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PI-News und Lubbe – Kritik der Islam”kritik”

image PI-News hat sich durch die Gleichsetzung des Mörders von Marwa S. mit Marinus van der Lubbe derbst ins eigene Knie geschossen, und hierbei die Geisteshaltung mindestens eines der Autoren sowie einer Vielzahl der Kommentierer (von den Lesern selbst kommt ja nichts) offenbart.

Ein sehr treffender Kommentar hierzu, der überraschenderweise durch die Zensur von PI-News gelangte, dem ich beinahe vollständig zustimme, ist der von “lobotomium”. Aussagen, denen ich nicht zustimme, sind graugelegt, Hinweise auf weitere kritische Stellen beherzige ich natürlich:

Warum dieser unsägliche Vergleich: van der Lubbe/Alex W. nicht nur schädlich, sondern auch verwerflich war, das habe ich — jedenfalls was meine Sicht der Dinge angeht — in einem anderen Thread schon ausfürhlich begründet.

Da Sie hier aber, mit einer inhaltlichen Verknüpfung zu diesem Artikel, die gleiche Frage stellen, kann ich meine Antwort auch noch einmal hier posten. Daß PI sich der Kritik gestellt und Konsequenzen gezogen hat, finde ich im Gegensatz zu Ihnen übrigens sehr begrüßenswert.

