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Der Integrationsgipfel im Schatten Sarrazins

Beim Sprengsatz findet sich ein interessanter Artikel, der so vieles auf den Punkt bringt, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Ich ziehe einfach mal zwei Abschnitte heraus, die einen wichtigen Zusammenhang beschreiben:

Die Sarrazin-Debatte hat zu einem Klima in Deutschland  geführt, in dem Migranten öffentlich – und wie selbstverständlich – wieder als “Scheiß-Ausländer” bezeichnet werden. Die latente Fremden- und Ausländerfeindlichkeit ist in dramatischer Weise virulent geworden. Und das in allen Kreisen, in bürgerlichen nur mit einer anderen Wortwahl. Sarrazin, und das ist das Schlimmste an seinem Buch, hat Hass und Ressentiments gesellschaftsfähig gemacht – zumindest fahrlässig. Man wird doch wohl mal sagen dürfen…

(…)

Auch der jüngste Integrationsgipfel war eine verlogene Veranstaltung. Ehrlich wäre es gewesen, erst einmal über die Deutschen und die rapide Zunahme der Ausländerfeindlichkeit zu sprechen und das aufgeheizte gesellschaftliche Klima, in dem der Gipfel stattfand. In einer Zeit, in der Desintegration mit Millionenauflagen gefördert wird, ist es einseitig und damit falsch, von Zuwanderern bessere Integration zu verlangen, wenn nicht gleichzeitig von den Deutschen gefordert wird, Migranten offen und vorurteilsfrei aufzunehmen. Beides ist untrennbar verbunden. Es gibt eine Hol- und eine Bringschuld.

Das schlimmste an der ganzen Geschichte ist, dass es da draußen Knalltüten gibt, die behaupten, die sarrazinische Ausgrenzungsdebatte fördere die Integrationsbereitschaft auf Seiten der sich integrierenden. Mag dies vielleicht sogar in Einzelfällen stimmen, ist in der Gesamtheit betrachtet das genaue Gegenteil der Fall: Sie fördert die Integrationsverweigerung auf Seiten der Integrierenden und eine wachsende Bereitschaft der bereits gut integrierten, diesem Land den Rücken zu kehren.

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Merkel International

Leitkultur Interessant, wie die gegenwärtige AusgrenzungsIntegrationsdebatte international aufgenommen wird. Interessant, aber auch verständlich:

In zehn Tagen einmal rund um die Erde. Angela Merkels Bemerkung vor dem Deutschlandtag der Jungen Union Mitte Oktober, dass "Multikulti gescheitert" sei, machte Weltkarriere. Erst stand es nur in der BILD-Zeitung, dann plötzlich in der New York Times und dann im Miami Herald. Je provinzieller das Blatt, desto gröber die Interpretation. Natürlich fiel unter den Tisch, dass Merkel auch gesagt hatte, der Islam gehöre zu Deutschland. Stattdessen gibt es einen Ausflug in die Geschichte, Parallelen zum Dritten Reich und was sonst so an Assoziationen den Lokalredakteuren in Florida in den Sinn kam.

Doch in Florida war die Geschichte nicht zu Ende. Denn die amerikanische Presse liest die ganze Welt – zumindest jener Teil, der Englisch kann. So entsetzten sich Vatan in Istanbul, Gulf News in den Vereinigten Arabischen Emiraten, India Times, China Daily und viele andere. Sie waren sich einig, dass Merkel von vorgestern sei, dass sie das 21. Jahrhundert mit seinen Arbeitsmigranten, Flüchtlingen, Aus- und Zuwanderern, die globalen Städte von London bis Dubai, kurz: die moderne Welt, nicht verstehe.

Die Lehre aus dem globalen PR-Desaster der Kanzlerin ist zweierlei. Erstens: Es gibt nirgendwo in Deutschland ein Bierzelt, wo man ungeniert vom Leder ziehen und sicher sein kann, dass Birma nicht mithört. Zweitens: Die Weltöffentlichkeit ist extrem hellhörig und empfindlich gegenüber jeder Art westlicher Hoffart. Merkels Äußerungen komplettieren ein ohnehin düsteres Bild des Westens, an dem andere westliche Führer Schuld tragen. Das behindert zunehmend westliche Politik.

