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Portrait eines Genres

Obgleich der Anlass traurig ist, ist es in der Sache notwendig:
In der taz findet sich ein gelungener Versuch, die Islamkritiker-Szene zu portraitieren und einzelne Strömungen voneinander zu differenzieren. Dies ist notwendig, um den Attentäters von Oslo nicht Denkströmungen zuzuordnen, von denen er im Kern sogar weit entfernt ist.

Einleitend geht es dabei um die plötzliche “Differenzitis” nach einem schweren Verbrechen, die da sagt, man solle die Tat eines politischen “Einzeltäters” nicht mit seinen politischen Ansichten und Loyalitäten in Verbindung bringen, sondern die Tat als die Tat eines einzelnen begreifen und rein psychologisch betrachten. Die Rede ist von den Reaktionen auf den politischen Mord an den niederländischen Regisseur Theo van Gogh im Jahre 2004.

Diese Einleitung ist deshalb wichtig, da sich nun eine sehr ähnliche Diskussion abspielt. Nur sind die Rollen heute andere. Seinerzeit wurden auf der einen Seite alle Muslime, der Islam als ganzes und die Einwanderung als solche für die Tat verantwortlich gemacht. Zugleich gab es – möglicherweise als Reaktion auf die Pauschalisierungen – Stimmen, die versuchten, die Tat vollständig aus dem politischen Kontext zu lösen, in dem sie entstand. Und es gab die wichtigen Grautöne dazwischen.

Und genau so ist es heute auch.

Es existieren sehr unterschiedliche Reaktionen von Seiten “der” Islamkritiker. Und das ist nachvollziehbar, denn “Islamkritik” existiert ja im Grunde nicht als einheitliches und definiertes Milieu mit einer klaren Parteipräferenz und Ideologie. Deniz Yücel versucht in seinem Artikel, Unterschiede zwischen einzelnen Strömungen zu beschreiben, und findet dabei heraus, dass diese unterschiedlichen Strömungen einerseits inkompatibel zueinander sind, dies jedoch in der Vergangenheit nur von wenigen klar und deutlich kommuniziert wurde.

Dies führte zu einer Form von Querfrontbestrebung, die Menschen aller ideologischen Lager unter einem Dach vereinen sollte. Das ist mittlerweile – zum Glück und hoffentlich dauerhaft – etwas anders.

Yücel legt hierbei dar:

Formuliert wurde die Islamkritik jedenfalls, bevor sie zum Volkssport im Internet wurde, vornehmlich von liberalen Intellektuellen, darunter vielen, die sich einst der (radikalen) Linken zugerechnet hatten und sich zuweilen immer noch als Linke verstanden
(…)
Eine deutsche Besonderheit war die linksradikale Islamkritik, wie sie von Vertretern der „antideutschen“ Strömung nach 9/11 oft unter Berufung auf die – von Breivik verhasste – Kritische Theorie in der Zeitschrift Bahamas und teilweise in der Wochenzeitung Jungle World(deren Redakteur der Autor dieser Zeilen von 2002 bis 2007 war) formuliert wurde. Einige aus diesem Spektrum wie der Politikwissenschaftler Matthias Küntzel haben sich im Zuge der Islamkritik von marxistischem Gedankengut abgewandt, andere nicht.
(…)
Hinzu kamen Islamkritiker aus (rechts)konservativen oder christlichen Kreisen, wie der frühere FAZ-Redakteur, Buchautor und spätere Mitgründer des Vereins „Pax Europa“ Udo Ulfkotte in Deutschland oder der katholische Religionswissenschaftler und Betreiber des Blogs“Jihad Watch“ Robert Spencer in den USA.

Hinzu kamen schließlich Figuren vom rechten Rand wie der heutige FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache, die ihr altes Credo „Ausländer raus!“ durch „Moslems raus!“ ersetzten (und den Antisemitismus zurückstellten, weil sie nun in Israel einen Bündnispartner im Kampf gegen Islam erkannten.)

