Archiv der Kategorie: Medien

Lesetipp: “Das Islambild in den Medien”

Sehr lang, aber auch sehr inhaltsreich und ausgewogen und somit lesenswert ist die Vertextung eines Redebeitrages des Journalisten Jörg Lau, den er auf einer Ringvorlesung an der Goethe-Universität Frankfurt hielt. Thema der Vorlesung war: “Wie viel Islam verträgt Europa? Einbürgerung des Islam: Gefahr, Schicksal oder Chance für Europa?”

Kürzen oder auszugsweise zitieren möchte ich nicht, da zu umfangreich. Es werden sehr viele Themen angeschnitten. Von fehlenden muslimischen Journalisten über den Mord an Marwa S., den Islamismus bis hin zu Sarrazin und der Darstellung der Debatten, die er anstieß, die Veränderung der Positionierungen zur Integrationsdebatte bei linken und bei rechten, usw. (und ich habe bisher nur die Hälfte gelesen) – wird vieles dargestellt.

Hier geht es zum Text.

Nachtrag: In der zweiten Hälfte findet sich eine ausführliche und plausible Darlegung der Gründe des Autors, den Islamophobiebegriff abzulehnen, dem anschließend macht er in aller Ausführlichkeit deutlich, dass sich der Journalismus einerseits keinen Lobbygruppen beugen darf, aber in diesem Themenbereich dennoch eine Generalrevision braucht. An dieser Stelle dann doch einmal ein Zitat:

Ein Beispiel dafür, wie man’s nicht macht: Ein islamischer Theologe hat mir erzählt, dass er vor wenigen Jahren einmal zu einer der großen Talksendungen im  deutschen Fernsehen eingeladen werden sollte. Es fand ein Vorgespräch statt, das angenehm verlief. Dann wurde er kurz vor der Sendung doch noch ausgeladen. Begründung: Man hätte sich etwas schärfere Kommentare von ihm erhofft. Tja, und in der Sendung bei Sabine Christiansen saß dann der Leipziger Salafist Hassan Dabagh mit seinem malerischen Rauschebart. Er wirkte toll im Fernsehen. Er wirkte wie fürs Fernsehen geschaffen.

Zum Ende hin berichtet er über den “Karikaturenstreit”, den er als einer der ersten in die deutschen Medien brachte.

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Dichtung und Wahrheit bei Blogs, Twitter & Co

Das Internet ist Tummelplatz verhinderter Enthüller. Und damit auch Quelle für den klassischen Journalismus. Eine sehr bedenkliche Fundgrube!

So wahr, so wahr… Ein sehr lesenswerter Text bei Welt-Online.

Längst ist das Internet der Tummelplatz der verhinderten Enthüller. Seit Ende 2009 wird die persönliche Demontage des angesehenen Antisemitismusforschers Wolfgang Benz betrieben. Immer neue Recherchen wollen nicht nur empörende Kungeleien bei der Berufung seiner Nachfolge und drastische Methoden beim Umgang mit Kritikern belegen, sondern auch, dass der langjährige Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung in Berlin selbst Antisemit sei. Einer Gegenrecherche hielt keine der Episteln stand. Mal wurde dem Professor vorgeworfen, Anfang der 60er-Jahre Informationen nicht beachtet zu haben, die seit 1994 zugänglich sind. Mal stellt ein Ex-Doktorand falsche Zusammenhänge in Zeugenaussagen oder an ihm geübter Kritik her.

Durch die Hintertür werden Gerüchte "glaubwürdig"

Gerüchteforscher – ja, die gibt es! – empfehlen zum Umgang mit falschen Informationen, am besten nicht zu reagieren. Der Fall Benz steht jedoch paradigmatisch für ein weiteres Phänomen. Längst dienen ja auch Blogs und Co. dem traditionellen Journalismus als Quellen. In der Gerüchteküche um den Berliner Forscher stechen prominente Gegner hervor, die wissen, wie man Medien bedient. Quasi durch die Hintertür gelingt es so, Gerüchten durch Weiterverbreitung in renommierten Onlinemedien das Prüfsiegel kontrollierter Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Im Wege des Selbstzitats wird dann eine Debatte vorgegaukelt. Im üblichen Arbeitsdruck müssen Redaktionen das erst einmal durchschauen.

Hier gibt es alles.

