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Bergig Land in Burkahand

Alle wissen es aber keiner tut etwas: In Österreich wimmelt es an Burkas. In jeder zweiten Straße Wiens lebt eine Frau, die ihre Wohnung nur unter einer Burka verlassen darf. Wer Augen im Kopf hat sieht es, denn sie trauen sich alle nicht hinaus. Die Tatsache, dass man keine Burkaträgerinnen sehen kann, bedeutet also noch lange nicht, dass sie nicht überall sind. Die Demokratie ist in Gefahr! Ach was! Das Abendland wird unterwandert! Wir müssen etwas tun! Jetzt! Sofort! Nein, schon Gestern! Dringend! Es ist Fünf vor Zwölf!

So oder so ähnlich die Erzählung.

Im Profil findet sich ein Text, der sich mit diesem Thema beschäftigt, das ganz Österreich in Atem hielt. Die…

Die Burka!

Der Text ist nicht gerade faktenverziert, was die angeblich koranische Herkunft der Burka angeht:

So wird die Burka in der Koran-Sure Numero 24 („Das Licht“) sinngemäß beschrieben.

Diese Sure ist eine, in der allerlei Dinge stehen, von denen die meisten hier und heute keinerlei Relevanz haben. Von Peitschenhieben, Eheverboten, geforderter Verehelichung, Sklaven, Eunuchen – sogar von mehr oder weniger erlaubter Prostitution ist die Rede. Nur eine Burka, die ist dort weder beschrieben noch ist sie erwähnt. Selbst in islamischen Regionen, in denen der Gesichtsschleier vorkommt, werden hitzige Debatten über dieses Phänomen geführt. Die Sicht ist verbreitet, dass es sich um ein rein kulturelles Phänomen der arabischen Halbinsel handelt, und dass einige Strömungen dieser Region diese Kultur zu exportieren beabsichtigen. Diese insbesondere durch religiöse Autoritäten vertretene Sicht auf den Gesichtsschleier, und die Tatsache, dass dem entsprechende Verbote in Islamischen Ländern existieren, sollte zumindest Erwähnung finden. Dies lässt der Profil-Text vermissen.

Stattdessen behauptet der Text(Hervorhebung von mir):

Den meisten Mosleminnen ist das egal. Das unbequeme Ganzkörperkleid ist praktisch nur in den rückständigsten Ecken der islamischen Welt anzutreffen, vor allem im Arabien der Saudis und im talibanischen Afghanistan.

Hier wird die Burka bzw. der Niqab als religiöses Gebot beschrieben, dem gläubige Musliminen also eigentlich folgen sollten, dies aber mehrheitlich nicht tun. Oha! Da redet jemand tatsächlich den Radikalen das Wort. Wer solche Freunde hat… Tatsächlich sieht die Mehrheit eben keine religiöse Grundlage für dieses Tuch. Deshalb wird sie nicht getragen.

Diesen Patzer beiseite gelassen, dreht sich der Text im Kern jedoch um etwas völlig anderes, nämlich um die Burka-Panik. Es wurde in Österreich hektisch diskutiert, die Rechtsextremen stellten einen “Dringlichkeitsantrag” gegen die Burka, usw. – Die Austrianische Luft muss offenbar brennen.

Der Journalist begibt sich also auf die Suche nach dem Objekt des Anstoßes, das Österreich gefährdet. Zuerst natürlich…

(…)dort, wo dessen Bewahrer am lautesten warnen, was uns zwangsläufig nach Klagenfurt führt. (…) „Ich habe eigentlich noch keine gesehen, muss ich ehrlich sagen“, meint Veronika Meissnitzer, die Pressesprecherin der Stadt, aber sie werde sich erkundigen. Der Rückruf ergibt: Keine Burka gefunden, der Anteil türkischer Staatsbürger an der Gesamtbevölkerung betrage in Klagenfurt übrigens 0,16 Prozent.

