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Dichtung und Wahrheit bei Blogs, Twitter & Co

Das Internet ist Tummelplatz verhinderter Enthüller. Und damit auch Quelle für den klassischen Journalismus. Eine sehr bedenkliche Fundgrube!

So wahr, so wahr… Ein sehr lesenswerter Text bei Welt-Online.

Längst ist das Internet der Tummelplatz der verhinderten Enthüller. Seit Ende 2009 wird die persönliche Demontage des angesehenen Antisemitismusforschers Wolfgang Benz betrieben. Immer neue Recherchen wollen nicht nur empörende Kungeleien bei der Berufung seiner Nachfolge und drastische Methoden beim Umgang mit Kritikern belegen, sondern auch, dass der langjährige Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung in Berlin selbst Antisemit sei. Einer Gegenrecherche hielt keine der Episteln stand. Mal wurde dem Professor vorgeworfen, Anfang der 60er-Jahre Informationen nicht beachtet zu haben, die seit 1994 zugänglich sind. Mal stellt ein Ex-Doktorand falsche Zusammenhänge in Zeugenaussagen oder an ihm geübter Kritik her.

Durch die Hintertür werden Gerüchte "glaubwürdig"

Gerüchteforscher – ja, die gibt es! – empfehlen zum Umgang mit falschen Informationen, am besten nicht zu reagieren. Der Fall Benz steht jedoch paradigmatisch für ein weiteres Phänomen. Längst dienen ja auch Blogs und Co. dem traditionellen Journalismus als Quellen. In der Gerüchteküche um den Berliner Forscher stechen prominente Gegner hervor, die wissen, wie man Medien bedient. Quasi durch die Hintertür gelingt es so, Gerüchten durch Weiterverbreitung in renommierten Onlinemedien das Prüfsiegel kontrollierter Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Im Wege des Selbstzitats wird dann eine Debatte vorgegaukelt. Im üblichen Arbeitsdruck müssen Redaktionen das erst einmal durchschauen.

Hier gibt es alles.

Hintergrund:
Henryk M. Broder – “Sind Muslime die Juden von heute?”
“Mir schlägt ein unglaublicher Hass entgegen”
Interview mit Wolfgang Benz
Kleiner Lesetipp: Feindbild Vorurteilsforschung

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Moderner Antisemitismus

Kopie der Videobeschreibung:

Der Journalist und Polemiker Henryk Broder bezeichnet auf einer Anhörung des Bundestages 2008 den Antizionismus als eine neue Form des Antisemitismus. Man kann ja von Broder halten was man will, aber in einem Punkt hat er Recht:
Wer zum Nahostkonflikt Vorschläge macht, die im Endeffekt auf die Eliminierung Israels hinauslaufen, wer ständig die Rechte der Palästinenser hervorhebt, andererseits aber die Israelis wegen einer angeblich agressiven Politik verurteilt, obwohl doch gerade Israel immer Vorleistungen erbringt, die Palästineser aber trotzdem auf die Auflösung/Vernichtung dieses Staates hinarbeiten, der ist nicht neutral, sondern will im Grunde genommen nur die Zerstörung des demokratischen Staates Israel und damit der dort lebenden Juden!
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Die Tatsache, dass kein westeuropäischer Staat im Stande war, die Verteidigung der Grundrechte des jüdischen Volkes zu gewährleisten und es vor der Gewalt der faschistischen Mörder zu beschützen, macht den Wunsch der Juden begreiflich, einen eigenen Staat zu gründen. Es wäre ungerecht, diesen Grund nicht mit in Erwägung zu ziehen und das Recht des jüdischen Volkes auf die Verwirklichung seines Wunsches zu leugnen.
Andrejewitsch Gromyko (1948 Vertreter der UdSSR im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen)
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Die gescheiterte politische Emanzipation der Jüdinnen und Juden in den europäischen Nationalstaaten und insbesondere der Holocaust haben das Projekt der Gründung eines jüdischen Nationalstaats zwingend erforderlich gemacht. Erforderlich in dem Sinne, dass die bürgerlichen Nationalstaatsentwicklungen unter Beweis gestellt hatten, dass die Zionisten mit ihrer Skepsis Recht hatten. Nach tausenden Jahren Ausgrenzung, Pogromen und dann der nationalsozialistischen Barbarei, das heißt der Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden, den Überlebenden des Holocaust zu empfehlen, nun doch auf die Emanzipation in anderen Nationalstaaten zu setzen, wäre wohl deutlich zu viel verlangt gewesen. Und so stellte sich das jüdische Nationalstaatsprojekt als alternativlos dar.
Daraus resultiert auch die stabile Verantwortung für Israel. Alle modernen Nationen haben irgendwo einen antisemitischen Schandfleck in ihrer Geschichte. Aber der von den Deutschen durchgeführte Holocaust ist singulär. Die Grundannahme des Zionismus, wenn die Jüdinnen und Juden eine Staatsmacht haben wollen, die sie auch wirklich schützen soll, dann nur in ihrem eigenen Staat, ist nach dieser historischen Entwicklung kaum noch ernsthaft bestreitbar.
Gregor Gysi Die Linke
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Israel ist der Jude unter den Staaten.
Léon Poliakov (französischer Historiker)
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Religiöser Boykottaufruf gegen McDonalds zeigte Wirkung

