Archiv der Kategorie: Antisemitismus

“Wird der Typ von Rothschild gesponsert?”

Neulich bei PI. NigelF erklärt, was es mit PIscher “Israelsolidarität” auf sich hat. Er findet nämlich, dass es Vorteile hat, wenn Israel/die Juden von verrückten Terroristen bedroht werden.

image

Mal abgesehen davon, dass “die” Muslime, auch wenn NigelF das wohl gerne hätte, keine einheitlich gemeinsamen Feindbilder haben (viele haben überhaupt keines), und Israel nicht von Muslimen als solchen bedroht ist, sondern von Antisemiten unterschiedlichster Couleur(unter denen es *auch* Muslime gibt), zeigt sich hier ein interessantes Denkmuster. NigelF, der sich hobbymäßig übrigens mit der Frage beschäftigt, wann in Deutschland sein ersehnter RassenkriegBürgerkrieg gegen Einwanderer startet, und sich dabei auf “Literatur” des antisemitischen Kopp-Verlages stützt, hat eigentlich nur etwas gegen Moslems. Deshalb liest er PI. Da dort jedoch plakative Israelsolidarität gezeigt wird, muss er sich eine Erklärung zurechtlegen, mit der er den Spagat zwischen PI und Kopp schafft. In der Konsequenz seiner Vorstellung wirft er seinen Feinden, die er als “die  Muslime” identifiziert, Juden zum Fraß vor, damit sie(“die Moslems”) nicht irgendwann ihn holen. In dieser Logik ist es angelegt, dass NigelF kein Interesse an einer friedlichen Beilegung des Nahostkonflikts entwickeln kann. Widerspruch bekommt er dabei freilich nicht zu lesen, denn mit seinem Kommentar hat er sehr treffend die PIsche Mainstreamhaltung zum Thema beschrieben.

Der humorbefreite OGDG erklärt, dass er das im PI-Copypaste-Beitrag gezeigte, sarkastische Video zum Thema “Einstaatenlösung” für einen ernstgemeinten Vorschlag hält, und vermutet schonmal, dass die Familie Rothschild dahinter steckt, zumal ja seiner Auffassung nach Juden wohl die USA beherrschten, für die Great Depression verantwortlich waren, und überhaupt, wohl die ganze Welt und noch mehr beherrschen.

image

Natürlich bekommen beide keinen Widerspruch von den aufmerksamen PI-Mitschreiberlingen zu lesen. Seit 24 Stunden. Aber das nur am Rande.

Werbeanzeigen

Lesetipps: Antisemiten in der Linkspartei

Um den Rechtsextremismus in vollem Umfang zu identifizieren, muss man ganz offensichtlich auch auf die Linkspartei schauen.

Hier finden sich Details, speziell bezüglich des Antisemitismus.

Das heißt nicht, dass man “die” Linkspartei als ganzes, oder “die” Linken pars pro toto dem Rechtsextremismus zuordnen kann – aber bei einem Teil davon geht das völlig problemlos.

Weiteres zum lesen und lernen hier.

Grundsätzlich ist also aufzupassen, denn: Einige “Linke” missbrauchen gute und wichtige Hinweise auf die real existierende Moslemfeindlichkeit, um ihrer antisemitischen und antiisraelischen Haltung Ausdruck zu verleihen.

Genau so, wie die Rechtsradikelen (PI, Po-Köln, usw.) den Davidstern wie ein Schutzschild vor sich her tragen, um sich gegen Rassismusvorwürfe zu immunisieren, so missbrauchen einige “Linke” den Islam, genauer gesagt: einige radikale politische Strömungen, die sich auf den Islam berufen, um ihren Antisemitismus zu verschleiern.

Und, es gibt noch weiteres zum Rechtspopulismus zu berichten.

Wir haben zentrale Aussagen von vier führenden europäischen Rechtspopulisten ausgewählt und das Forsa-Institut gebeten, eine repräsentative Zahl von Bundesbürgern mit diesen Fragen zur konfrontieren. Die Ergebnisse sind unerwartet eindeutig: Rechtspopulistisches Gedankengut trifft längst auf breite
Zustimmung in der Bevölkerung. Am anfälligsten zeigen sich die Wähler von Union und FDP – und die der Linkspartei. Besonders erschreckend: 20 Jahre nach der Wende stehen Ostdeutsche rechtem Gedankengut offenbar deutlich näher als Westdeutsche.

Kurzum: Nein, die Linkspartei ist nicht per se faschistisch, nur weil bei ihr auch rechtsradikales Gedankengut zum Teil auf einen Resonanzboden trifft. Aber sie ist gerade deswegen auch nicht per se antifaschistisch, nur weil dort auch Antifaschisten Unterschlupf bekommen. Vielmehr macht genau diese Mischung die Linkspartei gerade in Bezug auf Rassismus und Antisemitismus so profillos, wie die meisten anderen Parteien es sind. Mehr noch: Die als Monstranz vorgehaltene “Solidarität” macht ein konsequentes parteiinternes Durchgreifen in diesen Bereichen praktisch unmöglich.

