Schlagwort-Archive: islamophobie

Ein paar Lesetipps…

Kreuzritter 2.0 – Im Netz der Islamfeinde

„Politically Incorrect“ – Parteien, Populisten, Publizisten

Herres Netzwerk – Auf Du und Du mit Europas Rechter

 

Eine Kurzzusammenfassung gibt es beim Politblogger.


Sarrazin revisited

Sarrazin revisited: Zehn Thesen zur Islamfeindlichkeit – Prof. Dr. phil. habil. Achim Bühl

These 1: Die Islamfeindlichkeit ist ein Rassismus.

These 2: Die Islamfeindlichkeit ist über 1.000 Jahre alt und besteht aus einer langen wie aus einer kurzen Welle.

These 3: Die lange Welle der Islamfeindlichkeit ist vor allem mit den Termini Kreuzzüge und Türkenkriege verbunden und liefert die stereotype Munition für die aktuelle Islamfeindlichkeit.

These 4: Der Kern des Neuen bei Sarrazin besteht in der Hypostasierung des Islam zum Schlüsselproblem des wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Lebens, zu dem zentralen Feindbild überhaupt.

These 5: Das qualitativ Neue bei Sarrazin besteht darüber hinaus in der Mischung eines kulturellen Rassismus mit Elementen eines biologischen Rassismus.

These 6: Das Buch „Deutschland schafft sich ab“ verdeutlicht, dass es einen tiefverankerten Antisemitismus in unserem Land gibt, der generationenübergreifend internalisiert wurde.

These 7: Die Funktionalität des Sarrazin-Diskurses entspricht weitgehend den Funktionen des klassischen Rassismus.

These 8: Die Sarrazin-Debatte verweist auf zahlreiche ungeklärte Selbstverständigungen in unserem Land.

These 9: Die Islamfeindlichkeit verfügt über vielfältige psychologische Seiten.

These 10: Zwecks Bekämpfung der Islamfeindlichkeit muss verstärkt über problematische wie produktive Gegenstrategien nachgedacht wie gestritten werden.

Die Ausführung der Thesen ist hier zu lesen.


Was zum Lesen, was zum hören…

Eine sehenswerte Podiumsdiskussion der Rosa-Luxemburg-Stiftung zum Thema Integration und Religion mit dem Titel: “… Religion muss Teil der Lösung sein!” – Hierbei geht es in erster Linie um die Selbstverortung der Linkspartei.

Christian Horbach hält in seiner Buchkritik die Thesen Abdel-Samads vom “Untergang der Islamischen Welt” für widerlegt.

Der Penzberger Imam Benjamin Idriz hat dazu aufgerufen, den Sinn des Korans in die heutige Sprache zu übertragen. Er diskutierte auf dem evangelischen Kirchentag in Dresden.

Die katholischen Bischofskonferenzen Europas veröffentlichten einen Abschlusstext zu einem Treffen mit dem Thema: “Islam in Europa”. Sie sprachen sich dabei unter anderem für die Errichtung islamisch-theologischer Lehrstühle an Universitäten sowie für islamischen Religionsunterricht an Schulen aus, und befassten sich mit dem Begriff “Islamophobie”. Dabei betonten sie, Begriffe wie “Angst” und “Fremdenfeindlichkeit” seien zur Phänomenbeschreibung geeigneter, und dass auch Muslime etwas tun könnten, um Vorurteile zu entkräften.


