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Portrait eines Genres

Obgleich der Anlass traurig ist, ist es in der Sache notwendig:
In der taz findet sich ein gelungener Versuch, die Islamkritiker-Szene zu portraitieren und einzelne Strömungen voneinander zu differenzieren. Dies ist notwendig, um den Attentäters von Oslo nicht Denkströmungen zuzuordnen, von denen er im Kern sogar weit entfernt ist.

Einleitend geht es dabei um die plötzliche “Differenzitis” nach einem schweren Verbrechen, die da sagt, man solle die Tat eines politischen “Einzeltäters” nicht mit seinen politischen Ansichten und Loyalitäten in Verbindung bringen, sondern die Tat als die Tat eines einzelnen begreifen und rein psychologisch betrachten. Die Rede ist von den Reaktionen auf den politischen Mord an den niederländischen Regisseur Theo van Gogh im Jahre 2004.

Diese Einleitung ist deshalb wichtig, da sich nun eine sehr ähnliche Diskussion abspielt. Nur sind die Rollen heute andere. Seinerzeit wurden auf der einen Seite alle Muslime, der Islam als ganzes und die Einwanderung als solche für die Tat verantwortlich gemacht. Zugleich gab es – möglicherweise als Reaktion auf die Pauschalisierungen – Stimmen, die versuchten, die Tat vollständig aus dem politischen Kontext zu lösen, in dem sie entstand. Und es gab die wichtigen Grautöne dazwischen.

Und genau so ist es heute auch.

Es existieren sehr unterschiedliche Reaktionen von Seiten “der” Islamkritiker. Und das ist nachvollziehbar, denn “Islamkritik” existiert ja im Grunde nicht als einheitliches und definiertes Milieu mit einer klaren Parteipräferenz und Ideologie. Deniz Yücel versucht in seinem Artikel, Unterschiede zwischen einzelnen Strömungen zu beschreiben, und findet dabei heraus, dass diese unterschiedlichen Strömungen einerseits inkompatibel zueinander sind, dies jedoch in der Vergangenheit nur von wenigen klar und deutlich kommuniziert wurde.

Dies führte zu einer Form von Querfrontbestrebung, die Menschen aller ideologischen Lager unter einem Dach vereinen sollte. Das ist mittlerweile – zum Glück und hoffentlich dauerhaft – etwas anders.

Yücel legt hierbei dar:

Formuliert wurde die Islamkritik jedenfalls, bevor sie zum Volkssport im Internet wurde, vornehmlich von liberalen Intellektuellen, darunter vielen, die sich einst der (radikalen) Linken zugerechnet hatten und sich zuweilen immer noch als Linke verstanden
(…)
Eine deutsche Besonderheit war die linksradikale Islamkritik, wie sie von Vertretern der „antideutschen“ Strömung nach 9/11 oft unter Berufung auf die – von Breivik verhasste – Kritische Theorie in der Zeitschrift Bahamas und teilweise in der Wochenzeitung Jungle World(deren Redakteur der Autor dieser Zeilen von 2002 bis 2007 war) formuliert wurde. Einige aus diesem Spektrum wie der Politikwissenschaftler Matthias Küntzel haben sich im Zuge der Islamkritik von marxistischem Gedankengut abgewandt, andere nicht.
(…)
Hinzu kamen Islamkritiker aus (rechts)konservativen oder christlichen Kreisen, wie der frühere FAZ-Redakteur, Buchautor und spätere Mitgründer des Vereins „Pax Europa“ Udo Ulfkotte in Deutschland oder der katholische Religionswissenschaftler und Betreiber des Blogs“Jihad Watch“ Robert Spencer in den USA.

Hinzu kamen schließlich Figuren vom rechten Rand wie der heutige FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache, die ihr altes Credo „Ausländer raus!“ durch „Moslems raus!“ ersetzten (und den Antisemitismus zurückstellten, weil sie nun in Israel einen Bündnispartner im Kampf gegen Islam erkannten.)

