Schlagwort-Archive: Antimuslimismus

Islamophobie vs. Antimuslimismus

In der taz schreibt Armin Pfahl-Taughber  einem Kommentar, der im wesentlichen aussagt, was ich bereits zu beschreiben versuchte.

Im Kommentar Das reine Ressentiment – Eine Ablehnung des Islam beinhaltet noch keine Ablehnung von Muslimen plädiert er dafür, das Ressentiment gegen Muslime als Angehörige einer Gruppe mit einem trennscharfen Begriff zu umschreiben, der sich inhaltlich von Religionskritik unterscheidet. Der Begriff “Islamophobie” setze beides in Eins. Inhaltlich ist er aus verschiedenen Gründen nicht geeignet, zwischen dem homogenisierenden Ressentiment gegen eine sehr heterogene soziale Gruppe und (u.a. berechtigter) Kritik an konkreten Verhaltensweisen, die den gesellschaftlichen Wertekonsens strapazieren, zu trennen. Eine solche Trennung sei jedoch notwendig.

Diese Nichtunterscheidung wird beispielsweise durch islamistische Gruppen gerne genutzt, da sie verständlicherweise kein Interesse an einer solchen Trennung haben. Sachlich vorgetragene und gut begründete Kritik an der Art und der Folgen spezieller Religionsauffassungen, die in Teilen den Werten des Grundgesetzes widersprechen(z.B. Salafismus), kann durch die Aufrechterhaltung der begrifflichen Unschärfe schon vor der Äußerung mit einer Aura des Illegitimen versehen werden.

Auf der anderen Seite, und das beleuchtet Pfahl-Taughber nicht, ist die inhaltlich identische begriffliche Unschärfe auch von xenophoben und rassistischen Gruppierungen erwünscht (wird dort allerdings auf den Begriff “Islamkritik” angewandt), aus genau dem umgekehrten Grund: Sie erhoffen sich dadurch, dass die Akzeptanz legitimer Religionskritik auch zur Akzeptanz von xenophoben oder gar rassistischen Denkmustern führt. Ein Scharnier zwischen legitimer Kritik und Xenophobie befindet sich z.B. dort, wo eine inhaltliche Religionskritik mit Generalisierung (“die Moslems begehen Ehrenmorde”) oder Essenzialisierung(“Insgeheim sind alle gläubigen Moslems Islamisten”) einhergeht. Noch deutlicher wird es, wenn im Rahmen einer vermeintlichen “Islamkritik” eine religionsunabhängige Gruppierung nach “Südländer”, “Araber”, “Orientale” o.ä. vorgenommen wird. In solchen Einordnungen finden sich die Anknüpfungspunkte für den klassischen Rassismus, der sich nicht gegen zweifelhaftes Sagen und Tun einzelner wendet, sondern ein Ressentiment gegen Menschen offenbart, weil sie als Teil einer als “fremd” markierten Gruppe klassifiziert werden – gänzlich unabhängig vom individuellen Verhalten.

Ein paar Auszüge aus dem Kommentar:

Zum Islamophobiebegriff schreibt er:

Aber ist dieser Begriff brauchbar, um im Sinne der Vorurteilsforschung ein spezifisches Ressentiment gegen Muslime zu fassen? Schließlich gibt es einen klaren Unterschied zwischen fremdenfeindlich motivierter Hetze und einer – oft menschenrechtlich begründeten – Kritik am Islam und den Muslimen.

(…)

Bis in die Gegenwart wird der Begriff in diesem Sinne durch islamische und islamistische Organisationen wie die Islamic Human Rights Commission in Großbritannien instrumentalisiert, die fast jede kritische Stimme mit diesem Schlagwort belegt.

Nicht letzteres sei das für die Vorurteilsforschung zu behandelnde Problem, sondern ersteres:

Es handelt sich vielmehr um Vorurteile gegen Individuen, die – ganz unabhängig von deren Einstellungen und Handlungen – allein auf der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe beruht. Es geht dabei also nicht um die Haltung gegenüber einer spezifischen Religion, sondern um die Einstellung gegenüber einer bestimmten Menschengruppe.

(…)

Denn warum muss die Ablehnung aller Praktiken und Symbole des Islam bereits für eine Feindseligkeit gegenüber allen Muslimen sprechen? Auch Atheisten und andere können zu so einer Einstellung kommen, wenn sie sich einem anderen Glauben oder einer säkularen Weltanschauung zugehörig fühlen.

(…)

Besser sollte man vielleicht von "Antimuslimismus" oder "Muslimenfeindschaft" sprechen. Diese beiden synonymen Begriffe zielen auf die Feindseligkeit gegenüber Muslimen als Muslime ab.