Es gibt heute also Kritik am Islam bzw. seinen radikalen Ausformungen von:

(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
– Anhängern der kritisierten Religion
– Ex-Anhängern der kritisierten Religion
– Vertretern anderer Gruppen, die durch den Islamismus gefährdet sind
– Linksradikalen
– Liberalen
– Engagierten Atheisten
– Engagierten Anhängern anderer Religionen
– Rechtsradikalen

Diese Ausdifferenzierung ist keine Verharmlosung. Natürlich ist die Tat Breiviks eindeutig “islamkritisch” motiviert. Nichts anderes geht ihm durch den Kopf als “der Islam”(in demographischer Hinsicht). Und es täte allen Islamkritikern gut, sich nicht zu vorschnellen Abwehrreaktionen verleiten zu lassen, und insbesondere “Islamkritikern” täte es gut, einfach mal die Klappe zu halten.

Die Differenzierung ist notwendig, wenn man den Taten Breiviks wenigstens im Groben auf den Grund gehen möchte, und auch zur Ehrenrettung rationaler, humanistisch orientierter Kritik. Und das geht eben nicht, indem man sämtliche kritischen Äußerungen über einen Kamm schert und der Tat zuordnet(das tun auch nur sehr wenige). Das geht auch nicht, indem man sich einzelne prominente Autoren als Sündenbock herausfischt, um demonstrativ auf sie einzudreschen. Beides ist wenig sinnvoll und übertrieben. Letzteres sogar unverantwortlich. in mehrerlei Hinsicht. 1. Ist die Benennung irgendwelcher Namen im Zusammenhang mit solch großen Verbrechen unverantwortlich gefährlich und 2. Kann dies zum Einigelungseffekt führen, der jede Form der kritischen Selbstbetrachtung verunmöglicht.

Es kann also nicht um “alle” gehen, und auch nicht um ein, zwei oder drei Autoren. Es sollte darum gehen, die Geisteshaltung und –strömung zu verorten, auf der die tatsächlich existierende Form eliminatorischer “Kritik” gedeiht, die zuendegedacht auf die Verachtung menschlichen Lebens hinausläuft, die Breivik in die Praxis umgesetzt hat.

All die genannten Strömungen haben eigene Gründe für ihre Kritik. Man kann sie gutheißen, man kann sie ablehnen, aus welchen Gründen auch immer. Das ist kein Grund zum Handeln, sondern zunächst einer zum Reden. Wichtig ist, welche Gründe und Ziele Breivik für seine Tat hatte, und die sind mit kaum einer der genannten Strömungen vereinbar.

Breivik sieht sich selbst der letzten der oben genannten Strömungen zugehörig, der politischen rechten. Er bekennt sich zu sämtlichen völkisch-national bzw. ethnopluralistisch ausgerichteten Parteien in Europa, von FPÖ, über SVP, NPD bis hin zu Jobbik, und er argumentiert weitgehend in deren Sinne – entlang der kleinsten Schnittmenge all dieser Parteien: Anti-Einwanderung(am Islamthema festgemacht) und Anti-EU. Und in solchen Parteien bzw. in deren Umfeld herrscht ein überaus rauer Ton. An eine aus diesem Umfeld kommende kämpferische Rethorik, die bis hin zu Deportations- und Vernichtungsrethorik gegen “Fremde” und politisch andersdenkende reicht, hat man sich mittlerweile beinahe schon gewöhnt. Bis sie jemand beim Wort nahm.

Aber es ist nicht nur die aggressive Rhetorik, sondern auch der aggressive Inhalt, das Narrativ. Eine der Quellen, auf die sich Breivik bezieht, redet des Öfteren von einem “Bürgerkrieg”. Solche Bürgerkriegsphantasien gehören zu den genuinen Glaskugelprophezeiungen der “Neuen Rechten”. Ein solcher Bürgerkrieg sei natürlicherweise im Menschen angelegt und entfalte sich, sobald sich mehrere Ethnien in einem geographischen Gebiet aufhalten. In der Rechten wird ein solcher Krieg also geradezu herbeisehnt und herbeigeredet, und ihm solle sich am Ende auch “Europas Neuordnung” anschließen: Ein “Europa der Nationen”, fein säuberlich horizontal nach Stand sowie vertikal nach Ethnie sortiert. Dieser “Neuen Rechten” schwebt damit nichts anderes vor, als den NPD-Nazis. Die meinen im wesentlichen genau das selbe, nennen es jedoch “Rassenkrieg”.