Der Vergleich

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Was wurde schon – auch in verächtlichem Ton – über den Vergleich zwischen Islamophobie und Antisemitismus[S.2] gestritten – es wurde aneinander vorbeigeredet, hysterisch wurde versucht, an der Reputation einzelner Protagonisten zu kratzen. Dies reichte bis hin zu einer “kleinen Eskalation” im deutschsprachigen Feuilleton, die auch tatsächlich zu einer Versachlichung führte(die wiederum streckenweise durch Sarrazin torpediert wurde). Sowohl die Grenzen von Vergleichsmöglichkeiten als auch tatsächlich vergleichbares wurde herausgearbeitet. Dennoch können sich auch viele derer, die ein Problem in antimuslimischen Ressentiments sehen, nicht mit dieser Betrachtungsweise anfreunden. Die Sorge: Allzu groß ist die Gefahr einer Gleichsetzung und damit einer indirekten Marginalisierung des Antisemitismus im allgemeinen bis hin zur indirekten Rechtfertigung der Shoa. Hierzu würde es tatsächlich reichen, Gemeinsamkeiten hervorzuheben und zugleich die Unterschiede auszublenden oder gar zu leugnen.

Dankenswerterweise hatte dies ein rechtsradikales Magazin schon sehr frühzeitig zu Ende gedacht, und diese Sorge somit bestätigt.

Hieraus kann man nur den einen Schluss ziehen, dass mit derartigen Vergleichen, bei allem Sinn, den sie ergeben, sehr umsichtig umzugehen ist. Die durch einen Vergleich beschreibbaren Unterschiede sind den Gemeinsamkeiten mindestens gleichrangig. Letztlich kann sich hierbei auch herausstellen, dass andere Feindfiguren, wie beispielsweise der Antiziganismus, Zuschreibungen enthalten, die viel gewichtigere Parallelen mit der Moslemfeindlichkeit aufweisen, die im Antisemitismus jedoch nicht vorkommen. Gleichsam gilt dies auch für andere Feindbilder. Der Punkt ist der, dass überhaupt verglichen wird, und Schlüsse aus der Historie gezogen werden.

Auf Welt-Online stellt daher ein Autor die These auf:

Islamophobie ist nicht das Gleiche wie Antisemitismus. Die Vorbehalte gegen Muslime erinnern eher an die Katholophobie, die es bis ins 20. Jahrhundert gab.

Er wirbt hierbei fernab von Unterstellungen “böser Absichten” für eine Vergleichende Betrachtung der Islamfeindlichkeit mit dem historischen Antikatholizismus. Den Vergleich mit dem Antisemitismus hält er nicht für hilfreich, denn:

Antisemiten glauben, dass Juden gleichzeitig erbärmlich und unglaublich mächtig sind, dass sie die Weltpresse kontrollieren, dass sie hinter dem Bolschewismus und dem Kapitalismus zugleich stecken(…)

Hier ist dennoch anzumerken, dass im moslemfeindlichen Kerndiskurs häufig ebenso Verachtung gegenüber einer imaginierten Presseverschwörung mitschwingt, mitsamt der Theorie, die Presselandschaft sei von den “Feinden” beherrscht, die eine “Umvolkungspropaganda” betrieben. Je nach politischer Ausrichtung sind es “Gutmenschen, 68er, K—Gruppen”(sagt Ulfkotte), oder eben “die Zionisten”(sagen Nazis). Aber es ist wirklich in der Tat so: niemand sagt, “die Moslems” steckten leitend hinter “der Presse”.

Weiter führt er aus:

(…)der laut zeternde Feind des Islam, der seinen Hass im Internet kundtut, glaubt nicht, die Muslime hätten mit List den Börsencrash des Jahres 2008 inszeniert, um sich zu bereichern. Solche besonders perfiden Gemeinheiten bleiben für die Kinder Israels reserviert.

Und das, Obwohl Schariabanken am stabilsten aus der Krise getreten sind, und vielfältig laut und positiv über dieses System nachgedacht wurde. Stoff für Verschwörungstheorien hätte es also durchaus gegeben. Eine solche Genialität und Boshaftigkeit traut der Moslemfeindliche Diskurs einer Kultur, die als “minderwertig” markiert wird, jedoch nicht zu. Während der Antisemitismus das Volk “von oben und von innen her” bedroht sieht, sieht die Moslemfeindlichkeit das Volk “von unten und von außen her” bedroht.

