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"WIR" und die anderen und der alltägliche Rassismus

MartinMarheineckeRassen_nsprop Der Mensch neigt zu Pauschalisierungen. Er ordnet ein, kategorisiert und ordnet zu.
WIR, das sinde DIE Deutschen und DIE Christen.
Die anderen das sind DIE Ausländer, DIE Muslims, DIE Juden.

Dabei spielt es kaum eine Rolle, dass es diese Kategorien, diese Gruppen in Wirklichkeit gar nicht gibt. Die Zuordnung eines Menschen zu einer dieser Gruppen als solches wäre ja auch gar nicht tragisch. Klar, ich bin Deutscher. Ich gehöre zu dieser Gruppe von Menschen. Ich kann weder was dafür, noch ist es mein Verdienst, noch kann ich es verhindern.
Problematisch aber ist, dass mit bestimmten Gruppen bestimmte Klischees, bestimmte Eigenschaften verbunden werden.

"An allem Elend sind die Juden und die Radfahrer schuld." Antwort: "Wieso die Radfahrer?"

Juden sind Geldverleiher, sind raffgierig, geschäftstüchtig, schlagen aus allem Profit.
Wird von "East-Coast-Banker" gesprochen, so ist klar, dass damit Juden gemeint sind. Und Zinsknechtschaft ist fast untrennbar mit dem Judentum verbunden.

"Das ist typisch deutsch": Pünktlichkeit, Ordnung, Gewissenhaftigkeit,  Fleiß.

Ist jeder Deutsche so?

Was ist DER Islam?

Anders als bei der katholischen Kirche, gibt es DEN Islam gar nicht. Es gibt keine islamische "Kirche" und keine Mitgliedschaft in einer solchen, wie beim Katholizismus.
Es gibt zahlreiche, sehr unterschiedliche islamische Gruppen und Organisationen.
Jede von ihnen hat unterschiedliche Gebräuche, Koran-Auslegungen, kulturelle Ursprünge. Der Unterschied zwischen Aleviten und Sunniten dürfte vermutlich weit größer sein, als der zwischen Katholiken und Protestanten.

Und doch: oft reicht schon das dunkle Haar, die braunen Augen, der dunkle Teint, der Bart und das Urteil ist fertig: Ein Muslim.
Und damit sind dann auch eine ganze Reihe von Klischees verbunden: rückständig, unkulturell, frauenunterdrückend, Tierquäler, antichristlich, Terrorist.

Ob dieser Mensch tatsächlich einer muslimischen Gemeinde angehört und welcher, ob er gläubig ist, ob er muslimische Gebräuche praktiziert, ob er im Ramadam fastet, keinen Alkohol trinkt und kein Schweinefleisch isst, wird gar nicht mehr hinterfragt. Es ist Bestandteil der Eigenschaft "Muslim".

Die deutsche Volksgemeinschaft, das sind die Guten. Das sind die, der wir zugehörig sind. Also müssen es die Guten sein.
Und die wünschen sich die Freunde der deutschen Volksgemeinschaft möglichst homogen. Und da passen "die anderen" nicht dazu.

moschee Die stören die Volksgemeinschaft. Sie gefährden die Harmonie, die Gleichförmigkeit, die Regelmäßigkeit, die Symmetrie.

Ein Minarett, eine Moschee stört das gleichförmige Stadtbild, das geprägt ist von Mietshäusern, Geschäften und Kirchtürmen. Auch eine Synagoge ist da fehl am Platz, so wie kürzlich eine Gemeinderätin in Herford befand.
Sie stimmte gegen einen städtischenn Zuschuss zum Bau einer Synagoge, gegen die „Partikularinteressen einer Religionsgemeinschaft“.
Hat diese Frau vergessen, wieviele Milliarden der deutsche Staat jedes Jahr den christlichen Kirchen zuschießt? Oder ist das was anderes, weil die Bezahlung des christlichen Kirchenpersonals durch den Staat auf uralten Verträgen beruht?
Eine junge Reporterin rief Anette Kahane für ein Interview an und fragte dies und das zu Rechtsextremismus. Und dann kam der interessante Teil. In Taucha, Sachsen-Anhalt sei ein Jugendlicher aus einer Besuchergruppe zusammengeschlagen worden. Von irgendwelchen Rechten, sagte sie. Die hätten dabei immer „Du Scheiß-Jude, verpiss dich“ und ähnliches gebrüllt. „Nun, Frau Kahane, was meinen Sie? Ist das schon Antisemitismus?“ „Schon? Ja klar, was denn sonst?!“ sagte diese „Naja“, Neue_Synagoge_Berlin meinte die Reporterin, „aber das Opfer war doch ein Israeli“.

