Schlagwort-Archive: Rassismus

Was keinen mehr interessiert…

Das scheint heutzutage schon kein Aufreger mehr zu sein:

Unbekannte haben am Sonntagabend in Berlin-Wedding einen Wildschweinkadaver vor einem muslimischen Gebetsraum abgelegt.

(Quelle)

Doch, einige interessiert es. In der Quelle sind nämlich Kommentare abgegeben worden. Ich kopiere mal nur einen:

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Auch bei ShortNews war das Thema angekommen – und dort kommt im Kommentarbereich bei einigen eine große Freude über dieses Ereignis zum Ausdruck – allerdings nicht ganz ohne Widerspruch.

Anders z.B. hier:

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Und nein, bei Shortnews läuft all derartiges tendenziell eher unter “Meinungsfreiheit”. Eine Außnahme: Um pauschalisierte negative Äußerungen über Deutsche kümmert sich die Moderation schnell.

Zur Minute ist ein Sarrazin-Artikel auf ShortNews gelandet. Bei Gelegenheit trage ich einige der dortigen Kommentare nach.

Siehe auch:
Bei ShortNews tobt der braune Online-Mob
Der braune Online-Mob bei ShortNews – Die Zweite


Deutliche Worte zu Mönchengladbach

Ich kopiere hier mal einen Blogeintrag 1:1

Überall dort, wo sich der entbändigte Volkszorn so richtig entlädt, braucht man nach einer Politsekte nicht lange zu suchen: „pro NRW“ – ein Schwarm parasitärer Hobbydiktatoren, die sich auf der verzweifelten Suche nach dem letzten Quentchen Wählergunst an unbescholtenen Bürgern festsaugen. Die nächste pro-NRW-Plage steht bereits in wenigen Tagen an: Am Freitag will die „Bürgerbewegung“ den Mönchengladbacher Stadtteil Eicken befallen.

Für „pro NRW“ geht es auch diesmal wieder um den Islam. In Mönchengladbach-Eicken, einem gutbürgerlich bis geradezu spießig anmutenden Stadtteil, will eine Vereinigung unter dem Namen „Einladung ins Paradies“ eine Glaubensschule einrichten. So weit, so gut. Das Problem: Die Gruppe um den zum Islam konvertierten Pierre Vogel gehört den Salafisten an, einer radikal-fundamentalistischen Minderheit innerhalb des Islams. Als „Steinzeitislam“ wird die Glaubensrichtung desöfteren bezeichnet, da sie nahezu alle klischeehaften Vorurteile gegenüber Muslimen in sich vereinigt: So sollen innerhalb der Gemeinde Steinigungen von unzüchtigen Frauen befürwortet werden, westliche Staaten und Gesellschaften werden abgelehnt. Auch das Loveparade-Unglück wird von den Salafisten als gerechte Strafe für eine verkommene Gesellschaft interpretiert – Eva Herman lässt grüßen.

Was für die Mehrheit der Muslime in Europa eine Selbstverständlichkeit darstellt, wird von den Anhängern des Salafismus verteufelt: Die Toleranz gegenüber anderen Glaubens- und Lebensrichtungen. In der Propaganda der angeblich doch so „demokratischen Bürgerbewegung“ spielt dieser elementare Unterschied jedoch keine Rolle: Pauschal werden sämtliche Muslime verunglimpft und mit radikalen Fundamentalisten in einen Topf geworfen. Dazu kommt abschließend eine ordentliche Portion Fremdenfeindlichkeit gegenüber Türken – und der populistische Hass-Cocktail kann dem wütenden Mob auf der Straße aufgetischt werden. Nichts anderes ist es nämlich, was die verkappten Rechtsextremisten am Freitag in Mönchengladbach präsentieren werden: Rassistische Hetzpropaganda ohne Inhalte und Sachkenntnis, dafür mit lautstarkem Geschrei von dumpfen Parolen, um die konservativ-ergraute Zuhörerschaft noch weiter anzustacheln.

