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Namensgeber für das Blog “Politically Incorrect”

Man mag es kaum fassen, in den USA gab es sogar eine Show, die sich “Politically Incorrect” nannte.

Sie hat übrigens eine interessante Geschichte: Sie wurde nämlich aufgrund “patriotischen Drucks” abgesetzt, weil der Name der Sendung Programm war.

“Hard times for the first amendment tend to come at very hard times for the country,“ Mr. Abrams said. “When we feel threatened, when we feel at peril, the First Amendment or First Amendment values are sometimes subordinated to other interests.“

One of the most visible examples of this burgeoning debate involved a scuffle between the White House and Bill Maher, host of the late-night talk show “Politically Incorrect.“ Last week, Mr. Maher said that the hijackers were not cowards but that it was cowardly for the United States to launch cruise missiles on targets thousands of miles away.

Some of his main advertisers abruptly ended their sponsorship of the program, which is designed to be controversial. He later apologized for the remarks.

On Wednesday, Ari Fleischer, the White House press secretary, denounced Mr. Maher, saying of news organizations, and all Americans, that in times like these “people have to watch what they say and watch what they do.“

Und:

Now that ABC has canceled the program (…), it seems clear that Maher’s comments doomed him and that there are still, and probably always will be, some things a person just can’t say on television.

Diese Show ist der Namensgeber für das Blog “Politically Incorrect” geworden.

Okay, das ist wohl nicht ganz das, was die Überschrift versprach. 😉
Aber weil mir die Inhalte des Blogs nach dem ersten überfliegen zusagen, landet es erstmal in der Rolle. 😉

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Auf den Punkt gebracht.

“Nerv mich doch!” ist die Überschrift.

Ich bin eigentlich kein Freund von ständigen Lesetipps und Gedankenempfehlungen. Angesichts des Schrotts, der seit Sarrazin durch die Feuilletons gleitet, kann man es leid sein, selbst zu lesen, geschweige denn irgendetwas zu schreiben. Und dann noch diese unselige Leitkultur, die niemand kennt, beschreiben, bebildern oder sonstwie definieren kann. Was soll das? Warum ist meine Realität eine so fundamental andere, als die veröffentlichte? Ich lebe in einer ehemaligen Zechensiedlung, der Inbegriff dessen, um das es sich doch in der ganzen Diskussion dreht! Ich weiß, wovon ich rede!

Genau dahin bringt der folgende wundervolle Text, und diese Leseempfehlung ist wirklich wärmstens ans Herz gelegt:

Die neue Leitkulturdebatte erinnert an einen Satz von Methusalix, dem greisen Gallier aus den Asterix-Heften: "Ich habe nichts gegen Fremde, aber diese Fremden sind nicht von hier." Was ist unsere Kultur? Bowlen, Bier und Bibelkreis? Oder eher Bohlen (ironisch, selbstredend), Bionade und Bali? Golf, Gucci, Genitalpiercing? Porsche, Polo, Psychotherapie? Tee, Tanzgruppe, transzendentale Meditation?

Merkel erklärt Multikulti für gescheitert" titeln die Zeitungen und für mich klingt das, als habe Angela Merkel gerade den Sommer verlängert, den Winter abgesagt oder die Wiedereinführung der Kinderlähmung beschlossen. Kann die Kanzlerin die Wirklichkeit in die Schranken weisen? Die Realität ist gescheitert, wir brauchen eine andere.

Und –> hier <- geht’s weiter.


PI halt

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Seit Ewigkeiten schaue ich nur noch stichprobenartig bei diesem Praktisch Irrelevanten Blog vorbei.

Einmal gelurkt, schon fällt dieser Kommentar auf. Allerdings nicht den dortigen Kommentarmitschreibern. Entweder es sind übertolerante Gutmenschen, oder sie sind einfach nur zu blöd um zu kapieren, was da steht. Ich tippe auf letzteres.


