Schlagwort-Archive: Islamkritikkritik

Lesetipps…

Anbei ein paar Lesetipps:

In “Wider die Sarrazin-Methode” beschäftigt sich die FR mit dem Buch “Die Panikmacher”. Hierzu auch ein Radiointerview mit Bahners und Benz beim Deutschlandfunk. (Direktlink MP3 Bahners) (Direktlink MP3 Benz)

Auf Endstation Rechts wird dargelegt, warum die NPD Sachsen-Anhalt mit der Hofierung Sarrazins Wahlkampf gegen sich selbst macht.

Übrigens hat Thilo auch einen Sohn.

Im Weser-Kurier zeigt Karakaşoğlu die Problematik hinter dem Begriff “Integration” auf.

In den Niederlanden legte sich die Königin bzw. die Minderheitsregierung eine Selbstzensur auf, um nicht bei den Islamophoben anzuecken. Appeasement at its worst.

Im Handelsblatt beschreibt Thomas Hanke ein Problem im Umgang zwischen „dem Westen“ und „den islamischen Ländern“ und hofft nach dem reihenweisen Sturz der Despoten auf eine allgemeine Entspannung der Lage, auch innenpolitisch in Europa.

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Radiobeitrag: „Auch Islamkritiker sind frauenfeindlich“

Der Titel stammt nicht von mir, sondern vom Deutschlandradio.

Hier die Sendung. Hörenswert:

MP3-Direktlink.
Dauer: ca. 9 Minuten


Radiobeitrag: Gefahr für die Gesellschaft

Ein sehr interessanter Radiobeitrag über Geert Wilders, PI und die Moslemfeindliche Szene:

Dauer: ca. 18 Minuten

Die Grundgedanken, die Geert Wilders nicht müde wird zu variieren, lauten: Europa droht die Islamisierung. Vor dieser Gefahr verschließen die etablierten Parteien die Augen. Die einzig wahren Hüter von Freiheits- und Menschenrechten sind Wilders und seine Freunde.

Und damit die Welt von dieser „Wahrheit“ erleuchtet werden kann, haben sich Wilders und Co. international gut vernetzt.

Das Script gibt es beim Deutschlandfunk direkt.


…was definitiv keine Islamkritik ist….

Um diese und auch andere Personen genau einzuordnen, müsste man sich im Einzelnen mit ihnen und den Aspekten ihres Schaffens auseinandersetzen. Jedenfalls von den zwei- bis dreihundert Seiten eines Buches von Kelek, Schwarzer oder Broder sind sicher nicht alle komplett unsachlich und falsch. Insgesamt aber ist ihre Argumentation unlogisch, undifferenziert und fahrlässig. Sie arbeiten mit Mechanismen, die persönliche Ziele verfolgen und keineswegs im Dienst einer seriösen Kritik am Islam stehen. Weder hat einer der Genannten Islam- oder zumindest Religionswissenschaft studiert, noch ist bekannt, dass einer von ihnen Arabisch spricht. Dennoch treffen sie immer wieder theologische oder historische Aussagen.

Dessen ungeachtet schimpfen und klagen sie an, ohne dabei je Konsequenzen aufzuzeigen. Was etwa soll die Konsequenz aus Ralph Giordanos Aussage ‘Der Islam ist das Problem’ sein? Dass man den Islam verbietet? Den Koran verbietet? Dass alle Muslime ihrem Glauben so weit abschwören, bis er zufieden ist? Dass man alle Muslime aus dem Land wirft? Die – wie ich sie nenne – ’sogenannten Islamkritiker’ mögen mit dergleichen Gedanken spielen, lassen aber letztlich alles offen. Eben darin liegt die Gefahr. Sie sorgen für sozialen Sprengstoff und für bewusste Polarisierung in der Gesellschaft, wenn man so will, liefern sie den Zunder für die Hetze.

Via Politblogger – (Quelle)

An anderer Stelle bezeichne ich die Äußerungen von Kelek zwar als wichtigen Beitrag, das widerlegt jedoch nicht hier genannten Einschätzungen.


Interview mit Wolfgang Benz

Im Gespräch mit Claudia Mende warnt Professor Dr. Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, vor den Folgen der Islamophobie und Ausgrenzung von Minderheiten in Deutschland.

Das Interview auf Quantara ist im ganzen interessant, hier aber drei Auszüge.