1. Es ist bis heute umstritten, ob Marinus van der Lubbe das Feuer im Reichstag überhaupt gelegt hat (ungeachtet vermeintlicher Belege, die hier angeführt werden, daß der Sachverhalt “aufgeklärt” sei). Im Fall von Alex W. dürften dagegen keinerlei Zweifel bestehen, daß er Frau El-Sherbini tatsächlich ermordet hat: es waren genug Zeugen anwesend; außerdem hat er die Tat selbst gestanden. Aus Gründen der juristischen Etikette mag es geboten sein, solange von einem “mutmaßlichen” Mörder zu sprechen, bis das Urteil gesprochen worden ist. Das ändert aber an den Tatsachen nicht das geringste.
2. Es ist völlig abwegig, in Bezug auf Alex W. von einem “politischen Verfahren” zu sprechen, bei dem das Urteil schon von vorneherein feststehe. Die Nazis wußten schon vor dem Prozeß gegen van der Lubbe, daß sie ihn hinrichten würden; sie haben deshalb extra das Gesetz geändert, so daß van der Lubbe, rückwirkend, mit dem Tode bestraft werden konnte – wodurch sie nicht zuletzt gegen den ehernen Grundsatz des Strafrechts verstoßen haben: nulla poena sine lege, der bei uns Verfassungsrang hat(Art. 103 Abs. 2 GG).
Alex W. dagegen bekommt ein ordentliches Verfahren vor einem ordentlichen deutschen Gericht. Man mag sich darüber streiten, ob es glücklich ist, daß der Prozeß in Dresden stattfindet und nicht in einer anderen Stadt, aber die Unrechtsjustiz der Nazis mit dem Justizsystem der BRD gleichsetzen zu wollen ist nicht nur lächerlich, sondern durchaus empörend. Daß der ägyptische Botschafter zu der Verhandlung erscheint, mag einem mißfallen, ein solches Vorgehen ist aber nicht unüblich und wird mitunter auch von deutschen Diplomaten praktiziert, sofern deutsche beim Verfahren beteilgt sind/waren; i.ü. dürfte dies auf die Entscheidung des Gerichtes keinen Einfluß haben.
3. Marinus van der Lubbe war nach allen Schilderungen, die es von ihm gibt, zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig. Selbst wenn er die Tat, die man ihm zur Laste legte, begangen haben sollte, so hätte er doch nicht deswegen bestraft werden dürfen. In dem Verfahren gegen Alex W. wird dessen Schuldfähigkeit dagegen eine nicht unerhebliche Rolle spielen, und ich kann Ihnen versichern: falls sich zeigen sollte, daß Alex W. zum Tatzeitpunkt nur vermindert oder gar nicht schuldfähig war, so wird das Gericht auch so entscheiden; ein anderes Urteil könnte sonst von einer höheren Instanz niemals Bestand haben.
4. Marinus van der Lubbe ist vor seinem Scheinprozeß von den Nazis mißhandelt und gefoltert worden. Das kann man von Alex W. nicht behaupten.
5. Marinus van der Lubbe wurde zur Last gelegt, ein Gebäude in Brand gesteckt zu haben. Alex W. dagegen hat eine unschuldige, junge Frau brutal ermordet.
6. Der Reichstagsbrand diente den Nationalsozialisten dazu, die Reichstagsbrandverordnung zu erlassen, mit deren Hilfe sodann die Grundrechte in Deutschland außer Kraft gesetzt wurden. Sofort im Anschluß wurden Tausende verhaftet und verschwanden für immer. Bis heute ist umstritten, ob die Nazis das Feuer zu diesem Zweck nicht selbst legten oder zumindest dabei halfen; diese These kann nicht bewiesen werden, sie ist aus verschiedenen Gründen aber auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen. In jedem Fall kam der Brand den Nazis sehr zupaß und wurde von ihnen brutal ausgenutzt.
Welche wie auch immer geartete Parallelen sollten sich da zum Fall Alex W. auftun, außer für einen wirklich kranken oder aber wirklich perfiden Menschen?
Unter anderem auch aus diesem Grund hinterließ der Artikel wohl bei so vielen einen so üblen Beigeschmack: er rückt unseren gegenwärtigen Staat in die Nähe des NS-Regimes. Vielleicht wollte er am Rande sogar unterstellen, daß Kritikern/Gegnern des Islam bald ähnliches geschehen werde wie weiland, nach dem Brand im Reichstag, den Angehörigen der KPD und anderen Regimefeinden?