An dieser Stelle gilt zudem festzuhalten: Die Rechte/Neurechte Verwendung des Begriffs “Islam” ist deckungsgleich mit der rechten Verwendung des Begriffs “Orientalisch/Asiatisch” – ersteres klingt jedoch nicht rassistisch und ist somit “politisch korrekt”. Daher wird die altrechte Argumentation als über diesen Weg gut im Mainstream platzierbar erachtet.

Diese Argumentation besteht in erster Linie aus der Kollektivstigmatisierung des “Fremden”(hier: des demographischen Islam). Diese Stigmatisierung geht auch ganz leicht, denn Argumente werden am laufenden Band geliefert: Themen der liberalen Kritik (z.B. am politischen Islamismus, am Jihadismus, am rechtskonservativen Patriarchat, etc.) werden hierbei durch die rechten ganz einfach dazu genutzt, um “den Orientalen an sich, wie er halt ist, bleibt und abzulehnen ist” zu beschreiben, und zwar in ständiger Wiederholung und mit ständigem Verweis auf eine vermeintliche “Täterschaft” der linken und liberalen (Damit sind auch friedliebende Christen und Juden gemeint) an der multiethnischen Realität. Das ist das inhaltliche Element des Rechtspopulismus. Auf diese Weise wird liberale Kritik zu rassistischer Stigmatisierung umfunktioniert – und es funktioniert. Ziel ist dabei nicht die kritische Reflexion seitens islamischer Verbände und Einzelpersonen(auch wenn sie bisweilen erfolgt), sondern Kollektivablehnung von Seiten der Mehrheit. Mehr nicht. Durch stete Wiederholung und Generalisierung von kollektiven Negativzuschreibungen soll eine gesellschaftliche Grundstimmung erreicht werden, die… STOPP!

Stopp. An dieser Stelle befindet sich die Gesellschaft gegenwärtig und sieht der Konsequenz ins Auge. Die Zukunft ist jedoch offen. Aber eines sollte nicht offen bleiben, und daran sollten alle menschenfreundlichen Kräfte mitarbeiten: Dass eine solche Tat nicht noch einmal geschieht.

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Interview mit Wolfgang Benz

Im Gespräch mit Claudia Mende warnt Professor Dr. Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, vor den Folgen der Islamophobie und Ausgrenzung von Minderheiten in Deutschland.

Das Interview auf Quantara ist im ganzen interessant, hier aber drei Auszüge.

Zur Gemeinsamkeit zwischen Islamfeindlichkeit und Antisemitismus:

(…) die Mechanismen von Ausgrenzung und Diskriminierung sind sich nicht nur ähnlich, sie haben auch den gleichen Grund: Die Mehrheitsgesellschaft braucht fremde Minderheiten, denen man Schuld zuschreiben kann und an die sie Bedrohungsängste, Überfremdungs- und Überwältigungsfantasien delegiert. Das stärkt den Zusammenhalt der Mehrheitsgesellschaft und verhilft ihr zu übersichtlichen Erklärungen und Definitionen, wie es in der Welt zugeht.

Zur Versachlichung der Feuilletondebatte über den Islam:

Von einem Umdenken kann noch keine Rede sein. Erfreulicherweise geben jetzt einige große seriöse Blätter wie die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung der Vernunft eine Stimme. Das ist ein Lichtblick aber kein Durchbruch. Diese Debatte ist noch lange nicht ausgestanden. Sie bietet einfach zu viel Reizstoff. Ich fürchte, bei der nächsten großen Verfehlung mit einem Muslim als Täter, zum Beispiel einem so genannten Ehrenmord, werden wir wieder einen Rückschlag erleben.

Die Abgrenzung zwischen Kritik und Ressentiment:

Islamfeindschaft, die sich selbst Islamkritik nennt und von manchen als Islamophobie bezeichnet wird, ist immer dann im Spiel, wenn keine Argumente mehr stattfinden, sondern nur noch gehasst wird. Was sich in manchen Blogs abspielt, hat nichts mehr mit Argumenten zu tun sondern mit Diskriminierung. Negative Eigenschaften werden Muslimen ein für alle Mal zugewiesen, das ist Ausgrenzung, keine Debatte.

Hier nochmal der Link zum Interview.