Es geht um ein Kinderspiel in Frankreich, in dem mit einer Religion gescherzt wird. Dies hatte einen wütenden Boykottaufruf seitens eines Geistlichen zur Folge. Resultat:

Wie die französische Lokalzeitung „La Dépêche“ berichtet, hat der Protestaufruf (…) Wirkung gezeigt. Nicht nur ist das beanstandete Spiel ist inzwischen aus dem Verkehr gezogen. Der Kundenservice des Burgerbraters hat sich inzwischen persönlich (…)  für den Affront entschuldigt.

Ist McDonalds hier vor dem Islam, dem politischen Islam oder gar vor dem Islamismus eingeknickt?

Die Auflösung:

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Antisemitische Deutungen bei der “Sezession”

Unter Berufung auf einen Artikel von Matthias Brodkorb versucht ein Herr Martin L., Autor bei der “Sezession”, also dem “wahren, guten und schönen Tagebuch”, dem Antisemitismus eine rationale Grundlage zu verleihen.

hxxp://www.sezession.de/11330/broder-vs-benz.html

Zunächst beschreibt er Broders korrekten Einwand, der Antisemitismus fuße nicht auf einer sachlichen Grundlage, Islamkritik hingegen könne sich sehr wohl auf reale Begebenheiten wie den Islamismus oder den Terrorismus berufen.

Nun behandelte Benz ja nicht die Islamkritik im ganzen, sondern eine besondere Form der “Islamkritik”, die sich auch mal in Hass und Feindschaft ergeht. Hier kann man natürlich schauen, ob bei Argumentationsformen dieses Islamhasses auch wirklich alles auf wahren Beschreibungen fußt, oder ob es vielleicht doch Generalisierungen, Fehlzuschreibungen oder gar periphere Verschwörungstheorien gibt, die einzig der Dämonisierung des Islam sowie dessen Anhänger als Gruppe dienen. Und in der Tat, es gibt derartiges.

Herr Martin L. geht den anderen Weg. Er meint tatsächlich einen Ankerpunkt gefunden zu haben, über den man die Erkenntnisse der Antisemitismusforschung generell infrage stellen kann. Es geht ihm hierbei schlicht um einen Versuch, den Antisemitismus eine Legitimation zu geben(wesentliches hervorgehoben):

(…)Hier wird nämlich indirekt und ohne Absicht des Benz ein beliebtes Kerndogma bestimmter jüdischer Gruppen unterwandert, das sich etwa in jenem unverschämten Märchen äußert, das Broder reflexartig aufgetischt hat, im satten Wohlgefühl der enormen Rückendeckung, die er dabei hat, nicht zuletzt durch weite Teile einer instrumentalisierten und politisierten „Antisemitismusforschung“. Die Behauptung, daß „Antisemitismus“ pauschal in den Bereich der Hirngespinste zu verweisen sei, also mit dem tatsächlichen Verhalten und den politischen Interessen von Juden nicht das geringste zu tun hätte(…)

Zum einen ist es ja schon bemerkenswert, dass er die Begriffe Antisemitismus und Antisemitismusforschung in Anführungszeichen schreibt. Dies weist darauf hin, dass er irgendein Problem mit diesen Begriffen hat. Welches genau, das beschreibt er nicht. Vielleicht sind diese Begriffe für seinen Geschmack etwas zu negativ besetzt?