Nachtrag: Hier die Studie(PDF)


Rechtsextremismus in der Duisburger Linkspartei

‘solid Duisburg wirbt für Sticker mit der Aufschrift “Boykottiert Israel”. Er stammt vom völlig zurecht wegen antisemitischer Umtriebe vom Verfassungsschutz beobachteten “initiativ e.V.”, dem bereits 2006 staatlicherseits die Gemeinnützigkeit aberkannt wurde. Dieser Verein zeichnet sich darin aus, einen selbstbestimmten jüdischen Staat abzulehnen und möchte den Antisemitismus zugleich als Relikt der Vergangenheit betrachten (siehe auch: Die Linke und ihr “Judenknax” im Cicero – sehr lesenswert).

Zu sehen ist auf dem Sticker ein Barcode, dessen Striche so angeordnet sind, dass sie die Form einer Mauer einnehmen. Es wird offensichtlich Bezug auf die Israelischen Sperranlagen im Westjordanland genommen, die erfolgreich verhindern, dass Terroristen Jagd auf Juden machen. Hervorgehoben sind auf dem Sticker des weiteren die drei Ziffern des EAN-Codes für Israel, direkt darüber nehmen die Barcodestriche die Form eines Schützenturms ein. Darüber steht: “Gegen Apartheid”.

Dieses Bild ist aus mehreren Gründen als antisemitisch einzustufen. Am offensichtlichsten ist die Forderung, nicht bei Juden zu kaufen, aber auch der nicht zutreffende und dämonisierende Apartheidsvorwurf ist entsprechend einzuordnen.

Unter dem Sticker wurde ein Flugblatt mit dem Titel “Nie wieder Krieg für Israel” verlinkt. (Siehe Ruhrbarone) Die auch hier antisemitische Bildsprache lässt erahnen, was im Flugblatt zu lesen ist.

In diesem Flugblatt wird empfohlen, die “Judenpresse” zu identifizieren und zu meiden, da sie “philosemitisch” sei und anbiedernd über “Israel und die Juden” berichte. Man solle auch keine Israelischen(aus Sicht der Flugblattschreiber: keine  jüdischen) Produkte kaufen, sich über die “wahren Hintergründe des Judaismus” informieren, und der “moralischen Erpressung durch den sogenannten Holocaust” entgegentreten.

Verlinkt ist auf diesem Flugblatt die Website von Ahmed Rami, einen schwedischen Rechtsextremisten islamistischer Prägung, der unter anderem auch an der Gründungsveranstaltung des im Jahre 2008 verbotenen rechtsextremen “Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten” teilnahm.

Auf der Website der Duisburger Linkspartei war diese klar rechtsextreme, antisemitische Hetze über einen längeren Zeitraum zu finden, und fand parteiintern offenbar keine Zurückweisung.

Weitere Berichte:

Ruhrbarone

NPD-Blog
RP-Online
DerWesten
Xtranews [2]
Tagesspiegel
Spiegel Online
WDR (Angeblich auch in einem Bericht der Aktuellen Stunde von 19 Uhr)
Welt-Online
Focus
Und schlussendlich hat auch die Nachrichtenagentur DPA das Thema in ihren weitreichenden Verteiler aufgenommen.

(Unzählige Blogs gaben ebenfalls ihre Meinungen zum besten.)

Nachtrag:
Und weil es grad zum Thema passt, ein Bericht über die Bremer Linkspartei bei
Mut gegen Rechte Gewalt und ein zugehöriges Statement aus der Linkspartei


Ein paar Auszüge aus der neuen FES-Studie

Mindestens ebenso interessant wie einzelne Zahlen der Studie “Die Abwertung der Anderen – Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung” sind die Erläuterungen. Hier also ein paar Auszüge(Einschübe und Kürzungen sind kursiv gekennzeichnet).

Erstmal der Link zur Studierie(PDF)

weiterlesen


Radiobeiträge zu Ungarn

Sehr interessantes zum politischen Hintergrund in Ungarn zeigt folgender Beitrag:

1. Paul Lendvai und Krisztina Koenen im HR (Quelle)

(Länge: ca. 46 Minuten)

Ein Beitrag mit sehr aktuellem Charakter ist hier zu finden:

2. Radio Dreyeckland: „Mediale Aufmerksamkeit auf Ungarn extrem wichtig“ (2 Teile)

(Teil 1. Länge: ca. 15 Minuten)

2.

(Teil 2. Länge: ca. 10 Minuten)

Quelle – Das Script ist, leicht nachbearbeitet und mit Links zu Hintergrundinfos versehen, hier zu lesen.

Neues aus Ungarn

Medien- und Meinungsfreiheit für Ungarn: Demos in Budapest, Debrecen, Pécs, Szeged, Gyula – und Frankfurt/Main

27. Januar 2011
von pusztaranger

Heute ist es wieder so weit: landesweite Demonstrationen in Ungarn! Die Vorbereitungen zur heutigen Demo in Budapest (Kossuth tér, beim Parlament um 18:00 Uhr) laufen auf Hochtouren. Ab 18 Uhr gibt es live-stream nach Budapest http://bit.ly/ghfYOU (Deutschsprachige Facebook-Gruppe Medien- und Meinungsfreiheit für Ungarn)

(Anm.: Und dieses Mal funktioniert der Livestream auch, zumindest jetzt um 17.44!)