Dann wird in Mühldorf gesucht:

Zwar beherbergt der 1000-Seelen-Ort laut Statistik Austria 70 Ausländer, die kommen aber fast durchwegs aus burkafreien Regionen wie Deutschland oder Ex-Jugoslawien. Wo sind sie dann, die Kärntner Burkas, gegen die der FPK-Chef prestissimo gesetzliche Vorkehrungen fordert? Scheuchs Sprecher Carl Ferrari-Brunnenfeld hat schon „eine oder zwei“ gesehen. Er hat sogar ein Foto, dieses aber leider gerade nicht dabei. Wo es Burkas in rauen Mengen gibt, weiß er genau: „In Wien! Gehen Sie einmal in den 15. Bezirk oder in die Lugner-City, da werden Sie die Augen aufreißen.“

Also auf in die Lugner-City. Burka-Trägerinnen sind gerade keine da, und ein schwer verkühlter Richard Lugner kann sich auch nicht erinnern, hier schon einmal eine Burka gesehen zu haben. Ach ja, eine gab es: Er entsinnt sich jener stinkreichen Touristin, die jedes Jahr in einem Hotel in der Nähe seines Einkaufstempels abgestiegen und dann per Limousinenservice zum Power-Shoppen gekommen war. „Sonst hamma leider keine Burka, Herr Redakteur. Aber ein paar Inderinnen wären da?“

Die Panik bezieht sich jedoch gar nicht auf die Burka an sich:

Nationalratsabgeordnete Dagmar Belakowitsch-Jennewein deckte vergangenen Sommer einen „ungeheuren Akt der Inländerdiskriminierung“ auf: Die Stadt Wien und die Caritas hatten im Brunnenmarkt-Grätzel – unerhört! – ein Beschäftigungsprojekt für langzeitarbeitslose Zuwanderer eröffnet. Ein „Schlag ins Gesicht“ für alle echten Österreicher, befand Frau Belakowitsch-Jennewein und wies erschüttert darauf hin, dass sich am Brunnenmarkt „genügend Läden finden, wo auch die Burka käuflich erworben werden kann“.

Also wird dort nach Läden gesucht, die Islamisch-korrektes Acessoire wie Kopftücher und ähnliches verkaufen – und es werden natürlich einige Läden gefunden. Im ersten heißt es:

„Bitte, was wünschen Sie?“ – „Hätten Sie eine Burka?“ – „Nein, gibt’s nicht.“ – „Gibt es in anderen Geschäften Burkas?“ – „Gibt’s nicht hier.“

Im nächsten:

„Guten Tag. Ich hätte gern eine Burka.“ – „Eine Burka? Brauchen Sie die für Ihre Frau?“ – „Nein, äh, eigentlich ?“ – „Burkas gibt’s bei uns nicht. Wenn Sie so etwas wollen, müssen Sie das irgendwo nähen lassen.“

Und im nächsten:

„Guten Tag. Haben Sie auch Burkas?“ – „Nein, nix Burkas“, dröhnt der dicke Türke. – „Warum nix Burkas?“ – „Weil niemand kauft Burkas.“ Aha.

Diese österreichische Burka-Luftnummer trägt noch weitere Blüten.

In der Medizinischen Universitäte Graz soll bereits ein Verbot ausgesprochen worden sein, wofür die Wissenschaftsministerin Beatrix Karl den Vizedirex lobte.

Der von seiner Ministerin ausdrücklich gelobte Grazer Vizerektor Reibnegger will „an diese Geschichte“ heute nicht mehr erinnert werden. Erstens gebe es gar kein Burka-Verbot, und zweitens wisse er nicht, wie das alles in die Medien gekommen sei. (…) Und nein, er selbst habe an der MedUni noch nie eine Burka-Trägerin gesehen, sagt Vizerektor Reibnegger.