Es ist keine Frage, dass eine Ausbreitung islamisch-fundamentalistischer Strukturen notfalls auch mittels zivilen Ungehorsams verhindert werden muss. Wenn dieser Ungehorsam allerdings von einer extremistischen Partei ausgeht, die unter dem Deckmantel der Grundgesetztreue versucht, fremdenfeindliche Vorstellungen in der Gesellschaft zu etablieren, ist die dringlichste Aufgabe zunächst, diese Zusammenrottung von verkappten Neofaschisten in die politische wie gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit zu manövrieren. So ist es am Freitagmittag nicht notwendig, gegen die Einrichtung einer radikalislamischen Schule zu demonstrieren, sondern gegen die radikalrassistische „Bürgerbewegung pro NRW“ sowie gegen die Mönchengladbacher Bürger, die so etwas zulassen und noch dazu als Mitläufer fungieren.

Die pro-NRW-Mahnwache soll am kommenden Freitag um 14 Uhr auf dem Marktplatz (Eickener Straße/Badenstraße) in Mönchengladbach-Eicken stattfinden, vom Hauptbahnhof aus erreichbar mit den Buslinien 002 (Richtung Künkelstraße) und 003 (Richtung „Am Hommelsbach“), Haltestelle „Eicken Markt“.

Harte Worte, Klare Kante.


Die Essenz von PI

Ich habe nur einmal kurz bei PI vorbeigeschaut, wie dort die Volkszorn-Clique brütet, und dann lese ich das hier:

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Und so weiter und so fort… Das übliche also.


Wenn’s drauf ankommt…

Einen sehr wichtigen Beitrag brachte Bilkay Öney in der Jüdischen Allgemeinen. Ich kürze hier mal auf das wesentliche ab:

(…)Erstmals sollten junge Türken mit Vertretern des American Jewish Committee über Rassismus diskutieren. Das war vor der israelischen Kommandoaktion gegen die Gaza-Flottille am 31. Mai. Unmittelbar darauf wurde der Termin gestrichen. Nicht abgesagt. Nein, die Diskussion fiel einfach aus. Die Regierungspartei AKP scheint zwei Dinge leider nicht voneinander trennen zu können: die außenpolitische Linie in ihrer Haltung zu Israel und die innenpolitischen Erfordernisse für die knapp drei Millionen Bürger türkischer Herkunft, die in der Bundesrepublik leben.

Die türkische Gemeinde bildet die größte Minderheitengruppe in Deutschland. Sie ist gleichzeitig diejenige, die im Mittelpunkt der Integrationsdebatte steht und sich am häufigsten gegen Vorurteile wehren muss. Für dieses Anliegen ist die Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinschaft unerlässlich. Bisher hat diese die türkische Minderheit stets verteidigt und in Schutz genommen: beim Kopftuchstreit, beim Moscheenstreit und als in Mölln (1992) und Solingen (1993) die Häuser von Türken brannten. Nun brennt es politisch wieder. Denn jemand zündelt. Aber wo ist die türkische Stimme in Deutschland, die sich für jüdische Belange starkmacht?

(…) Tatsächlich finden sich Ähnlichkeiten und Parallelen zwischen beiden Minderheiten – auch in religiösen Bräuchen; von der Beschneidung bis hin zum Gebot, kein Schweinefleisch zu essen. Immer, wenn türkische Jugendliche sich mit ihren palästinensischen Schulfreunden, ihren muslimischen Glaubensbrüdern, solidarisieren und judenfeindliche Äußerungen von sich geben, hilft es, sie auf diesen Vergleich hinzuweisen. Jugendliche kann man aufklären.(…)

(…)Noch erschreckender ist es, wenn judenfeindliche Äußerungen in intellektuellen Kreisen der deutsch-türkischen Community kursieren. Neulich etwa, als eine türkische Professorin monierte, die Juden würden nicht nur die Finanzwelt beherrschen, sondern auch die Wissenschaft. Alle Nobelpreisträger seien Juden, sagte sie, das könne doch kein Zufall sein. In solchen Momenten schnürt es mir die Kehle zu. Aufgewühlt stellte ich der Professorin Gegenfragen: Wie hätte wohl das türkische Militär reagiert, wenn sich israelische Friedensaktivisten gegen den Willen Ankaras auf den Weg in die kurdischen Gebiete gemacht hätten, um die PKK mit Hilfsladungen zu versorgen? Hätte das türkische Militär die Israelis passieren lassen?