Außerdem gibt es Demos in

  • Debrecen, Kossuth tér bei der Kossuth-Statue, 18-20 Uhr (Quelle)
  • Pécs, Jókai tér um 16:00 Uhr
  • Szeged, Dugonics tér, um 16:00 Uhr
  • Gyula, Kossuth tér, um 16:00 Uhr

(Update: Budapest ca. 10.000 Leute, bis zu 1660 Online-Zuschauer auf dem offiziellen Livestream; Szeged 200-250.)

Und auch in Frankfurt am Main, ebenfalls auf Facebook angekündigt. Weil es bisher nur wenige Zusagen und kaum PR gibt,  sei hier nochmal extra drauf hingewiesen. Die Veranstaltung wurde als Solidaritätskundgebung angemeldet.

Solidaritätskundgebung für die Pressefreiheit in Ungarn

Donnerstag, 27. Januar, 18-19.30 Uhr
Römerberg, Frankfurt
Solidaritätskundgebung für die Pressefreiheit in Ungarn
“Wir zeigen uns solidarisch mit den Demonstraten in Ungarn, die in vielen großen Städten zur gleichen Zeit gegen das neue Pressegesetz demonstrieren.”

Einer der Veranstalter schreibt mir eben:  „Heute Abend wollen wir uns in erster Linie mit den Demonstranten in Budapest solidarisch zeigen und die Leute hier in Frankfurt auf die Situation in Ungarn aufmerksam machen. Prinzipiell hoffe ich mal, dass wir 10-20 Leute werden und hinterher zumindest die Message an die Leute in Budapest senden könnnen: Wir denken an euch!“

Also FrankfurterInnen, wenn Ihr in der Gegend seid, schaut vorbei, was da los ist. In Berlin waren es am 14.1. auch nur ca. 35 Leute, aber es hat in Ungarn News gemacht, und die Solidaritätsbotschaft kommt auf jeden Fall an.

*

Radiotip: Aktuelles HR – Interview von gestern, auch mit Frankfurt-Bezug (Lendvais wegen rechtsextremer Drohungen abgesagte Veranstaltung im November):

Am Tisch mit Paul Lendvai und Krisztina Koenen, „Neue Nestbeschmutzer“

„Mein verspieltes Land“ hat er sein Buch über Ungarns jüngste Geschichte genannt – verspielt hat sein Heimatland aus Sicht des ungarisch-österreichischen Intellektuellen die Chance auf eine demokratische und friedliche Zukunft. Mit Sorge betrachtet auch die ungarische Journalistin Koenen diese Entwicklung. Gastgeber: Florian Schwinn

Kritik am Mediengesetz: Fidesz mobilisiert auf Facebook

26. Januar 2011
von pusztaranger

Die internationale Kritik am Mediengesetz entbehrt jeglicher inhaltlichen Grundlage und ist eine organisierte Verleumdungskampagne der international gut vernetzten ungarischen Sozialisten gegen das ungarische Volk. So in etwa äußerte sich Fidesz-Vize Lajos Kósa die Tage in der Presse.

Paar Beispiele:

„Haben die Sozialisten dieses  Chaos („hajcihő”, wer eine bessere Übersetzung weiß bitte melden.)  organisiert? Kósa: Es besteht keinerlei Hinweis darauf, daß das Mediengesetz das Recht auf freie Meinungsäußerung (wörtlich Redefreiheit) verletzt.“ So das Regierungsorgan Magyar Nemzet.

„Kósa: Mediengesetz verletzt Recht auf freie Meinungsäußerung nicht.“ Staatliches Kossuth-Radio.

„Kósa: Die Sozialisten schüren die Unruhe (felhajtás) HírTV.
„Kósa: Die Sozialisten schaden mit den Angriffen auf die ungarische Regierung ihrem Vaterland.“ (Radio Lánchíd)

„Schüren die Sozis das Chaos? Kósa: Die Mónika Show hat mehr Schaden angerichtet als die Ungarische Garde.“ Belföld.ma (Soviel ich weiß, haben Symphatisanten der Mónika-Show noch niemanden angegriffen und umgebracht.)