Die Schwierigkeit von Vergleichen

Moslemfeindlichkeit und Antisemitismus

Vergleiche hier, vergleiche dort. Sie sind nützlich. Es ist auch nützlich, unterschiedliche Ressentiments miteinander zu vergleichen, z.B. Die Moslemfeindlichkeit mit dem Antisemitismus. Das Ergebnis eines Vergleichs ähnlicher Dinge ist immer die Erkenntnis, dass es Gemeinsamkeiten, aber eben auch Unterschiede gibt. Logisch.

Falsch ist es jedoch, aus welcher Motivation heraus auch immer, derartige Vergleiche anzustellen, um primär die Gemeinsamkeiten zweier Phänomene in den Vordergrund zu stellen. Dies kann, ob beabsichtigt oder nicht, dem Zweck der Gleichsetzung dienen. Beispielsweise um andeuten zu können: “Seht her, das ist ja das selbe! Das eine genau so schlimm wie das andere!” Dies kann in mehrlei Hinsicht gefährlich sein. Einerseits besteht die Gefahr einer niedrigschwelligen Verharmlosung. Zudem kann eine Ineinssetzung suggerieren, dass sich auch der Umgang mit den problematisierten Ressentiments gleichen müsse. Bei genauerer Betrachtung jedoch unterscheiden sie sich in einigen derjenigen Punkte, die Aufschluss darüber geben, mit Wem man es zu tun hat, was er will, und mit welchen Strategien man ihm begegnen sollte. Ebenso wichtig sind daher die Unterschiede zwischen den Phänomenen.

Ein Vergleich ist also gut und richtig, um Feindbildkonstruktionen zu erforschen, schlicht damit das neu aufgetretene Feindbild überhaupt als solches erkannt wird. Gleichsam ermöglicht der Vergleich jedoch, was nicht weniger wichtig ist, auf elementare Unterschiede hinweisen zu können. Beispielsweise bezüglich der Motivation des Täters:

  • Unterstellt man Antisemiten die gleichen Motivationen wie Moslemfeinden, dann unterstellt man ihnen damit, sie würden Juden lediglich hassen, solange sie in Deutschland anwesend sind. Eine Ausreise würde demnach genügen, um den Hass abzubauen. Das wäre eine grobe Verharmlosung des Antisemitismus, denn der Antisemitismus richtet sich gegen Juden, weil sie existieren.
  • Unterstellt man umgekehrt Moslemfeinden eine Motivation, die der des Antisemiten gleicht, dann unterstellt man ihnen wiederum, über einer Milliarde Menschen übel zu nehmen, dass sie existieren. Dies wäre eine Übertreibung, die den Antisemitismus wie ein vernachlässigbares Phänomen erscheinen lässt. In der Praxis zeigt sich, dass Moslemfeinde überhaupt keine derartigen Ambitionen hegen. Ganz im Gegenteil.

Ergebnis dieses Vergleichs:
Trotz Ähnlichkeiten bezüglich der Feindbildkonstruktion verbietet sich eine Gleichbehandlung bezüglich der Motivationslage kategorisch.

Gewaltbereiter Islamismus und Faschismus

In einer anderen Weise kann auch der Vergleich zwischen gewaltbereitem Islamismus und dem Faschismus schwierig sein, der ganz gerne mal die Runde macht. Es lassen sich Ähnlichkeiten im Konstrukt ausmachen, ebenso jedoch auch Unterschiede, die darauf hindeuten, dass beide Phänomene nicht gleich behandelt werden können.

Mit diesem Thema beschäftigt sich der Artikel “Von Nazis und Islamisten”.

Es gibt Gemeinsamkeiten, die zeigen, dass ein Problem existiert:

Der gewaltbereite islamische Fundamentalismus macht mit dem Islam, was der Nationalsozialismus mit dem deutschen Patriotismus gemacht hat. Beide sind eine leichte Beute für Demagogen, denn es gibt keine allgemein akzeptierte Autorität, die über den richtigen, guten Patriotismus oder Islam entscheidet. Beide scheren sich nicht um das Leben ihrer Anhänger. Beide fühl(t)en sich gedemütigt, bedrängt, sehn(t)en sich nach dem Retter. Beide kultivier(t)en in diesem Klima den Hass auf die Juden. Beide bringen ein intellektuelles Klima hervor, in dem das Ressentiment blüht, der Dekadenzvorwurf, die Verschwörungstheorie, die Wahnidee von kultureller Reinheit, die Welteroberungsfantasie, apokalyptische Visionen und Ängste.