Zuletzt im April bescheinigte eine globale BBC-Umfrage der Bundesrepublik, dass sie bei vielen Menschen in der Welt ein vorzügliches Image genießt. Das Land profitiert davon erheblich, wie die jüngste Auszeichnung mit einem Sitz im UN-Sicherheitsrat zeigt.

Doch, auch das lehren solche Umfragen, ist Image ein flüchtig Ding. In Frankreich, das früher ein prächtiges Bild in der Welt abgab, weiß man darum nur allzu gut. Eine Serie von schlechten Nachrichten aus Deutschland, wie die schier endlose Sarrazin-Debatte und Merkels Multikulti-Beerdigung erster Klasse, kann den Eindruck schnell zerstören. Horst Seehofer könnte geneigt sein zu sagen: "Was kümmert’s mich, wenn der Stammtisch mich liebt?" Eine Kanzlerin, die der bayerischen Provinz nacheiferte, hätte ihren Job verfehlt.

Es ist eine Sache, angesichts der exportorientierten Wirtschaftsausrichtung besorgt zu sein um das Image des Landes, um die Aufrechterhaltung der beruhigenden Maskerade, die Gesellschaft dieses Landes habe schon die richtigen Lehren aus ihrer Geschichte gezogen.

Das Problem ist hierbei jedoch nicht, dass Merkel das Bedürfnis des Stammtisches stillen wollte, sich als Deutsche überlegen zu fühlen. Besser sie befriedigt dieses Bedürfnis, als dass eine Partei es aufgreift, die über keinen sozialen Flügel als Korrektiv verfügt. Im Zentrum der Kritik sollte daher nicht der “Ausrutscher” Merkels sein, der keiner war, sondern die Geisteshaltung, die zum Bedürfnis führt, dem Merkel nachkam.

imageEin Problem ist auch der (insbesondere provinzielle) Deutsche Stammtisch, der einem rückwärtsgewandten Gesellschaftsbild nacheifert. Eines von Nationaler Homogenität, von Völkisch-Landsmannschaftlicher Brauchtumspflege – von Vereinsmeierei im Trachtenverein mit Dirndl, Lederhose und Tralala, vom Ersatz-Wehrsport des Schützenvereins, vom Dackelzuchtverein und vom Kleinkariertgärtnerverein, der vorschreibt, wann und wie das Hissen von Schwarz-Rot-Gold Verpflichtend ist.

Dieser Stammtisch und sein “Brauchtum”, die institutionalisierte Parallelgesellschaft, führt zu Problemen. Und dieser Stammtisch ruft sehr schnell nach dem Staat, wenn Erzählungen um sich greifen, die ihn verunsichern.


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Merkel begrüßt Vatikan-Aufforderung an Holocaust-Leugner

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Aufforderung des Vatikans an den Holocaust-Leugner Richard Williamson zur Widerrufung seiner Äußerungen begrüßt.

Dies sei ein "wichtiges und gutes Signal", sagte Merkel am Donnerstag in Berlin. Dies mache deutlich, dass die Leugnung des Holocausts niemals ohne Folgen im Raum stehen bleiben könne. "Nur ohne Antisemitismus kann überhaupt ein gedeihliches Miteinander von jüdischen Gemeinden und christlichen Kirchen gelingen", sagte die CDU-Chefin.

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Genau so sehe ich es auch. Zwar steht noch immer der Antijudaismus und Islamhass der Piusbruderschaft im Raum (Siehe vorheriger Eintrag zum Thema, und dieser Hintergrundartikel), weshalb ich weiterhin den Standpunkt vertrete, dass sie wieder Exkommuniziert werden sollte, jedoch scheint es da auch kirchenrechtliche Schwierigkeiten zu geben. Das klare Signal zeigt jedoch zumindest, dass Vatikan und der Papst Fehler korregieren können – jedenfalls sofern der Druck auch stark genug ist. Wie sich die Geschichte mit den drei weiteren Bischöfen entwickelt, sollte weiterhin beobachtet und kommentiert werden, das ist dann aber wirklich eine innerkirchliche theologische Angelegenheit, in die sich zumindest die Politik nicht unbedingt weiter einmischen sollte.