Die MSZP hat Kósa ein Ultimatum von 24 Stunden gestellt, diese „haltlosen und verleumderischen“ Äußerungen zurückzuziehen, und erwartet eine Entschuldigung,  sonst werden sie rechtliche Schritte ergreifen. (Stop.hu) Das hat Kósa natürlich nicht getan, die MSZP wird also Anzeige erstatten. (Hir24)

„Wir haben genug von dieser Lügenkampagne“ – Fidesz mobilisiert auf Facebook

Lajos Kósa hat die Sozialisten aufgefordert, damit aufzuhören, in der Hoffnung auf die Wiedererlangung ihrer Macht das Land zu diskretitieren. (…) „Darum haben wir letzte Woche die Facebook-Gruppe „Uns reichts“ (Elég, wörtlich: Genug) gegründet, die demonstrieren will, wie satt die Leute die Lügenflut der MSZP haben”. Die Seite hat bereits über 14.000 Mitglieder, fügte er hinzu. (HírTV)

Am 14.1. waren in Budapest über 10.000 Leute für die Pressefreiheit auf der Straße, morgen gibt es die nächste Demonstration, alles organisiert über Facebook. Und die Facebook-Gruppe für die Pressefreiheit hat mehr Mitglieder als die von Viktor Orbán – da mußte wohl etwas getan werden. Der Fidesz-Europaabgeordnete Tamás Deutsch hat dem Wahlvolk schon letzte Woche auf einer Pressekonferenz ans Herz gelegt, der neuen Facebook-Gruppe „Uns reichts“ beizutreten:

„Facebook-Seite der ungarischen Freiheit“

Deutsch sagte dort,  „die politische Lüge töte die individuelle und gemeinschaftliche Freiheit der Menschen, und auch er wolle sich einer Initiative anschließen, die die Freiheit der ungarischen Bürger stärke und garantiere, weshalb er sich der Facebook-Gruppe „UNS REICHTS, Schluß mit den Lügen!“ angeschlossen habe. Er lade jeden ungarischen Demokraten, jeden freiheitsliebenden Menschen, Männer und Frauen, ein, dieser Gruppe beizutreten. Diese Gruppe solle die Seite der ungarischen Freiheit auf Facebook sein. Er wünsche sich, daß innerhalb eines Monats mindestens eine Million Menschen der Gruppe beitreten und sie zur größten Gemeinschaft im ungarischen Facebook wird. Diese Initiative demonstriere, daß in Ungarn Presse- und Meinungsfreiheit herrsche. „Jetzt reicht es wirklich mit den Lügen, die sozialistische und ehemalige liberale Politiker Tag für Tag von sich geben.“ (Népszabadság)

Der Beschreibungstext der Gruppe:

UNS REICHTS! Wir haben genug davon, daß die Sozialisten die Ausländer gegen das Land aufhetzen. Tritt der Gruppe bei, wenn du denkst, daß Schluß sein muß mit den Lügen! HÄNDE WEG VON UNGARN!!!

UNS REICHTS!

Die Sozialisten können sich einfach nicht damit abfinden, daß die Ungarn sie letzten April verjagt haben. Sie haben aus den beiden heftigen Ohrfeigen (Anm.: Parlaments- und Kommunalwahlen 2010) nicht gelernt, die sie von den Wählern bekommen haben.

Uns reichts, daß Gyurcsány & Co genauso weitermachen wie früher. Sie lügen, „Am Morgen, am Abend und in der Nacht“. (Anm.: Zitat aus Gyurcsánys „Lügenrede“)

Uns reichts, daß sie auf organisierte Art und Weise Lügen verbreiten und Ungarn diskreditieren.

Uns reichts, daß die Sozialisten die Ausländer gegen das Land aufhetzen.

Uns reichts, daß die Sozialisten den Erfolg Ungarns wieder und wieder torpedieren!

Tritt der Gruppe bei, wenn du denkst, daß endlich Schluß sein muß mit den Lügen!

Kommentare:

Die Gruppe hat heute schon über 15,200 Mitglieder, die sich auf der Pinnwand nonstop Luft machen; die Kommentare haben folgenden Tenor (nur einige Beispiele vom Sonntag, und gesichtet von diesem Blog):

Die KommentatorInnen erklären ihre Liebe und Treue zu Viktor Orbán

  • „Gott segne unseren Ministerpräsidenten“
  • „Das ungarische Volk kann stolz darauf sein, daß es endlich so einen Ministerpräsidenten hat.“
  • „Viktor Orbán, wir lieben dich und halten zu dir!!!“

Sozialistenbashing á la die Sozis sind Vaterlandsverräter und gehören in den Knast, bis hin zu Morddrohungen:

  • „Ich hoffe, die neue Verfassung bestraft den Vaterlandsverrat! Es sollen nicht viele Sozis auf freiem Fuß bleiben!“
  • „Schluß mit den „Linksliberalen“! Verdammte Vaterlandsverräter! Kann man die nicht einlochen?“
  • „Ich kann es kaum erwarten, daß Fletó (Gyurcsány) und der widerliche Demszky (ehemaliger OB von Budapest) im Knast sitzen, zusammen mit ihren Freunden!“
  • „Schluß mit den Betrügern, Mördern, Dieben. Warum sind Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte nur dazu fähig, Zeit zu schinden, warum wird ihnen nicht kurzer Prozeß gemacht und  ihnen die schwersten Strafen gegeben – vollständige Enteignung und lebenslängliche gemeinnützige Arbeit…“
  • „Ist die Verunglimpfung Ungarns etwa kein Vaterlandsverrat? Und warum nicht? Aber wenn doch, wie kann es dann sein, daß die Täter immer noch au freiem Fuß sind? Man muß nicht quatschen, sondern handeln! An den GALGEN mit denen!!!!!!!!!!“

Auch Rechtsextremes gibt es dort (wenn es gegen die MSZP geht, sind sich Rechte und Rechtsextreme einig):

  • „Am Schlimmsten sind die, die unter Fremden ihre eigene Rasse, ihr eigenes Blut, ihre Nation angreifen“
  • „DÉLVIDÉK!!!!!!! KITARTÁS!!!!!!“ (Délvidék – Südprovinz – ungarisch für die Vojvodina, heute Serbien; „kitartás“, etwa „haltet aus“, ist der Gruß der Pfeilkreuzler.)