(…) In Zeiten wachsender Islamophobie und Diskriminierung brauchen die Muslime erfahrene und verlässliche Partner. Zudem tragen Deutsch-Türken eine historische und moralische Verantwortung für die Juden. Nicht nur aufgrund der deutschen Geschichte, sondern in guter alter osmanischer Tradition.(…)

Recht hat die Frau. Echt.


UN-Bericht kritisiert Deutschland

Aus dem taz-Artikel “Deutschland auf halber Strecke”:

Der Rassismusbegriff, den Bund, Länder und Kommunen in Deutschland ihrem Handeln zugrunde legen, ist zu eng auf rechtsextremistische oder neonazistische Gewalttaten begrenzt. Viele andere Formen und Opfer von Rassismus bleiben daher unberücksichtigt. Das sagt der "UNO-Sonderberichterstatter über Rassismus, rassische Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit verbundene Intoleranz", Githu Muigai, in einem Bericht zur Lage in Deutschland, der am Mittwoch im UNO-Menschenrechtsrat in Genf diskutiert wurde.

Konkrete Vorschläge werden auch gemacht. Eine Klausel im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz erwähnt, die Diskriminierung bei der Wohnungssuche ermöglicht, solle gestrichen werden. Auch die Schulpolitik wird kritisiert. Zum einen das ungleichbehandelnde Verhältnis des deutschen Staates zu religiösen Symbolen, aber auch das dreigliedrige Schulsystem als solches, das durch Zusammenwirken mit anderen sozialen Faktoren zu einer konkreten Benachteiligung von Zuwanderern führt. Dies wurde bereits 2006 vom UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung kritisiert.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, hält das meiste davon für Quatsch und betont: “auch wichtig, die besondere Geschichte meines Landes zu berücksichtigen”. Genau das liegt auch des Pudels Kern. Das Deutsche Institut für Menschenrechte schreibt nämlich:

Der UN-Berichterstatter sieht es zu Recht als grundlegendes Problem an, dass Rassismus in Deutschland oft mit rechtsextremer Ideologie und Gewalt gleichgesetzt und dadurch zu eng verstanden wird

Durch die Reduktion des Rassismus auf die offen sichtbaren Formen dekliniert man die Quellen weg.

Rassismus, sagt Rudolf, gebe es "auch in der Mitte der Gesellschaft". Er zeichne sich "dadurch aus, dass Menschen pauschal bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden". Rudolf erinnert daran, dass diese enge Sicht in den letzten zwei Jahren bereits von der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz sowie vom UN-Ausschuss gegen Rassismus kritisiert worden ist.

Es ist also, um mal an den WM-Wahn anzuknüpfen, an der Zeit, das sich was dreht.


PI-News soll vom Verfassungsschutz beobachtet werden

Der SPD-Rechtsexperte Sebastian Edathy forderte vom neuen Bundesinnenminister, den rassistischen Blog PI-News vom Bundesverfassungsschutz beobachten zu lassen.

“Auf dieser Seite werden die Angehörigen einer ganzen Religionsgemeinschaft systematisch verächtlich gemacht”, so Edathy, und es werden “wiederholt der Straftatbestand der Volksverhetzung und der Beschimpfung von Religionsgemeinschaften erfüllt”, begründet er seine Forderung.

Desweiteren forderte er De Maizière auf, Kontakt mit seinem türkischen Amtskollegen aufzunehmen, da die Website bei einem türkischen Provider gehostet ist. Es könne “nicht im Interesse der Türkei sein, dass von dort eine Internetseite unterstützt wird, die gegen das friedliche Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen in Deutschland agitiert”, zitiert ihn das Newsblog “News-Item”.