Wie die SPÖ verxenophobisiert wird, weiß der Artikel auch zu berichten. Josef Leitner wusste zu berichten, was den Kern sozialdemokratischer Politik ausmacht:

„Die SPÖ ist beim Ausländerthema zu wenig strikt. Ich bin für ein Burka-Verbot.“

Das “Ausländerthema”. Die Ausländer sollen eines auf die Zwölf bekommen. Mit Gesetzen, die inländische “Ausländer”(In Österreich werden auch Staatsbürger noch immer als “Ausländer” bezeichnet, sofern es Moslems sind) emotional treffen sollen, es ihnen unbehaglich machen sollen. Das ist sarrazinische Sozialdemokratie. Bloß nicht heimisch werden lassen. Das wäre ja noch schöner. Aber offenbar glaubt er selbst an die Burkaisierung des Abendlandes.

Wo sind sie dann, die Burkas? „In Wien“, meint Leitner, er habe dort selbst schon welche gesehen. Wo genau, wisse er nicht mehr.

In Wien war der Journalist bereits, hatte jedoch keine Burka gefunden. Es sollen wohl Touristinnen sein, die sich in einer Burka verhüllen. Sehr zahlungskräftige sogar. Ca. 9.000 Touristen aus arabischen Ländern landen jährlich in Nordtirol. Der Tourismussprecher der rechtsextremen FPÖ, Roman Haider verlangte daher, die Burka zu verbieten.

Wie viele der 9000 Touristen aus Arabien in Tirol tragen eigentlich Burka? „Ganz, ganz wenige. Ich habe überhaupt noch keine klassische Burka gesehen“, meint Anita Horngacher, Sprecherin der Tirol Werbung. „Wir hatten auch noch nie Anrufe oder Beschwerden.“

Dem Tiroler FPÖ-Obmann Gerald Hauser ist es im Landtag dennoch gelungen, für seinen Antrag, die Landesregierung möge dieBundesregierung zum Burka-Verbot auffordern, auch die Stimmen von ÖVP und SPÖ zu bekommen. Selbst gesehen hat er Burkas noch nicht, schon gar nicht in seiner Osttiroler Heimatgemeinde St. Jakob im Defereggen, aber Hauser ist sicher: „Es gibt sie, aber halt nicht in großer Anzahl.“

FPK-Chef Uwe Scheuch widerspricht und “zitiert stets nicht näher benannte Experten, wonach sich 2000 Burka-Trägerinnen in Österreich niedergelassen haben.”, so Profil.

Einer, der es wissen muss, weis genaueres zu berichten:

Der Wiener SPÖ-Abgeordnete Omar Al-Rawi, geboren in Bagdad und Kontaktmann des Bürgermeisters zu den Moslems der Stadt, sagt, in Wien gebe es wohl keine einzige echte Burka. Man wisse von fünf Niqabs, einer Art Burka light ohne Netz vor dem Augenschlitz. Drei dieser Niqab-Trägerinnen seien zum Islam konvertierte Österreicherinnen.

Drei von Fünf sind also Österreicherinnen. Und dann spricht man vom Thema als “Ausländerthema”?

Christine Marek, die “immer so ein mulmiges Gefühl” hat, wenn sie eine Burka sieht, lässt dem Profil ausrichten, sie habe “eine vollverschleierte Frau” gesehen.

Man sieht, In Österreich hat sich eine Urban Legend breit gemacht, ist zu einer xenophoben Massenhysterie geworden, und ist bis in die Politik vorgedrungen. Man kann diese Legende in eine Reihe mit alten Xenophob übertriebenen Legenden wie “Ausländerkriminalität”, “Überfremdung”, “Einwanderungstsunami”, “Scheinasylanten” usw. stecken.

Es gibt ganz sicher gute Gründe, die Burka abzulehnen. Ein Verbot ohne Verbotsgegenstand, wie in Österreich, wäre jedoch eine lächerliche Luftnummer. Es betrifft niemanden und ist daher in etwa so sinnvoll wie ein Verbot, echte Krebsscheren als Wäscheklammern zu benutzen. Es beträfe vielleicht einen einzigen Menschen, dem man jedoch auch in einem klärenden Gespräch nahelegen könnte, dass es keinen Grund für dieses Verhalten gibt. Selbst dann, wenn er wirklich glaubt, es stände so in der Bibel.