Zur Gemeinsamkeit zwischen Islamfeindlichkeit und Antisemitismus:

(…) die Mechanismen von Ausgrenzung und Diskriminierung sind sich nicht nur ähnlich, sie haben auch den gleichen Grund: Die Mehrheitsgesellschaft braucht fremde Minderheiten, denen man Schuld zuschreiben kann und an die sie Bedrohungsängste, Überfremdungs- und Überwältigungsfantasien delegiert. Das stärkt den Zusammenhalt der Mehrheitsgesellschaft und verhilft ihr zu übersichtlichen Erklärungen und Definitionen, wie es in der Welt zugeht.

Zur Versachlichung der Feuilletondebatte über den Islam:

Von einem Umdenken kann noch keine Rede sein. Erfreulicherweise geben jetzt einige große seriöse Blätter wie die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung der Vernunft eine Stimme. Das ist ein Lichtblick aber kein Durchbruch. Diese Debatte ist noch lange nicht ausgestanden. Sie bietet einfach zu viel Reizstoff. Ich fürchte, bei der nächsten großen Verfehlung mit einem Muslim als Täter, zum Beispiel einem so genannten Ehrenmord, werden wir wieder einen Rückschlag erleben.

Die Abgrenzung zwischen Kritik und Ressentiment:

Islamfeindschaft, die sich selbst Islamkritik nennt und von manchen als Islamophobie bezeichnet wird, ist immer dann im Spiel, wenn keine Argumente mehr stattfinden, sondern nur noch gehasst wird. Was sich in manchen Blogs abspielt, hat nichts mehr mit Argumenten zu tun sondern mit Diskriminierung. Negative Eigenschaften werden Muslimen ein für alle Mal zugewiesen, das ist Ausgrenzung, keine Debatte.

Hier nochmal der Link zum Interview.

Grundsätzlich kann man wohl sagen, dass Wolfgang Benz genau das tut, was manche Islamkritiker noch vermissen lassen: Er blendet die Abgründe der “Islamkritik” nicht aus.

Islamkritiker, die etwas auf sich halten, sind meines Erachtens nach dazu angehalten, sich wenigstens zu ihren “Fans” sowie den in “ihren” Kommentarspalten getätigten Äußerungen deutlich zu verhalten.


Lesung in Leipzig

(Link von mir hinzugefügt)

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus und des Lesefestes “Leipzig liest“ findet am Freitag, dem 19.März in der Alten Nikolaischule eine Lesung zum Thema “Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen“ statt.

Quelle

Ich hoffe, dass – wie ich es schon zum Thema “Seminar: Islamophobie und Antisemitismus” schrieb – die Veranstaltung Transparent verläuft, um die Inhalte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Ein Audiostream würde sicher schon ausreichen.


“Islamfeindlichkeit – wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen”

Eine recht Ausführliche Buchvorstellung hatte schon im Oktober 2009 Arne Hoffmann veröffentlicht.

Ich stelle hier mal die ersten zwei Absätze rein, und hoffe, dass dies zum weiterlesen der Buchvorstellung animiert:

Bereits auf dem Backcover und im Vorwort seines im Wiesbadener VS-Verlages erschienenen Sammelbands Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen macht sein Herausgeber, der Politologe Thorsten Gerald Schneiders, deutlich, dass es sich hierbei um einen von zwei Bänden handelt, die zusammengehören. Der zweite Band Islamverherrlichung. Wenn die Kritik zum Tabu wird soll beim selben Verlag im Januar erscheinen. Schneiders erklärt dazu: "’Islamkritik‘ ist eines der Schlagworte unserer Zeit. Doch dahinter verstecken sich oftmals nur pure Ressentiments. Zugleich lässt sich unter Muslimen eine dogmatische Verteidigungshaltung beobachten, bei der bisweilen jede Kritik von vornherein in den Wind geschlagen wird. Beide Extreme dominieren zu häufig die öffentlichen Diskussionen."