Hintergrund:
Henryk M. Broder – “Sind Muslime die Juden von heute?”
“Mir schlägt ein unglaublicher Hass entgegen”
Interview mit Wolfgang Benz
Kleiner Lesetipp: Feindbild Vorurteilsforschung


Die “gewaltbereiten” Moslemkinder…

Interessantes aus dem Bildblog. Ich kürze es mal ab…

Für junge Christen gilt, dass sie mit steigender Religiosität weniger Gewalttaten begehen. Bei jungen Migranten sinkt beispielsweise die Quote der Gewalttäter von 21,8 Prozent (nichtreligiöse Jugendliche) auf 12,4 Prozent (sehr religiöse Jugendliche) oder den Angehörigen sonstiger Religionen entsprechend von 26 Prozent auf 8,5 Prozent. Für junge Muslime geht dagegen die zunehmende Bindung an ihre Religion mit einem Anstieg der Gewalt einher. Die höchste Quote erreichen hier die "sehr religiösen" Jugendlichen mit 23,5 Prozent, die niedrigste die "etwas religiösen" mit 19,6 Prozent.

Quelle(Studie als PDF)

Ein Absatz aus dem Bildblog:

Dieser — wohlgemerkt relativ geringe — Anstieg der Gewaltbereitschaft betrifft ausschließlich "sehr religiöse" muslimische Jugendliche, nicht aber "etwas religiöse" oder "religiöse" (vgl. Tabelle KFN-Studie, S. 116). Er wird sowohl in der Langfassung als auch in der Kurzfassung der Studie nicht etwa mit der Religon, sondern mit anderen Faktoren wie der Akzeptanz gewaltlegitimierender Männlichkeitsnormen ("Machokultur"), der Zahl straffälliger Freunde oder der Nutzung gewalthaltiger Medien begründet.

Die Süddeutsche dazu:

Selbst wenn man diese Faktoren herausrechnet, bleibt ein signifikanter Zusammenhang zwischen Religiosität und Gewaltbereitschaft.

Die Studie hingegen:

Das Modell III belegt ferner, dass diese erhöhte Gewaltbereitschaft weitestgehend auf andere Belastungsfaktoren zurückzuführen ist, wobei die vier bereits bekannten Faktoren einbezogen werden. Dies führt dazu, dass von der Zugehörigkeit zu einer Konfessionsgruppe kein Effekt mehr auf das Gewaltverhalten zu beobachten ist. (KFN-Studie, Seite 116)

(…) Mit stärkerer religiöser Bindung steigt die Gewaltbereitschaft tendenziell an. Da dieser Zusammenhang aber als nicht signifikant ausgewiesen wird, ist bei islamischen Jugendlichen von keinem unmittelbaren Zusammenhang (und damit auch nicht von einem Gewalt reduzierenden Zusammenhang) zwischen der Religiosität und der Gewaltdelinquenz auszugehen. (KFN-Studie, S. 118)

(…) Mit den hier dargestellten Forschungsergebnissen ist noch nicht ausreichend belegt, dass der Islam für die dargestellte Problematik direkt verantwortlich gemacht werden kann. Zur Klärung bedarf es tiefergehende Analysen (…). (KFN-Studie, S. 129)

So etwas kann eine statistische Studie auch nicht belegen. Selbst wenn die Unterschiede signifikant wären, ließe sich daraus kein kausaler Zusammenhang herstellen. Die Signifikanz, wäre sie vorhanden, wäre dann jedoch ein Indiz, das tiefere Analysen über Ursachen und Zusammenhänge einfordert.

Was eine Studie aussagt, scheint jedoch weniger von Interesse zu sein. Interessanter ist es, wenn Titelzeilen einen hohen Puls versprechen. Ein Ressentiment benötigt nur einen Anlass, jedoch keinen Grund, wie Broder zu sagen pflegt. Und das sieht dann so aus:


Love & Theft

Ein Fundstück der besonderen Art möchte ich niemandem Vorenthalten. “Love & Theft” bietet ein kleines audiovisuelles Erlebnis der besonderen Art. Ich empfehle, dieses Schmuckstück im Vollbildmodus anzusehen.

Der Künstler fügte ein Zitat von Bob Dylan hinzu:

And I’m still carrying the gift you gave,
It’s a part of me now, it’s been cherished and saved,
It’ll be with me unto the grave
And then unto eternity


Wo ist der Fehler?