Die verschwurbelte Konstruktion des Herrn L. kürze ich einmal auf das wesentliche:

“Das Kerndogma bestimmter jüdischer Gruppen” wird unterwandert. Dieses “Märchen” ist die Behauptung, dass Antisemitismus auf Grundlage von Hirngespinsten fußt. Dieses “Märchen”, also das “jüdische Dogma” wird von der missbrauchten Antisemitismusforschung aufrechterhalten.

Noch kürzer:

Die Antisemitismusforschung verbreitet Märchen. Jüdische Märchen

Und er meint damit nicht etwa den Part mit dem Islam, so wie es Broder meint, nein. Herr Martin L. meint den Part mit dem Judentum. Irgendwas müsse ja dran sein, am Antisemitismus – so liest sich die Message jedenfalls.

Hübsch verschwurbelter Antisemitismus ist eben auch Antisemitismus. Und so ist es auch nur logisch, wenn der Herr sich dazu berufen fühlt, gleich im nächsten seiner Artikel über den Antisemitismus zu schreiben, und wärmt hierbei antisemitische Zitate der frühen 1930er auf. Natürlich abgelegt in der Kategorie “Revisionen”

Ich hätte einen Vorschlag für den Herrn:
Broder lobte Herrn Benz zuletzt in hohen Tönen für ein neues Werk über den Antisemitismus. Vielleicht mag es der Antisemitismusinteressierte Martin L. gern mal lesen, und uns mit weiteren Antisemitismusartikeln verschonen, bis er die gesamte Lektüre, am besten auch Band I. auswendig gelernt und verinnerlicht hat.

Siehe auch:
Henryk M. Broder – “Sind Muslime die Juden von heute?”
“Erschrick nicht, wenn Du feststellst, dass Du konservativ bist”…


“Mir schlägt ein unglaublicher Hass entgegen”

Matthias Brodkorb verfasste eine interessante Zusammenfassung und Analyse zu einem heiklen Themas auf Endstation Rechts. Insbesondere die “Breitseite”, die Wolfgang Benz von “Islamkritischer” Seite entgegenschlug und -schlägt, fiel mir hierbei auf.

Mir schlägt ein unglaublicher Hass entgegen

Es hat auch nichts mehr mit Kritik zu tun, was da nach Broders erstem Erguss durch die Blogs und Feuilletons herumschwappte, und es ist auch nicht das erste mal, dass vergleichbares passiert.

Insbesondere die "Enthüllung" um Bosl auf der Achse des Gutmenschen hatte mir gezeigt, mit welchen Bandagen da überhaupt ‚gekämpft‘ wird – es geht nicht einfach um einen inhaltlichen Diskurs, bei dem die Achsenmächte – möglicherweise – überzeugen könnten, sondern um den Versuch der gezielten Demontage von unliebsamen Personen mitsamt ihren unliebsamen Thesen.

Jeder kämpft hierbei offenbar mit den ihm zur Verfügung stehenden Waffen. Glücklicherweise kämpfen Broder & Co. nur mit der spitzen Feder – deren Fans jedenfalls schleifen ihre Feder zur kleinen Stichwaffe. Na hoffentlich lullen die Achsenmächte nicht auch noch die JDL ein.