Darüber hinaus suggerierte der Artikel auch in plumper und amoralischer Verkennung der Umstände, daß Alex W., welcher eine Frau unvermittelt niedergestochen hat, wohl bloß ein armer “Sündenbock” sei. Das ist er aber gewiß nicht: nach allem, was ich bisher gelesen habe, hatte Alex W. bereits in Rußland erhebliche psychische Probleme; es ist deshalb gut möglich, daß er schulunfähig war oder in seiner Schuldfähigkeit eingeschränkt. Falls das gewesen sein sollte, wird das vor Gericht Beachtung finden. Ein “Sündenbock”, den man unter Drogen gesetzt und in einem Scheinprozeß zum Tode verurteilt hat, das ist er jedoch in jedem Fall nicht! – Und wer etwas anderes behauptet, argumentiert nicht nur völlig verblendet und gegen offenkundige Tatsache, sondern der muß sich von mir auch sagen lassen, daß es ihm wohl am gebotenen Anstand fehlen dürfte!
Was den Prozeß angeht, anläßlich dessen Alex W. erst zum Mörder wurde, mag man sich fragen, ob damals nicht aus fragwürdigen Gründen ein Exempel an ihm statuiert werden sollte (womöglich sogar gegen den Willen der Geschädigten, Marwa El-Sherbini, welche offenbar gar nicht unbedingt eine Bestrafung von W. wegen seiner beleidigenden Äußerungen wünschte). Das ist etwas, worüber man nachdenken darf und sollte; man sollte auch über die weltweiten Reaktionen nachdenken dürfen, die dieses Verbrechen ausgelöst hat. Man sollte darüber nachdenken, warum sich deutsche Politiker in diesem Fall genötigt sahen, einer ausländischen Regierung zu kondolieren und sich bei einer ganzen Religionsgemeinschaft zu entschuldigen. Man sollte v.a. auch darüber nachdenken, wie es möglich war, daß sich ein solches Verbrechen überhaupt in einem deutschen Gerichtsaal ereignen konnte, vor den Augen eines Richters. Bei alledem sollte man aber eines nie vergessen:
daß hier eine junge, unschuldige Frau vor den Augen ihres Kindes und im Beisein ihres Ehemannes brutal abgestochen wurde.
Weil sie Muslimin war, war sie jedoch weder mehr noch weniger wert als jede andere Frau in diesem Land! Wer das bestreitet oder sich dem auch nur annähert, der kann nicht mehr behaupten, daß er mit dem GG noch irgendetwas am Hut habe!
Es erfüllt mich deshalb mit Ekel, wenn ich mitansehen muß, wie der Tod dieser jungen Frau instrumentalisiert wird. Mit noch größerem Ekel aber erfüllt es mich, wenn der Tod dieser Frau relativiert wird, wenn man ihn zu entschuldigen versucht, indem man dem Opfer offenkundig menschliche Qualitäten abzusprechen versucht und es auf ein politisches Subjekt reduziert (Letzteres ist beiderseits des Mittelmeeres geschehen).
Das Widerlichste überhaupt ist es aber, wenn man einen Mord wie diesen zugleich zu instrumentalisieren und zu relativieren versucht, und genau das ist im Rahmen des besagten Artikels geschehen, der jetzt getiligt wurde.
Insofern war es richtig, daß die Mehrheit der PI-Community mit scharfen Worten gegen den Artikel protestiert hat. PI hätte diesen Artikel niemals veröffentlichen dürfen! Ihn zu löschen schafft diesen Fehler freilich nicht mehr aus der Welt; er wird bleiben und sollte auch im Gedächtnis bleiben, aber die Löschung zeugt zumindest von der Einsicht, hier einen Fehler gemacht zu haben – eine Einsicht, die Ihnen offenkundig abgeht!
Daß dieser Vergleich geschmacklos, widerwärtig, hohl und unbrauchbar war, das war von vorneherein von solcher Evidenz, daß es meiner obigen Ausführungen gar nicht bedurft hätte, um dies zu begründen. Es ließen sich i.ü. noch viele weitere Gründe anführen. Aber wissen Sie was: etwas Weiteres ist evident und deshalb spare ich mir weitere Worte:

nämlich daß derjenige, der diesen Vergleich treffend und gelungen findet, den Mord in Wirklichkeit wohl mit großer Wahrscheinlichkeit goutiert — und zwar allein deshalb, weil es eine Muslimin getroffen hat.

———

Sehr schön und ehrlich gesprochen – Das offenbart eine recht differenzierte Betrachtungsweise zum Themenkomplex. Falls lobotomium, oder jemand, der/die es ähnlich sieht, ein ausführliches Grundsatzstatement zum Islam, zum Islamismus, zum Terrorismus, zur Krimalität, usw. – aber eben vielleicht auch zu Auswüchsen des Antiislamismus, die hier beschrieben wurden, veröffentlichen und zur allgemeinen Diskussion stellen möchte(im Rahmen der Netiquette und der Gesetzgebung natürlich), würde ich mich über eine Kontaktaufnahme freuen. Es würde nicht nur mich interessieren. Der o.g. Beitrag ist aber auch sinnvoll und vernunftorientiert genug, um ihn für sich allein im öffentlichen Raum stehen zu lassen. PI-News ist nämlich eine Sache(in meinen Augen eine sehr schlimme) – ein Mord jedoch hat eine völlig neue Qualität. Und damit müssen(!) Islamkritiker sowie Islamhasser und Islamophobe gleichermaßen verantwortungsvoll umgehen.

Hintergrund:

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Doofe Nuss

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Schäuble besorgt über Anstieg rechter Straftaten

Endlich ist die gefühlte Gefahr von rechts amtlich bestätigt. Dank einer bundeseinheitlich durchgeführten neuen Zählweise, wie Bundesinnenminister Schäuble (Foto) bereitwillig bestätigt, ist der gewünschte Anstieg “rechter” Straftaten erfolgt, die zu 70% (!) aus Propagandadelikten besteht. Zu diesen gehört automatisch jede Hakenkreuzschmierei. Unwesentlich, dass diese sehr oft islamischen Hintergrund haben.

Quelle

Mal davon abgesehen, dass PI schlicht rechtsextreme Gewalt zu zerreden versucht, wurde auf Politischkorrekt alles nötige zu den Zahlen gesagt.