Aber auch wesentliche Unterschiede.

Vor einem neuen Faschismus hüten wir uns durch die Einhegung und politische Entschärfung patriotischer Gefühle, durch den weitgehenden Verzicht auf patriotische Diskurse als Mittel innenpolitischer Polarisierung.

Und dies funktioniere bei Religionen eben nicht, da Religiöse Identifikation inhaltlich über die nationale Identifikation hinausgeht, und in aller Regel nicht geographisch gebunden ist. Das ist nur einer der Unterschiede. Es gibt auch weitere, die im Artikel angedeutet werden.

Wer also glaubt, durch Begrifflichkeiten wie “Islamfaschismus” zu suggerieren, man könne den gewaltbereiten Islamismus auf eine Weise eindämmen, wie es mit dem Nationalsozialismus vorgemacht wurde, nämlich durch Aufgriff der Kriegsrethorik und der praktischen Demonstration der real vorhandenen militärischen Macht, läuft ebenso auf dem Holzweg wie jene, die glauben und behaupten, dass Moslemfeindlichkeit lediglich eine aktualisierte Form des Antisemitismus sei. Hätte die Gleichbehandlung einen realen praktischen Nutzen, dann wären sowohl Moslemfeindlichkeit als auch gewaltbereiter Islamismus bereits Themen für die Geschichtsbücher.

Was den Islamismus angeht, so bietet der Artikel dennoch Vorschläge.

Das Wohlstandsversprechen des Westens muss eingehalten werden, denn auch hierdurch definiert er sich gegenüber der (auch islamischen)Außenwelt. Wenn islamisch geprägte Staaten also, nachdem sie sich dem Westen (partiell) zuwandten, wirtschaftlich auf der Stelle treten und ihren ärmsten keinen im Vergleich zur vorherigen Situation bescheidenen Wohlstand bieten, wird dies in der Bevölkerung antiwestliche oder sogar islamistisch-extremistische Kräfte mobilisieren.

Für die Türkei hieße dies beispielsweise, dass im Rahmen des EU-Integrationsprojektes nicht Konzessionen bezüglich historischer Fakten zu den Dingen höchster Priorität gehören. Druck auf eine zukünftige türkische Regierung, einen klug definierten Teil der horrenden Militärausgaben sukzessiv zugunsten eines gerechteren Sozialsystems umzuschichten, könnte bei ärmeren Teilen der Bevölkerung bewirken, dass das pseudosoziale Gebaren von gewaltbefürwortenden Islamisten nicht auf fruchtbaren Boden trifft. Hierbei wäre jedoch auch zu beachten, welche Partei gerade die Regierung stellt, und wo sie der Bevölkerung gegenüber den Ursprung der sozialen Veränderung verortet.


Ein paar Links

Aus Zeitgründen tat sich hier in den letzten Tagen nichts, daher diesmal ein paar konzentrierte Lesetipps zu unterschiedlichen Dingen, die recht interessant waren:

Deutschenfeindlichkeit – Was ist das?

„Deutschenfeindlichkeit“ taucht in gewisser Regelmäßigkeit in Debatten um Rassismus auf. Doch der Begriff missachtet Machtverhältnisse von Minderheiten und Mehrheitsgesellschaft und ist ein Kampfbegriff aus der rechten Ecke.

Liebe geht durch den Stock

Schläge müssen weh tun: Kindererziehung mit dem Rohrstock hat in fundamentalchristlichen Kreisen Konjunktur – schließlich steht das so in der Bibel.

Das Schlagen von Kindern ist in Deutschland gesetzlich verboten.