Grundsätzlich kann man wohl sagen, dass Wolfgang Benz genau das tut, was manche Islamkritiker noch vermissen lassen: Er blendet die Abgründe der “Islamkritik” nicht aus.

Islamkritiker, die etwas auf sich halten, sind meines Erachtens nach dazu angehalten, sich wenigstens zu ihren “Fans” sowie den in “ihren” Kommentarspalten getätigten Äußerungen deutlich zu verhalten.


Video: ProNRW und ProKöln – Stimmungsmache von Rechts


Solinger Christen gegen „Pro NRW“

Die Solinger „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen“ vereint die evangelischen, griechisch-orthodoxen, katholischen und freien evangelischen Gemeinden. Am 25. März verabschiedeten die Solinger Christen eine gemeinsame Erklärung bezüglich des Pro-NRW Aufmarsches am 1. Mai in Solingen. Leider liegt sie hier nicht im Wortlaut vor, daher eine Zusammenfassung:

Das Solinger Tageblatt fasst wie folgt zusammen:

„Für Vielfalt, Respekt und Menschenwürde“ ist die Erklärung der ACK, die am 25. März verabschiedet wurde, überschrieben. „Pro NRW“ baue seine Wahlkämpfe auf rassistischer und fremdenfeindlicher Propaganda auf und versuche mit Angstkampagnen gegen andere Menschen Wählerstimmen zu gewinnen, heißt es in der Erklärung. „Mit dieser Strategie stellt diese Gruppierung sich nicht nur in Widerspruch zu unserem Grundgesetz und den Prinzipien der Demokratie und Menschenwürde, sondern auch zu unseren biblischen Grundüberzeugungen.“ Rassismus und Fremdenfeindlichkeit seien nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar. „Die Vereinnahmung der Christen durch ,Pro NRW‘, die u. a. in dem Slogan ,Abendland in Christenhand‘ zum Ausdruck kommt, weisen wir entschieden zurück.“ Die ACK betont die Menschenrechte, zu der auch die Religionsfreiheit gehöre.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises laut RP-Online zur Erklärung:

„Wir bitten alle Christen, die Erklärung zu unterschreiben“, so Stein. Denn damit nehmen die Christen klar Stellung für Vielfalt, Respekt und Menschenwürde und gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Die Strategie von „Pro NRW“ widerspreche nicht nur den Prinzipien von Demokratie und Menschenwürde, sondern auch den biblischen Grundüberzeugungen, heißt es in der Erklärung. So ist sie auch mit dem treffenden Zitat aus dem 3. Buch Mose, Kap. 19, überschrieben, wo es heißt: „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten“.

Direktkandidat im Wahlkreis Solingen I ist übrigens Tobias Nass, der noch im Jahre 2005 für die NPD angetreten und nachweislich noch im Jahre 2007 für die NPD aktiv war. Leider lässt er sich auf Abgeordnetenwatch nicht öffentlich zu seiner früheren Tätigkeit als „Nationaler Sozialist“ (Auf Deutsch: Nazi) befragen. Frank Borgmann kandidiert gleich in zwei Wahlkreisen: Wuppertal III und Solingen II – was man durchaus als Beleg für den Personalmangel dieses rechtsextremen Bürgerhäufleins ansehen kann.

Interessant ist ja, was letzterer fordert:

– Bundeswehr soll polizeiliche Aufgaben wahrnehmen
– das selbe gilt nach Ansicht Borgmanns für eine zu schaffende Bürgerwehr
– Völlig Widersprüchlich ist seine Forderung zum Thema „Kameras an öffentlichen Plätzen“: „Ich will keinen Überwachungsstaat. Zur Sicherheit sollten Kameras vorhanden sein.“ – wofür sind Kameras denn da, wenn nicht zur Überwachung der Bürger?
– Er fordert, dass sich der Staat nur an rein deutschen Unternehmen beteiligen soll, keinesfalls an Konzernen. Zu einem „Deutsche, kauft deutsche Bananen“ ist es da nicht mehr weit. „Kriminelle Ausländer raus“ fordert er übrigens ebenfalls, wobei er diese Forderung aus Imagehygienegründen auf „Intensivtäter“ reduziert. Es bleibt die selbe Doppelmoral.