Was Herr Edathy wohl noch nicht mitbekommen hat: Zu den von PI-News herangezogenen Informationsquellen gehören auch nationalsozialistisch/antisemitisch orientierte Portale, und der Provider wirbt folgendermaßen:

Was Sie hosten möchten, was unsere Kunden machen, ist uns egal. Sie können hosten was Sie möchten! Achten Sie nur auf unsere Allowed and Forbidden Website

Dort erlaubt der Provider seinen Kunden ausdrücklich das Betreiben von Hate-Sites. Darüberhinaus verfügt der Provider über eine Infrastruktur, die seinen Kunden vollständige Anonymität verspricht, und sie somit (auf dem ersten Blick) für die Justiz unergreifbar macht. Der Versuch, Herres presserechtliche Verantwortung über den Provider festzustellen, ist daher denkbar schwierig. Es gibt jedoch auch weitere mögliche Wege.


NPD gegen Islamisierung

Vor einiger Zeit überraschte ja die NPD damit, das in rechts-populären Kreisen etablierte Thema “Islamisierung” aufzureifen. Jürgen Gansel(NPD) hat sogar ein Positionspapier dazu veröffentlicht.

In Berlin scheinen die Nazis nun mit ihrer Propaganda zu beginnen. Jörg Lau schreibt:

Heute war eine Postwurfsendung der NPD in meinem Briefkasten – eine 4 Seiten starke Zeitung.
Ich wohne in Charlottenburg in einer alten Reihenhaussiedlung. Kein klassisches Neonaziterrain. Die Zeitung setzt denn auch auf ein neues Thema: “Islamisierung”.
Das Titelfoto zeigt eine Frau mit Kopftuch. Ein dazu gehöriger Text versucht mit zweifelhaften Zahlen zu erweisen, dass in wenigen Jahrzehnten Muslime die Mehrheit in Deutschland stellen werden. Falls nicht … die NPD ein Wörtchen mitreden wird.
Im Grunde hat der Flyer nur dieses eine Thema: die Verdrängung der Deutschen durch Muslime. Auf der Rückseite werden Werbematerialen angeboten. Darunter ein T-Shirt in rot-weißen Farben mit dem Aufdruck: “Danke Schweiz! Minarettverbot auch hier!” Die Grafik: Ein fallendes Minarett.
Im Inneren ist ein Comic zu sehen, der sich wohl an jüngere Leser wendet. Da sieht man eine Schulklasse mit lauter schwarzen Haarschöpfen. Nur ein blonder Junge sitzt in der vordersten Reihe. Er meldet sich, wird aber nie drangenommen. Stattdessen die dunkelhaarigen Kinder, die grotesk falsches Deutsch sprechen und schreiben. Der Lehrer lobt sie dafür auch noch. Und der Ausländerbeauftragte “Zottel” rügt das deutsch-blonde Kind, das sich darüber beschwert, als rassistisch.
Es wird das Bild einer korrupten Medien- und Politikelite gezeichnet, die sich heimlich dem Ziel der Islamisierung verschworen hat. Schon das Plädoyer für “Integration” gilt hier als Indiz für die Zugehörigkeit zu dieser korrupten, vaterlandslosen Clique.

(Hier geht es weiter)

Auf den Kommentar eines PI-Freundes dazu wäre ich ja mal gespannt.


Islamfeindlichkeit, Moslemfeindlichkeit oder einfach Rassismus?

Hier mal zwei etwas nachgebesserte Kommentare, die ich auf dem Blog von Jörg Lau hinterlassen hatte. Ich fänd es zu schade, sie dort untergehen zu lassen.

Ursprünglich ging es um folgende Aussage, mit der der ZMD aus der Islamkonferenz ausstieg:

” … forderte, die Islamfeindlichkeit als “ausgeprägte Form des Rassismus mit Demütigungen, Verleumdungen und Gewalt gegen Muslime” müsse auf die zentrale politische Agenda kommen. Zudem würden die Ängste der Bevölkerung gegenüber dem Islam würden nicht ernst genug genommen.”