(…)und so gibt es unter strenggläubigen Christen eine heimliche Kultur des Prügelns. Nicht nur mit der Hand, sondern mit der Rute. Denn: „Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn bald“ heißt es in der Bibel (Sprüche 13,24). Und „Rute und Strafe gibt Weisheit; aber ein Knabe, sich selbst überlassen, macht seiner Mutter Schande.“ (Sprüche 29,15). Die Eltern, die diesen Worten folgen, gehören Glaubensgemeinschaften wie den evangelikalen Freikirchen und den Zeugen Jehovas an, welche die Bibel wörtlich nehmen, und in denen Zweifel am Wort Gottes als Einflüsterungen Satans gelten.

Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit schaden Deutschland

Es ist schon seltsam, wie ausgerechnet die Angehörigen der politischen Richtungen, die lange Jahre geleugnet haben, dass Deutschland seit den Anwerbeabkommen in den 1960er Jahren zum Einwanderungsland geworden ist, und damit Integrationsmaßnahmen verhindert haben, nun mit dem Schlachtwort Multi-Kulti das Versäumnis den politischen Gegnern in die Schuhe schieben wollen. Der Islam gehört nicht nur zu Deutschland seit 50 Jahren, Deutschland ist seitdem faktisch ein Einwanderungsland, das leugnet, eines zu sein und deswegen auch zu keiner vernünftigen Einwanderungs- und Integrationspolitik kommt.

Angesichts der vielbeachteten und viel kritisierten Rede Erdogans in der Köln-Arena vor einigen Jahren scheint der Gedanke gar nicht so abwegig zu sein, dass Politiker der Türkei durch Appelle Einfluss auf Türkischstämmige Zuwanderung üben könnten. Den realexistierenden Einfluss der türkischen Politik auf die Deutsche Gesellschaft (zumindest den türkeistämmigen Teil) kann man kritisch sehen, zumal es diverse Gesetze gibt, die derartiges eigentlich verhindern sollten, aber als Fakt kann man ihn nicht in Abrede stellen.

“Es ist gut, dass Özil für Deutschland spielt”

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül wünscht sich von den Türken in Deutschland, dass sie Teil der deutschen Gesellschaft werden. Sie sollten Deutsch lernen, „und zwar fließend und ohne Akzent“, sagte er der Süddeutschen Zeitung.

(…)

Auf die Frage, ob die zunehmend negative Stimmung gegenüber Muslimen die Chancen der Türkei auf einen EU-Beitritt gefährde, sagte Gül: „Die EU mit einer halben Milliarde Menschen sollte sich nicht vor einem Land mit 60 bis 70 Millionen Bürgern fürchten.“ Gegnern einer EU-Mitgliedschaft warf er einen Mangel an Visionen vor. Die Türkei könne ohnehin nur Mitglied werden, „wenn sie das Niveau der EU-Staaten erreicht“. Es sei auch nicht auszuschließen, dass das türkische Volk am Ende die Vollmitgliedschaft ablehne.

Auch zur neuen Außenpolitik sagte Gül etwas:

Die Türkei brauche ein gutes Verhältnis zu ihren Nachbarn. Sein Land wolle „größtmöglichen Nutzen“ aus seiner geopolitischen Lage ziehen. Einen atomar bewaffneten Iran würde die Türkei als Bedrohung betrachten, sagte Gül. Der Konflikt mit Teheran aber müsse diplomatisch gelöst werden.

Hierbei vergaß er wohl das Argument, dass zukünftig mögliche EU-Außengrenzen im günstigsten Falle keine Konfliktregionen sein sollten.

Wenn Gutmenschen über Ausländer reden [2]

Wir reden viel über Integration. Was wir aber meinen, ist unsere Angst vor dem Fremden. Das sollten wir auch sagen, anstelle uns hinter neutralen Floskeln und neudeutschen Fachbegriffen zu verstecken.

(…) Nehmen wir mal das Wort „Ausländer“. Das hört man in den letzten Tagen wieder ab und zu.