Hier ergeben sich dann tatsächlich interessante Parallelen zum angelsächsischen Antikatholizismus, von denen der Autor dann auch einige beschreibt. Ob diese Parallelen in sich schlüssig sind, ist offenbar ebenso umstritten. Es gibt Stimmen, die sich gegen jeden Vergleich aussprechen.

Es gibt zudem Stimmen, die sich für eine genauere Differenzierung des islamkritischen Milieus aussprechen. Islamkritik ist eben nicht gleich Islamkritik. Eine Verurteilung von Islamistischen Terroranschlägen durch autochtone deutsche Muslime kann schwerlich als Islamkritik oder gar “Islamophobie” bezeichnet werden. Vielmehr ist dies ein Ausdruck einer Verteidigung des Islam gegenüber extremistischen Tendenzen.

Generell ist es daher geboten, diskursive Elemente zu ordnen und unterschiedlich mit ihnen umzugehen, wie es Micha Brumlik in der Taz fordert. So gibt es:

1. feindselig verwendete „Realistische Behauptungen über Fremdgruppen“; 2. „Fremdenfeindliche Behauptungen, die ein sozial bedrohliches Verhalten sämtlichen ihrer Mitglieder einer Gruppe zurechnen, die aber nur auf dem Verhalten einer Minderheit dieser Gruppe basieren“, sowie 3. „Chimärische Behauptungen, die mit Gewissheit Charakteristika, die empirisch nie beobachtet wurden … einer Fremdgruppe und allen ihren Mitgliedern zuweisen.“

Es muss also genau hingesehen werden, ob in einer konkreten Argumentation Islamkritik, Islamfeindlichkeit oder Islamophobie vorliegt, was jedoch manchmal kaum möglich ist:

Es wäre bei Aussagen, die eventuell zu pauschal als „Islamophobie“ bezeichnet werden, im Einzelfall zu prüfen, ob es sich dabei um realistische Behauptungen, unzulässige Generalisierungen oder um wahnhafte Hirngespinste handelt. Terminologisch ließe sich dann zwischen „Islamkritik“, „Islamfeindlichkeit“ und „Islamophobie“ unterscheiden. Der Erfolg von Sarrazins Machwerk lässt sich dann aus seiner brisanten Mischung erklären, daraus, dass es neben der generalisierenden „Islamfeindlichkeit“ eben auch einige Elemente seriöser „Islamkritik“ enthält sowie – vor allem in den letzten Abschnitten des Buches unter dem Deckmantel der Satire – klinische Islamophobie verbreitet.

Es muss also darum gehen…

unterschiedliche Formen gruppenbezogener Menschenfeindschaft (…) daraufhin zu untersuchen, wie sich bei ihnen realistische Beobachtungen, unzulässige Generalisierungen und klinische Wahnvorstellungen mischen.

Dieser Ansatz ist für das gesamte Spektrum der Feindbilder sehr sinnvoll. Hierbei sind nicht allein die innerhalb der deutschen Gesellschaft existenten Feindbilder gemeint, sondern auch Feindbilder, die in anderen Ländern durch Mehrheiten gepflegt werden, z.B. die türkische Kurdenfeindlichkeit, die ägyptische Koptenfeindlichkeit, die niederländische Moffenfeindlichkeit, die Homophobie in Uganda, die protestantische Katholikenfeindlichkeit in den USA, und selbstverständlich auch der islamisch unterfütterte Antisemitismus.

Die Mischung aus Realismus, Feindschaftlich-generalisierender Unterstellung und Phobie ist jeweils eine völlig andere. In allen Fällen gilt es jedoch, die phobischen Zuschreibungen klar zurückzuweisen, Generalisierungen richtigzustellen und sich konstruktiv mit realistischer Kritik auseinanderzusetzen. Die komplexeste Aufgabe liegt dabei im Umgang mit Schriften, die alle drei Elemente vermischen. Es ist zu erwarten, dass die Zahl diesartiger Schriften zunehmen wird.