In Fribourg(Schweiz) wurde einer Muslimin die Sozialleistung um 15% gekürzt, weil sie sich für ihren neuen Arbeitgeber nicht aussziehen ihr Kopftuch nicht ablegen wollte.

Nun kann man sich mit gutem Recht fragen, ob diese suggestive Illustration mit der Burka nur zufällig das erste Bild einer Fotostrecke ist, in der die Unterschiede zwischen den vielen Kleidungsstücken dargelegt wird…

Scrollt man auf der Seite aber etwas herab, räumen sich sämtliche Zweifel, es könne sich um einen dummen Zufall handeln, aus:

image

Es wird ein Niqab(Gesichtsschleier) abgebildet – im Text geht es jedoch nur um das Kopftuch.

Der Pantoffelpunk hat die Funktion solcher Illustration gut beschrieben:

Unterstützung findet solch eine repressive Politik gegen die Schwächsten der Gesellschaft – hüben wie drüben – im Boulevard, denn wenn man den online-Bericht der Nachrichtenseite 20 Minuten Online aufruft, sieht man die Überschrift “Weniger Geld wegen Kopftuch“, die mit einem Super-Symbolfoto garniert wird, das einen abendländisch geprägten Leser nur zustimmen lassen kann: Klar, das muss dann sein.

Zur Erinnerung – SO sehen Kopftücher aus:

kopftuch_DW_Politik_386150g.jpg (480×320)

Sieht etwas weniger bedrohlich aus, oder? Bei aller Liebe… Man kann es wirklich übertreiben. Noch mehr: Diese Art des Journalismus kann man mit Recht als “Hetze” bezeichnen.


Kontaktketten. Diesmal: Dee Ex

Dee Ex (Artikel bitte lesen), die Frau von Weltnetz(Auch das bitte lesen), ist eine ganz lustige. Zwar nicht sonderlich intellerewenent, dafür aber relativ Wortgewandt. Auf Urin-News heult sie sich aus, dass ihr Naziprofil aus dem Gesichtsbuch im Weltnetz gelöscht wurde. Darum soll es aber hier nicht gehen, nur so viel: Selbst schuld. Ganz schlechte Mimikry.

Vielmehr geht es um folgende Kette, rein zur Doku:

image

Der Nic-Eintrag dieser Website(kann sich jeder selbst suchen) zeigt auf Thomas Voß aus Hamburg, der bei PI-News ein und ausgeht.

Nach wenig Recherche über ihn finden wir die Rezension eines Buches des Antisemiten und Holocaustleugners Viktor Suworow[2]…

Seit nunmehr 35 Jahren beschäftige ich mich mit der Thematik "2ter Weltkrieg und das Dritte Reich". (…) Sie merken es jetzt schon, sofern Sie so um die 40 sind, das man seit Jahrzenten dabei ist uns einen Bären aufzubinden.

Kurz: “Es war alles ganz anders mit Hitler, dem Krieg, und überhaupt. Eigentlich ist auch zum Holocaust noch nicht alles gesagt, und außerdem: Wir Deutschen werden unterdrückt.”

Die weiteren Rezensionen sind mehrheitlich auch einschlägig dem Geschichtsrevisionistischen Lager zuzuordnen. Nazizeug eben.

Dazu kann ich nur eines sagen, und damit kann man auch den Bogen zurück zu Dee Ex spannen:


“Deutsche Kartoffel”: Der “Kartoffelskandal” nun auch in der taz

Im Grunde eine Wiedergabe der Ereignisse rund um das Kartoffelgate, aber ebenfalls mit einem schönen Schlussabsatz:

"Wenn man irgendeine Moral aus der seltsamen Geschicht‘ ziehen kann, dann die, dass Dummheit und Borniertheit, die natürlichen Feinde der Kunst, im Internet einen unfassbar fruchtbaren Humus gefunden haben", so die FR in ihrem Fazit. Eventuell sollte man aber auch auf einen YouTube-Kommentator hören, der angesichts des sich auch dort aufschaukelnden K(r)ampfes um die Knolle einfach nur philosophisch blieb: "Jetzt hab ich voll Lust auf Kartoffeln bekommen."
Guten Appetit.

Hier der Artikel.

Und hier nochmal das lustige Video.