War die Entscheidung der Herforder Stadträtin Antisemitismus? Ach so, ich vergaß zu erwähnen, dass es sich bei dieser Abgeordneten nicht um eine Abgeordnete der NPD oder der sogenannten Pro-Bewegung handelte. Nein, es war ein Mitglied der LINKE.
Linker Antisemitismus? Oder war es "nur" das, was ihre Freundin und Bundestagsabgeordnete der Linken Inge Höger nur Tage zuvor als Crew-Mitglied der Gaza-Flottille vorlebte, als sie mit islamistischen Antisemiten zusammen gegen Israel der Hamas zu Ruhm verhelfen wollte? Wo sind da die Unterschiede?
Nein, Antisemitismus sei das nicht. Das sei Antizionismus. Und das sei nur Kritik an der Politik des Staates Israel, hört man dann immer wieder. Wird da wirklich unterschieden? Zwischen  der Kritik an DEN Juden und der Kritik an dem Staat Israel?
Die Juden sind mal wieder selber schuld. Denn gäbe es den Staat Israel nicht, gäbe es ja auch keinen Grund, ihn zu bekämpfen, gäbe es keinen grund einen Juden – Verzeihung: einen  Israeli – in Deutschland zusammen zu schlagen, gäbe es auch keinen Grund gegen den Bau einer Synagoge zu stimmen.

Die Juden- und Israelfeindlichkeit ist die eine Seite der selben Medaille, auf deren anderen die Islamfeindlichkeit steht.

WIR, die deutsche Volksgemeinschaft muss sich schützen. Sie muss im Vordergrund aller Überlegungen stehen. Und wenn mehrere Millionen Menschen in Pakistan von Seuchen und Tod bedroht sind, so müssen Spenden für den Wiederaufbau eines bei der Überschwemmung bei Görlitz beschädigten Zoos Vorrang vor den Spenden für Pakistan haben. Nunja: sind ja eh nur Muslime dort.

Und weil das Abendland untergehen könnte, können wir es natürlich auch nicht dulden, wenn in unseren Städten Moscheen und muslimische Gemeindezentren gebaut werden sollen, ebensowenig wie Synagogen.

Da wird dann plötzlich von der Trennung von Staat und Religion gesprochen, von "Partikularinteressen einer Religionsgemeinschaft". Dabei aber gleichzeitig gefordert, der Staat solle die christliche Religion schützen. In Wirklichkeit aber ist der deutsche Staat unendlich mit den christlichen Kirchen verfilzt. Auch im aktuellen Koalitionsvertrag ist von der "unverzichtbare(n) Rolle bei der Vermittlung der unserem Gemeinwesen zugrunde liegenden Werte“ bezüglich der christlichen Kirchen die Rede.

Weil die christlichen Kirchen eben zu uns gehören, sind sie Teil des Guten. Und damit sind die anderen – die Juden und die Muslims – logischerweise die Bösen. Jene, die unsere Kultur unterwandern, übernehmen, zerstören wollen, wie das ja auch z.B. Udo Ulfkotte im rechtsesoterischen Kopp – Verlag immer wieder gerne propagiert.

Da spielen Inquisition, Hexenverbrennungen, Unterdrückung der Wissenschaft in den 2000 Jahren christlicher Geschichte auch keine Rolle mehr. Und so werden dann natürlich auch die Erkenntnisse von Aufklärung und Humanismus schnell und bedenkenlos über Bord geworfen.
Die Ausländer haben mehr Rechte als die Deutschen in unserem Lande wird da immer gern behauptet und dabei geflissentlich übersehen, dass die BRD die Antidiskriminierungsrichtlinie der EU nur teilweise umgesetzt hat.
Die ethnische Zugehörigkeit zum "Deutschtum" wird entgegen den verfassungsmäßigen Grundrechten  höher bewertet, als die humanistischen Ideale der unveräußerlichen unteilbaren Menschenrechte.