Zwei Lesetipps…

Mit Ausnahme des letzten Satzes:

Israels falsche Freunde

und ein Text über den Vergleich zwischen Moslemfeindlichkeit und Antisemitismus:

Ist die Islamophobie der neue Antisemitismus? [Seite 2]

der, abgesehen vom Begriff „Islamophobie“ im letzten Absatz korrekt abschließt:

Der Erfolg von Sarrazins Buch, (…) gibt Wolfgang Benz nachträglich recht

Nachtrag, und damit sind es drei Lesetipps: Hier noch ein weiterer zum erstgenannten Thema.

Und noch einer, damit sind es vier: Erstmalig übrigens ein Tipp, der nach „achgut“ linkt: „Ich habe gerade herausgefunden…


Berliner Anschlagsserie und die „Integrationsdebatte“

In Berlin kommt es seit Monaten immer wieder zu Anschlägen auf Moscheen. Politiker sehen darin eine folge der „Integrations“-Debatte.

Sechs Anschläge sind hierbei gezählt, die Polizei geht jedoch von einer höheren Dunkelziffer aus. Vor einer Woche hieß es noch, es seien „Einzelfälle“.

Gerade die massive „Deutschland schafft sich ab“-Werbekampagne von Bild und Spiegel, die propagierte, der „Stolz, Deutscher zu sein“ solle als etwas erstrebenswertes betrachtet werden, und die Anwesenheit von Muslimen bzw. Menschen aus dem „Islamischen Kulturraum“ solle zugleich prinzipiell als Gefahr für das Land betrachtet werden, sowie hysterische Reaktionen, wenn sich Vertreter von Minderheitenorganisationen mahnend zu Wort melden, führen zwangsläufig dazu, dass rechtsorientierte Jugendliche eine gesellschaftliche Legitimation für Gewalttaten sehen.

So verwundert es auch nicht, dass das Opfer des rechtsextremen Mordes in Leipzig ein Christ war, kommt es schließlich aus einem mehrheitlich von Muslimen bewohnten Land, dem Irak. Diejenigen, die ein entsprechendes Ressentiment pflegen, fragen nicht danach, ob eine Personen wirklich Muslimisch ist. Wer Muslim ist, entscheidet der Täter. Werden Personen aufgrund der Physiognomie in die Kategorie „Orientalisch“ eingeordnet, spielt sich im Kopf das gesamte Muslimfeindliche Zuschreibungsprogramm ab. Ähnlich war es auch bezüglich eines rechtsextremen Mordes in Dresden, als der Täter die ägyptische Pharmazeutin unzutreffend als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpfte, weil die Physiognomie, das Kopftuch oder beides aus Sicht des Täters bereits als „Beweis“ dafür ausreichte.

Anschläge auf symbolische Einrichtungen können ebenfalls auf das gesellschaftliche Klima zurückgeführt werden. Auch hierbei glauben Täter an einen gesellschaftlichen Rückhalt. Der Mechanismus ähnelt dem, der im Rahmen typisch übertriebener öffentlicher Diskurse rund um den Nahostkonflikt die Wahrscheinlichkeit antisemitischer Anschläge auf Synagogen steigen lässt. Aber auch rassistisch aufgeladene „Integrationsdebatten“ können eine solche Wirkung entfalten.

Daher ist es auch kein Wunder, wenn Moscheen auch folgendermaßen beschmiert werden:

In einem Fall wurde ein muslimisches Gebetshaus mit den Worten „Ihr Juden“ beschmiert.

Hier stellt sich schon die Frage, ob Apologeten der „Islamkritik“ wissen, was sie da tun.