Er hatte sich wohl einmal im Verein Mehr Demokratie e.V. engagiert. Das einzige, was man dazu finden kann, ist ein Satzungsänderungsantrag:

Antrag auf Satzungsänderung von Frank Borgmann

In §4 Zweck des Vereins sollen die Punkte 3 und 4 gestrichen werden:

3. Der Verein ist parteipolitisch neutral. Er verfolgt keine politische Zwecke im Sinne der eindeutigen Beeinflussung der politischen Meinungsbildung oder der Förderung von politischen Parteien.

4. Der Verein strebt die Zusammenarbeit mit anderen an ähnlichen Themen arbeitenden Organisationen an.

Es scheint, als wollte er den Verein zu einer politischen Sektiererbande verdrehen.

Im Zusammenhang mit „Volksentscheiden auf Bundesebene“(was hat das mit NRW-Politik zu tun?) entlarvt er sich allerdings: „Über 60 Jahre lang weigerten sich die jeweiligen Regierungen das Grundgesetz umzusetzen!“ Dies weist auf eine Auffassung hin, wonach Art. 146GG zu einer Volksabstimmung über eine neue Verfassung verpflichte. Dem widerspricht aber das Bundesverfassungsgericht. Nicht, dass Herr Borgmann ein Verfassungsfeind ist – oder etwa doch?

Siehe auch:
Kirchen gegen „Pro NRW“

EKD: “Wer ‘Christenland in Christenhand’ fordert, handelt unchristlich”


Henryk M. Broder – “Sind Muslime die Juden von heute?” (Episode 2)

Vor einiger Zeit hatte ich einen etwas ausführlicheren Blogpost zu einem unsäglichen Auslass von Henryk M. Broder geschrieben. Broder versuchte vergeblich, die Praktik von Herrn Benz und dem Zentrum für Antisemitismusforschung, die aktuell grassierende Islamfeindlichkeit mit älteren Formen des Antisemitismus zu vergleichen, zu dämonisieren. Bis heute konnte jedoch noch niemand Herrn Benz dahingehend widerlegen, dass gewisse Parallelen zwischen dem alten Antisemitismus und dem aktuellen Islamhass tatsächlich existieren. Warum dies nicht geschah, zeigt ein anderer Artikel. Auf der anderen Seite nämlich war jemand fleißig, ganz konkrete Beispiele für die genannten Parallelen zusammenzusuchen, und sie sind erschreckend deutlich.

Der Artikel ist länger(aber sehr lesenswert), daher greife ich nur das für mich wesentliche heraus, nämlich die Schlussfolgerung, die ich so auch unterschreiben kann:

weiterlesen


Beitrag zur Islamophobiedebatte

Ein sehr guter Beitrag zu einer aktuellen Kontroverse.

Siehe auch:
Henryk M. Broder – “Sind Muslime die Juden von heute?”
Pseudofeminismus
Grundsätzliches zur Islamkritik


Islamhass in Europa heute – Parallelen zum Antisemitismus damals?

Sündenfall: Dieser Film stammt eigentlich von den sicher auch unter Islamkritikkritikern kritisierten Leuten rund um Pierre Vogel (EZP). Jedoch ruft er nicht zum Konvertieren auf, sondern zeigt etwas völlig anderes:

Dieser Film setzt nichts gleich, sondern zeigt einige propagandistische Parallelen zwischen dem Islamhass heute und dem alten Antisemitismus auf. Islamophobie ist von rechtsaußen tief in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen, und zeigt sich zunehmend eliminatorisch, was sich zum einen am Mord an Marwa S. im Landgericht Dresden zeigte, auch an den vielen Einzelgewalttaten, die direkt gegen Moslems gerichtet waren, (weil sie Moslems sind!) zum anderen jedoch besonders deutlich am Minarettverbot in der Schweiz.

Er überspitzt ein wenig, ohne einen Holocaust-Vergleich vorzunehmen(das wäre unpassend), jedoch aus gutem Grund: Er drückt sehr drastisch real bestehende Ängste von Teilen der deutschen Bevölkerung Islamischen Glaubens aus.