Es gibt heute also Kritik am Islam bzw. seinen radikalen Ausformungen von:

(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
– Anhängern der kritisierten Religion
– Ex-Anhängern der kritisierten Religion
– Vertretern anderer Gruppen, die durch den Islamismus gefährdet sind
– Linksradikalen
– Liberalen
– Engagierten Atheisten
– Engagierten Anhängern anderer Religionen
– Rechtsradikalen

Diese Ausdifferenzierung ist keine Verharmlosung. Natürlich ist die Tat Breiviks eindeutig “islamkritisch” motiviert. Nichts anderes geht ihm durch den Kopf als “der Islam”(in demographischer Hinsicht). Und es täte allen Islamkritikern gut, sich nicht zu vorschnellen Abwehrreaktionen verleiten zu lassen, und insbesondere “Islamkritikern” täte es gut, einfach mal die Klappe zu halten.

Die Differenzierung ist notwendig, wenn man den Taten Breiviks wenigstens im Groben auf den Grund gehen möchte, und auch zur Ehrenrettung rationaler, humanistisch orientierter Kritik. Und das geht eben nicht, indem man sämtliche kritischen Äußerungen über einen Kamm schert und der Tat zuordnet(das tun auch nur sehr wenige). Das geht auch nicht, indem man sich einzelne prominente Autoren als Sündenbock herausfischt, um demonstrativ auf sie einzudreschen. Beides ist wenig sinnvoll und übertrieben. Letzteres sogar unverantwortlich. in mehrerlei Hinsicht. 1. Ist die Benennung irgendwelcher Namen im Zusammenhang mit solch großen Verbrechen unverantwortlich gefährlich und 2. Kann dies zum Einigelungseffekt führen, der jede Form der kritischen Selbstbetrachtung verunmöglicht.

Es kann also nicht um “alle” gehen, und auch nicht um ein, zwei oder drei Autoren. Es sollte darum gehen, die Geisteshaltung und –strömung zu verorten, auf der die tatsächlich existierende Form eliminatorischer “Kritik” gedeiht, die zuendegedacht auf die Verachtung menschlichen Lebens hinausläuft, die Breivik in die Praxis umgesetzt hat.

All die genannten Strömungen haben eigene Gründe für ihre Kritik. Man kann sie gutheißen, man kann sie ablehnen, aus welchen Gründen auch immer. Das ist kein Grund zum Handeln, sondern zunächst einer zum Reden. Wichtig ist, welche Gründe und Ziele Breivik für seine Tat hatte, und die sind mit kaum einer der genannten Strömungen vereinbar.

Breivik sieht sich selbst der letzten der oben genannten Strömungen zugehörig, der politischen rechten. Er bekennt sich zu sämtlichen völkisch-national bzw. ethnopluralistisch ausgerichteten Parteien in Europa, von FPÖ, über SVP, NPD bis hin zu Jobbik, und er argumentiert weitgehend in deren Sinne – entlang der kleinsten Schnittmenge all dieser Parteien: Anti-Einwanderung(am Islamthema festgemacht) und Anti-EU. Und in solchen Parteien bzw. in deren Umfeld herrscht ein überaus rauer Ton. An eine aus diesem Umfeld kommende kämpferische Rethorik, die bis hin zu Deportations- und Vernichtungsrethorik gegen “Fremde” und politisch andersdenkende reicht, hat man sich mittlerweile beinahe schon gewöhnt. Bis sie jemand beim Wort nahm.

Aber es ist nicht nur die aggressive Rhetorik, sondern auch der aggressive Inhalt, das Narrativ. Eine der Quellen, auf die sich Breivik bezieht, redet des Öfteren von einem “Bürgerkrieg”. Solche Bürgerkriegsphantasien gehören zu den genuinen Glaskugelprophezeiungen der “Neuen Rechten”. Ein solcher Bürgerkrieg sei natürlicherweise im Menschen angelegt und entfalte sich, sobald sich mehrere Ethnien in einem geographischen Gebiet aufhalten. In der Rechten wird ein solcher Krieg also geradezu herbeisehnt und herbeigeredet, und ihm solle sich am Ende auch “Europas Neuordnung” anschließen: Ein “Europa der Nationen”, fein säuberlich horizontal nach Stand sowie vertikal nach Ethnie sortiert. Dieser “Neuen Rechten” schwebt damit nichts anderes vor, als den NPD-Nazis. Die meinen im wesentlichen genau das selbe, nennen es jedoch “Rassenkrieg”.