Broder denkt ja auch gar nicht an die Rente, im Gegenteil. Er legt nach und nach nach bzw. schlägt weiterhin um sich. Das ist sein gutes Recht, denn mittlerweile ist seine Form der “Kritik” Gegenstand der Kritik. Zurecht, wie ich finde. (Später mehr)

Nun schlägt Benz aber tatsächlich Hass entgegen. Sicherlich nichts Extremistisches, was man es von der JDL oder von radikalisierten Salafiten erwarten könnte, eher findet ein versuchter Frontalangriff gegen seine Reputation statt, ausgehend vom Heini, was z.B. auf PI die erwünschte Wirkung erbrachte.

PI

Nun ist es aber so, wie Benz sagt:

Tatsächlich erfahre ich keine fachliche Kritik und bekomme wissenschaftlich sehr viel Zuspruch. Aber als Person schlägt mir ein ganz unglaublicher Hass entgegen, weil meine Meinung unerwünscht ist.

Dass Benz so viel Hass entgegenschlägt, verdeutlicht übrigens eines ganz besonders: Diejenigen, die sich angesprochen fühlen, wenn der Hass hinter ganz spezieller “Islamkritik” aufgezeigt wird, können ihren Hass nur schwer zügeln – und für genau diese ist es eben auch dann schwer, wenn es um den Islam geht – womit eigentlich klar sein dürfte, dass die "Islamkritik in Anführungszeichen" fernab einer sachlichen Auseinandersetzung verortet ist, sondern stark ideologisch geprägt ist. Da geht es sicher auch um die Deutungshoheit. Darum, das sprichwörtliche "Heft des Handelns" in Sachen Gesellschaftskritik in der Hand zu behalten.

Natürlich, und das ist kein Widerspruch: Bei Islamisten ist es ähnlich. Daher gibt es ja auch berechtigte Kritik.

Nur welches Ideal hierbei angestrebt wird, ist die Frage. Wer übt Kritik, in welcher Form, und zu welchem Zweck? Das Ideal vieler Islamkritiker, die selbst einen Islamischen Background haben, wird schnell deutlich, da weiß man, wohin die Reise gehen soll. Bei anderen nicht wirklich. Ich habe gerade Broders Kapitulation zum Lesen hier, um wenigstens seinen in Witz verpackten und eingehübschten Zorn ein wenig nachvollziehen zu können, aber nach einem Drittel bin ich Lesensmüde, noch nicht wirklich schlauer als vorher und sehe seine Einleitung sogar bestätigt. Es liest sich beinahe wie ein religiöses Buch ohne Anfang und Ende, massenhaft unterschiedliche Geschichten werden nahtloslos aneinandergereiht, vom Selbstmordattentäter im Irak bis hin zur Moslemischen Familie von Nebenan. Und alles wird unter das gleiche Beziehungsdach gesetzt. Egal worum es geht: “Wir” lassen “denen” zu viel durchgehen. Mantraartig wird dies kraft Suggestion wiederholt. Zwischen den Zeilen findet sich konsequenterweise immer wieder mal eine suggestive Nahelegung wieder, den Islam mit harter Hand zu behandeln[*]. Viele von Broders Argumentationsmustern finden sich massenweise in Leserkommentarbereichen von z.B. Welt-Online wieder – eins zu eins aus der Broderbibel übernommen. Dies geht dort jedoch häufig sowohl mit Radikalbürgerlicher Abendlandrettungshysterie einher, als auch Seite an Seite und in Eintracht mit den Vernichtungsfantasien der real existierenden Nazis. Da ist es auch schwierig, die Darstellung von Sachverhalten etwas zu versachlichen – denn schließlich steht’s in der Bibel, der Broderschen. Wer dem widerspricht, der muss doch von vornherein suspekt sein, sagt der gläubige. Das ist die realpolitische Antwort vox populi auf solch radikalisierte, ideologisierte, kaum unterscheidende “Islamkritik”.

Mal sehen. Wenn ich das Buch zu ende gelesen habe, dann werde ich vielleicht erklären, warum ich am “Tabubrecher” Treitschke erinnert bin. Vielleicht belehrt mich aber der Rest des Buches eines besseren und vielleicht nehme ich auch andere Aussagen zurück. Ich möchte wirklich niemandem zu Unrecht und schon gar nicht zu feste treten. Aber das erste Drittel erzeugte diesen Eindruck bereits.