Siehe auch:

NPD-Wähler ermordet schwangere Ägypterin mit 18 Messerstichen – warum?
Schweiz 2009 – das Ende der Religionsfreiheit?
Hagen Rether 2007: “Wehe uns, wenn hier demnächst die Moscheen brennen…”

Extern:
Raus aus der Opferrolle (WOZ Schweiz)


Schweiz 2009 – das Ende der Religionsfreiheit?

 

Schweiz SVP EDU

Böse? Mag sein.

Christen unter Hitler 

Überzogen? Vielleicht.

Schweiz SVP EDU

Grundlos? Nein.

Die Schweizer Bevölkerung etwa 30% der wahlberechtigten Schweizer verbieten es seit 2009, Moscheen mit Minaretten auszustatten. In der heutigen Zeit entspricht ein Minarett jedoch Funktional und symbolisch weitgehend einem Kirchturm. Das Minarettverbot ist daher als gezielte Schlechterstellung einer einzelnen Religion zu werten.

Auch wenn behauptet wird, man verteidige Europäische Werte, sei angemerkt, dass die Mehrheit der Muslime aus Bosnien-Herzegowina, dem Kosovo und Albanien stammen. Europäische Länder also.

Bei aller notwendigen Religionskritik zeigt die Schweiz mit dieser Abstimmung deutlich den gesellschaftlichen Charakter des Nationalismus und der Xenophobie. Wer glaubt, es geht hier wirklich nur um irgendwelche Gebetstürme, der ist entweder ein Idiot (pc: naiv) oder verteidigt auch die Reichspogromnacht als notwendige Maßnahme.

Nun bleibt Moslems in der Schweiz vielleicht eines – man gestaltet Moscheen zukünftig vielleicht nach diesem Vorbild:

image

Das Schweizer Rechtssystem ist übrigens praktisch nicht in der Lage, die eigene Verfassung wirksam gegen verfassungswidrige Gesetze durchzusetzen, also auch nicht den Artikel 15 (Religionsfreiheit):

Das Bundesgericht darf jedoch nach Ansicht eines Teils der juristischen Lehre in einer Urteilsbegründung Kritik an verfassungswidrigen Bundesgesetzen üben und tut dies gelegentlich auch. Eine solche Kritik führt gelegentlich zu Gesetzesänderungen durch die Bundesversammlung. Bei unbestimmten Rechtsbegriffen in Bundesgesetzen können die Gerichte diese im Rahmen der Rechtsauslegung zudem verfassungskonform auslegen, solange dadurch die Gesetzesnorm nicht umgedeutet oder korrigiert wird.

Eine Möglichkeit wäre daher, dass vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof geklagt wird:

Ob das Bauverbot tatsächlich in die Verfassung des Landes aufgenommen wird, ist jedoch fraglich. Rechtsexperten betonen, ein Bauverbot verstoße wahrscheinlich gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte könnte das Bauverbot für Minarette in der Schweiz stoppen. "Gegen das Bauverbot wird sicher vor dem Gerichtshof geklagt", sagte der Berner Islamwissenschaftler Reinhard Schulze.

Die Schweiz hatte bereits 1974 die Europäische Menschenrechtskonvention ratifiziert, die besagt:

Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekennen, darf nur Einschränkungen unterworfen werden, die gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sind für die öffentliche Sicherheit, zum Schutz der öffentlichen Ordnung, Gesundheit oder Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer.

Dennoch zeigt sich nun auch das wahre Gesicht der SVP:

Mit dem Ja zeige sich auch, dass man nicht wolle, dass sich der Islam und auch der politische, radikale Islam in der Schweiz noch mehr ausbreite.

Brunner zeigte sich überzeugt, dass Sonderrechte für Gruppierungen nicht akzeptiert werden. Das heisse auch, dass Personen, die sich hier niederlassen, anerkennen müssten, dass man beispielsweise am Arbeitsplatz ohne Kopftuch erscheine und man sich nicht vom Schwimmunterricht dispensieren lassen könne. Er sprach sich zudem gegen Zwangsverheiratungen und spezielle Regelungen für die Bestattung auf Friedhöfen aus.

Sonderrechte für Gruppierungen werden nicht akzeptiert, Sondergesetze gegen bestimmte Gruppierungen hingegen schon? Wird die Schweiz der christliche Counterpart Saudi-Arabiens?