An dieser Stelle gilt zudem festzuhalten: Die Rechte/Neurechte Verwendung des Begriffs “Islam” ist deckungsgleich mit der rechten Verwendung des Begriffs “Orientalisch/Asiatisch” – ersteres klingt jedoch nicht rassistisch und ist somit “politisch korrekt”. Daher wird die altrechte Argumentation als über diesen Weg gut im Mainstream platzierbar erachtet.

Diese Argumentation besteht in erster Linie aus der Kollektivstigmatisierung des “Fremden”(hier: des demographischen Islam). Diese Stigmatisierung geht auch ganz leicht, denn Argumente werden am laufenden Band geliefert: Themen der liberalen Kritik (z.B. am politischen Islamismus, am Jihadismus, am rechtskonservativen Patriarchat, etc.) werden hierbei durch die rechten ganz einfach dazu genutzt, um “den Orientalen an sich, wie er halt ist, bleibt und abzulehnen ist” zu beschreiben, und zwar in ständiger Wiederholung und mit ständigem Verweis auf eine vermeintliche “Täterschaft” der linken und liberalen (Damit sind auch friedliebende Christen und Juden gemeint) an der multiethnischen Realität. Das ist das inhaltliche Element des Rechtspopulismus. Auf diese Weise wird liberale Kritik zu rassistischer Stigmatisierung umfunktioniert – und es funktioniert. Ziel ist dabei nicht die kritische Reflexion seitens islamischer Verbände und Einzelpersonen(auch wenn sie bisweilen erfolgt), sondern Kollektivablehnung von Seiten der Mehrheit. Mehr nicht. Durch stete Wiederholung und Generalisierung von kollektiven Negativzuschreibungen soll eine gesellschaftliche Grundstimmung erreicht werden, die… STOPP!

Stopp. An dieser Stelle befindet sich die Gesellschaft gegenwärtig und sieht der Konsequenz ins Auge. Die Zukunft ist jedoch offen. Aber eines sollte nicht offen bleiben, und daran sollten alle menschenfreundlichen Kräfte mitarbeiten: Dass eine solche Tat nicht noch einmal geschieht.


Gedanken zum Kopftuch

Das muss ja nicht versteckt bleiben. Angesichts eines Blogposts “Das Kopftuch als Befreiung?” hinterließ ich einen kritischen Kommentar zum Kopftuch, in dem ich sowohl meine Abneigung gegenüber diesbezüglicher staatlicher Regulierung, aber auch meiner Abneigung gegenüber derartigem gesellschaftlichen Normzwang Ausdruck verlieh:

Meiner Ansicht nach hat (religiös-)traditionalistische Kleidung sehr häufig etwas von einer Art geschlechtsspezifischer Uniform, die den Status eines Menschen innerhalb seines direkten Gesellschaftlichen Kontextes markiert. Was die grundlegende gesellschaftliche Funktion derartiger Kleidung angeht, existieren keine prinzipiellen Unterschiede zwischen einem Frauenrock und einem Tschador. Beide betonen das jeweilige Geschlecht als die primäre Eigenschaft des Menschen.

Die Begründung ist es, die den bedeutendsten Unterschied ausmachen. Während der Frauenrock in Europa gesellschaftlich verhandelt werden konnte(und heute ungebrochen bezüglich Minirock, Tschador usw. weiterverhandelt wird), können Verfechter von islamisch-traditionellen Bekleidungsstücken eine Art sakrale Bedeutung behaupten. Dies macht es unheimlich schwer, das Thema gesellschaftlich zu Verhandeln.