Wie der Kulturkampf von Rechts funktioniert

Ein sehr interessanter Beitrag zum neuen Rechtsextremismus steht bei TheEuropean. Der Autor, der zur Zeit an einem Buch zum Thema arbeitet, sieht Parallelen zwischen dem antiislamischen Kulturkampf des derzeitigen Rechtsextremismus und den antikatholischen Kämpfen des US-amerikanischen 19. Jahrhunderts. Wie bereits in diesem Film aufgezeigt, zeichnet sich innerhalb des Rechtsextremismus eine strategische Wende weg von der europäischen Kleinstaaterei hin zu einer Art “Nationalismus des Abendlands”, der “Europäischen Nationalität” ab.

Er folgt damit ganz pragmatisch den gesellschaftlichen Realitäten, die sich durch die Europäische Integration ergaben. Somit ist der primäre Feind des Rechtsextremismus nicht mehr der Nachbarstaat und seine anderen Wirtschafts- und Gesellschaftsideen, sondern der als “Nichteuropäisch” markierte Nachbar. Dies ist bei der Europazentristischen Ausrichtung des Rechtsextremismus also zu allererst der Mensch aus mehrheitlich Islamischen Regionen des Orients und Nordafrikas. Dem Rechtsextremismus ist es völlig egal, auf welchem Weg das Ziel der gesellschaftsweiten Türken-/Araberfeindlichkeit erreicht wird, somit bietet sich die Islamfeindlichkeit automatisch als Vehikel an, um den Rassismus unter vordergründigem Ausschluss altbackener Rassentheorien auf salonfähige Weise zu transportieren.

Mit dieser kulturellen Wende rückt der europäische Rechtsextremismus entscheidend vom traditionellen Nationalismus ab, der in der Vergangenheit einer grenzübergreifenden Zusammenarbeit immer wieder im Wege stand. Die Sammlung rechtspopulistischer Parteien unter dem Banner “Städte gegen Islamisierung” sowie der Versuch, die populistische Rechte in den EU-Mitgliedsländern auf einen gemeinsamen Kurs gegen den EU-Beitritt der Türkei einzuschwören, sind erste Ansätze in diese Richtung.

Die programmatische Grundlage dieser neuen programmatischen Ausrichtung sind Argumentationsmuster, wie wir sie aus dem nordamerikanischen “nativism” des 19. Jahrhunderts kennen. Hier umschrieb er den Versuch der Herausbildung einer kollektiven nationalen Identität auf der Basis vererbter kultureller Eigenheiten. Politisch virulent wurde “nativism” in der Konfrontation mit der Masseneinwanderung von katholischen Iren und Deutschen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. “Nativists” wie Samuel Morse sahen in den Neuankömmlingen die Handlanger einer internationalen Verschwörung mit dem Ziel, die Vereinigten Staaten als einen Hort der Freiheit zu zerstören und unter das autoritäre Joch Roms zu zwingen. In den Augen der “nativists” war das Wesen katholischer Einwanderer unvereinbar mit den essenziellen Grundlagen amerikanischer Kultur und ihren Institutionen, waren diese Einwanderer deshalb nicht integrierbar und sollten also auch nicht ins Land gelassen werden.

(…)

Wenn heute rechtspopulistische Parteien die Verteidigung des christlichen Abendlandes (“Abendland in Christenhand”) auf ihre Fahnen schreiben und den Islam als eine rückständige, totalitäre Politreligion charakterisieren, die den Regeln und Normen westlichen Demokratieverständnisses diametral entgegengesetzt ist, so knüpfen sie nahtlos an diese Traditionslinien an.

Daraus ergeben sich neue, zum Teil überraschende Konfliktlinien. So verurteilen einige rechtspopulistische Parteien nicht nur schon seit einiger Zeit den Antisemitismus, sondern verfolgen einen dezidiert israelfreundlichen, wenn nicht pro-zionistischen Kurs. Diese Kurswende entbehrt nicht einer gewissen Logik, auch wenn man an ihrer Echtheit zweifeln darf.