Interessant fand ich dann ja noch eine ganz besondere “doofe Nuss”:

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Diese Statistikspielereien sind doch mittlerweile allen Bürgern klar. Wenn ich von Aufmärschen lese und Mülltonnen brennen sind das immer Linksautonome und Muslime. Mir ist hier in Hamburg noch nie ein gewalttätiger rechter Aufmarsch aufgefallen. Ich glaube den Politikern ist allmählich klar, dass die Bürger immer mehr ins rechte Lager wechseln daher die panikartige Hetze gegen Rechts.
Die einzigen rechten politischen Straftaten waren doch getürkt.

Ähm…. nunja… Hier etwas vom Bildungskanal:


„Schaudere beim Gedanken, als Moslem in Österreich zu leben“

Der österreichische Standard berichtet über einen Artikel von Billy Briggs in der “Live“, einem Magazin der “Daily Mail“.

FPOE

Er warnt vor einen Erstarken der Rechtsextremen in Österreich. Enge Verbindungen der rechtspopulistischen FPÖ mit Burschenschaften und der gewaltige Stimmanteil für rechte Parteien Jahr bei den Nationalratswahlen 2008 bringen ihn zu der Ansicht, es könnten bald wieder Hakenkreuzfahnen auf österreichischen Strassen wehen.

Haiders Erben nannte jüngst die “Zeit“ das Phänomen um den Kult rund um den im letzten Herbst verstorben Jörg Haider, der sich als Reformator in der rechten Meinungsbildung hervor tat.
Sein Rechtspopulismus kam das erste Mal im Nadelstreifenanzug daher und sein smartes Auftreten beeindruckte nicht nur Frauen.
Wie kein anderer hat er es verstanden, den Rechtspopulismus salonfähig zu machen, und als er verstarb standen Österreichs Uhren still.
Wehe dem, der ein schlechtes Wort über Haider verloren hätte! Still und leise verhielten sich alle Ausländer, Muslime und Kritiker. Problemlos wanderten die rechten Parteien nach Haiders Tod mit fast 30% der Wählerstimmen in das Parlament ein, Stimmen die auch von Migranten abgegeben wurden.

Was ist aus der Tatsache geworden, dass nun rechte Parteien das politische Geschehen Österreichs in nicht unerheblichem Maße mitbestimmen.
Nichts, wir haben uns daran gewöhnt, der Aufschrei war so kurz wie die Nationalwahlen selbst.
Das nächste Mal wird es sicher leichter für die FPÖ und BZÖ und wir werden wieder zusehen und schockiert tun.
„Die Alarmglocken sollten in ganz Europa schrillen“ heißt es dann weiter und wenn man das Geschehen auf Deutschland überträgt, denke ich sie sollten hier noch lauter schrillen als sonst wo in Europa.
Auch wenn die Biedermänner der Pro Bewegung noch am Anfang ihrer Karriere als Rechtspopulisten stehen, haben sie die Erfahrungen aus ihren Rechtsradikalen Zeiten mitgebracht und wissen genau, was sie nun zu vermeiden haben um dem Erfolg Beine zu machen.
Nicht ohne Stolz versuchen sie sich bei der FPÖ einzuschmeicheln, und wenn sie dieses Jahr auf ihrem Anti- Islamisierungs-Kongress einen Vertreter der FPÖ vorweisen könnten wie angekündigt, wird sich auch hier eine Welle der Einigkeit mit den Vertretern einer Rechtskräftig gewählten Partei breit machen.
Nicht das die Neonazis eine Chance hätten, in Deutschland eine repräsentative Mehrheit zu erlangen, doch die Wölfe im Schafspelz schlafen nicht, und sie spielen jetzt mit neuen Karten.
Dazu die Arbeitsstelle Neonazismus der Fachhochschule Düsseldorf .

Fast täglich kann man im Netz beobachten wie sich die Lage, grade für Muslime, zuspitzt und nie war „Islamkritik“ glaubhafter an den Mann zu bringen, wie jetzt.
Zu aller berechtigten Kritik gesellt sich immer der Mob, dem es zuvor nur an Glaubwürdigkeit fehlte, und schon kann die Hetze gegen Muslime beginnen.
Da nutzt es nicht, dass Giordano und Broder oder Kelek und Ates sich distanzieren, sie werden nur all zu gern zitiert.
Jeder Versuch von Muslimen, die Diskussion zu entschärfen, scheitert so schnell wie er begonnen hat.
Ratlosigkeit auf der Seite der Muslime. Was sollen wir denn tun, und wo ist der Aufschrei bei Deutschen? Ja dürfen wir euch denn gar nicht kritisieren?