Ich bin kein Freund religiöser oder traditioneller Kleidung, aber auch kein Freund von Verboten und Pflichten. Vielmehr sehe ich es als wichtig an, dass Frauen, bevor sie sich solche Kleidungsstücke überziehen, genau wissen, was sie tun und vor allem weshalb – und dies auch artikulieren können. Das Argument: “Mohammed/Allah hat gesagt, dass ich es tragen muss”, ist hierbei für mich ebenso wenig überzeugend wie: “Das hat man bei uns immer gemacht.” – denn man hat sehr vieles “immer schon gemacht”, und Mohammed hat auch vieles gesagt. Sklaverei, Steinigung, Handabhacken, usw. ließen sich ebenso leichtgläubig rechtfertigen, sind jedoch aus Vernunftsgründen vielerorts(leider noch nicht überall) ersatzlos abgeschafft worden, obwohl sie im Koran und Hadithen sogar viel deutlicher erwähnt werden, als das Kopftuch.

Ebenso wie die Abschaffung der Sklaverei damit begründet wurde, Mohammed habe schrittweise auf die Abschaffung hingewirkt, also der innere Sinn von entsprechenden Reformen extrahiert und vollendet wurde, ließe sich dies auch auf Bekleidungsnormen anwenden. Es ging im Kern schließlich darum, die als “aufreizend” empfundenen Facetten der – damals(!) üblichen – Kleidung(die zufälligerweise auch eine aus vorislamischer Zeit bekannte Haarbedeckung beinhaltete) zu “entschärfen”. Heute und hier ist eine andere Kleidung üblich. Man kann also auch sagen, dass Sure 33 Vers 60 “zieht eure Tücher tiefer”, bedeutet, dass die hier und heute als aufreizend geltende Kleidung, z.B. Miniröcke, bitte länger/bedeckter sein sollen.

Hierdurch bleibt zwar auch das unhinterfragte Bild des Mannes, der (verzeihlicherweise) im Verstand zu schwach ist, weiblichen Reizen zu widerstehen und es deshalb die Aufgabe der Frauen sei, seinen Fehlern vorzubeugen, sowie das unhinterfragte Bild der Frau, die Verführung (und damit die schuldige) für die sündige Tat zu verkörpern.

Dieses Menschenbild ist so alt wie Adam und Eva und wie der Spruch: “Die wollte das doch, so wie sie angezogen war.”

Das Problem ist: Wenn man das Menschenbild hinter solchen Kleidungsvorschriften kritisiert, bekommt man es ganz schnell auch mit christlich-konservativen Hardlinern zu tun, die es im Grunde teilen. Dennoch – oder gerade deshalb – halte ich es für sinnvoll, dass jungen Menschen auch das Hinterfragen von Menschenbildern nahegebracht wird. Einen bekenntnisunabhängigen Ethikunterricht – ruhig auch parallel zum bekenntnisunabhängiger Religionskunde – halte ich daher für ebenso sinnvoll, wie eine neue Diskussion über den Begriff “Religionsmündigkeit”.


Hagen Rether – die Angst vor dem Islam

 

Hagen Rether in der Sendung „Neues aus der Anstalt“ am Abend des 16.11.2010.


Warum sollen die’s besser haben?

Näheres hier


Sarrazin-Fan wird von Teenagern vorgeführt

Kopie vom Politblogger:

Michael Stürzenberger alias byzanz, publizistisch irrelevanter (PI) Mikrofonhalter, wurde beim Versuch eines Straßeninterviews von zwei Teenagern kürzlich nach allen Regeln der Kunst am Nasenring durch die Mangege gezerrt. Und er hat es noch nicht einmal gemerkt:

(Auf YouTube ansehen)

Nachtrag:

Zu diesem, insbesondere aber zu einem anderen Teil dieser Interviewreihe ist hier sehr lesenswertes zu finden.


Die FPÖ und der Islam

Die Position der FPÖ gilt ja in Sachen Islam bisher als eindeutig positioniert: “Dagegen”.

Auch im Wiener Wahlkampf 2010 versucht die FPÖ unter Strache, einen antiislamischen Wahlkampf zu führen. Aber wie ist die Positionierung der FPÖ tatsächlich?