Wer Muslim ist, ist fast automatisch Islamist und folglich Terrorist. Damit stehen alle Muslims und damit wiederum alle "Zugewanderten" unter Generalverdacht. Und doch haben sie für die deutsche Volksgemeinschaft eine wichtige Funktion. Denn wenn die schlecht sind, müssen wir gut sein.

Wir müssen uns nicht mit uns selbst beschäftigen, wenn wir über "Die Anderen" reden können. Wenn wir über "Ehrenmorde" reden, müssen wir  uns keine Gedanken darüber machen, dass 80 Prozent aller ermordeten Frauen von ihren deutschen, christlichen (Ex-) Partnern oder Familienmitgliedern ermordet werden.

Wenn wir uns darüber aufregen und gleichzeitig beruhigend damit trösten können, dass es ja muslimische Jugendliche waren, die eine jüdische Kinder-Tanzgruppe mit Steinen bewarfen, brauchen wir uns nicht mehr fragen, warum auch schon vor der palästinensischen Intifada jüdische Gemeindezentren und Synagogen von Polizisten bewacht werden mussten.
Der Grund war wohl weniger die „[b]esondere[r] Verantwortung (…) für die jüdischen Gemeinden als Teil unserer Kultur“, sondern  wohl eher die Angst vor schlechter Presse im Ausland, falls die Volksgemeinschaft mal wieder tabula rasa voelkerschau machen will.  Wer so tut, als gäbe es „unsere Gesellschaft“ mit „unseren Werten“ ohne ihre parzellierten Interessengruppen und ihre sozialen Disparitäten, braucht nicht zu sagen, ob Menschen, die einwandern, sich an antisemitischen Stammtischen beteiligen oder lieber philosemitische Sonntagsreden hören sollen – vielleicht sogar aber auch beides. Das Bekenntnis zur „Integration“ muss reichen. Den Rest besprechen wir am Sankt-Nimmerleins-Tag. – Vielleicht bei einem Erfrischungsgetränk im Augsburger Zoo, wo noch im Jahr 2005 – gerade war die Bundesrepublik offiziell zum „Zu-“Wanderungsland geworden – die besonders originelle Idee aufkam, ein „African Village“ zu installieren, in dem Schwarze inmitten anderer kurioser Geschöpfe „die Atmosphäre von Exotik“ vermitteln sollten. Im Zoo. (http://www.lifeinfo.de/inh1./texte/aktuelle_news14.html) Mit ähnlichen "Völkersachauen"  waren schon im 19. Jahrhundert Menschen anderer Kulturen unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit zu Schauobjekten degradiert worden.

Für den alltäglichen Rassismus spielt es keine Rolle, dass es DEN Deutschen, DEN Muslim, DEN Juden, DEN Ausländer gar nicht gibt.

0_big Es geht dabei darum, sich selbst über die Ausgrenzung der ANDEREN als Zugehöriger zu DIESER Volksgemeinschaft, zur DEUTSCHEN Volksgemeinschaft definieren zu können.
Die eigene Zugehörigkeit zur deutschen Volksgemeinschaft, das Verlangen nach einer homogenen Gesellschaft, die durch gleiche Interessen – deutsche Interessen – gekennzeichnet ist, verleugnend, dass es in dieser Gesellschaft unterschiedliche Interessen gibt, die unabhängig von Volks-, Ethnie- und/oder Religionszugehörigkeit sind,  ist es, die den alltäglichen Rassismus schafft. Es ist die Grundlage für Faschismus, für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

(Quelle: Portal Antifaschismus2 – Lizenz: CC)

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Deutschland rückt kräftig nach rechts

Fremdenfeindlichkeit ist “Mainstream” geworden.

Spiegel-Online schreibt:

Sie würden den Vorwurf weit von sich weisen, doch viele Deutsche haben ausländerfeindliche und chauvinistische Einstellungen. Eine alarmierende Rechtsextremismus-Studie macht klar: Die Radikalen in der Mitte der Gesellschaft sind zum Risiko für die Volksparteien geworden.

Die Studie zeigt, dass Ausländerfeindliche Einstellungen massiv zunehmen. Dem Vorurteil “Ausländer kommen, um den Sozialstaat auszunutzen” stimmen beispielsweise mehr als 30% der Deutschen zu. Ähnliches gilt für andere Aussagen, die eher dem rechtsextremen Diskurs entspringen.

Ca. 60% im Westen und 75% im Osten meinen sogar, dass Muslimen die Religionsausübung stark eingeschränkt werden solle.