Hier gibt es übrigens noch weitere schöne Vorschläge für ähnlich sinnvolle Gesetzesinitiativen.

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Verbot von Gesichtsschleiern in arabischen Ländern virulent

Frauen in Syrien, Saudi-Arabien und Ägypten sollen künftig mehr Gesicht zeigen. Dafür sorgen strenge Auflagen. Sie sollen den Einfluss der Orthodoxen im Islam mindern.

“An Europa und Frankreich möchte ich als Botschaft schicken – der Niqab hat keine Grundlage im Islam, er schadet vielmehr dem Ansehen des Islam", erklärte Abdel Muti Al-Bayyumi, Mitglied des Hohen Rates der Geistlichkeit an der Kairoer Al-Azhar Universität, der höchsten Lehrautorität der sunnitischen Muslime.

In Syrien wurden kürzlich mit einem Schlag 1200 Lehrerinnen, die den Niqab tragen, aus dem Schuldienst entlassen und in Bürojobs versetzt, wo sie keinen Kontakt mehr zu Kindern haben.

Gleichzeitig wurden zahlreiche Imame entlassen, andere müssen den Sicherheitsbehörden jede Woche ein Tonband mit ihrer Freitagspredigt vorlegen.

Selbst der saudische König Abdullah, auf dessen Territorium die strengen salafitischen Lehren ihre Wurzeln haben, zieht die Zügel stärker an.

Immer mehr moderate Muslime und säkulare Regime fühlen sich von dem gesellschaftlichen Druck der islamistischen Hardliner herausgefordert.

(Quelle)


Lesetipp: Wutausbruch – die Burka-Bomber

Ein kleiner Teaser für’s Gschmäckle:

Folgende Begebenheit: Am 9.8. wurde die Taiba-Moschee in Hamburg geschlossen – aufgrund einer Radikalisierung der Gemeinde. Ein Weckruf für jeden unwissenden Vollidioten, der überhaupt keine Ahnung von gar nichts hat, sich aber mit seinem Senf profilieren möchte und anfängt in die dämlichen Tasten seines dämlichen Computers zu hauen. Denn jetzt gilt es zu kommentieren und die Theorie des „christlichen Krieges gegen den islamischen Terror“ zu vertreten. Halleluja! „Hey, ich kenn mich da aus, weil deshalb und so halt!“ Ach, halt die Fresse! „Aber Islam ist Terrorist und so.“ Ähm, Nein!

Ruhig mal alles reinziehen. Hereinspaziert und hier entlang.


Verbot von Gesichtsschleiern ist in Belgien vorerst vom Tisch

Da in Belgien am 13. Juni Neuwahlen stattfanden, kann das am 30. April vom Parlament verabschiedete Burkaverbot nicht in Kraft treten. Das Diskontinuitätsprinzip, das auch in Deutschland gilt, bricht alle Gesetzgebungsverfahren, die bis zum Stichtag der Wahlen nicht abgeschlossen sind, ab.

Unterdessen werden nun auch in Syrien Anstrengungen unternommen, den Gesichtsschleier aus der Öffentlichkeit zu drängen.

Achja, noch etwas aufgeschnappt… Und ein britischer Soldat hatte in Afghanistan eine ungewöhnliche Idee, seinen Vorgesetzten die Identität eines getöteten Taliban zu beweisen. Er schnitt den Kopf ab und nahm ihn mit.


Schweizer Minarettverbot soll aufgehoben werden

Mit dem Hinweis auf die Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention hat der Europarat das Schweizer Bauverbot für Minarette als «diskriminierend» gegeisselt und dessen Aufhebung gefordert.

(Quelle)

Das Papier wurde einstimmig angenommen.

Der Rat sprach sich hierbei auch gegen ein generelles Verbot von Ganzkörperschleiern aus, punktuelle Regelungen hält er jedoch für akzeptabel.