Ein paar Fakten:

image Am 12. Oktober 2009 traf sich der Wiener Peter Fichtenbauer, enger Vertrauter von HC Strache, mit dem Iranischen Parlamentspräsidenten Larijani. Was beide tatsächlich besprochen hatten, gelangte nicht an die Öffentlichkeit, von der FPÖ selbst war zu diesem Treffen in der Öffentlichkeit nichts zu hören. Ob es um Den Nahostkonflikt ging, oder ob sich Fichtenbauer über den Stand des Atombombenprogramms informieren wollte – oder beides in Einheit – das ist unbekannt.

Auf eine Anfrage, wie dieses Treffen mit den antiislamischen Slogans der FPÖ zusammenpasse, sagte Martin Graf, im Iran sei der Islam heimisch und stelle daher kein Problem dar.

Dies zeigt die Verlogenheit FPÖscher “Islamkritik”. Diese Strömung kritisiert es zwar manchmal, wenn ein homosexueller im Iran gehenkt wird. Diese Kritik richtet sich jedoch nicht an das Regime des Iran, sondern an die zumeist türkischstämmige Bevölkerung Österreichs islamischen Glaubens – Als hätte sie irgendetwas mit dem Iran oder gar iranischer Politik zu tun. Selbst wenn sie etwas mit türkischer Politik zu tun hätte – in der Türkei gibt es derartiges nicht, und steht auch nicht an. Es geht also lediglich darum, Österreicher insbesondere türkischer Herkunft zu dämonisieren, um eine rassistische Stimmung in der Bevölkerung zu etablieren, der die FPÖ anschließend durch die Forderung von “Maßnahmen” nachkommen würde.

In diese Stoßrichtung passt auch diese, etwas ältere Meldung:

“Was unseren Vätern der Jud ist für uns die Moslembrut” wurde an die KZ-Gedenkstätte Mauthausen geschmiert, und dies sollte ernst genommen werden. Die Politik der FPÖ zielt hierbei auf systematische Ausgrenzung.

Das Verhältnis der FPÖ zu Israel dürfte im übrigen ebenfalls bekannt sein:

image

Auch hiermit lässt sich die Liebe zum Iranischen Regime erklären, welches regelmäßig die Existenz Israels “kritisiert”.

Das Verhältnis der FPÖ zu anderen Islamischen Staaten stellt sich ähnlich dem zum Iran dar:

Jörg Haider beispielsweise unterhielt beste Kontakte zum Irak unter Saddam Hussein. Sein Baath-Regime kann man als “National-Sozialistisch” einstufen. Auch zu Libyen und Syrien sind Kontakte belegt.

Ein kleiner Schnitt: Natürlich dürfen in diesem Zusammenhang auch die Worte der FPÖ zu historischen Themen nicht fehlen. John Gudenus sagte…

zu Gaskammern:

Es gab Gaskammern, aber nicht im Dritten Reich. Sondern in Polen

zu Auschwitz:

Ich bin mit einer gewissen Erwartungshaltung hingegangen. Ich habe geglaubt, dass ich Kranke, Tote, Ausgemergelte, Hungernde zu sehen bekomme. Eines der Bilder war aber eine recht gut aussehende Frauengruppe

Sein Sohn Johann Gudenus war bis 2009 Führer des RFJ, der FPÖ-Jugendorganisation:

Die Jugendorganisation der FPÖ erlebte 2003 einen gehörigen Rechtsruck als im Sommer rechtsextreme Kräfte rund um den Wiener Gemeinderat Johann Gudenus die Führung übernahmen. Dieser Rechtsruck wurde auch in der deutschen rechtsextremen Szene wohlwollend aufgenommen: im Organ der NPD „Deutsche Stimme“ wurde die Übernahme von Gudenus als Sieg der „Vertreter des authentisch nationalen Flügels“ begrüßt.

