, hervorgebracht und kultiviert hätten.

Das in der heutigen Debatte mit „Deutschenfeindlichkeit“ betitelte Phänomen, also die Anfeindungen und Übergriffe auf weiße Deutsche, ausgeübt durch in Deutschland lebende „Nichtdeutsche“, wird in der extremen Rechten auch schon einige Jahre „angeprangert“. So führte bereits 1991 die Monatszeitschrift „Nation und Europa“ die regelmäßige Rubrik „Neues von der Überfremdungsfront“ beziehungsweise „Aktuelles aus Multikultopia“ ein, in der die angeblichen deutschenfeindlichen Übergriffe durch „Ausländer“ unter dem Titel „Gewalt gegen Deutsche“ aufgelistet wurden. Laut GEW darf man sich vor Problemen „nicht wegducken, man muss sich ihnen stellen“. Die öffentliche Diskussion um „Deutschenfeindlichkeit“ verdeckt jedoch eher Probleme, als sie zu erhellen. Wegducken können sich alle, die von strukturellem Rassismus profitieren: Weiße Deutsche können sich plötzlich mit den Betroffenen identifizieren. So ist das Geschrei groß und die Welt in ihr Gegenteil verkehrt: Weiße Deutsche sind Opfer von Rassismus – und Migranten die rassistischen Täter.

Hier findet sich weiteres lesenswertes zum Thema Rassismus. Speziell auf diesen Leugnenden PI-Beitragsmist trifft zu:

  • zu sagen „ich kenne viele Schwarze also kann ich kaum Rassist sein“ oder „in Deutschland gibt es doch gar nicht soo Rassismus“.
  • zu ignorieren, dass unsere Gesellschaft weiße Menschen strukturell und institutionell stark bevorzugt, und dadurch sein weißes Privileg zu leugnen.

Weiter:

Zu behaupten „ich muss mich da nicht überprüfen denn ich weiß dass ich was das Thema angeht 100% okay bin“ ist gelinde gesagt vermessen und nimmt eine schwere Angelegenheit auf die leichte Schulter (und lässt im übrigen auch die Frage aufkommen, ob es einen Grund für eine derartige reflexartige Abwehrreaktion gibt). Kaum ein Mensch, der Opfer von Rassismen war, würde so leichtfertig behaupten, ganz frei von Pauschalitäten und Vorurteilen zu sein (eben weil man sich als Opfer mit dem Thema auseinandersetzen muss und dabei wahrscheinlich eher auf die uncoole Wahrheit stösst: keiner ist ganz frei davon). Menschen, die nicht Opfer von Rassismus sind, sollten es sich also nicht so leicht machen, sondern wirklich versuchen, einmal ihre angesammelten Vorstellungen zu überprüfen. Und möglicherweise sogar dazuzulernen.

Der PI-Beitragsversuch verwendet den Begriff “Nazikeule”, und zwar auch als Synonym für den Begriff “Rassismuskeule”. Dies soll suggerieren, die Kritik sei nicht gerechtfertigt. Allein die Existenz dieses PI-Beitrags zeigt jedoch bereits, dass sich Autor und “Spürnase” diesen Schuh selbst anziehen. Sie selbst spielen sich zum Verteidiger des gesellschaftlichen Normalzustands auf, der kritisiert wird.

Praktisch sämtliche Kommentarbereicherer entsprechen hierbei – freiwillig oder unfreiwillig – der Denkweise, Schuld am Rassismus seien ja nicht die Rassisten, sondern die rassistisch diskriminierten, und sowieso – Es handle sich beim Rassismus nicht um Rassismus, sondern um “gesunden Menschenverstand”. E-kel-haft!

Sehr lesenswertes zum Thema:

Der Weißheit letzter Schluss

Wie entsteht restriktive Ausländerpolitik?

Wikipedia-Eintrag


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