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Liberaler Klartext

Ausnahmsweise ein beinahe-Fullquote, aber das muss sein, denn die lberale Ministerin der Justitia Leutheusser-Schnarrenberger sagt in gänzlich freiheitlicher Manier:

“Es ist Aufgabe der Politik, das Grundgesetz und die garantierte Freiheit der vielen verschiedenen Religionen und Weltanschauungen in unserem Land so zu garantieren, dass jede unter ihnen die gleiche Chance erhält, in der Gesellschaft Gehör für ihre Anliegen zu finden. Wie Justitia müssen wir blind dafür sein, ob religiöse Bekenntnisse mit einem Gebetsteppich, einer Ordenstracht oder einem roten Segenszeichen auf der Stirn zu Tage treten oder im Gegenteil Bekenntnisfreiheit gelebt wird.“ Die Diskussion um den Islam und seine Rechtsregeln werde „viel zu häufig vorurteilsbeladen, dafür aber umso unbeschwerter von Sachkenntnis geführt. Vieles in der gegenwärtigen Islamdebatte sind unzutreffende Klischees, die mehr über die Diskutanten als über den Gegenstand ihrer Debatte aussagen.”

Die Justizministerin macht deutlich, dass „die Basis der Gesellschaft des Deutschlands im Jahr 2011“ durch „keine bestimmte Konfession und keine ausgewählte Gruppe von Konfessionen gebildet“ werde. Die Basis unseres Zusammenlebens bilde vielmehr „das Grundgesetz und die darin garantieren Grundrechte. Menschenwürde, Meinungsfreiheit und die Gleichbehandlung der Geschlechter sind universale Rechte, die allen Menschen zustehen“, schreibt sie in der F.A.Z. Die im Kulturkampf des 19. Jahrhunderts verwendeten und „längst überwundenen antikatholischen Argumente wandern gleichwohl bis heute wie unwirkliche Wiedergänger durch die derzeit geführte und zum Kampf der Kulturen stilisierte Integrationsdebatte.“ Frau Leutheusser-Schnarrenberger fordert: „Statt Angstdebatten brauchen wir eine vorurteilsfreie Diskussion über die Religionen und ihre Rechte. Über islamisches Recht müssen wir zunächst viel mehr wissen. Erst dann darf es vom Standpunkt des Rechts aus kritisiert werden.“

Wenn es im Alten Testament heiße „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden“, dann sei dieses Bibelwort für niemand ein Anlass, die Wiedereinführung der Todesstrafe zu fordern. „In der Debatte um islamisches Recht hingegen werden erstaunlicherweise nicht selten vergleichbare an den rund 1400 Jahre alten Text des Koran anknüpfende wörtliche Auslegungen angeführt, um die islamische Rechtsfindung und Dogmatik als vormodern zu brandmarken“, schreibt die Bundesjustizministerin in der F.A.Z.

Gut, leider tun dies zwar einige Islamisten und deren Counterparts auf Muslimfeindlicher Seite, aber das ist – hierzulande – eine marginale, geächtete Minderheit, wie die Nazis es sind. Und diese Minderheit wird sich, wenn die Behörden arbeiten wie bisher, auch nicht vergrößern. Wie schon in den vergangenen zehn Jahren.

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Liberal-Islamischer Bund gegründet

Sehr schön. Vor einiger Zeit hatte es sich ja schon angekündigt.

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/04/06/dlf_20100406_0936_0fc92215.mp3%20

Nun ist er Wirklichkeit:

Der Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor gefällt die aktuelle Islamdebatte nicht. Ihrer Ansicht nach beherrschen allein zwei Extreme die Diskussionen: konservative Muslime gegen Islamkritiker. Doch die große Mehrheit der liberalen Muslime habe bei diesem Thema keine Stimme. Diese Lücke möchte sie mit ihrem neugegründeten Verein «Liberal-Islamischer Bund» (LIB) ausfüllen. Der LIB nahm am Dienstag seine Arbeit auf.

Nach Aussagen seiner Vorstandsvorsitzenden Kaddor will der LIB all jene Muslime vertreten, die «offen sind für einander widersprechende Blickwinkel». Mit dem neuen Verein will die Wissenschaftlerin «dem liberalen Islam eine Stimme geben, die beispielsweise auf der Islamkonferenz nicht vorkam». Auch solle die Debatte innerhalb der islamischen Gemeinschaft angeregt werden. «Viele Musliminnen und Muslime, die in Deutschland heimisch sind, fühlen sich nicht mehr allein durch das Islamverständnis der Herkunftsländer ihrer Eltern angesprochen», erläutert Kaddor.