“Pro”-Köln bleibt in den Verfassungsschutzberichten

Die selbsternannte “Bürgerbewegung “Pro”-Köln darf nach einem Bericht des Evangelischen Pressedienstes weiter in den Verfassungsschutzberichten 2007 und 2008 stehen. Unter dem Aktenzeichen “22 K 3117/08” wurde in einer mündlichen Verhandlung klar gemacht, dass Anhaltspunkte für den Verdacht von Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung vorliegen. Hierbei wird ein älteres Urteil (Aktenzeichen: 22 K 1286/06) bestätigt, das aufgrund einer ebenfalls vergeblichen Klage gegen das Erscheinen von “Pro”-Köln in den Verfassungsschutzberichten 2005 und 2006 gefällt wurde.

Ebenso wie die ältere Entscheidung, ist auch diese unanfechtbar.

Innenminister Wolf erklärte dazu:

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts zeigt erneut, dass pro Köln auch weiterhin beobachtet werden muss, um auf Gefahren für die verfassungsgemäße Ordnung frühzeitig reagieren zu können

Mehr Informationen zum Thema:

– “Köln ganz rechts" zu Pro-Köln, Pro-NRW und Pro-Deutschland
– Die Rolle der bekennenden Neonazis in der Islamfeindlichen Szene
– der KStA zu zweifelhaften Personen
Pro-Köln und Israel
Der Hass auf Muslims hat sich in Deutschland wie eine Epidemie breitgemacht
– Buchvorstellung “Feindbild Moslem
– Buchvorstellung “Islamfeindlichkeit – wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen


16 Seiten über Henryk M. Broder und PI-News – und warum man ihm keinen Glauben schenken sollte

Ein paar kurze Auszüge aus der 16-Seitigen Leseprobe(PDF) zum Buch “Feindbild Moslem”, die sich in erster Linie mit Henryk M. Broder beschäftigt, hierbei auch sein Verhältnis zum rechtsextremen Blog “PI-News” beleuchtet. (Gefunden bei Heise)

Henryk M. Broder also hat vor einigen Jahren das Islam-
Keulen als neues Betätigungsfeld entdeckt. Es bekam ihm nicht schlecht.

Er verdient damit sicherlich nicht schlecht. Möglicherweise ging es ihm anfangs auch nur darum.

Das hat er weniger der Brillanz seiner Pamphlete zu verdanken als der Lautstärke, mit der er sie und sich vermarktet. Broder kommt mit recht wenig Material aus, um die drohende Islamisierung des Abendlandes zu belegen; und er hat sowenig Material, weil er zu bequem und vielleicht auch zu eitel ist, um sich ernsthaft mit dem Thema zu beschäftigen. Deshalb fällt er schon mal auf Fakes herein und verbreitet sie weiter – zum Beispiel die Ente von den Sparschweinen, die aus einigen britischen Banken verbannt worden seien, um muslimische Kunden nicht zu provozieren. Als man ihm nachgewiesen hatte, daß er mit einer Falschmeldung hausieren ging, pöbelte er los, die »islamophile Bloggerszene« sei vom gleichen Kaliber wie die »Scharen von Revisionisten«117, die das Tagebuch Anne Franks als Fälschung denunzieren, um so die Shoah zu leugnen. Dieser Vergleich war selbst für Broders Verhältnisse von überraschender Ekelhaftigkeit.

Nicht zu vergessen, dass er kürzlich ankündigte, sich für die Legalisierung der Holocaustleugnung einzusetzen, und und sich hierbei auch gegen die zukünftige Errichtung von Holocaustmahnmalen aussprach.

Er ist ein Fachmann für Krawall und damit auf jeden Fall unterhaltsamer als irgendein echter Experte mit Bedächtigkeit, guten Manieren und Interesse für andere Meinungen. Broder will nicht aufklären, sondern Horrorstorys in die Welt setzen:

Broder wird zitiert:

“Der Islam wächst in Österreich stetig(…). Nach derzeitigen Prognosen lösen die Muslime im Jahr 2010 die Protestanten als derzeit größte Religionsgemeinschaft nach dem Katholizismus ab.”

und seine mangelnde Fachkenntnis wird belegt:

In Österreich lebten 2006 etwa 400 000 Muslime, doch nur mehr 326 117 Protestanten

Auf Seite eins zurückgespult:

»Der Mann ist eine Faktenmaschine«, schwärmt PI-Leserin
»Makieken«

Die Leseprobe beschäftigt sich auch mit einem von Broders Lieblingsthemen – den Mohammedkarikaturen – und belegt, wie Broder übertreibt, Zahlen frisiert und pauschalisiert, den Islam mehr oder weniger als monolithischen Block darstellt, und den Islam als ganzen, und damit eben auch impliziert alle Moslems für die Taten einzelner oder einzelner Gruppierungen in Mithaftung nimmt.

