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Der Schein trügt.

Sarrazin hat recht!

Sarrazin sagt mit jedem Wort die Wahrheit!

Sarrazin sagt, was alle denken!

Mit diesen und ähnlich lautenden Behauptungen geht ein Geist durch die Gefilden des Internets – jedoch nicht mit Argumenten hinterlegt, sondern mit dem Beigeschmack der aggressiven Abwertung all jener, die es nicht so sehen. Eine anonyme und opportunistische Masse gefällt sich darin, sich gegenseitig auf die Schultern zu klopfen. Manch jemand wagt die Behauptung, dass es sich um eine Bevölkerungsmehrheit handelt.

Das wage ich zu bezweifeln. Sicherlich ist es keine unrelevante Minderheit, aber vielleicht ist es ja bereits aufgefallen, dass sich diejenigen, denen Sarrazins Thema und Worte schlichtweg wurst sind, nicht dazu äußern. Mag es vielleicht sein, dass das eine breite Mehrheit ist?

Richtig ist, dass politische Strömungen, die in ihrem Kernbereich unbedingt eine politische Verändernug sehen wollen, bei diesen Themen in erheblich überdurchschnittlichem Maße aktiv sind. Seien es Kommentare im Internet, einschlägige eigene Websites oder Demonstrationen. So beispielsweise bei Themen wie HartzIV – eine überwältigende Mehrheit der wahrnehmbaren Kommentare zum Thema spricht sich im großen weiten Internet dagegen aus. Warum? Weil diejenigen, die nicht dagegen sind, keinen Grund haben, sich zum Thema zu äußern. Der Status Quo ist für sie akzeptabel.

Selbiges gilt für Migrationsthemen. Diejenigen, die mit dem Status Quo zufrieden sind und keinen Bedarf für eine Veränderung sehen, werden dies nicht zu allen möglichen Gelegenheiten demonstrieren. Anders jene, die ein Problem mit Zuwanderung haben. Diese sind immer, sofort und permanent zur Stelle, wo es eine Möglichkeit zum Protest gibt. Im Internet sind es eben die Foren und Kommentarbereiche von Onlinezeitungen.

Sobald es um entsprechende Themen geht, kommen Gleichgesinnte schnell zusammen. Je medienpräsenter ein Thema ist, desto mehr von ihnen fühlen sich bemüßigt ihren Senf abzugeben. Daraus kann man jedoch keine Mehrheitsverhältnisse ableiten.
Wenn die NPD irgendwo eine Großdemonstration mit 2.000 Leuten veranstaltet, dann sind diese Rassisten temporär in der (sichtbaren) Mehrheit. – Sofern es keine Gegendemonstration gibt, und man diejenigen, die gar nicht anwesend sind, nicht mitzählt. So verhält es sich auch mit Diskoforen im Internet.

Das gleiche gilt auch für Onlineumfragen zum Thema. Diejenigen, die sich nicht für ein Thema interessieren, nehmen an solchen Umfragen nicht Teil.

Klarheit schaffen nur repräsentative Umfragen sowie nach demokratischen Prinzipien abgehaltene (alle wählen, jeder nur 1. Stimme) Wahlen. Der Eindruck, den eine politische Demonstration hinterlässt, ob auf der Straße oder im Internet, ist hierfür nicht ausschlaggebend.

So schnell, wie sich ein Mob formiert, so schnell löst er sich wieder auf.

Ich halte es dann doch lieber mit den Worten Stephan Kramers:

Kramer riet der Politik daher, sich nicht über Sarrazin zu empören, sondern sich vielmehr „ernsthaft mit den seit Jahren bekannten Defiziten bei der Integrations- und Zuwanderungspolitik“ auseinanderzusetzen. „Wir haben ungelöste Integrationshindernisse für die Integrationswilligen Zuwanderer und zunehmende Ängste – meist aus Unkenntnis der wahren Verhältnisse – auf Seiten der Mehrheitsgesellschaft“, sagte der Zentralrats-Generalsekretär. Dies führe zu einer Abwehrreaktion, die schlimmstenfalls in Fremdenfeindlichkeit gipfeln könne. „Das ist der Nährboden für einen Populisten wie Sarrazin“, sagte Kramer. „Sarrazin ist nur das Ergebnis eines anderen Problems, nämlich der Unfähigkeit der Politik, sich der Herausforderung Zuwanderung und Integration zu stellen und eine Strategie für die Zukunft zu entwickeln.“

 

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