Eines bringt diese Uneinigkeit im Verfahren der Islamkritik mit sich:
Sie stärkt den rechten Biedermännern den Rücken. Genau deshalb müssen die Alarmglocken genau so laut schrillen, wie bei der allgemeinen Massenhysterie gegen Islamismus!


Durban II Boykott: PI-NEWS fälscht mal wieder Online-Umfragen.

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Auf dem Islamhass-Krupp-Blog “PI” wird – wieder einmal – zum Fälschen einer Online-Umfrage aufgerufen. Das ist an sich nichts neues. Neu ist auch nicht, dass im Kommentarbereich Tipps gegeben werden, wie man mehrmals abstimmen kann:

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Einmal sollte auch reichen…

 

image …oder eben nicht…

 

 

image Wenn schon, denn schon.

 

 

image Wo denn wohl? In der Überschrift natürlich!

 

 

Eine Neuigkeit gibt es dann aber doch:

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Die Exklusive PI-News-Guerilla-Tarnkappen-Cyberkampf-Verschleierungs-Taktik:

 

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Soviel also zum Thema “manipulierte Mainstreammedien”. PI ist schließlich nur “Sprachrohr der schweigenden Mehrheit”, und rückt Umfragen ins rechte Licht.

Das gleiche Thema auch bei Politischkorrekt.Info

Der Boykottaufruf


PI-News zum Naziüberfall in Haltern

PI-News gegen Nazis

Zum Fall Haltern

Es wäre ja einmal interessant, derartiges beim Kruppzeug von PI zu lesen. Allerdings war die Klammheimliche Freude beim Anschlag auf Alois Mannichl quer durch die PI-Bank unverkennbar. Vielmehr würde PI wohl den anderen Weg gehen, und sich darüber beschweren, dass die wenigen Zeitungen, die überhaupt über den Naziüberfall in Haltern berichteten, überhaupt den rechtsextremen Hintergrund benannten.

Weitere Infos zum Fall Haltern:

DGB Pressemitteilung
Indymedia (Detaillierter, aber ohne Gewähr)


Politically Incorrect – Antisemitismus bei PI-News

Im PI-News-Beitrag

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folgendes(gekürzt):

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Nun zu dem, was dahinter steckt:

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Laut jüdischen Speisegesetzen ist kosheres Schlachten Pflicht. Ein proisraelisches Blog wird sich dem doch bewusst sein, oder?

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Kein weiterer Kommentar, euer Ehren.


Der Urfaschismus nach Umberto Eco

In der Onlineausgabe der Zeit dümpelt ein interessanter Text von Umberto Eco vor sich her, ursprünglich veröffentlicht in der ZEIT-Printausgabe 28/1995.

Eco geht hier der Frage nach, was trotz aller Verschiedenheit und Widersprüchlichkeit faschistischer Regime und Einstellungsmuster die gemeinsame Quintessenz darstellt, die berechtigterweise einheitlich von Faschismus sprechen lässt. Die Antwort auf seine Frage findet er in einer Reihe von Merkmalen, die kein einheitliches, geschlossenes System darstellen, die sich gegenseitig zum Teil auch widersprechen, aber jeder für sich zu einem Kristallisationspunkt für den Faschismus werden könnte.

Viele dieser Merkmale findet man beim PI-Kruppzeuch ebenso, wie beim NPD-Kruppzeuch und weiteren extremistischen Strömungen. Einige der Merkmale sind interessanterweise auch mitten in der sich als nicht-extremistisch wähnenden Mitte der Gesellschaft, und auch in sich selbst als “radikal links” bezeichnenden Strömungen zu finden. Man darf daher nicht davon ausgehen, dass man einzig mit dem Bekenntnis zu Demokratie und den allgemeinen Menschenrechten gegen Extremismus immunisiert ist, sondern man muss davon ausgehen, dass Extremismus sehr wohl aus der Mitte der Gesellschaft erwächst, und eine Radikalisierung urfaschistischer Einstellungsmerkmale (nach Eco) darstellt.