Ca. ein Viertel der Deutschen findet, dass es eine starke Partei geben solle, die die “Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert”.

65 Jahre nach dem Nationalsozialismus wünscht sich zudem jeder zehnte einen Führer und für jeden zehnten ist eine Diktatur auch die bessere Staatsform.

Auf das Problem derartiger Einstellungen weist die Studie auch gleich hin:

Argumente (…) haben nur wenig Chancen gegen die Logik des Ressentiments: Erst werden Migrant/innen von den gesellschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten systematisch ausgeschlossen, um ihnen dann die Folgen einer verfehlten Integrationspolitik anzulasten. In beiden Verhaltensweisen kommt dasselbe Ressentiment zum Tragen – und damit zeigen sich die historisch tieferen Wurzeln des kulturalistisch-biologistisch begründeten Rassismus, der in der öffentlichen Auseinandersetzung um Integration gegenwärtig zum Ausdruck kommt.

Hier gibt es die ganze Studie zum nachlesen und schmökern. Es werden viele Facetten des Themenkomplexes sehr ausführlich beschrieben und auch weitere Themen behandelt, zum Beispiel ist eine Auseinandersetzung mit Begriffssdefinitionen zum Rechtsextremismus enthalten. Insgesamt sind es mehr als 150 Seiten. Interessant ist hierbei auch folgende Grafik:

Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland


One World – One Future

Via Fareus

 

2008:

2009:


Die “Jüdische Allgemeine” über den Islamhass

 

Marwa El-Sherbini wurde ermordet, weil sie erkennbar Muslimin war, weil sie keinen Platz hatte in jenem Deutschland, das die NPD will. Eine Partei, die auch der Mörder von Dresden gewählt hat. Dieser Prozess erinnert uns an eine traurige Wahrheit, die im Jubel der Feier des Mauerfalls untergegangen ist: Mit der Einheit kam auch die dramatische Zunahme rechtsradikaler Gewalt. Fast täglich gibt es Übergriffe auf Andersdenkende und Anderslebende. 143 Menschen wurden seither getötet, weil sie eine andere Hautfarbe oder Religion hatten, weil sie behindert, links, obdachlos, Punker oder schwul waren. Alltag. Selbst der brutale Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini hätte vermutlich kaum für große Schlagzeilen gesorgt – wäre da nicht die Angst vor dem Aufschrei der arabischen Welt gewesen. Was mir dagegen Angst macht, das sind Hass und Gewalt vor unserer Haustür. Mit jeder »national befreiten Zone« verlieren wir ein Stück Freiheit. Das Gericht hat Recht gesprochen. Die Freiheit und die Menschenwürde aber werden nicht allein im Gerichtssaal verteidigt, sondern auch auf jedem Spielplatz. Das ist unsere Sache. Wir sind das Volk.

Mehr findet sich in der Quelle(PDF). Lesenswert.

(Via Politblogger)


Integration

Fundstück, das ich niemandem Vorenthalten möchte:

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Integration bedeutet doch, dass zwei unterschiedliche Teile sich durch Anpassung angleichen und zu einer gemeinsamen Schnittmenge verschmelzen, oder?

Eigentlich nicht. Erste Versuche zur Integration hatten wir mit den Behinderten unternommen, denen per Quote und Förderung der Einstieg ins Berufsleben, mit Rampen und Blindenampeln der Zugang zum und die Bewegung im öffentlichen Raum ermöglicht werden sollte.

Auch Frauen sollten per Quote und Beauftragte ins Berufsleben integriert werden, bekamen gar ihre eigenen Parkplätze (wie die Rollifahrer).

Für eine Gemeinsamkeit ist da nicht viel bei rum gekommen, auch mit mehr Präsenz bleiben Behinderte immer noch Exoten, die man am liebsten im Abseits, möglichst nicht am Nachbartisch in Restaurant und Hotel haben möchte, und Frauen verdienen weiterhin deutlich weniger, werden weiterhin tagein und -aus mit tumben Sexismus konfrontiert.