[*] In einem Punkte gebe ich Broder schon recht – wer hart handelt, muss hart behandelt werden. Wer z.B. Frau Ateş mit Mord droht, oder wer – auf welche Weise auch immer – zum Mord aufruft, der gehört von den Behörden verfolgt und in den Knast abgeschoben – zur Not auch in Abwesenheit angeklagt. Das ist jedoch selbstverständlich. Nach einigen unschönen Mails, die ich erhalten habe, muss ich das wohl dennoch betonen.

Siehe auch:
Henryk M. Broder – “Sind Muslime die Juden von heute?”
Extern:
Die "Kritische Theorie" frisst ihre Kinder – Antisemitismusforscher Wolfgang Benz ist plötzlich selbst ein Antisemit


16 Seiten über Henryk M. Broder und PI-News – und warum man ihm keinen Glauben schenken sollte

Ein paar kurze Auszüge aus der 16-Seitigen Leseprobe(PDF) zum Buch “Feindbild Moslem”, die sich in erster Linie mit Henryk M. Broder beschäftigt, hierbei auch sein Verhältnis zum rechtsextremen Blog “PI-News” beleuchtet. (Gefunden bei Heise)

Henryk M. Broder also hat vor einigen Jahren das Islam-
Keulen als neues Betätigungsfeld entdeckt. Es bekam ihm nicht schlecht.

Er verdient damit sicherlich nicht schlecht. Möglicherweise ging es ihm anfangs auch nur darum.

Das hat er weniger der Brillanz seiner Pamphlete zu verdanken als der Lautstärke, mit der er sie und sich vermarktet. Broder kommt mit recht wenig Material aus, um die drohende Islamisierung des Abendlandes zu belegen; und er hat sowenig Material, weil er zu bequem und vielleicht auch zu eitel ist, um sich ernsthaft mit dem Thema zu beschäftigen. Deshalb fällt er schon mal auf Fakes herein und verbreitet sie weiter – zum Beispiel die Ente von den Sparschweinen, die aus einigen britischen Banken verbannt worden seien, um muslimische Kunden nicht zu provozieren. Als man ihm nachgewiesen hatte, daß er mit einer Falschmeldung hausieren ging, pöbelte er los, die »islamophile Bloggerszene« sei vom gleichen Kaliber wie die »Scharen von Revisionisten«117, die das Tagebuch Anne Franks als Fälschung denunzieren, um so die Shoah zu leugnen. Dieser Vergleich war selbst für Broders Verhältnisse von überraschender Ekelhaftigkeit.

Nicht zu vergessen, dass er kürzlich ankündigte, sich für die Legalisierung der Holocaustleugnung einzusetzen, und und sich hierbei auch gegen die zukünftige Errichtung von Holocaustmahnmalen aussprach.

Er ist ein Fachmann für Krawall und damit auf jeden Fall unterhaltsamer als irgendein echter Experte mit Bedächtigkeit, guten Manieren und Interesse für andere Meinungen. Broder will nicht aufklären, sondern Horrorstorys in die Welt setzen:

Broder wird zitiert:

“Der Islam wächst in Österreich stetig(…). Nach derzeitigen Prognosen lösen die Muslime im Jahr 2010 die Protestanten als derzeit größte Religionsgemeinschaft nach dem Katholizismus ab.”

und seine mangelnde Fachkenntnis wird belegt:

In Österreich lebten 2006 etwa 400 000 Muslime, doch nur mehr 326 117 Protestanten

Auf Seite eins zurückgespult:

»Der Mann ist eine Faktenmaschine«, schwärmt PI-Leserin
»Makieken«

Die Leseprobe beschäftigt sich auch mit einem von Broders Lieblingsthemen – den Mohammedkarikaturen – und belegt, wie Broder übertreibt, Zahlen frisiert und pauschalisiert, den Islam mehr oder weniger als monolithischen Block darstellt, und den Islam als ganzen, und damit eben auch impliziert alle Moslems für die Taten einzelner oder einzelner Gruppierungen in Mithaftung nimmt.