Wenn man die aktuelle Islamdebatte wirklich seriös und umfassend wiedergeben und analysieren will, erscheint die Beleuchtung dieser beider Seiten der Medaille in der Tat geboten, wenn nicht gar zwingend. Wer hin und wieder über diverse Online-Suchmaschinen zu dem Begriff "Islamophobie" recherchiert, wird bald feststellen, dass manche Muslime in der Tat mit diesem Vorwurf schnell bei der Hand sind, wo noch keine Spur von Fremdenfeindlichkeit oder kulturalistisch verbrämtem Rassismus zu erkennen ist, sondern lediglich bestimmte Aspekte des islamischen Lebens oder der islamischen Welt kritisiert werden, wie man das jederzeit etwa mit Aspekten aus dem Christentum ebenfalls tun würde, ohne dass der Vorwurf der "Christophobie" erhoben wird. (Fast würde ich hier von einer missbräuchlichen Verwendung des Ausdrucks/Begriffs "Islamophobie" sprechen; allerdings herrscht in der Sprachwissenschaft Konsens, dass es keine missbräuchliche Verwendung von Begriffen gibt, weil niemand festlegen kann, was eine ordnungsgemäße Verwendung wäre. Niemand muss sich zum Beispiel der Definition von Islamophobie anschließen, wie sie der Runnymede Trust vorgenommen hat, auch wenn diese sehr sinnvoll ist.)

Hier geht es also weiter

Dieses Buch wird wohl Einzug in die hiesige Stube halten, später natürlich auch der zweite Band. Sie werden dann aller voraussicht nach desöfteren für Zitate herhalten.


Henryk M. Broder – “Sind Muslime die Juden von heute?” (Episode 2)

Vor einiger Zeit hatte ich einen etwas ausführlicheren Blogpost zu einem unsäglichen Auslass von Henryk M. Broder geschrieben. Broder versuchte vergeblich, die Praktik von Herrn Benz und dem Zentrum für Antisemitismusforschung, die aktuell grassierende Islamfeindlichkeit mit älteren Formen des Antisemitismus zu vergleichen, zu dämonisieren. Bis heute konnte jedoch noch niemand Herrn Benz dahingehend widerlegen, dass gewisse Parallelen zwischen dem alten Antisemitismus und dem aktuellen Islamhass tatsächlich existieren. Warum dies nicht geschah, zeigt ein anderer Artikel. Auf der anderen Seite nämlich war jemand fleißig, ganz konkrete Beispiele für die genannten Parallelen zusammenzusuchen, und sie sind erschreckend deutlich.

Der Artikel ist länger(aber sehr lesenswert), daher greife ich nur das für mich wesentliche heraus, nämlich die Schlussfolgerung, die ich so auch unterschreiben kann:

weiterlesen


“Mir schlägt ein unglaublicher Hass entgegen”

Matthias Brodkorb verfasste eine interessante Zusammenfassung und Analyse zu einem heiklen Themas auf Endstation Rechts. Insbesondere die “Breitseite”, die Wolfgang Benz von “Islamkritischer” Seite entgegenschlug und -schlägt, fiel mir hierbei auf.

Mir schlägt ein unglaublicher Hass entgegen

Es hat auch nichts mehr mit Kritik zu tun, was da nach Broders erstem Erguss durch die Blogs und Feuilletons herumschwappte, und es ist auch nicht das erste mal, dass vergleichbares passiert.

Insbesondere die "Enthüllung" um Bosl auf der Achse des Gutmenschen hatte mir gezeigt, mit welchen Bandagen da überhaupt ‚gekämpft‘ wird – es geht nicht einfach um einen inhaltlichen Diskurs, bei dem die Achsenmächte – möglicherweise – überzeugen könnten, sondern um den Versuch der gezielten Demontage von unliebsamen Personen mitsamt ihren unliebsamen Thesen.

Jeder kämpft hierbei offenbar mit den ihm zur Verfügung stehenden Waffen. Glücklicherweise kämpfen Broder & Co. nur mit der spitzen Feder – deren Fans jedenfalls schleifen ihre Feder zur kleinen Stichwaffe. Na hoffentlich lullen die Achsenmächte nicht auch noch die JDL ein.

Broder denkt ja auch gar nicht an die Rente, im Gegenteil. Er legt nach und nach nach bzw. schlägt weiterhin um sich. Das ist sein gutes Recht, denn mittlerweile ist seine Form der “Kritik” Gegenstand der Kritik. Zurecht, wie ich finde. (Später mehr)

Nun schlägt Benz aber tatsächlich Hass entgegen. Sicherlich nichts Extremistisches, was man es von der JDL oder von radikalisierten Salafiten erwarten könnte, eher findet ein versuchter Frontalangriff gegen seine Reputation statt, ausgehend vom Heini, was z.B. auf PI die erwünschte Wirkung erbrachte.

PI

Nun ist es aber so, wie Benz sagt:

Tatsächlich erfahre ich keine fachliche Kritik und bekomme wissenschaftlich sehr viel Zuspruch. Aber als Person schlägt mir ein ganz unglaublicher Hass entgegen, weil meine Meinung unerwünscht ist.