Siehe auch:
Die Deutsche Kartoffel und das “Gesunde Volksempfinden”
Kartoffelmassaker
Dem Nazi sein Gehirn…
Die Kartoffelwoche – heute: Musik von Jan Delay
Deutsche Kartoffel: Treffer, versenkt!


Lesung in Leipzig

(Link von mir hinzugefügt)

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus und des Lesefestes “Leipzig liest“ findet am Freitag, dem 19.März in der Alten Nikolaischule eine Lesung zum Thema “Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen“ statt.

Quelle

Ich hoffe, dass – wie ich es schon zum Thema “Seminar: Islamophobie und Antisemitismus” schrieb – die Veranstaltung Transparent verläuft, um die Inhalte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Ein Audiostream würde sicher schon ausreichen.


Islam in den Medien seit 1990

Gibt es da einen Zusammenhang? Ich weiß es nicht. Wenn ich mir jedoch die Zeitachse des Google-News Archivs zu diversen Suchbegriffen ansehe, dann fallen ein paar Dinge auf.

Islamismus:

Zeitleiste "Islamismus"

Terrorismus:

Zeitleiste "Terrorismus"

Islam:

Zeitleiste "Islam"

Moslems:

Zeitleiste "Moslems"

Zuwanderung Moslems:

Zeitleiste "Zuwanderung Moslems"

Wenn man ins Detail geht, wird man feststellen, dass die Zahl der Nachrichten ab ca. Oktober 2001, also nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York, bei all diesen Themen relativ stark ansteigt, und seitdem beständig weitersteigt. Das Thema “Terrorismus” macht eine Ausnahme: es bleibt auf relativ konstant hohem Niveau. Andere gemeinsame Peaks könnten nach dem ersten Überfliegen der Meldungen entweder mit Verhandlungen zum Zuwanderungsgesetz zusammenzuhängen, oder mit einer Terrorwelle im fernen Ausland.

Man müsste die einzelnen Meldungen genauer betrachten, um eine fundierte Aussage treffen zu können. Eines lässt sich jedoch schon sagen: Die Archivfunktion von Google News scheint ein interessantes Werkzeug für die Medienanalyse zu sein.

Aber auch etwas weiteres ist klar: Die PIsche Behauptung, dass diese Themen in den “MSM” nicht behandelt werden, ist und bleibt eine Lüge. Das genaue Gegenteil ist der Fall.

Nachtrag: FAIL.

Ein Gegencheck mit dem Begriff “Hallo” zeigt etwas kurioses:

Zeitleiste "Hallo"

Der allgemeine Anstieg hat offenbar andere Ursachen und hat somit keinerlei Aussagekraft. Was bleibt: Die Peaks der Nachrichtenmeldungen zu betrachten.


Die Deutsche Kartoffel und das “Gesunde Volksempfinden”

Ein Video:

Selbstverständlich ist der Clip ironisch gemeint und auch entsprechend gekennzeichnet, zumal er rassistische Klischees stark überzeichnet und damit spielt. Problematisch ist er – wie Gewaltrap allgemein – dennoch, da einfacher gestrickte Menschen derartige Inhalte ernst nehmen und verallgemeinern könnten. Klischees werden somit auch weitergetragen. Auch wenn der Inhalt eine Fiktion darstellt, wird er wohl insbesondere rechtsextremen Propagandisten sehr gefallen.

Besonders interessant sind daher auch die Reaktionen, die durch dieses Video herausgekitzelt wurden, welche nämlich exakt die Geisteshaltung offenbaren, mit der dieser Clip auf eher humoristische Weise spielt – jedoch mit anderem Vorzeichen:

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Bei PI-News ist man ebenfalls Humorbefreit, und einige glauben sogar, dass der Spot den multikulturellen Alltag beschreibt(Was allenfalls PImatisches, provinzielles, bürgerkriegshetzendes Wunschdenken ist):

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Man sieht: Den Rassisten reichen schon Fantasiefilmchen aus, um ihrer Wut Zunder zu geben. Es ist eine primär emotionale Angelegenheit.

PS: Aufmerksam wurde ich auf dieses Thema durch den Artikel “Solanum tuberosum germanicum”beim Politblogger.

Nachtrag: Dieser Blogeintrag hat es tatsächlich bis nach Aftermedia geschafft. Pawlow hatte also Recht.