An einigen Funktionären des RFJ lässt sich auch eine Verbindung der Jung-Freiheitlichen zur neonazistischen Szene feststellen. Vor allem rund um die Aberkennung des Ehrengrabes für den Nazi-Fliegerhelden Walter Nowotny wurde diese deutlich. Nachdem eine Kundgebung zu Ehren Nowotnys von den Behörden aufgrund ihres neonazistischen Charakters untersagt wurde, übernahm der RFJ die Organisation und Mobilisierung. Zahlreiche Burschenschafter, FPÖ-Politiker und Anhänger neonazistischer Organisationen folgten dem RFJ-Aufruf, für den sich vor allem der RFJ-Funktionär Clemens Otten verantwortlich zeichnete. Dieser trat noch 2002 als Verantwortlicher für eine neonazistische Kundgebung am Wiener Heldenplatz in Erscheinung, ehe er ein Jahr später als RFJ-Bundesvorstandsmitglied und Autor der tangente im FPÖ-Umfeld auftauchte.

Noch heute ist er Mitglied des Wiener Gemeinderats – und kein Österreicher nimmt Anstoß daran. Dieser nationalsozialistische Menschenschlag und dessen Ansichten haben sich durch die FPÖ fest in der Österreichischen Politik und Gesellschaft etabliert. Daran ist nicht zu zweifeln, zumal die FPÖ nicht um den Einzug in den Wiener Gemeinderat kämpft, sondern um die 20%-Marke.

Leider ist es so, dass Österreich nie entnazifiziert wurde. Noch kann man dies nachholen. Das noch immer verbreitete Österreichische Geschichtsverständnis, “Opfer” der Nazidiktatur gewesen zu sein, steht dem jedoch noch im Wege.


Lesetipp: “Das Islambild in den Medien”

Sehr lang, aber auch sehr inhaltsreich und ausgewogen und somit lesenswert ist die Vertextung eines Redebeitrages des Journalisten Jörg Lau, den er auf einer Ringvorlesung an der Goethe-Universität Frankfurt hielt. Thema der Vorlesung war: “Wie viel Islam verträgt Europa? Einbürgerung des Islam: Gefahr, Schicksal oder Chance für Europa?”

Kürzen oder auszugsweise zitieren möchte ich nicht, da zu umfangreich. Es werden sehr viele Themen angeschnitten. Von fehlenden muslimischen Journalisten über den Mord an Marwa S., den Islamismus bis hin zu Sarrazin und der Darstellung der Debatten, die er anstieß, die Veränderung der Positionierungen zur Integrationsdebatte bei linken und bei rechten, usw. (und ich habe bisher nur die Hälfte gelesen) – wird vieles dargestellt.

Hier geht es zum Text.

Nachtrag: In der zweiten Hälfte findet sich eine ausführliche und plausible Darlegung der Gründe des Autors, den Islamophobiebegriff abzulehnen, dem anschließend macht er in aller Ausführlichkeit deutlich, dass sich der Journalismus einerseits keinen Lobbygruppen beugen darf, aber in diesem Themenbereich dennoch eine Generalrevision braucht. An dieser Stelle dann doch einmal ein Zitat:

Ein Beispiel dafür, wie man’s nicht macht: Ein islamischer Theologe hat mir erzählt, dass er vor wenigen Jahren einmal zu einer der großen Talksendungen im  deutschen Fernsehen eingeladen werden sollte. Es fand ein Vorgespräch statt, das angenehm verlief. Dann wurde er kurz vor der Sendung doch noch ausgeladen. Begründung: Man hätte sich etwas schärfere Kommentare von ihm erhofft. Tja, und in der Sendung bei Sabine Christiansen saß dann der Leipziger Salafist Hassan Dabagh mit seinem malerischen Rauschebart. Er wirkte toll im Fernsehen. Er wirkte wie fürs Fernsehen geschaffen.

Zum Ende hin berichtet er über den “Karikaturenstreit”, den er als einer der ersten in die deutschen Medien brachte.


Heut mal etwas zu Mixa gegoogelt…

Vorhin habe ich ein Video mit “grrrr” und “Hat der ‘nen Knall?”-Effekt gesehen.

Bei dem Video(Bitte die schnöde “Musik” und die propagandistischen Bilder  am Ende ignorieren) sind Fragen offen geblieben(wurden bewusst offengelassen?):

– Was für ein Imam ist denn das!?
– Worauf will der Mixa hinaus?
– Was ist denn dort das Thema?
– WTF!?