Es werden regelmäßig rechtsextreme Videos verlinkt, so eine Dokumentation über Horthy und Gömbös, und ein Musikvideo von Jobbik-Rapper FankaDeli – „Vaterlandslose Verräter /WANTED/“, mit Fotos von linken und liberalen Politikern, steckbriefmäßig. Der Kommentar einer älteren Dame dazu:

  • „So viel Dreck auf einem Haufen habe ich noch nie gesehen. Die gehören nach Sibirien in ein Arbeitslager.“

Mediales Überschreien

Fidesz instrumentalisiert die ausländische Kritik am Mediengesetz, um im Land gegen die Sozialisten (den „inneren Feind“) zu mobilisieren, sie tun das auf Facebook, und verbreiten den Link über die regierungsnahen Medien. Also nicht nur die Information, sondern auch den Link zu dieser Facebook-Gruppe. Die Propagandatechnik, die hier zur Anwendung kommt, ist das mediale Überschreien – machen Kritiker Unterschriftensammlungen oder bilden Gemeinschaften mit hohen Mitgliederzahlen, sammelt man eben einfach noch mehr Unterschriften, wodurch die Kritik der Gegner automatisch hinfällig wird – denn WIR sind die Mehrheit. (Das ist auch eine Spezialität von Jobbik, siehe mein Post Jobbik gegen Respekt für alle, 2009).

Gefakte Facebook-Profile

Es hat allerdings ein paar Tage gedauert, bis die Propagandamaschine so richtig angelaufen ist. Dem Blog piroslapok.hu ist aufgefallen, daß dem Erfolg der Gruppe offenbar nachgeholfen wird. Unter den Mitgliedern finden sich verdächtig viele Personen ohne Foto und Facebook-Freunde, die in Kommentaren ihre Liebe und Treue zur Orbán-Regierung bekunden und über die Sozialisten herziehen. Auf piroslapok.hu kann man sich eine Screenshot-Sammlung ansehen.

Ungarn im Ausland kritisieren ist Vaterlandsverrat: Orbán 2003

2003 hat Orbán sich an die Centrist Democrat International um Hilfe gewandt, weil die Vorgängerregierung dabei sei, eine Diktatur zu errichten  – in Ungarn herrsche seit dem Regierungswechsel eine Atmosphäre wie in Kuba und Burma, s. Hetek, 2003, und Nyerges András: Ki téveszt össze mit, mivel? auf Galamus.hu. Hier noch eine MTI-Meldung von 2003 (gefunden auf hungaria.org):

Former PM Replies to Foreign Minister Kovacs over CDI Resolution

Submitted by: Webm. on 21st June, 2003 – 08:15#449

Budapest, June 14 (MTI) – Fidesz Chairman Viktor Orban on Saturday called on the chairman of the Hungarian Socialist Party (HSP) to take a stand against Hungarian law violations with respect to human rights.

Orban, Chairman of the opposition Fidesz-Hungarian Civic Alliance and former prime minister (1998-2002), was replying to a letter addressed to him on Friday by HSP Chairman and Foreign Minister Laszlo Kovacs, who called on him to prove the accusations which he „pushed to have passed“ by the Christian Democrat International (CDI).

The CDI executive committee passed a resolution at its Lisbon session on June 4, in which it condemned Hungary for the violation of fundamental political and civic rights, on the proposal of Fidesz.

„We are convinced that the prevailing Hungarian governments are obliged to do their utmost to fully enforce human rights. I hope that in spite of the differences that exist between us regarding principles, ideals and order of values, we agree in this,“ Orban wrote.

„Therefore, I call on you, as Chairman of the Hungarian Socialist Party, to do everything in order to eliminate the violations of human rights, and for the government to fully respect human rights,“ runs the letter.

Orban states several Hungarian and international organisations, including the European People’s Party, had raised their voices because human rights were not, in certain cases, enforced appropriately in the past year.

„Fidesz had also raised its voice in Parliament on several occasion in connection with these concrete issues and for enforcing human rights,“ he wrote.

Orban wrote Hungarian citizens have the right to assembly, to demonstrate, to make banners and leaflets, to know what is going on in the Paks Nuclear Power Plant, and to have a poor opinion about the prevailing prime minister.

It violates the rights of people if their tax data are copied, if state companies are ordered to choose the dailies in which they want to advertise on a political, rather than a business basis, if attacks are launched against various constitutionally independent institutions,“ the Fidesz chairman wrote.