Vorher kaum. Und das in einem Land, das seit Wochen ein Thema diskutiert, in dem Menschen, die früher Ausländer genannt wurden, die Hauptobjekte der allgemeinen Ereiferung sind. Aber jetzt mal ehrlich: „Ausländer“, das ist so 80er.

(…) „Menschen mit Migrationshintergrund“. Das ist schon ein ganz anderer Ausdruck.

Einer, der angetreten ist, um weniger zu verschweigen. Ein sperriger Begriff, eine Erfindung von Statistikern, die es leid waren, dass ihre Statistiken ihnen wegen des geänderten Staatsbürgerschaftsrechts keine Aussagen mehr darüber lieferten, ob die Schulversager und jugendlichen Straftäter nun richtige Deutsche waren oder andere. Ein Begriff, der die Bewohner des Landes subtil in zwei Gruppen teilt, ohne Ansehen der Nationalität. Die Staatsbürgerschaft kann man wechseln, der Migrationshintergrund ist angeboren.

(…)Sprache beeinflusst die Sicht auf die Welt. Umgekehrt wird ein diffuses Gefühl erst stark und mächtig, wenn es in Worte gekleidet, mit Nachbarn besprochen und durch Talkshows gereicht wird.

(…)Das Gefühl ist: Die stören hier, all diese Menschen, die anders aussehen, anders leben und anders reden. Die Worte sind: Kopftuchmädchen, muslimische Deutschverweigerer, islamische Unterwanderung. Worte, die einem diffusen Gefühl ein konkretes Ziel geben, konkrete Worte, die nichts zu verschweigen scheinen.

(…)

Wer die Debatte nicht den vermeintlichen Klartextrednern überlassen will, muss selbst klare Worte finden.

„Integration“ ist keins davon, zu vieldeutig, zu allgemein, ein Verschweigerwort. So, als ob das Fremde, das Unbekannte irgendwann verschwinden würde, wenn sich alle nur genügend integrieren.

Schlagwörter der Integrationsdebatte

Kernaussagen wurden bei Dybth herausgearbeitet.

Zugbegleiter unter Pseudonym

Um sich vor Übergriffen zu wehren, dürfen Bahnmitarbeiter falsche Namen benutzen. A.M Aylin Yildiz sitzt im ICE und häkelt. Nur daran, sagt die DB-Zugbegleiterin augenzwinkernd zu ihrem Kollegen Boris Rakitic (Namen geändert), könne er erkennen, woher sie stammt. Nach Dienstschluss unterhalten sich die beiden Bahnmitarbeiter über ihre Herkunft: Er kommt aus Bosnien, sie aus der Türkei. Yildiz’ Sprache verrät das nicht, ihr Hochdeutsch ist perfekt. „Nenn dich im Zug doch künftig Schmidt“, empfiehlt der Kollege. Solche Namensänderungen sind bei der Bahn jetzt ausdrücklich erlaubt. Per Rundschreiben kam die Mitteilung, dass auf den Namensschildern an den Dienstuniformen Pseudonyme stehen dürfen. Zu ihrem eigenen Schutz, erklärt eine Bahnsprecherin. Beschimpfungen, Beleidigungen, Androhung von Gewalt – „für viele unserer Mitarbeiter ist das leider oftmals der Arbeitsalltag“. Vor allem im Regionalverkehr lebten die Zugbegleiter gefährlich, weil dort die Übergriffe besonders zahlreich und zum Teil sehr brutal seien.

Radiobeitrag: Deutschland, deine Muslime – Zweibahnstraße Integration

Diskussionsleitung:
Annette Riedel
Diskussionsteilnehmer:
– Konrad Adam, Autor und freier Journalist
– Jörg Lau, Die Zeit
– Günter Piening, Beauftragter des Berliner Senats für Integration und Migration
– Naika Foroutan, Humboldt-Universität zu Berlin

Dauer: ca. 44 Minuten

Und zuletzt noch etwas zum auflockern:


Deutschland rückt kräftig nach rechts

Fremdenfeindlichkeit ist “Mainstream” geworden.