Es war etwas schwierig, denn Informationen über die Veranstaltung finden sich in dem Video selbst nicht, und sind auch per Google nicht auf Anhieb zu finden. Durch irgendein Stichwort stieß ich dann plötzlich auf die dazu passende Veranstaltung.

Hier also die Ergebnisse:

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Religiöser Boykottaufruf gegen McDonalds zeigte Wirkung

Es geht um ein Kinderspiel in Frankreich, in dem mit einer Religion gescherzt wird. Dies hatte einen wütenden Boykottaufruf seitens eines Geistlichen zur Folge. Resultat:

Wie die französische Lokalzeitung „La Dépêche“ berichtet, hat der Protestaufruf (…) Wirkung gezeigt. Nicht nur ist das beanstandete Spiel ist inzwischen aus dem Verkehr gezogen. Der Kundenservice des Burgerbraters hat sich inzwischen persönlich (…)  für den Affront entschuldigt.

Ist McDonalds hier vor dem Islam, dem politischen Islam oder gar vor dem Islamismus eingeknickt?

Die Auflösung:

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Muslimisch – weiblich – deutsch! von Lamya Kaddor

Ein dreister Copypaste-Beitrag:

Quellen:
Das Parlament – Gläubig und demokratisch

Gläubig und demokratisch
Muslime in Deutschland
Ein unaufgeregtes Buch zu einer aufgeregten Debatte

Von Jeannette Goddar


Wenn eine weiß, was junge Muslime in Deutschland so denken, dann ist es wohl Lamya Kaddor. Woche für Woche hört sie pubertierenden Schülern zu. Die gebürtige Westfälin und Tochter syrischer Eltern ist eine der wenigen Islamkunde-Lehrerinnen in Deutschland. Damit unterrichtet sie jenes Fach, das in Nordrhein-Westfalen entwickelt wurde, um den Koranschulen die Interpretation der heiligen Schriften des Islam nicht allein zu überlassen. Wie ernst die Islamwissenschaftlerin diesen Lehrauftrag nimmt, hat sie schon mit zwei Büchern unter Beweis gestellt: Sie ist die Verfasserin des ersten "Koran für Kinder und Erwachsene" und des ersten deutschsprachigen Schulbuchs für den Islamunterricht namens "Saphir". Mehr lesen

Verlag C. H. Beck oHG – Muslimisch – weiblich – deutsch!

‚Lamya Kaddor gehört zu einer neuen Generation von deutschen Muslimen. In ihrem mutigen, sehr persönlichen Buch kritisiert sie das beklagenswerte Erscheinungsbild des Islam in Deutschland ebenso wie die Wagenburg-Mentalität der Nicht-Muslime. Ein längst überfälliges Plädoyer für einen zeitgemäßen Islam. Der Islam ist Teil der deutschen Gesellschaft. Nur wollen das viele nicht wahr haben – unsere selbsternannten Islamkritiker nicht und am wenigsten viele Muslime selbst. Die schweigende Mehrheit lässt es zu, dass bärtige Fundamentalisten sie in der Öffentlichkeit repräsentieren und dass Terror, Zwangsheirat und Ehrenmorde das Bild vom Islam bestimmen. Lamya Kaddor gibt den liberalen, aufgeklärten Muslimen in Deutschland endlich eine Stimme, vor allem den Frauen, die selbstbestimmt – mit oder ohne Schleier – leben wollen, ohne ihre Religion preiszugeben. Sie erzählt, wie sie in Deutschland als Tochter frommer arabischer Einwanderer groß geworden ist und mit welchen Herausforderungen sie als "Ausländerin" in der Schule und als junge gläubige Frau im Berufsleben fertig werden musste. Ein ebenso spannendes wie sympathisches Buch, das wachrütteln und die verschlafene Integrationsdebatte beleben wird.

Plädoyer einer deutschen Muslima für einen weltoffenen Islam.‘

Quelle: Unsere Demokratie