He adds Fidesz discussed the state of human rights at its last congress because „it is the interest of us all that these phenomena be eliminated“.

„The enforcement of human rights cannot be considered the internal affair of any single country in Europe, and this has been the case for decades. It thus is understandable that international attention is focused on human rights issues,“ Orban wrote in his letter to Foreign Minister Kovacs.

Wenn er sowas macht, ist es natürlich ganz was Anderes.

Mediale Aufmerksamkeit auf Ungarn extrem wichtig


Wo fängt es an?

Ohne konkreten Anlass vorgebracht sind derartige Texte weniger emotional unterfüttert, und somit fruchtreicher, denn als Reaktion auf Kampagnen.

Hier also der Catcher:

Kaum ein Thema ist in Deutschland so präsent wie Israel und der Nahostkonflikt. Der Grat zwischen legitimer Israelkritik und Antisemitismus ist schmal. Auch in der Forschung ist dies ein viel diskutiertes Thema, die Kardinalfrage lautet: Wann wird Israelkritik antisemitisch? In der vergangenen Woche hat der Publizit Alfred Grosser in einem Interview mit Cicero Online Israel scharf kritisiert. Ihm antwortet der Antisemitismus-Experte Martin Kloke.

Ein Schlüsselabsatz noch:

Die Schlüsselfrage ist nicht, ob „Israelkritik“ „erlaubt“ ist – sondern, ob Kritiker ein faires, kritisch-differenzierendes oder aber ein maßlos verzerrtes und einseitiges Israelbild zeichnen. Der Antisemitismus-Verdacht wird zur Gewissheit, wenn „Israelkritiker“ das Existenzrecht Israels als jüdischer und demokratischer Staat in Frage stellen (Delegitimierung), wenn sie immer nur „Israel“, der „zionistischen Lobby“ oder gar „den Juden“ die Schuld an der palästinensischen Malaise geben (Dämonisierung) und wenn sie umstrittene israelische Militäreinsätze mit den Verbrechen der Nazis gleichsetzen (Aufrechnung und „Entsorgung“ der NS-Verbrechen).

Alles im Cicero.


Der Vergleich

imageimage

 

 

 

 

Was wurde schon – auch in verächtlichem Ton – über den Vergleich zwischen Islamophobie und Antisemitismus[S.2] gestritten – es wurde aneinander vorbeigeredet, hysterisch wurde versucht, an der Reputation einzelner Protagonisten zu kratzen. Dies reichte bis hin zu einer “kleinen Eskalation” im deutschsprachigen Feuilleton, die auch tatsächlich zu einer Versachlichung führte(die wiederum streckenweise durch Sarrazin torpediert wurde). Sowohl die Grenzen von Vergleichsmöglichkeiten als auch tatsächlich vergleichbares wurde herausgearbeitet. Dennoch können sich auch viele derer, die ein Problem in antimuslimischen Ressentiments sehen, nicht mit dieser Betrachtungsweise anfreunden. Die Sorge: Allzu groß ist die Gefahr einer Gleichsetzung und damit einer indirekten Marginalisierung des Antisemitismus im allgemeinen bis hin zur indirekten Rechtfertigung der Shoa. Hierzu würde es tatsächlich reichen, Gemeinsamkeiten hervorzuheben und zugleich die Unterschiede auszublenden oder gar zu leugnen.

Dankenswerterweise hatte dies ein rechtsradikales Magazin schon sehr frühzeitig zu Ende gedacht, und diese Sorge somit bestätigt.

Hieraus kann man nur den einen Schluss ziehen, dass mit derartigen Vergleichen, bei allem Sinn, den sie ergeben, sehr umsichtig umzugehen ist. Die durch einen Vergleich beschreibbaren Unterschiede sind den Gemeinsamkeiten mindestens gleichrangig. Letztlich kann sich hierbei auch herausstellen, dass andere Feindfiguren, wie beispielsweise der Antiziganismus, Zuschreibungen enthalten, die viel gewichtigere Parallelen mit der Moslemfeindlichkeit aufweisen, die im Antisemitismus jedoch nicht vorkommen. Gleichsam gilt dies auch für andere Feindbilder. Der Punkt ist der, dass überhaupt verglichen wird, und Schlüsse aus der Historie gezogen werden.

Auf Welt-Online stellt daher ein Autor die These auf:

Islamophobie ist nicht das Gleiche wie Antisemitismus. Die Vorbehalte gegen Muslime erinnern eher an die Katholophobie, die es bis ins 20. Jahrhundert gab.