 

Die einzelnen Merkmale dieses Urfaschismus sind hier aus dem gesamten Text herausgegriffen:

1. Traditionskult. Zu erinnern wäre hier z.B. an Bemühungen der Nazis zur Anknüpfung an okkulte Riten der Germanen, aber auch ansonsten die immer mal wieder vernommene Beschwörung "traditioneller Werte".
2. Ablehnung der Moderne. Damit ist keine Technikantipathie gemeint, sondern die Ablehnung des Geistes von 1789, also der Werte der Aufklärung und der französischen Revolution, mithin auch der Menschenrechte. Das sich an 1789 anschließende Zeitalter der Vernunft gilt als Beginn moderner Entartung. Eine aktuelle Variante dieses Antimodernismus stellt die Diskreditierung der 68er Bewegung dar.
3. Irrationalismus. Dieser sei auch vom Kult der Aktion um der Aktion Willen abhängig. Antiintellektualismus, Theoriefeindlichkeit, ein tiefes Misstrauen gegenüber der Welt des Intellekts begleiten ihn.
4. Verdammung jeder Kritik. Während die Wissenschaft mangelnde Übereinstimmung als nützlich für die Bereicherung des Wissens erachte, sei fehlende Übereinstimmung für den Urfaschismus Verrat.
5. Rassismus. Meinungsverschiedenheiten seien ein Anzeichen der Vielfalt. Der Urfaschismus wachse und suche Unterstützung, indem er die natürliche Angst vor Unterschieden ausbeute und verschärfe. Der erste Appell einer faschistischen oder vorfaschistischen Bewegung richte sich daher gegen Eindringlinge.
6. Angst der Mittelschichten vor sozialem Abstieg. Urfaschismus entstehe aus individueller oder sozialer Frustration. Deshalb gehöre zu den typischen Merkmalen des historischen Faschismus der Appell an eine frustrierte Mittelklasse, eine Klasse, die unter einer ökonomischen Krise oder der Empfindung politischer Demütigung leide und sich vor dem Druck sozialer Gruppen von unten fürchte. In unserer Zeit, da die alten "Proletarier" zu Kleinbürgern werden (und die Lumpenproletarier von der politischen Szene weitgehend ausgeschlossen sind), werde der Faschismus von morgen sein Publikum in dieser neuen Mehrheit finden.
7. Nationalismus. Den Menschen, die sich einer ausgeprägten sozialen Identität beraubt fühlen, spreche der Urfaschismus als einziges Privileg das häufigste zu: im selben Land geboren zu sein. Dies sei der Ursprung des Nationalismus. Außerdem beziehe eine Nation ihre Identität nur aus ihren Feinden. Daher liege an der Wurzel der urfaschistischen Psychologie die Obsession einer Verschwörung, am besten einer internationalen Verschwörung. Die Anhänger müssten sich belagert fühlen. Am leichtesten ließe sich dieser Verschwörung mit einem Appell an den Fremdenhass begegnen.
8. Das Gefühl der Demütigung. "Urfaschisten" bräuchten dieses Gefühl, durch Macht und Reichtum innerer und äußerer "Feinde" gedemütigt zu werden. Gleichzeitig müssten sie davon überzeugt sein, die "Feinde" trotzdem besiegen zu können. Durch ständige Verlagerung des rhetorischen Brennpunkts seien die "Feinde" gleichermaßen "zu stark" und "zu schwach". Faschistische Regierungen seien dazu verurteilt, Kriege zu verlieren, weil sie konstitutiv unfähig seien, die Stärke des Feindes richtig einzuschätzen.
9. "Kampf" als Selbstzweck. Da das Leben nur um des Kampfes Willen da sei, sei Pazifismus Kollaboration mit dem Feind. Dies führe zu einem Armageddon-Komplex, zu einem unauflöslichen Paradoxon: Da alles auf eine "Entscheidungsschlacht", eine "Endlösung" hinausliefe, begänne danach eigentlich eine "Friedensära" – was natürlich dem Prinzip des ständigen Krieges widerspräche. Keinem faschistischen Führer sei bislang die Lösung dieses Paradoxon geglückt.
10. Elitedenken. Dies sei ein Charakteristikum jeder reaktionären Ideologie. Es sei aristokratisch und militärisch und ginge einher mit einer grausamen Verachtung des Schwächeren. Der Urfaschismus könne nur ein allgemeines Eliteempfinden vertreten. Jeder Bürger gehöre dem besten Volke der Welt an, die besten Bürger seien die Mitglieder der Partei, etc.Da die Gruppe hierarchisch organisiert sei, verachtet jeder Unterführer seine Untergebenen, und jeder von diesen verachte die ihm Untergebenen. Das verstärkt das massenhafte Elitebewusstsein.
11. Heldentum und Todeskult. In der urfaschistischen Ideologie sei Heldentum die Norm. Dieser Kult des Heldentums hänge aufs engste mit dem Todeskult zusammen. Es wäre kein Zufall gewesen, dass ein Motto der Falangisten lautete: "Viva la Muerte". In nichtfaschistischen Gesellschaften gelte der Tod als eine unangenehme Erscheinung. Im Gegensatz dazu suche der urfaschistische Held den heroischen Tod als beste Belohnung für ein heldisches Leben. Der urfaschistische Held erwarte den Tod mit Ungeduld. In seiner Ungeduld schicke er allerdings gern andere in den Tod.
12. Waffenfetischismus. Da sowohl endloser Krieg als auch Heroismus recht schwierige Spiele seien, übertrage der Urfaschist seinen Willen zur Macht auf die Sexualität. Hier liege der Ursprung des machismo (zu dem Frauenverachtung ebenso gehört wie gewalttätige Intoleranz gegenüber ungewöhnlichen Sexualgewohnheiten, von der Keuschheit bis zur Homosexualität). Da auch die Sexualität ein schwieriges Spiel sei, neige der Urfaschist zum Spiel mit Waffen – das werde zu einer phallischen Ersatzübung.
13. Populismus. Der Urfaschismus gründe sich auf einen selektiven Populismus. In einer Demokratie verfügen die Bürger zwar über individuelle Rechte, besitzen in ihrer Gesamtheit politischen Einfluss aber nur als Teil einer anonymen Masse besitzen. Es gilt das Mehrheitsprinzip. Demgegenüber hätten für den Urfaschismus die Individuen als Individuen keinerlei Rechte, das Volk dagegen werde als eine Qualität begriffen, als monolithische Einheit, die den Willen aller zum Ausdruck bringe. Da eine große Menschenmenge keinen gemeinsamen Willen besitzen könne, präsentiere sich der Führer als Deuter. Die Bürger spielten nur noch eine Rolle als beschworenes Zustimmungsobjekt. Aufgrund seines qualitativen Populismus müsse der Urfaschismus gegen "verrottete" parlamentarische Regierungen eingestellt sein. Wo immer ein Politiker die Legitimität eines Parlaments in Zweifel ziehe, weil es den "Willen des Volkes" nicht mehr zum Ausdruck bringe, rieche es nach Urfaschismus.
In der Zukunft erwarte uns ein TV- oder Internet-Populismus, in dem die emotionale Reaktion einer ausgewählten Gruppe von Bürgern als Stimme des Volkes dargestellt und akzeptiert werden könne.
14. Der Urfaschismus spreche Newspeak. Orwell erfand in "1984" Newspeak als offizielle Sprache von Ingsoc, dem englischen Sozialismus. Aber Elemente des Urfaschismus sind verschiedenen Formen der Diktatur gemeinsam. Alle Nazi- oder faschistischen Schulbücher bedienten sich eines verarmten Vokabulars und einer elementaren Syntax, um die Instrumente komplexen und kritischen Denkens im Keim zu ersticken. Aber wir müssten uns auch auf andere Formen von Newspeak einstellen, selbst wenn sie in der scheinbar unschuldigen Form einer populären Talk-Show daherkämen.