Letzteres kann man als eine Art der Querfront bewerten, wodurch Sympathie oder zumindest eine gewisse Gleichgültigkeit von Menschen gewonnen werden soll, die den Rechtsextremismus allein oder primär aufgrund des Antisemitismus ablehnen. Hierzu ein Artikel von 2004:

Der Vlaams Blok versucht mit seiner Kampagne gegen Antisemitismus wie andere Ultrarechte auch, politische Seriosität zu erlangen. Oft steckt dahinter sogar ein antisemitisches Denkmuster. Weil die Rechten an die internationale Macht und den Einfluss der Juden glauben, hoffen sie mit Sympathieerklärungen für Juden auch weltweit anerkannt zu werden.

Der “Deutsche” Rechtsextremismus ist bezüglich dieser Tendenz noch Schlusslicht(mit Ausnahme der FPÖ, die zusätzlich vom österreichischen Opfermythos profitiert). Warum dies so schwierig war und noch immer ist, versucht das Vorwort dieses Buches verständlich zu machen. Vereinzelte Ansätze, dem europäischen Trend zu folgen, existieren dennoch auch innerhalb der Deutschen Rechten – hauptsächlich im Rahmen mehr oder weniger geschlossener Lesezirkel, z.B. Blogs und Foren, die tagespolitische Themen wertend aufgreifen und viel Raum zur gleichgeschalteten Diskussion lassen, jedoch auch bei Parteiformationen wie “Die Freiheit” und “Pro-Köln”.


Islamophobie vs. Antimuslimismus

In der taz schreibt Armin Pfahl-Taughber  einem Kommentar, der im wesentlichen aussagt, was ich bereits zu beschreiben versuchte.

Im Kommentar Das reine Ressentiment – Eine Ablehnung des Islam beinhaltet noch keine Ablehnung von Muslimen plädiert er dafür, das Ressentiment gegen Muslime als Angehörige einer Gruppe mit einem trennscharfen Begriff zu umschreiben, der sich inhaltlich von Religionskritik unterscheidet. Der Begriff “Islamophobie” setze beides in Eins. Inhaltlich ist er aus verschiedenen Gründen nicht geeignet, zwischen dem homogenisierenden Ressentiment gegen eine sehr heterogene soziale Gruppe und (u.a. berechtigter) Kritik an konkreten Verhaltensweisen, die den gesellschaftlichen Wertekonsens strapazieren, zu trennen. Eine solche Trennung sei jedoch notwendig.

Diese Nichtunterscheidung wird beispielsweise durch islamistische Gruppen gerne genutzt, da sie verständlicherweise kein Interesse an einer solchen Trennung haben. Sachlich vorgetragene und gut begründete Kritik an der Art und der Folgen spezieller Religionsauffassungen, die in Teilen den Werten des Grundgesetzes widersprechen(z.B. Salafismus), kann durch die Aufrechterhaltung der begrifflichen Unschärfe schon vor der Äußerung mit einer Aura des Illegitimen versehen werden.

Auf der anderen Seite, und das beleuchtet Pfahl-Taughber nicht, ist die inhaltlich identische begriffliche Unschärfe auch von xenophoben und rassistischen Gruppierungen erwünscht (wird dort allerdings auf den Begriff “Islamkritik” angewandt), aus genau dem umgekehrten Grund: Sie erhoffen sich dadurch, dass die Akzeptanz legitimer Religionskritik auch zur Akzeptanz von xenophoben oder gar rassistischen Denkmustern führt. Ein Scharnier zwischen legitimer Kritik und Xenophobie befindet sich z.B. dort, wo eine inhaltliche Religionskritik mit Generalisierung (“die Moslems begehen Ehrenmorde”) oder Essenzialisierung(“Insgeheim sind alle gläubigen Moslems Islamisten”) einhergeht. Noch deutlicher wird es, wenn im Rahmen einer vermeintlichen “Islamkritik” eine religionsunabhängige Gruppierung nach “Südländer”, “Araber”, “Orientale” o.ä. vorgenommen wird. In solchen Einordnungen finden sich die Anknüpfungspunkte für den klassischen Rassismus, der sich nicht gegen zweifelhaftes Sagen und Tun einzelner wendet, sondern ein Ressentiment gegen Menschen offenbart, weil sie als Teil einer als “fremd” markierten Gruppe klassifiziert werden – gänzlich unabhängig vom individuellen Verhalten.