Von ‚Integration'(tm) reden wir immer dort, wo uns Dominanzen ganz gut passen, eigentlich zwar keine Aufnahmebereitschaft besteht, aber ein bißchen guter Wille an den Tag gelegt werden soll, damit wir leichter über das Gejammer aus dem Abseits hinwegkommen Cool

Von ‚Integration'(tm) reden wir immer dann, wenn wir das Gegenstück – nämlich die Emanzipation – vermeiden wollen, in der die per Dominanz Ausgegrenzten nicht lieb, artig und geduldig bittebittebitte sagen, sondern dreist und selbstbewußt auf ihre Rechte und ihre Geltung pochen.

Wir sind eine Gesellschaft, die gerne von Integration redet … und sich jetzt schon fürchtet, dass rein demografisch-demokratisch ja demnächst die Rentner dominant würden … wenn wir uns jetzt nicht schnell was einfallen lassen Lachen

Also ‚integrieren‘ wir sie schnell in die Politik und spenden (oh unter welchem Protest!) ein Extraprozent Rente, bevor sich da eine Rentnerpartei auf die Hufe stellt, die sich um Parlamentshürden wenig sorgen müsste. So kommt’s auch weit besser rüber, wenn wir einen ‚Generationswechsel‘ in der Politk fordern, denn so bleibt es klar, dass jeder, der ein gewißes Alter erreicht hat, nicht mehr mitzureden hat, da es immer nur eine Generation ist, die was zu sagen haben darf.

Wir sind eine Gesellschaft, die gerne von Integration redet … und eigentlich nur aus der Generation besteht, die genau weiß, wie die Jugend an sie heranzuziehen ist, die genau weiß, wieviel den Alten so gerade noch zusteht … auch an Supermarktskassenzeit.

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Welcher Teil dabei jetzt die Grundlage bildet an den sich der andere Teil orientieren kann…. wer sind wir schon das zu entscheiden?

Es ist entschieden, indem Dominanzen gesetzt sind. Und die müssen nicht einmal vom dominierenden Teil gesetzt sein, es reicht vollends, wenn der die billigt, weil er meint, dass er sich am ehesten mit ihnen arrangieren, sich so einen Vorteil verschaffen kann.

Auch Hitlerdeutschland hatte nur recht wenig echte Faschisten und Menschenverachter, aber eine breite Mehrheit, die sich da nun in den Vorteil rücken sah, die drauf hoffen konnten, in der Zurücksetzung anderer selbst bevorzugt zu werden.

Jetzt sind wir in einer hoffnungslosen Zeit, jetzt muss also gezeigt werden, dass andere zu Unrecht bevorzugt werden. Ob jetzt in Österreich verkündet wird, dass man mit Kopftuch umgehend eine Riesenwohnung bekommt .. oder ob vor 30 Jahren dem Kollegen mit dem appen Bein gesagt wurde, dass er sich ja keine Sorgen um seinen Job machen muss, weil ihm als Krüppel ja keiner ans Leder kann … es macht keinen Unterschied, man will sich einfach als wen besseren sehen, der drum besseres verdient hat.

Die Integrationsfrage ist mir drum reichlich schnuppe, denn ich komme gerade aus Bochum. Da wurden nicht Migranten integriert, sondern da stand man zusammen, jung und alt, alle Ratsparteien, Gewerkschaften und Kirchen, Schulen und Verbände, Deutsche x-ter, 2. und 1. Generation nebst Deutschen ohne Pass … und war sich einig und darin stark "WIR SIND BOCHUM".

Keine Dominanzen, sondern vielfarbiges und vielfältiges Selbstbewußtsein derer, die je so stolz auf sich sein können und wollen, dass ihnen der Respekt vorm anderen keinen Zacken aus der Krone bricht, sondern Echo findet. Ein Klima, in dem der Rollifahrer dann nach’ner Stunde zu seinem Nachbarn scherzen kann »Schon *****, wenn man auf zwei Beinen stehen muss«, weil die Blicke auf den Rolli langsam aber sicher immer neidischer werden, je länger die Reden werden Lachen

Von Integration war da keine Rede, sondern davon, was wir für die Ausbildung unserer Jugend tun, was wir für die Kultur und das Miteinander in unserer Stadt machen, was wir gegen unsere Nazis machen, von denen’s auch in der Türkei mehr als genug hat.

Migration und ‚Integration’sfragen sind eine enorme Chance für diese sich immer weiter zerklüfftende Gesellschaft, denn gegen die Dämlichkeit ihrer Widersacher und gegen ihr dumpfes Streben nach nationalistischer Dominanz wächst in dieser Gesellschaft wieder etwas zusammen, entsteht Solidarität und ein Sozialbewußtsein, mit dem dann wie in Köln eine Stadt urplötzlich geschlossen dasteht, von linken Antikapitalisten über Taxifahrer bis zur Einzelhandelskammer.