Spiegel-Online schreibt:

Sie würden den Vorwurf weit von sich weisen, doch viele Deutsche haben ausländerfeindliche und chauvinistische Einstellungen. Eine alarmierende Rechtsextremismus-Studie macht klar: Die Radikalen in der Mitte der Gesellschaft sind zum Risiko für die Volksparteien geworden.

Die Studie zeigt, dass Ausländerfeindliche Einstellungen massiv zunehmen. Dem Vorurteil “Ausländer kommen, um den Sozialstaat auszunutzen” stimmen beispielsweise mehr als 30% der Deutschen zu. Ähnliches gilt für andere Aussagen, die eher dem rechtsextremen Diskurs entspringen.

Ca. 60% im Westen und 75% im Osten meinen sogar, dass Muslimen die Religionsausübung stark eingeschränkt werden solle.

Ca. ein Viertel der Deutschen findet, dass es eine starke Partei geben solle, die die “Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert”.

65 Jahre nach dem Nationalsozialismus wünscht sich zudem jeder zehnte einen Führer und für jeden zehnten ist eine Diktatur auch die bessere Staatsform.

Auf das Problem derartiger Einstellungen weist die Studie auch gleich hin:

Argumente (…) haben nur wenig Chancen gegen die Logik des Ressentiments: Erst werden Migrant/innen von den gesellschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten systematisch ausgeschlossen, um ihnen dann die Folgen einer verfehlten Integrationspolitik anzulasten. In beiden Verhaltensweisen kommt dasselbe Ressentiment zum Tragen – und damit zeigen sich die historisch tieferen Wurzeln des kulturalistisch-biologistisch begründeten Rassismus, der in der öffentlichen Auseinandersetzung um Integration gegenwärtig zum Ausdruck kommt.

Hier gibt es die ganze Studie zum nachlesen und schmökern. Es werden viele Facetten des Themenkomplexes sehr ausführlich beschrieben und auch weitere Themen behandelt, zum Beispiel ist eine Auseinandersetzung mit Begriffssdefinitionen zum Rechtsextremismus enthalten. Insgesamt sind es mehr als 150 Seiten. Interessant ist hierbei auch folgende Grafik:

Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland


Pro-NRW marschiert in Mönchengladbach

Einen Bericht  von der Pro-NRW-Demo kann man hier lesen:

Zum Bericht gehören Fotos von Pro-NRW, die das ganze Spektakel noch interessanter machen. Zwar heißt es im Bericht:

In der Folge wurden die imageschädlichen Vertreter der NPD abgedrängt und durften nur noch aus der Ferne zuschauen.

Allerdings scheint man bei Pro-NRW keine Probleme mit den Autonomen Nationalisten zu haben. So finden sich Personen auf der Pro-NRW Demonstration, die folgende Aussagen mit sich herumtragen:

Klick
Good night left side (Analogbild)
Klick
Fuck ZOG
“ZOG” ist eine Abkürzung für “Zionist occupied Government” und ist Ausdruck des Antisemitismus.
Klick image

Arbeit, Freiheit, Brot – Viel ist mir über dieses Worttrio nicht bekannt. Eine kurze Erklärung und ein Bild gibt es beim Spiegel:

„Arbeit, Freiheit und Brot!“ fordern die Nationalsozialisten auf einem Plakat zur Reichstagswahl am 20. Mai 1928. Im Dritten Reich versuchte man, eine Autarkie für Grundnahrungsmittel und in erster Linie für Getreide zu erreichen, um Versorgungskrisen vorzubeugen. Da dies nur durch einen verminderten Weizenverbrauch möglich war, wurde insbesondere das Roggenbrot propagiert.

Zu “Hammer und Schwert”, das auf beiden Bildern zu sehen ist, heißt es:

Die gekreuzten Hammer und Schwert sollen eine Volksgemeinschaft aus Soldaten und Arbeitern symbolisieren. Benutzt wurde das Symbol u.a. von den Gebrüdern Gregor und Otto Strasser, die den »nationalrevolutionären« Flügel in der NSDAP anführten. Ab 1929 war es Gaufeldzeichen der Hitlerjugend (HJ). In den 90er-Jahren wurde es in der Neonazi-Szene u.a. als »Symbol der Nationalen Revolution« gedeutet.