Recht treffend wird daher schon vorangehend Broders allgemeines Wirken zum Thema Islam beschrieben:

Die Verwechslung von Ausnahme und Regel kehrt in Broders
antiislamischer Kampagne wieder. Denn der nachgeborene Kant versteht nicht nur vieles nicht, ihm fehlt meistens auch die Lust, sich um Verständnis zu bemühen

und der Auseinandersetzung mit den Übertreibungen bezüglich der Reaktion einiger auf die Mohammedkarikaturen folgend kommentiert:

Broder hat eine These, und weil er sie hat, hält er es für überflüssig, sie ordentlich zu belegen. Er phantasiert von »1,5 Milliarden Moslems in aller Welt, die chronisch zum Beleidigtsein und unvorhersehbaren Reaktionen neigen«, und wenn in Wirklichkeit kaum ein Muslim chronisch beleidigt ist, wenn Abermillionen tobender Irrer auf einige Hunderttausend zusammenschrumpfen, kümmert das Broder gar nicht. Denn was Wirklichkeit ist, entscheidet allein er.

Und noch treffender:

Seine Art, die Welt wahrzunehmen, ist der des islamistischen Mobs eng verwandt.

Jedoch wird Broder nicht undifferenziert als “das Böse” schlechthin dargestellt. Auch seine – wenn auch seltenen – differenzierten Beiträge werden hervorgehoben. Verwundert betrachtet man beispielsweise seine wohlwollende Haltung zum EU-Beitritt der Türkei – ebenso, wie man bei PI-News verwundert war:

Seine glühenden Verehrer bei Politically Incorrect stürzte Broders Plädoyer für den EU-Beitritt der Türkei in eine Verwirrung, die nur dann größer ausfiele, wenn ein Türke ihnen Immanuel Kant vorlesen würde. Die »Faktenmaschine« hatte plötzlich ausgedient, war ein Fall für den Schrotthaufen. Der Bild-Artikel, fand ein »Jack Black«, sei »Intellektuellengeschwätz. Wenn 10 Millionen Musel nach Deutschland kommen, kann Broder auf dem Schiff nach Amerika weiterdichten.« Der User läßt offen, ob er und seine Kameraden oder die »Musel« Broder deportieren werden. Zwar hatte der Autor sich in Bild nicht verdächtig gemacht, demnächst in die Kommunistische Plattform eintreten zu wollen, doch plötzlich erinnerten sich die PI-Nazis, aus welcher Ecke ihr gestürztes Idol stammt: »Er ist
bekennender Linker«, halluzinierte der User »Plebiszit«, »ein Internationalist und damit kein Deutscher, der sich um den Erhalt seiner Kultur und Heimat sorgt«. Also: ein Jud. Sie hatten es ja immer schon geahnt: »Broder ist auch nur ein Lohnschreiber«, greinte »Kim«; »[der] Mann ist aalglatt«, teilte »Taufbecken« mit. Und so räumten sie jeden Zweifel daran aus, daß PI-Gäste neben Hurra, wir kapitulieren! besonders gern die Werke von Joseph Goebbels durchblättern.

Zum rassistischen Blog “PI-News” gibt es im Buch wohl ein eigenes Kapitel…

Diese 16 Seiten über Brodaganda sind jedenfalls schon sehr lesenswert, und für Menschen, die eine Auseinandersetzung über den Islamismus zwar befürworten, aber im unter dem Deckmantel der “Islamkritik” grassierenden Mainstream-Rassismus ein brandgefährliches gesellschaftliches Problem sehen, sehr empfehlenswert. Für die anderen ebenfalls. Daher sollte auch die Frohe Botschaft über diese Leseprobe verbreitet werden. 🙂


Friedmann im Gespräch mit Türken über Sarrazin

Mal wieder Friedmann ist es, der zeigt, wie man vernünftig auf einen Sarrazin reagiert, ohne ihm das Wort zu reden – man nickt nicht unkritisch ab, was am Stammtisch geschwätzt wird, sondern lässt genau diejenigen Menschen der Gesellschaft zu Wort kommen, über die ansonsten gesprochen wurde. Diejenigen nämlich, welche als einzige von den Aussagen Sarrazins betroffen sind. Denn was bringt denn Sarrazins Mainstream-Rassismus, wenn den betroffenen nicht die Chance gegeben wird, darauf zu reagieren? Integration lebt vom Dialog, und natürlich auch vom Handeln. Sei es Obst und Gemüse, sei es gesellschaftliche Veränderung.