Recht treffend wird daher schon vorangehend Broders allgemeines Wirken zum Thema Islam beschrieben:

Die Verwechslung von Ausnahme und Regel kehrt in Broders
antiislamischer Kampagne wieder. Denn der nachgeborene Kant versteht nicht nur vieles nicht, ihm fehlt meistens auch die Lust, sich um Verständnis zu bemühen

und der Auseinandersetzung mit den Übertreibungen bezüglich der Reaktion einiger auf die Mohammedkarikaturen folgend kommentiert:

Broder hat eine These, und weil er sie hat, hält er es für überflüssig, sie ordentlich zu belegen. Er phantasiert von »1,5 Milliarden Moslems in aller Welt, die chronisch zum Beleidigtsein und unvorhersehbaren Reaktionen neigen«, und wenn in Wirklichkeit kaum ein Muslim chronisch beleidigt ist, wenn Abermillionen tobender Irrer auf einige Hunderttausend zusammenschrumpfen, kümmert das Broder gar nicht. Denn was Wirklichkeit ist, entscheidet allein er.

Und noch treffender:

Seine Art, die Welt wahrzunehmen, ist der des islamistischen Mobs eng verwandt.

Jedoch wird Broder nicht undifferenziert als “das Böse” schlechthin dargestellt. Auch seine – wenn auch seltenen – differenzierten Beiträge werden hervorgehoben. Verwundert betrachtet man beispielsweise seine wohlwollende Haltung zum EU-Beitritt der Türkei – ebenso, wie man bei PI-News verwundert war:

Seine glühenden Verehrer bei Politically Incorrect stürzte Broders Plädoyer für den EU-Beitritt der Türkei in eine Verwirrung, die nur dann größer ausfiele, wenn ein Türke ihnen Immanuel Kant vorlesen würde. Die »Faktenmaschine« hatte plötzlich ausgedient, war ein Fall für den Schrotthaufen. Der Bild-Artikel, fand ein »Jack Black«, sei »Intellektuellengeschwätz. Wenn 10 Millionen Musel nach Deutschland kommen, kann Broder auf dem Schiff nach Amerika weiterdichten.« Der User läßt offen, ob er und seine Kameraden oder die »Musel« Broder deportieren werden. Zwar hatte der Autor sich in Bild nicht verdächtig gemacht, demnächst in die Kommunistische Plattform eintreten zu wollen, doch plötzlich erinnerten sich die PI-Nazis, aus welcher Ecke ihr gestürztes Idol stammt: »Er ist
bekennender Linker«, halluzinierte der User »Plebiszit«, »ein Internationalist und damit kein Deutscher, der sich um den Erhalt seiner Kultur und Heimat sorgt«. Also: ein Jud. Sie hatten es ja immer schon geahnt: »Broder ist auch nur ein Lohnschreiber«, greinte »Kim«; »[der] Mann ist aalglatt«, teilte »Taufbecken« mit. Und so räumten sie jeden Zweifel daran aus, daß PI-Gäste neben Hurra, wir kapitulieren! besonders gern die Werke von Joseph Goebbels durchblättern.

Zum rassistischen Blog “PI-News” gibt es im Buch wohl ein eigenes Kapitel…

Diese 16 Seiten über Brodaganda sind jedenfalls schon sehr lesenswert, und für Menschen, die eine Auseinandersetzung über den Islamismus zwar befürworten, aber im unter dem Deckmantel der “Islamkritik” grassierenden Mainstream-Rassismus ein brandgefährliches gesellschaftliches Problem sehen, sehr empfehlenswert. Für die anderen ebenfalls. Daher sollte auch die Frohe Botschaft über diese Leseprobe verbreitet werden. 🙂