Und hier noch ein paar Zitate und kurze Abrisse aus dem Artikel:

«Liberal steht für freiheitlich»

«Wir wollen der schweigenden Mehrheit der Muslime eine Stimme geben, die keine fundamentalistischen Positionen vertreten»

«Leben und leben lassen»

Zu den Hauptanliegen des Vereins, der sich nicht als «Gegenbewegung, sondern als Erweiterung» zu den meist traditionell-konservativen Islamverbänden in Deutschland versteht, gehört unter anderem eine «dogmafreie» Auslegung des Korans oder eine «umfassende Geschlechtergerechtigkeit», wie es heißt.

«Aus integrationspolitischer Sicht sind wir froh über jede Stimme aus der Mitte», freut sich die Leiterin des interkulturellen Referats und Integrationsbeauftragte der Stadt Köln

Hier kann man alles lesen.

Um ganz ehrlich zu sein: In meinem persönlichen Umfeld, gibt es keinen einzigen Moslem, der sich von den anderen Verbänden vertreten fühlt. Die Ditib sei zu türkisch, Milli Görüs ebenfalls, zudem viel zu konservativ, und so weiter. Der offene und pluralistische Anspruch des liberalen Bundes scheint hingegen gut anzukommen. In diesem Sinne hat Frau Kaddor auch in einem Interview mit der deutschen Welle richtig erkannt:

die Muslime waren nach dem Tode Muhammads noch nie eine homogene Gruppe – es gab schon immer Unterschiede in der Glaubensauffassung und der Praxis

Und diese Unterschiede gibt es auch heute noch, und zwar besonders facettenreich, wenn es um ein Einwanderungsland wie Deutschland handelt. Ein Verband, der sich diesbezüglich der Offenheit und des Diskursiven Weges im Pluralismus widmet, ist daher eine gute Möglichkeit, die Menschen auf friedliche Weise zueinanderzubringen. Man kann es, so wie ich es momentan sehe, also fast als eine Art Ökumene für bisher unorganisierte beschreiben, in einen Rahmen eingebunden, mit dem sich sicher auch Nichtmoslems anfreunden können.

Eine der ersten Inhaltlichen Positionierungen, die bei betroffenen sehr gut ankommt, ist übrigens folgende:

Der Verein spricht sich daher auch für die Gleichbehandlung von außerehelichen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aus. Das Credo sei „selbstbestimmte Lebensgestaltungen entlang der Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz“, so Kaddor. Daher müssten Muslime den Koran „frei von Angst, nach eigenem Gewissen und offen interpretieren dürfen“.

Und zieht in diesem Punkt mit dem (eher konservativen, wenn ich richtig liege) ZMD gleich, der sich nämlich laut einer Ankündigung dafür einsetzen will, “dass sowohl Muslime als auch Homosexuelle frei von Anfeindungen in Deutschland leben können”

Jetzt fehlen noch die regierenden christlichen Konservativen, und dann kann ein Gesetz auf den Weg. Es geht schließlich nicht um Werbung für bestimmte Lebensentwürfe(die ja in beiden Religionen nicht vorgesehen sind), sondern um die Gleichstellung derjenigen Menschen, die sich für diese Lebensentwürfe entschieden haben.

Ganz grundsätzlich halte ich die Gründung dieses Verbands für eines der erfreulicheren Ereignisse der letzten Jahre.

Hier geht es zur Website: http://www.lib-ev.de


Interview mit Lamya Kaddor

Ein sehr lesenswertes Interview findet sich beim Tagesspiegel wieder.

Einige Auszüge:

Sie gelten als Vordenkerin der liberalen Muslime in Deutschland. Viele Menschen bezweifeln, dass es das überhaupt gibt: liberale Muslime.

Und ob es die gibt! Leute wie ich sind die Mehrheit. Wir sind hier aufgewachsen, haben eine Ausbildung gemacht oder studiert. Wir leben hier gut, und wir identifizieren uns mit diesem Staat. Nur glauben wir eben an den Islam.