Dabei darf und muss es natürlich auch kritische Fragen geben, und es darf und muss auch gefordert werden – und zwar wechselseitig. Dies ist aber nur in einer Athmosphäre des gegenseitigen Respekts möglich. Die Diskussionskultur der Vorwürfe und Schuldzuweisungen, des Schimpfens und Schmollens muss seit Sarrazin erneut aufgebrochen werden – genau das wird hier getan.

Das komplette Video als Playliste bei N24.de:
N24 Friedmann

Einen Ausschnitt gibt es bei YouTube:

A propos Friedmann – einen Vernünftigen Beitrag zum Thema Broder gab er dem Deutschlandradio. (via Fareus)


Henryk M. Broder: Isch kandidiere

Der Berufspöbler Henryk ‘Ich darf das’ Broder möchte gerne Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland werden. Der Zentralrat sei in “einem erbärmlichen Zustand”, werde kaum noch ernst genommen und führe sich als das gute Gewissen Deutschlands auf.

Im Tagesspiegel führt er “genüsslich polemisch” auf, was ihn denn stört, und beschreibt weiterhin konkret, was er ändern möchte:

Ich werde mich dafür einsetzen, dass Holocaustleugnung als Straftatbestand aufgehoben wird. Das Gesetz war gut gemeint, hat sich aber als kontraproduktiv erwiesen, indem es Idioten dazu verhilft, sich als Märtyrer im Kampf um die historische Wahrheit zu inszenieren. Unser aller Problem ist nicht der letzte Holocaust, dessen Faktizität außer Frage steht, sondern der Völkermord, der vor unseren Augen im Sudan stattfindet.

Wir brauchen nicht noch mehr Holocaustmahnmale und Gedenkstätten, sondern eine aktive Politik im Dienste der Menschenrechte ohne politische Rücksichtnahme auf wirtschaftliche Interessen. Wer vom Kampf der Dissidenten in China und der Verfolgung der Baha’i im Iran nichts wissen will, sollte auch am 27. Januar und am 9. November zu Hause bleiben.

(…)

Ich werde mich um gute Beziehungen zu den in Deutschland lebenden Moslems bemühen. Nicht zu religiösen Eiferern oder türkischen Nationalisten, die den Paragrafen 301 des türkischen Strafgesetzbuches („Beleidigung des Türkentums“) verteidigen oder verharmlosen und sich um jede Stellungnahme zu der Armenierfrage drücken, sondern zu solchen, die für eine strikte Trennung von Staat und Religion und für eine säkulare Gesellschaft eintreten.

Ich bin überzeugt, dass es keine partikularen jüdischen Interessen gibt. Ob jemand koscher isst oder halal oder doch lieber Kassler, ist Privatsache. Ebenso wann und zu welchem Gott er betet. Religionsfreiheit beinhaltet auch das Recht, areligiös und antireligiös zu sein und sich über den eigenen und seiner Nachbarn Gott lustig machen zu können, ohne deswegen bedroht zu werden. Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat sind die Werte, die offensiv verteidigt werden müssen.

Von Juden, Christen, Moslems, Atheisten, Agnostikern, Häretikern, von Ariern und Vegetariern, Frauen und Männern, Heteros und Homos – meine Kippa liegt im Ring.

Ich weiß ja nicht, ob er das ernst meint… Es wirkt eher wie eine Bewerbung für ein höheres politisches Amt. Aber es scheint tatsächlich Leute zu geben, die seine Kandidatur unterstützen. Ob es am Teil mit der Holocaustleugnung liegt?