Er wirbt hierbei fernab von Unterstellungen “böser Absichten” für eine Vergleichende Betrachtung der Islamfeindlichkeit mit dem historischen Antikatholizismus. Den Vergleich mit dem Antisemitismus hält er nicht für hilfreich, denn:

Antisemiten glauben, dass Juden gleichzeitig erbärmlich und unglaublich mächtig sind, dass sie die Weltpresse kontrollieren, dass sie hinter dem Bolschewismus und dem Kapitalismus zugleich stecken(…)

Hier ist dennoch anzumerken, dass im moslemfeindlichen Kerndiskurs häufig ebenso Verachtung gegenüber einer imaginierten Presseverschwörung mitschwingt, mitsamt der Theorie, die Presselandschaft sei von den “Feinden” beherrscht, die eine “Umvolkungspropaganda” betrieben. Je nach politischer Ausrichtung sind es “Gutmenschen, 68er, K—Gruppen”(sagt Ulfkotte), oder eben “die Zionisten”(sagen Nazis). Aber es ist wirklich in der Tat so: niemand sagt, “die Moslems” steckten leitend hinter “der Presse”.

Weiter führt er aus:

(…)der laut zeternde Feind des Islam, der seinen Hass im Internet kundtut, glaubt nicht, die Muslime hätten mit List den Börsencrash des Jahres 2008 inszeniert, um sich zu bereichern. Solche besonders perfiden Gemeinheiten bleiben für die Kinder Israels reserviert.

Und das, Obwohl Schariabanken am stabilsten aus der Krise getreten sind, und vielfältig laut und positiv über dieses System nachgedacht wurde. Stoff für Verschwörungstheorien hätte es also durchaus gegeben. Eine solche Genialität und Boshaftigkeit traut der Moslemfeindliche Diskurs einer Kultur, die als “minderwertig” markiert wird, jedoch nicht zu. Während der Antisemitismus das Volk “von oben und von innen her” bedroht sieht, sieht die Moslemfeindlichkeit das Volk “von unten und von außen her” bedroht.

Hier ergeben sich dann tatsächlich interessante Parallelen zum angelsächsischen Antikatholizismus, von denen der Autor dann auch einige beschreibt. Ob diese Parallelen in sich schlüssig sind, ist offenbar ebenso umstritten. Es gibt Stimmen, die sich gegen jeden Vergleich aussprechen.

Es gibt zudem Stimmen, die sich für eine genauere Differenzierung des islamkritischen Milieus aussprechen. Islamkritik ist eben nicht gleich Islamkritik. Eine Verurteilung von Islamistischen Terroranschlägen durch autochtone deutsche Muslime kann schwerlich als Islamkritik oder gar “Islamophobie” bezeichnet werden. Vielmehr ist dies ein Ausdruck einer Verteidigung des Islam gegenüber extremistischen Tendenzen.

Generell ist es daher geboten, diskursive Elemente zu ordnen und unterschiedlich mit ihnen umzugehen, wie es Micha Brumlik in der Taz fordert. So gibt es:

1. feindselig verwendete „Realistische Behauptungen über Fremdgruppen“; 2. „Fremdenfeindliche Behauptungen, die ein sozial bedrohliches Verhalten sämtlichen ihrer Mitglieder einer Gruppe zurechnen, die aber nur auf dem Verhalten einer Minderheit dieser Gruppe basieren“, sowie 3. „Chimärische Behauptungen, die mit Gewissheit Charakteristika, die empirisch nie beobachtet wurden … einer Fremdgruppe und allen ihren Mitgliedern zuweisen.“

Es muss also genau hingesehen werden, ob in einer konkreten Argumentation Islamkritik, Islamfeindlichkeit oder Islamophobie vorliegt, was jedoch manchmal kaum möglich ist:

Es wäre bei Aussagen, die eventuell zu pauschal als „Islamophobie“ bezeichnet werden, im Einzelfall zu prüfen, ob es sich dabei um realistische Behauptungen, unzulässige Generalisierungen oder um wahnhafte Hirngespinste handelt. Terminologisch ließe sich dann zwischen „Islamkritik“, „Islamfeindlichkeit“ und „Islamophobie“ unterscheiden. Der Erfolg von Sarrazins Machwerk lässt sich dann aus seiner brisanten Mischung erklären, daraus, dass es neben der generalisierenden „Islamfeindlichkeit“ eben auch einige Elemente seriöser „Islamkritik“ enthält sowie – vor allem in den letzten Abschnitten des Buches unter dem Deckmantel der Satire – klinische Islamophobie verbreitet.

Es muss also darum gehen…

unterschiedliche Formen gruppenbezogener Menschenfeindschaft (…) daraufhin zu untersuchen, wie sich bei ihnen realistische Beobachtungen, unzulässige Generalisierungen und klinische Wahnvorstellungen mischen.

Dieser Ansatz ist für das gesamte Spektrum der Feindbilder sehr sinnvoll. Hierbei sind nicht allein die innerhalb der deutschen Gesellschaft existenten Feindbilder gemeint, sondern auch Feindbilder, die in anderen Ländern durch Mehrheiten gepflegt werden, z.B. die türkische Kurdenfeindlichkeit, die ägyptische Koptenfeindlichkeit, die niederländische Moffenfeindlichkeit, die Homophobie in Uganda, die protestantische Katholikenfeindlichkeit in den USA, und selbstverständlich auch der islamisch unterfütterte Antisemitismus.