Die Islamkritikerin Necla Kelek macht den Islam dafür verantwortlich, dass in türkischen Familien vieles schief läuft. In „Die verlorenen Söhne“ schreibt sie, dass im Koran das Recht auf Rache verbrieft sei. In Sure 17, Vers 33 steht: „Und tötet niemand, den zu töten Gott verboten hat, außer wenn ihr dazu berechtigt seid! Wenn einer zu Unrecht getötet wird, geben wir seinem nächsten Verwandten Vollmacht zur Rache.“

Auge um Auge, Zahn um Zahn. Das steht auch im Alten Testament. Der Koran ist ein Zeugnis des 7. Jahrhunderts. Er spricht zu seiner Zeit. Damals war Rache an der Tagesordnung. Zu sagen, deshalb wird auch heute gemordet, ist schon theologisch falsch. Die Typen, die heute ihre Schwestern wegen der Familienehre umbringen, haben sicher nicht Sure 17 gelesen. Diese Typen haben den Koran nie aufgeschlagen.

Warum gibt es so viele Fundamentalisten im Islam?

Unter anderem hat das mit dem Einfluss der ultrakonservativen Wahhabiten zu tun. Die leben mehrheitlich in Saudi-Arabien und vertreten ein Textverständnis, das den Koran sehr wortgetreu auslegt und versucht, das Weltbild aus dem 7. Jahrhundert in die heutige Zeit zu übertragen – inklusive Steinigung, Harem und Vielehe. Dass diese Richtung von so großer Bedeutung ist, liegt am Geld, von dem haben die Saudis dank des Erdöls genug. So haben sie Schulbücher für die Muslime in Bosnien finanziert, in denen die Grundlagen ihres Weltbilds vermittelt werden. Sie vertreiben auch weltweit Koranübersetzungen.


Muslimisch – weiblich – deutsch! von Lamya Kaddor

Ein dreister Copypaste-Beitrag:

Quellen:
Das Parlament – Gläubig und demokratisch

Gläubig und demokratisch
Muslime in Deutschland
Ein unaufgeregtes Buch zu einer aufgeregten Debatte

Von Jeannette Goddar


Wenn eine weiß, was junge Muslime in Deutschland so denken, dann ist es wohl Lamya Kaddor. Woche für Woche hört sie pubertierenden Schülern zu. Die gebürtige Westfälin und Tochter syrischer Eltern ist eine der wenigen Islamkunde-Lehrerinnen in Deutschland. Damit unterrichtet sie jenes Fach, das in Nordrhein-Westfalen entwickelt wurde, um den Koranschulen die Interpretation der heiligen Schriften des Islam nicht allein zu überlassen. Wie ernst die Islamwissenschaftlerin diesen Lehrauftrag nimmt, hat sie schon mit zwei Büchern unter Beweis gestellt: Sie ist die Verfasserin des ersten "Koran für Kinder und Erwachsene" und des ersten deutschsprachigen Schulbuchs für den Islamunterricht namens "Saphir". Mehr lesen

Verlag C. H. Beck oHG – Muslimisch – weiblich – deutsch!

‚Lamya Kaddor gehört zu einer neuen Generation von deutschen Muslimen. In ihrem mutigen, sehr persönlichen Buch kritisiert sie das beklagenswerte Erscheinungsbild des Islam in Deutschland ebenso wie die Wagenburg-Mentalität der Nicht-Muslime. Ein längst überfälliges Plädoyer für einen zeitgemäßen Islam. Der Islam ist Teil der deutschen Gesellschaft. Nur wollen das viele nicht wahr haben – unsere selbsternannten Islamkritiker nicht und am wenigsten viele Muslime selbst. Die schweigende Mehrheit lässt es zu, dass bärtige Fundamentalisten sie in der Öffentlichkeit repräsentieren und dass Terror, Zwangsheirat und Ehrenmorde das Bild vom Islam bestimmen. Lamya Kaddor gibt den liberalen, aufgeklärten Muslimen in Deutschland endlich eine Stimme, vor allem den Frauen, die selbstbestimmt – mit oder ohne Schleier – leben wollen, ohne ihre Religion preiszugeben. Sie erzählt, wie sie in Deutschland als Tochter frommer arabischer Einwanderer groß geworden ist und mit welchen Herausforderungen sie als "Ausländerin" in der Schule und als junge gläubige Frau im Berufsleben fertig werden musste. Ein ebenso spannendes wie sympathisches Buch, das wachrütteln und die verschlafene Integrationsdebatte beleben wird.

Plädoyer einer deutschen Muslima für einen weltoffenen Islam.‘

Quelle: Unsere Demokratie