Klick für ein größeres Bild Der Typ mit diesem Button ist auch in dieser illustren Runde zu sehen(rechts). Das von ihm getragene T-Shirt “Nur die Gedanken sind heute noch frei” kann ausschließlich in einschlägigen Naziversänden erstanden werden. Auf ihm prangt auf der linken Seite das Etikett: “Nationale und Soziale Aktion”.

Auf der Pro-NRW Abschlusskundgebung (Hier links auf dem Bild) darf diese Person das Fronttransparent von Pro-NRW halten.

Von wegen also, Pro-NRW sei “Rechtskonservativ” und nicht NS-affin. Ralph Giordano hat recht, wenn er sagt, “Pro” sei die “zeitgenössische Variante des Nationalsozialismus”.


Eine wahre Geschichte

Ich bin kein Fußballfan, aber Raucher. Als ich heute Abend am Nachbarlichen Kiosk meinen Tabak holen wollte, jubelte mir der Kioskverkäufer mit deutschem Pass, konservativem Wahlverhalten, türkischem Namen und einem äußerst individuellen Gebrauch der Deutschen Sprache ein “Deutschlaand! Deu-eutsch-laand!” entgegen, und wollte das Geschäft rasch hinter sich bringen, um zurück in den Hinterraum zu kommen, wo er einen großen Flachbildschirm sein eigen nennt.

Ich bin gut mit ihm Bekannt. “Der spinnt mal wieder”, dachte ich mir, zeigte ihm einen Vogel, grinste freundlich, und wusste nun genau, dass wieder Fußball läuft. Das merkt man ihm nämlich an. “Fanatik” nennt er sich. Was den Fußball angeht, flippt er bei Länderspielen immer völlig aus. Er trägt ein Deutschland-Trikot und hängt sein “Duett” heraus, eine deutsche und eine türkische Fahne.

Es ist wie ein Ritual. Ganz gleich, ob die deutsche oder die türkische Mannschaft spielt: Das Deutschlandtrikot und sein “Duett”. Wenn man durch das Verkaufsfenster an ihm vorbeischaut, sieht man das Ambiente: ein Schmuckstück, auf dem “Masallah” steht, und einen halben Meter daneben ist ein Kalender der Ditib zu sehen, auf dem zwei türkische Fahnen abgebildet sind. In seinem Hinterzimmer hängt beim Fernseher ein Bild mit einer türkischen Fahne, auf der in filigran handgearbeiteten Lettern ein Gedicht in türkischer Sprache geschrieben steht. Rechts und links daneben hängen zwei weitere, schon etwas ausgeblichene Landschaftsbilder aus der Türkei. Und am Körper immer das Deutschland-Trikot. Ganz gleich, ob die Deutsche oder die türkische Mannschaft spielt: Dieses Setting gehört zu seinem persönlichen Fußballritual. Das ist wohl Ausdruck der “Kraft der zwei Herzen”, von der hier und dort die Rede ist.

Und am Ende des heutigen Spiels wird er wohl froh gewesen sein, dass “seine” Mannschaft gewonnen hat – ganz gleich, welche es war.


Radiobeitrag: Gefahr für die Gesellschaft

Ein sehr interessanter Radiobeitrag über Geert Wilders, PI und die Moslemfeindliche Szene:

Dauer: ca. 18 Minuten

Die Grundgedanken, die Geert Wilders nicht müde wird zu variieren, lauten: Europa droht die Islamisierung. Vor dieser Gefahr verschließen die etablierten Parteien die Augen. Die einzig wahren Hüter von Freiheits- und Menschenrechten sind Wilders und seine Freunde.

Und damit die Welt von dieser „Wahrheit“ erleuchtet werden kann, haben sich Wilders und Co. international gut vernetzt.

Das Script gibt es beim Deutschlandfunk direkt.


Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!