Ein paar Auszüge aus dem Kommentar:

Zum Islamophobiebegriff schreibt er:

Aber ist dieser Begriff brauchbar, um im Sinne der Vorurteilsforschung ein spezifisches Ressentiment gegen Muslime zu fassen? Schließlich gibt es einen klaren Unterschied zwischen fremdenfeindlich motivierter Hetze und einer – oft menschenrechtlich begründeten – Kritik am Islam und den Muslimen.

(…)

Bis in die Gegenwart wird der Begriff in diesem Sinne durch islamische und islamistische Organisationen wie die Islamic Human Rights Commission in Großbritannien instrumentalisiert, die fast jede kritische Stimme mit diesem Schlagwort belegt.

Nicht letzteres sei das für die Vorurteilsforschung zu behandelnde Problem, sondern ersteres:

Es handelt sich vielmehr um Vorurteile gegen Individuen, die – ganz unabhängig von deren Einstellungen und Handlungen – allein auf der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe beruht. Es geht dabei also nicht um die Haltung gegenüber einer spezifischen Religion, sondern um die Einstellung gegenüber einer bestimmten Menschengruppe.

(…)

Denn warum muss die Ablehnung aller Praktiken und Symbole des Islam bereits für eine Feindseligkeit gegenüber allen Muslimen sprechen? Auch Atheisten und andere können zu so einer Einstellung kommen, wenn sie sich einem anderen Glauben oder einer säkularen Weltanschauung zugehörig fühlen.

(…)

Besser sollte man vielleicht von "Antimuslimismus" oder "Muslimenfeindschaft" sprechen. Diese beiden synonymen Begriffe zielen auf die Feindseligkeit gegenüber Muslimen als Muslime ab.


Radiobeitrag: Zwischen Angst und Aggression

http://medien.wdr.de/radio/lebenszeichen/wdr3_5_lebenszeichen_20100808_0900.mp3%20

Beschreibung:

Zwischen Angst und Aggression – Islamophobie in Deutschland? – Eine Sendung von Kai Adler – Auf einem Dresdner Spielplatz wird eine Frau mit Kopftuch als „Terroristin“ und „Islamistin“ beschimpft. Sie erstattet Anzeige. Als der Mann wegen dieser Beleidigungen vor Gericht steht, ersticht er die Frau. In ihrer Heimat Ägypten und in anderen islamischen Ländern löst der Mord große Empörung aus. Der Fall von Dresden – die Tat eines rassistischen Außenseiters? Oder das erste Todesopfer einer weit verbreiteten Islamfeindlichkeit in Deutschland, wie Muslime sie beklagen? Ist Islamophobie ein neues gesellschaftliches Phänomen oder ein Kampfbegriff? Worauf gründet die Angst vor dem Islam und die Ablehnung von Muslimen, wie äußert sie sich im Alltag? Und wo verläuft die Grenze zu berechtigter Kritik? Muslime, Wissenschaftler und politische Aktivisten berichten, streiten, klären auf.

Sehr interessant. Etwa 30 Minuten Zeit wird benötigt.
(Quelle)


Die Essenz von PI

Ich habe nur einmal kurz bei PI vorbeigeschaut, wie dort die Volkszorn-Clique brütet, und dann lese ich das hier:

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Und so weiter und so fort… Das übliche also.