Der genaue Wortlaut aus dem ganzen Papier(betitelt mit “Islam, Islamism and Islamophobia in Europe”):

3.12.       call on Switzerland to enact a moratorium on, and to repeal as soon as possible, its general prohibition on the construction of minarets for mosques, which discriminates Muslim communities under Articles 9 and 14 of the European Convention on Human Rights (ETS No. 5); the construction of minarets must be possible like the construction of church towers, subject to the requirements of public security and town planning;

3.13.       call on member states not to establish a general ban of the full veiling or other religious clothing, but protect the free choice of women to wear or not religious clothing and ensure equal opportunities for Muslim women to participate in public life and pursue education and professional activities; legal restrictions on this freedom may be justified where necessary in a democratic society, in particular for security purposes or where public or professional functions of individuals require their religious neutrality or that their face can be seen.


Wo ist der Fehler?

In Fribourg(Schweiz) wurde einer Muslimin die Sozialleistung um 15% gekürzt, weil sie sich für ihren neuen Arbeitgeber nicht aussziehen ihr Kopftuch nicht ablegen wollte.

Nun kann man sich mit gutem Recht fragen, ob diese suggestive Illustration mit der Burka nur zufällig das erste Bild einer Fotostrecke ist, in der die Unterschiede zwischen den vielen Kleidungsstücken dargelegt wird…

Scrollt man auf der Seite aber etwas herab, räumen sich sämtliche Zweifel, es könne sich um einen dummen Zufall handeln, aus:

image

Es wird ein Niqab(Gesichtsschleier) abgebildet – im Text geht es jedoch nur um das Kopftuch.

Der Pantoffelpunk hat die Funktion solcher Illustration gut beschrieben:

Unterstützung findet solch eine repressive Politik gegen die Schwächsten der Gesellschaft – hüben wie drüben – im Boulevard, denn wenn man den online-Bericht der Nachrichtenseite 20 Minuten Online aufruft, sieht man die Überschrift “Weniger Geld wegen Kopftuch“, die mit einem Super-Symbolfoto garniert wird, das einen abendländisch geprägten Leser nur zustimmen lassen kann: Klar, das muss dann sein.

Zur Erinnerung – SO sehen Kopftücher aus:

kopftuch_DW_Politik_386150g.jpg (480×320)

Sieht etwas weniger bedrohlich aus, oder? Bei aller Liebe… Man kann es wirklich übertreiben. Noch mehr: Diese Art des Journalismus kann man mit Recht als “Hetze” bezeichnen.


Burka, Bomben und Iran – Interview mit Eshkevari

Ein sehr interessantes Interview mit dem Exil-Iraner gibt der Standard her. Hier etwas gekürzt:

Zur Person:

Der Reformkleriker lebt seit 2005 im Exil, derzeit in Italien. Zuvor war er vier Jahre im Iran in Haft. Ein iranisches Sondergericht für Geistliche hatte zuerst ein Todesurteil ausgesprochen, das aber in zweiter Instanz in eine Haftstrafe umgewandelt wurde. Der Grund für seine Festnahme: Eshkaveri hatte sich im Jahr 2000 bei einer Iran-Konferenz in Berlin kritisch gegenüber dem Regime geäußert. Unter anderem hatte er gesagt, das Kopftuch für muslimische Frauen wäre optional.

Zum Burkaverbot in Belgien im Vergleich zur Kopftuchvorschrift im Iran sagt er:

(…) kann man mit dem gleichen Recht erwarten, dass die islamische Republik westlichen Frauen vorschreiben darf, dass diese sich bei einem Besuch des Landes nach islamischen Gesetzen kleiden.

Oder anders: Beide Bekleidungsvorschriften bestätigen und legitimieren sich gegenseitig.

Weiter geht er auf die Erniedrigungserfahrung ein, die solche Gesetze erzeugen können, und die Gefahr, die daraus resultiert:

Aus dieser Masse werden dann Leute rekrutiert, die bereit sind sich eine Bombe umzubinden (…). Aus lauter Zorn und aus Revanche für die Erniedrigung.