Ein Artikel in der taz beschäftigt sich mit der Frage, warum sich die Grünen eigentlich nicht allzu intensiv an der von Sarrazin losgetretenen Rückführungsdebatte Nicht-Integrationsdebatte beteiligen.

Das Umfragehoch der Grünen mag viele Gründe haben. Einen gewiss nicht: Ihre Positionierung zur aktuellen Integrationsdebatte.

Und:

In die heftige Debatte, die nach der Vorstellung von Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab!" engagiert überall in Deutschland geführt wurde und die der Sache (Integration) leider nicht immer gerecht wurde, habt ihr Euch dann nicht mehr eingemischt. Vom Beziehen klarer Positionen zum Thema ganz zu schweigen.

Dabei war diese Debatte längst überfällig. (…)

Ich behaupte das glatte Gegenteil. Gerade weil die Positionierung der Grünen seit langem deutlich und bekannt ist, und sich die Grünen nicht von jemandem eine "Problemstellung" diktieren lassen, für den "gelungene Integration" vor allem an den Ruhrpolen zu erkennen sei(Sarrazin 2010, Kapitel 9.3), was nämlich die restlose Auflösung der kulturellen Wurzeln(wurde seinerzeit tatsächlich Germanisierung genannt und ging mit Massenauswanderung einher) bedeutet. Hier haben die Grünen eine Standfestigkeit, Ruhe, Positionssicherheit und Verlässlichkeit bewiesen, dass sämtliche anderen Parteien blass aussehen. Wer weiß denn schon, ob angesichts dessen nicht sogar Konservative Wähler dabei sind, die auf der Suche nach Verlässlichkeit("da weiß man was man hat, da kann man nichts falsch machen") den Grünen ihre Aufwartung machen, und ihnen zum Umfragehoch verhelfen?

Sollte jeder dahergelaufene Buchschreiber seine Problemstellung in die komplette Parteienlandschaft injizieren können? Sollte die Bild-Zeitung entscheiden, wer es ist, und welches "Problem" damit von der Politik zu bearbeiten sei? Nicht Sarrazin hat eine "Debatte losgetreten", die Bild-Zeitung war es, neben dem Spiegel. Ohne Not. Und diese "Debatte" führt zu nichts. Die Linken sind aufgescheucht, in SPD und CDU ist man verunsichert und ringt nach Richtung, in der NPD sagt man: "Sarrazin hat recht!".

Wenn es einen parteienübergreifenden Konsens über ein "Problem Volkstod" gäbe, wenn sich alle Parteien und Strömungen einig wären, dass Zuwanderung an und für sich das zu behebende/rückgängigzumachende Problem sei, dann haben wir das Verlangen nach “Deutscher Volksgemeinschaft” reetabliert. Begehrlichkeiten in dieser Richtung können jedoch nicht befriedigt werden, und hierbei ist es völlig gleichgültig, wie harmlos formuliert sie daherkommen. Weder mit einer restriktiven oder gar repressiven Integrationspolitik noch mit einer Ausweisungspolitik gegen(in dieser Reihenfolge) "illegale", "asylbetrügende", "kriminelle", "integrationsunwillige", "überflüssige/unproduktive" oder "fremdaussehende" Menschen lassen sich ressentimentbegründete Begehrlichkeiten, die sich gegen als "andersartig" empfundene Menschen richten, befriedigen.

Existiere eine Einheitsmeinung bezüglich Problemstellungen,  wozu bräuchten wir dann noch einen Parteienpluralismus? "Lösungsmöglichkeiten" für derart aufdiktierte "Problemstellungen" ließen sich in einer einzigen Partei erörtern. Nennen wir sie "DEP", "Deutsche Einheits-Partei". Oder auch umgangssprachlich: "Depp"

Niemand entzieht sich einer "wichtigen Debatte" darüber, welche "Maßnahme" gegen das "dringende Problem" der "Zuwanderung genetisch bedingter Minderintelligenz" nun die bessere sei. Hierüber existiert keine "wichtige Debatte", denn bereits die zugrundeliegende "Problemstellung" ist eine schlichte Frechheit.