Dass Benz so viel Hass entgegenschlägt, verdeutlicht übrigens eines ganz besonders: Diejenigen, die sich angesprochen fühlen, wenn der Hass hinter ganz spezieller “Islamkritik” aufgezeigt wird, können ihren Hass nur schwer zügeln – und für genau diese ist es eben auch dann schwer, wenn es um den Islam geht – womit eigentlich klar sein dürfte, dass die "Islamkritik in Anführungszeichen" fernab einer sachlichen Auseinandersetzung verortet ist, sondern stark ideologisch geprägt ist. Da geht es sicher auch um die Deutungshoheit. Darum, das sprichwörtliche "Heft des Handelns" in Sachen Gesellschaftskritik in der Hand zu behalten.

Natürlich, und das ist kein Widerspruch: Bei Islamisten ist es ähnlich. Daher gibt es ja auch berechtigte Kritik.

Nur welches Ideal hierbei angestrebt wird, ist die Frage. Wer übt Kritik, in welcher Form, und zu welchem Zweck? Das Ideal vieler Islamkritiker, die selbst einen Islamischen Background haben, wird schnell deutlich, da weiß man, wohin die Reise gehen soll. Bei anderen nicht wirklich. Ich habe gerade Broders Kapitulation zum Lesen hier, um wenigstens seinen in Witz verpackten und eingehübschten Zorn ein wenig nachvollziehen zu können, aber nach einem Drittel bin ich Lesensmüde, noch nicht wirklich schlauer als vorher und sehe seine Einleitung sogar bestätigt. Es liest sich beinahe wie ein religiöses Buch ohne Anfang und Ende, massenhaft unterschiedliche Geschichten werden nahtloslos aneinandergereiht, vom Selbstmordattentäter im Irak bis hin zur Moslemischen Familie von Nebenan. Und alles wird unter das gleiche Beziehungsdach gesetzt. Egal worum es geht: “Wir” lassen “denen” zu viel durchgehen. Mantraartig wird dies kraft Suggestion wiederholt. Zwischen den Zeilen findet sich konsequenterweise immer wieder mal eine suggestive Nahelegung wieder, den Islam mit harter Hand zu behandeln[*]. Viele von Broders Argumentationsmustern finden sich massenweise in Leserkommentarbereichen von z.B. Welt-Online wieder – eins zu eins aus der Broderbibel übernommen. Dies geht dort jedoch häufig sowohl mit Radikalbürgerlicher Abendlandrettungshysterie einher, als auch Seite an Seite und in Eintracht mit den Vernichtungsfantasien der real existierenden Nazis. Da ist es auch schwierig, die Darstellung von Sachverhalten etwas zu versachlichen – denn schließlich steht’s in der Bibel, der Broderschen. Wer dem widerspricht, der muss doch von vornherein suspekt sein, sagt der gläubige. Das ist die realpolitische Antwort vox populi auf solch radikalisierte, ideologisierte, kaum unterscheidende “Islamkritik”.

Mal sehen. Wenn ich das Buch zu ende gelesen habe, dann werde ich vielleicht erklären, warum ich am “Tabubrecher” Treitschke erinnert bin. Vielleicht belehrt mich aber der Rest des Buches eines besseren und vielleicht nehme ich auch andere Aussagen zurück. Ich möchte wirklich niemandem zu Unrecht und schon gar nicht zu feste treten. Aber das erste Drittel erzeugte diesen Eindruck bereits.

[*] In einem Punkte gebe ich Broder schon recht – wer hart handelt, muss hart behandelt werden. Wer z.B. Frau Ateş mit Mord droht, oder wer – auf welche Weise auch immer – zum Mord aufruft, der gehört von den Behörden verfolgt und in den Knast abgeschoben – zur Not auch in Abwesenheit angeklagt. Das ist jedoch selbstverständlich. Nach einigen unschönen Mails, die ich erhalten habe, muss ich das wohl dennoch betonen.

Siehe auch:
Henryk M. Broder – “Sind Muslime die Juden von heute?”
Extern:
Die "Kritische Theorie" frisst ihre Kinder – Antisemitismusforscher Wolfgang Benz ist plötzlich selbst ein Antisemit


Beitrag zur Islamophobiedebatte

Ein sehr guter Beitrag zu einer aktuellen Kontroverse.

Siehe auch:
Henryk M. Broder – “Sind Muslime die Juden von heute?”
Pseudofeminismus
Grundsätzliches zur Islamkritik