Zu den Protesten im Iran:

Es gibt eine Parallele zwischen der Entwicklung dieser Bewegung und der Entwicklung des Reformdenkens im Islam seit den vergangenen 30 Jahren. Die Erfahrung mit Ahmadinejads Regierung, besonders innerhalb des vergangenen Jahres, hat die Menschen mehr in die Richtung eines neuen Weges getrieben.

Von Vollkommenheit möchte er jedoch in Bezug auf Moussavi und Karrubi nicht sprechen, aber zumindest von einem “Schritt in Richtung Reform”.

Bezüglich dem relativ verbreiteten Traditionalismus europäischer Muslime sagt er:

Dafür sind zwei Gründe ausschlaggebend: Der erste ist, dass sie, indem sie ihre Heimat verlassen haben, neue Entwicklungen nicht mitgemacht haben. Der zweite Grund ist die islamfeindliche Haltung, die sie in Europa erfahren. Diese beiden Tatsachen drängen sie in ihre eigene Identität, in der sie sich sicher fühlen und diese Positionen vehementer zu vertreten.

Will heißen: Diskriminierung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich Menschen an die Identität und Tradition der Eltern und Großeltern klammern.

Dazu kommt(und das sind nicht seine Positionen): manche nehmen auch zur Kompensation der Diskriminierungserfahrung Identitätsangebote wahr, die selbst Diskriminierung im Programm haben(z.B. Nationalismus, Rassismus, Islamismus). Das ist ein Teufelskreis, und hier sollte man mit einer möglichst konsequenten und glaubwürdigen Durchsetzung von Antidiskriminierungsgesetzen ansetzen. Glaubwürdig in der Hinsicht, dass bei Diskriminierung immer mit gleichem Maß gemessen wird, völlig unabhängig davon, welcher Bevölkerungsgruppe Subjekt und Objekt der Diskriminierung angehören.

Ähnliches fordert Eshkevari, wenn es darum geht, den reformorientierten Islam innerhalb Europas zu unterstützen:

Die Muslime mit den eigenen Bürgern über einen Kamm scheren und nicht mit zweierlei Maß messen.

Bezüglich dem Iran empfiehlt er, Medien sollen Menschenrechtsverletzungen wahrnehmen und offen thematisieren.

Für die Ausbildung Junger Muslime empfiehlt er, Themen wie Menschenrechte und Demokratie besser zu vermitteln.

Zudem empfiehlt er, Muslime nicht immerzu dazu zu nötigen, Stellung zum Terrorismus zu nehmen. Vielmehr sollten sie als gleichwertige Staatsbürger behandelt werden.

Dann werden sie sich auch als verantwortungsvolle Bürger der Länder im Westen fühlen, die eben auch eine islamische Identität haben. Aber sie werden nicht, wie es leider Gottes immer wieder passiert, in die Opposition getrieben.

Auf die Frage hin, ob der Iran eine islamische Republik oder eine Militärdiktatur sei:

Es gibt weder eine unabhängige Regierung, noch eine unabhängige Justiz. Das sind alles Instrumente, die den militärischen Kräften zur Verfügung stehen.

Bei der Frage, ob ein reformorientierter Präsident gegen Militär und Klerus ankommen könnte, meint er, die Bedingungen und Voraussetzungen müssen stimmen, insbesondere eine breite Unterstützung in der Bevölkerung sei wichtig. Diese habe sich in den letzten Jahren verbessert. Dies müsse weiter- und mit einer klaren Programmatik einhergehen. Er ist optimistisch, falls sich der Trend fortsetzt.

Die Ursache des Widerstands gegen Ahmadinejads Wiederwahl sieht er in der Unterdrückung und Erniedrigung der gesamten Bevölkerung in seiner ersten Amtszeit, und er ist der Ansicht, es gebe auch viele reformorientierte Stimmen innerhalb des Klerus.