Da kommt eine Gemeinschaft hervor, mit der wir unsere Porbleme gemeinschaftlich und auf vielfältigste Art und Weise in Angriff nehmen können. Und da stehen die Migranten und Migrierten nicht als Bittsteller und Almosenempfänger da, sondern als Partner, auf deren Beitrag zu verzichten schlicht blöd wäre.


Fußball: Mesut Özil entscheidet sich für Deutschland

Ein Zeichen praktizierter Integration, und diesbezügliches Verantwortungsbewusstsein aufgrund der Vorbildfunktion als Nationalspieler. Auf Politisch Korrekt näheres zum Thema, inklusive dem, was das PI-Kruppzeuch aus dem Thema macht, was mit einem Satz genau auf den Punkt gebracht wird:

Insofern war es für PI von Anfang an völlig unwichtig, ob sich Özil für oder gegen eine Karriere bei den deutschen Elitekickern entscheidet.

PI will halt nur gegen Türken hetzen, was sich in vielen Kommentaren widerspiegelt:

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Ja.

 

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Gut. Das zeigt, dass sie irgendetwas goldrichtig macht.

 

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Die DSO ist zur bewaffneten Rückführung befähigt, jedoch in einem anderen Sinne, als es sich dieser Kommentator wohl vorstellt. Nur was ist “CFR”?

 

Soviel zu den Pipifanten. Da war ja sowieso nichts anderes zu erwarten. Zurück zum Thema, denn da brennt es unter den Nägeln. Jeder kriegt hier sein Fett weg, der es verdient. Man kann sich herrlich über die Themen “Integration”, “Assimilation” usw. streiten, was wie von wem in welcher Form, in welche Richtung erstrebenswert ist oder nicht. Ich halte Assimilation jedenfalls für eine freiwillige, persönliche Angelegenheit.

Eines jedoch ist weder ein Zeichen von Integration noch eines von Assimilation:

Und zwar beispielsweise, was ich im Kommentarbereich dieses YouTube-Videos, oder dieses, oder dieses lese.

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Ich glaube nicht, dass gencbaba über Visavergaben entscheidet.

 

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Mesut hat nicht einmal einen türkischen Pass.

Wenn jemand eine genaue Übersetzung folgender Beiträge liefern könnte – ich verstehe nur, dass sie nicht besonders freundlich sind:

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Es wird also von gewissen Leuten, und es sind meiner Erfahrung nach nicht nur vereinzelte, sondern ein gesellschaftlich relevanter Teil, verlangt, dass jeder, dessen Eltern oder Großeltern in der Türkei geboren wurden, ein klares Bekenntnis zum Türkentum ablegt, sich mindestens aber der Türkei gegenüber loyaler verhält, als dem Geburtsland. Und jeder, der dies nicht tut, wird von dieser gesellschaftlichen Strömung offenbar des Verrats an der Nation beschuldigt, beschimpft und ausgegrenzt. Die Volksseele tobt, der völkische Zorn lässt sich schonungslos an ihm aus.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich sehe kein größeres Problem, wenn sich ein Mensch, der sich trotz Bemühungen nicht in Deutschland angenommen fühlt, die Flagge seiner Wurzeln ans Bein bindet. Auch dann nicht, wenn er gar nicht angenommen werden will. Flaggenkult und Nationalgehabe ist jedoch ein Problem. Wenn jemand, der sich angekommen und angenommen sieht, und sich daher die deutsche Flagge eher ans Bein binden kann, dermaßen aggressiv angegangen wird, dass es schon kollektivistisch-totalitäre Züge annimmt, gibt es etwas zu tun. Da nehmen sich Türkentums-, und Doitschtums-Fanatiker nämlich überhaupt nichts. In beidem liegt Potential für blinden Hass vergraben. Es bleibt daher, daran zu erinnern, was Erdogan im Februar ‘08 in Köln verlangte:

Wir dürfen uns nicht als Fremde betrachten, sondern müssen uns als wesentliches Element dieses Landes sehen

Genug des Nationalistenbashings, hier ein Versuch(Video), eine der Ursachen zu beschreiben, und ein Kommentar von Spox:

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