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Doku: Fundamentalisten gegen die Wissenschaft

Aus der YouTube-Videobeschreibung:

In den modernen Wissenschaften ist Charles Darwin unumstritten, der Gründer der Evolutionstheorie, der sagt, dass sich alles Leben aus dem gleichen Ursprung entwickelt hat. Dagegen kämpfen in den USA und in Europa bibeltreue, evangelikale Christen.

In der Politik und in den Schulen sind sie erfolgreich, vor allem im Biologieunterricht, wo die biblischen Ideen von der Entstehung der Erde, der Kreationismus und das Intelligent Design nichts zu suchen haben. Die Dokumentation zeigt unter anderem, wie der Glaubenskrieg in einzelne deutsche Schulen Eingang gefunden hat.

Als im Dezember 2005 Richter Jones vom Bezirksgericht Pennsylvania in Harrisburg, USA das Urteil im Prozess Kitzmiller vs. Dover School District verliest, ist der Zuschauerraum des Gerichts voll besetzt. Und vor dem Gebäude warteten Dutzende nationale und internationale Medienvertreter auf den Richterspruch. Was genau erzeugt die große Aufmerksamkeit? Ein Glaubenskrieg: Der Schulausschuss der High School in der kleinen Gemeinde Dover hatte in den Lehrplan des Biologieunterrichts einen Passus aufgenommen, der besagte, dass den Schülern neben der darwinschen Evolutionstheorie auch ein christliches Schöpfermodell, die so genannte Intelligent-Design-Lehre, vorgestellt werden sollte. Empörte Eltern wehrten sich, und so kam es zum Prozess.

Das Urteil lautete: Intelligent Design sei Religion und habe im Biologieunterricht nichts zu suchen. So wurden die christlichen Fundamentalisten rechtzeitig gestoppt. Amerika ist weit weg, sagten sich damals die meisten Europäer. Doch die Dokumentation zeigt, dass Intelligent Design und Kreationismus – das ist die bibelgetreue Auslegung der Schöpfungsgeschichte – längst in Europa angekommen sind.

Im Biologieunterricht mindestens einer Privatschule und einer öffentlichen Schule in Deutschland wird die Schöpfungslehre als Alternative zur Evolution unterrichtet. Dies steht im absoluten Widerspruch zu den Lehrplänen. Das im Unterricht verwendete Lehrbuch ist nicht als offizielles Schulbuch zugelassen. Die unterrichtenden Biologielehrer ziehen der Evolutionstheorie Darwins die Interpretation der Bibel vor. Selbst die Wahrscheinlichkeit einer Sintflut und die Entstehung des Grand Canyons binnen weniger Tage als Folge der Flut avanciert an einer der beiden Schulen zum Thema des Biologie- statt des Religionsunterrichts. Die Annahme, Kreationismus sei ein rein amerikanisches Phänomen, trifft nicht länger zu. In England glauben nur noch 48 Prozent der Bevölkerung an die Evolution, in Deutschland noch 61 Prozent.

Die Autoren der Dokumentation besuchen in England den größten europäischen Kreationistenkongress aller Zeiten, nehmen in Salzburg an einem Expertenstreit zwischen Wissenschaftlern zur Evolution teil, sprechen mit dem Wiener Kardinal Schönborn zur Position der Katholischen Kirche und treffen die entscheidenden Vertreter von Kreationismus, Intelligent Design und klassischer Evolutionsbiologie in den USA, England, Holland, Österreich und in Deutschland. Außerdem zeigt die Dokumentation Bilder aus dem größten Kreationismusmuseum der Welt in Cincinatti, wo Kindern beigebracht wird, dass Dinosaurier und Menschen zur gleichen Zeit gelebt haben.

Die weiteren Teile des Videos:

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EKD: “Wer ‘Christenland in Christenhand’ fordert, handelt unchristlich”

Ein paar Zitate aus einem Interview bei Welt-Online mit dem EKD-Ratsvorsitzenden.

WELT ONLINE: Herr Ratsvorsitzender, je nach Umfrage sind 60 bis 90 Prozent der Deutschen besorgt über den hiesigen Islam. Laut Gruppen wie "Pro NRW" wird aber jeder, der diese Sorge artikuliert, als islamophob diffamiert. Stimmt das?

Nikolaus Schneider: Überhaupt nicht. Es ist festzustellen, dass in der Öffentlichkeit häufig kritisch über Muslime gesprochen wird.

(…)

WELT ONLINE: Islamkritiker sagen, der Islam sei eine Ideologie, die sich nicht reformieren lasse.

Schneider: Das ist reine Polemik. Keine Religion ist statisch, weder Islam noch Christentum. Im Alten Testament wurde die Steinigung von Ehebrechern angeordnet oder die Todesstrafe, wenn jemand sein Feld falsch bewirtschaftete. Und? Wer nimmt das heute noch wörtlich? Gottes Wort hat ewigen Anspruch, aber es ist immer auch zeitgebunden und interpretationsbedürftig.

(…)

WELT ONLINE: Das verlangt Wachsamkeit. Wo schlägt die in einen Generalverdacht um?

Schneider: Ganz sicher bei dem Motto der Radikalen. Wer „Christenland in Christenhand“ fordert, handelt unchristlich, auch wenn in der Parole zweimal „Christen“ auftaucht. Denn dieser Slogan soll doch wohl in erster Linie heißen: Moslems raus. Solch eine Forderung kann kein Mensch, der sich dem christlichen Menschenbild verpflichtet weiß, akzeptieren. Abgesehen davon, dass es auch zu schlicht gedacht ist. Europa ist jüdisch-christlich geprägt. Aber nicht nur: Die heidnische Antike und der mittelalterliche Islam haben uns ebenfalls beeinflusst – denken Sie nur an Philosophie, Naturwissenschaften und Mathematik!

WELT ONLINE: Ist radikal, wer auch Europas christliche Identität bewahren will?

Schneider: Nein, das halte ich für legitim. Aber die Vertreibung von Muslimen wäre ein massiver Verstoß gegen diese christliche Prägung. Wir Christen glauben: Diese Welt ist Gottes Welt, und damit ist Europa auch Gottes Kontinent. Hier haben alle seine Kinder Platz. Und Muslime sind Gottes Kinder.

Es ist schon bemerkenswert, dass die christlichen Strömungen so besonnen und sachlich auf die Vereinnahmungsversuche der völkischen Nationalisten reagieren, und sich dem öffentlich entgegenstellen. Das verdient Respekt.


Kirchen gegen „Pro NRW“

Evangelische und katholische Kirche haben die für das Wochenende angekündigten antiislamischen Aktionen der rechtspopulistischen Organisation „Pro NRW“ scharf kritisiert. Ein Minarettverbot sei mit der Religionsfreiheit nicht vereinbar, so die Initiatoren.

Den Versuch der Gruppierung, mit der Parole „Abendland in Christenhand“ Christen für ihre Kampagne zu vereinnahmen, wiesen die evangelischen Landeskirchen in Rheinland und Westfalen sowie die katholischen Bistümer Essen und Münster am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung entschieden zurück. „Die Positionen dieser Gruppierung sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar“, schreiben die Präsides Nikolaus Schneider und Alfred Buß sowie die Bischöfe Felix Genn und Franz-Josef Overbeck.

Quelle

Ich weiß zwar nicht, warum das Erzbistum Köln da nicht mitzieht, allerdings kenne ich auch die Organisationsstruktur der Katholischen Kirche nicht. Ich unterstelle mal, dass Essen und Münster einfach ausreichten.

Hier(PDF) gibt es die gemeinsame Erklärung.


Der etwas andere Patriotismus