Schlagwort-Archive: muslime

Warum sollen die’s besser haben?

Näheres hier


Ein Lesetipp zu Sarrazin, Populismus, Rassismus und “Divide et Impera”

Frau Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung schreibt ein paar grundsätzliche Worte zur sarrazinisch-induzierten Ausgrenzungsdebatte, insbesondere dem “Teile und Herrsche” gegenüber Minderheiten in

gute und schlechte, in kluge und dumme, in integrierte und integrationsunwillige und wie zum Symbol einer besonderen deutschen Perversion – in Juden und Muslime

Ich möchte nichts weiteres vorwegnehmen und schon gar nicht alles zitieren. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich, den Text einmal selbst zu lesen. Vom Anfang bis zum Ende.


Die “gewaltbereiten” Moslemkinder…

Interessantes aus dem Bildblog. Ich kürze es mal ab…

Für junge Christen gilt, dass sie mit steigender Religiosität weniger Gewalttaten begehen. Bei jungen Migranten sinkt beispielsweise die Quote der Gewalttäter von 21,8 Prozent (nichtreligiöse Jugendliche) auf 12,4 Prozent (sehr religiöse Jugendliche) oder den Angehörigen sonstiger Religionen entsprechend von 26 Prozent auf 8,5 Prozent. Für junge Muslime geht dagegen die zunehmende Bindung an ihre Religion mit einem Anstieg der Gewalt einher. Die höchste Quote erreichen hier die "sehr religiösen" Jugendlichen mit 23,5 Prozent, die niedrigste die "etwas religiösen" mit 19,6 Prozent.

Quelle(Studie als PDF)

Ein Absatz aus dem Bildblog:

Dieser — wohlgemerkt relativ geringe — Anstieg der Gewaltbereitschaft betrifft ausschließlich "sehr religiöse" muslimische Jugendliche, nicht aber "etwas religiöse" oder "religiöse" (vgl. Tabelle KFN-Studie, S. 116). Er wird sowohl in der Langfassung als auch in der Kurzfassung der Studie nicht etwa mit der Religon, sondern mit anderen Faktoren wie der Akzeptanz gewaltlegitimierender Männlichkeitsnormen ("Machokultur"), der Zahl straffälliger Freunde oder der Nutzung gewalthaltiger Medien begründet.

Die Süddeutsche dazu:

Selbst wenn man diese Faktoren herausrechnet, bleibt ein signifikanter Zusammenhang zwischen Religiosität und Gewaltbereitschaft.

Die Studie hingegen:

Das Modell III belegt ferner, dass diese erhöhte Gewaltbereitschaft weitestgehend auf andere Belastungsfaktoren zurückzuführen ist, wobei die vier bereits bekannten Faktoren einbezogen werden. Dies führt dazu, dass von der Zugehörigkeit zu einer Konfessionsgruppe kein Effekt mehr auf das Gewaltverhalten zu beobachten ist. (KFN-Studie, Seite 116)

(…) Mit stärkerer religiöser Bindung steigt die Gewaltbereitschaft tendenziell an. Da dieser Zusammenhang aber als nicht signifikant ausgewiesen wird, ist bei islamischen Jugendlichen von keinem unmittelbaren Zusammenhang (und damit auch nicht von einem Gewalt reduzierenden Zusammenhang) zwischen der Religiosität und der Gewaltdelinquenz auszugehen. (KFN-Studie, S. 118)

(…) Mit den hier dargestellten Forschungsergebnissen ist noch nicht ausreichend belegt, dass der Islam für die dargestellte Problematik direkt verantwortlich gemacht werden kann. Zur Klärung bedarf es tiefergehende Analysen (…). (KFN-Studie, S. 129)

So etwas kann eine statistische Studie auch nicht belegen. Selbst wenn die Unterschiede signifikant wären, ließe sich daraus kein kausaler Zusammenhang herstellen. Die Signifikanz, wäre sie vorhanden, wäre dann jedoch ein Indiz, das tiefere Analysen über Ursachen und Zusammenhänge einfordert.

Was eine Studie aussagt, scheint jedoch weniger von Interesse zu sein. Interessanter ist es, wenn Titelzeilen einen hohen Puls versprechen. Ein Ressentiment benötigt nur einen Anlass, jedoch keinen Grund, wie Broder zu sagen pflegt. Und das sieht dann so aus:


Deutschfeindlichkeit. Islam “rückwärtsgewandt”, “Überlegenheitsgefühle” der Muslime

“Eine der Ursachen für diese Entwicklungen scheint ein Kulturkonflikt zwischen westlichen und aus dem traditionellen Islam herrührenden Vorstellungen zu sein. Viele der jungen ImmigrantInnen erleben in ihren Familien eine verzweifelte Abwehr aller Veränderungen, insbesondere der Individualisierung. Der heutige Mehrheitsislam hat eine rückwärtsgewandte Grundhaltung, denn sein gesellschaftliches Ideal ist die Zeit in Medina vor 1.400 Jahren. (…) Angesichts des Autoritätsverlusts des muslimischen Mannes in der europäischen Diaspora und der perspektivischen Unsicherheit muss es zu Persönlichkeitskonflikten kommen. Unsicherheit aber kollidiert mit den traditionellen Überlegenheitsgefühlen vieler Muslime, ihrer Vorstellung dem einzig wahren, ursprünglichen Glauben anzugehören.”

“In den ethnisch segregierten Gebieten bleiben Immigranten weitgehend unter sich, gefangen in einem Kreislauf von Transferabhängigkeit und Bildungsversagen. Sie kompensieren Frustrationen und Perspektivlosigkeit durch Macho-Gehabe.”

(hier)

Der Braune Mob kritisiert dies:

Dabei hat die GEW ausgeblendet:

– Dass Rassismus und Diskriminierung die Kulisse von Macht und Einverständnis der Dominanzkultur zwingend benötigen um wirksam zu sein (alles andere ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, jedoch ohne die weitreichenden strukturellen und institutionellen Auswirkungen).

– Dass “die Muslime” eine genau so wenig homogene Gruppe sind mit eben so vielen Übereinstimmungen in Überzeugungen und Handlungen wie “die Christen”.

– Dass die Begriffe “Immigranten” und “Muslime” keine Synonyme sind

– Dass es kulturrassistisch, kurzsichtig, unlogisch, wissenschaftlich unhaltbar und sehr gefährlich ist, zuerst eine Gruppe von Menschen als homogen zu konstruieren (”DIE Muslime”/DIE Immigranten / “DIE muslimischen Männer”) und küchenpsychologische Thesen über deren Befindlichkeiten mit ihrer Religionszugehörigkeit begründen zu wollen

– dass man mit exakt diese Instrumentarien eine unzulässige Ethnisierung, Rassifizierung und Diskriminierung vornimmt, und zwar unabhängig davon ob man später im Text eine andere Intention formuliert.

– Dass PädagogInnen für eine Betrachtung der Themenfelder “Rassismus” und “Diskriminierung” die wissenschaftliche Fachliteratur der letzten drei Jahrzehnte nicht ignorieren und gleichzeitig angemessen ihrem Lehrauftrag gegenüber jungen Menschen gerecht werden können.

…und bittet um klärende Zuschriften an die GEW. Geeignete Kontaktmöglichkeiten hierfür hat der Braune Mob im Schwarzen Blog zur Verfügung gestellt.

(via Musafira)