Die Mischung aus Realismus, Feindschaftlich-generalisierender Unterstellung und Phobie ist jeweils eine völlig andere. In allen Fällen gilt es jedoch, die phobischen Zuschreibungen klar zurückzuweisen, Generalisierungen richtigzustellen und sich konstruktiv mit realistischer Kritik auseinanderzusetzen. Die komplexeste Aufgabe liegt dabei im Umgang mit Schriften, die alle drei Elemente vermischen. Es ist zu erwarten, dass die Zahl diesartiger Schriften zunehmen wird.


Zwei Lesetipps…

Mit Ausnahme des letzten Satzes:

Israels falsche Freunde

und ein Text über den Vergleich zwischen Moslemfeindlichkeit und Antisemitismus:

Ist die Islamophobie der neue Antisemitismus? [Seite 2]

der, abgesehen vom Begriff „Islamophobie“ im letzten Absatz korrekt abschließt:

Der Erfolg von Sarrazins Buch, (…) gibt Wolfgang Benz nachträglich recht

Nachtrag, und damit sind es drei Lesetipps: Hier noch ein weiterer zum erstgenannten Thema.

Und noch einer, damit sind es vier: Erstmalig übrigens ein Tipp, der nach „achgut“ linkt: „Ich habe gerade herausgefunden…


Berliner Anschlagsserie und die „Integrationsdebatte“

In Berlin kommt es seit Monaten immer wieder zu Anschlägen auf Moscheen. Politiker sehen darin eine folge der „Integrations“-Debatte.

Sechs Anschläge sind hierbei gezählt, die Polizei geht jedoch von einer höheren Dunkelziffer aus. Vor einer Woche hieß es noch, es seien „Einzelfälle“.

Gerade die massive „Deutschland schafft sich ab“-Werbekampagne von Bild und Spiegel, die propagierte, der „Stolz, Deutscher zu sein“ solle als etwas erstrebenswertes betrachtet werden, und die Anwesenheit von Muslimen bzw. Menschen aus dem „Islamischen Kulturraum“ solle zugleich prinzipiell als Gefahr für das Land betrachtet werden, sowie hysterische Reaktionen, wenn sich Vertreter von Minderheitenorganisationen mahnend zu Wort melden, führen zwangsläufig dazu, dass rechtsorientierte Jugendliche eine gesellschaftliche Legitimation für Gewalttaten sehen.

So verwundert es auch nicht, dass das Opfer des rechtsextremen Mordes in Leipzig ein Christ war, kommt es schließlich aus einem mehrheitlich von Muslimen bewohnten Land, dem Irak. Diejenigen, die ein entsprechendes Ressentiment pflegen, fragen nicht danach, ob eine Personen wirklich Muslimisch ist. Wer Muslim ist, entscheidet der Täter. Werden Personen aufgrund der Physiognomie in die Kategorie „Orientalisch“ eingeordnet, spielt sich im Kopf das gesamte Muslimfeindliche Zuschreibungsprogramm ab. Ähnlich war es auch bezüglich eines rechtsextremen Mordes in Dresden, als der Täter die ägyptische Pharmazeutin unzutreffend als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpfte, weil die Physiognomie, das Kopftuch oder beides aus Sicht des Täters bereits als „Beweis“ dafür ausreichte.

Anschläge auf symbolische Einrichtungen können ebenfalls auf das gesellschaftliche Klima zurückgeführt werden. Auch hierbei glauben Täter an einen gesellschaftlichen Rückhalt. Der Mechanismus ähnelt dem, der im Rahmen typisch übertriebener öffentlicher Diskurse rund um den Nahostkonflikt die Wahrscheinlichkeit antisemitischer Anschläge auf Synagogen steigen lässt. Aber auch rassistisch aufgeladene „Integrationsdebatten“ können eine solche Wirkung entfalten.

Daher ist es auch kein Wunder, wenn Moscheen auch folgendermaßen beschmiert werden:

In einem Fall wurde ein muslimisches Gebetshaus mit den Worten „Ihr Juden“ beschmiert.

Hier stellt sich schon die Frage, ob Apologeten der „Islamkritik“ wissen, was sie da tun.


Was zum lesen: „Rechte Reise nach Jerusalem“

Ein Lesetipp ohne Zitate. Es geht um extrem Rechte Parteien wie „FPÖ“(Österreich), „Die Freiheit“(Deutschland), „Vlaams Belang“(Belgien) und „Schwedendemokraten“(äh, Schweden), die einen Abstecher nach Israel machten, um sich einen Persilschein abzuholen.

Der Blogpost „Rechte Reise nach Jerusalem“ analysiert differenziert und treffend den Wandel der extremen Rechten in Europa, deren neues Zusatzfeindbild „Moslem“ und die Basis, auf der ein Schulterschluss dieser europäischen Antisemiten mit Israelischen Rechtsradikalen möglich erscheint. Angerissen wird auch das Rechte Paradoxon: Der europafeindliche Geist, also das trennende ideologische Konstrukt „Europa der Vaterländer“ ist es, der die Rechten des Kontinents eint.

Also hier entlang -> Rechte Reise nach Jerusalem | Der Lindwurm. Sehr lesenswert.