Es stand die (berechtigte) Frage im Raum, was denn Islamfeindlichkeit mit Rassismus zu tun habe, der Islam ist ja schließlich keine Rasse, sondern eine Religion. Sodann:

Das Problem ist in diesem Fall wohl die Begrifflichkeit. Es gibt ja in gewissen Teilen der Bevölkerung schon seit Jahrzehnten einen ausgeprägten Hass auf Türken bzw. “Vorder- und Mittelasiaten” – dieser war immer rassistisch. Seit dem 11. September 2001 stellen sie im Zuge von Terrorismus und Integrationsdebatten zunehmend deren Gemeinsame Identität, die Islamische Religionszugehörigkeit, in den Vordergrund. Unter dem Mantel der “Islamkritik” können seitdem die genannten Strömungen ihre Ablehnung der Anwesenheit von Menschen überdecken, und rechtfertigen ihr “wegwünschen” z.B. mit der Nennung von Koransuren.

Diese Strömung ist, wie die letzte Wahl in NRW gezeigt hat, nicht sehr wirkungsmächtig, jedoch vorhanden. Um diese muss es bei dieser Thematisierung gehen. Leider gibt es hier ein Begriffswirrwar. “Islamophobie”, “Islamfeindlichkeit”, “Islamhass”, usw… Das sind alles die falschen Begriffe. Jeder konsequente Atheist ist Islamfeindlich, hegt damit jedoch keine Abneigung gegenüber Moslems. Jeder, der von islamistischen Terroranschlägen liest, ist erstmal kurz Islamophob, hasst jedoch nicht automatisch. Auch Islamkritik dürfte nicht gemeint sein.

Es geht um etwas anderes: Die Abneigung gegenüber Menschen mit dem Merkmal “Moslem” – und zwar nicht weil es Moslems sind, sondern weil die meisten Moslems aus Vorder/Mittelasiaten und Nordafrika stammen – und als eben das werden sie gehasst. Der Begriff “Moslemfeindlichkeit” trifft daher am ehesten die Haltung, um die es geht. Man erkennt sie IMO schnell, wenn man auf aggressiv vertretene “Islamkritik” (in Anführungszeichen!) stößt, die darauf besteht, dass nur den Taliban, Hamas, das islamistische Regime in Teheran sowie die Saudi-Salafis die einzigen sind, denen die Auslegung der Islamischen Schriften zusteht.

Ich war etwas ungenau(dumme Angewohnheit), daher folgte ein Nachhaken:

(…)

Ich kann Ihrer Argumentation nicht ganz folgen. Muslime gibt es nicht nur in Vorder-/Mittelasien und Nordafrika. Das mögen historisch gesehen Kernländer des Islam sein, jedoch ist der Islam in weit mehr als nur diesen Ländern die am stärksten vertretene Religion (siehe auch Afganistan, Pakistan, Indonesien sowie Staaten in Afrika südlich der Sahel-Zone).
Dass die von Ihnen genannten Länder das Bild des Islam hier in D im wesentlichen prägen, sollte auch Herrn Köhler bekannt sein. Somit verweise ich auf den vorletzten Absatz meines Beitrags 45.

Ihrer Argumentation zufolge sollte man doch eher von türkenfeindlich, arabischfeindlich etc sprechen, oder?

 

In der Konsequenz ist es das, im Detail aber etwas komplex. Ich versuche mal, meine Einschätzung hintereinander bekommen.

In den Äußerungen einschlägiger Strömungen ist der Bezug auf nationale oder ethnische Minderheiten – relativ – selten(obgleich vorhanden). Sie fassen diese Minderheiten mit dem Oberbegriff “Islam”(als Gemeinschaft) bzw. “Moslems” zusammen, und stellen sie wahlweise “den Deutschen”, “den Europäern” oder “dem Abendland” gegenüber, wobei jedoch z.B. Albaner bewusst nicht eingeschlossen und Konvertiten als vereinzelte abtrünnige angesehen werden, teils als “Verräter” bezeichnet werden.

Unter “Islamisierung” verstehen sie hauptsächlich die Zuwanderung aus nichteuropäischen Regionen islamischer Prägung, aber eben auch die Anerkennung/Sichtbarkeit der mitgebrachten Kultur bzw. Religion. Wenn sie die imaginierten “Feinde” beschreiben, beschreiben sie hierbei permanent entweder Islamismus oder “Ausländerkriminalität” mit Betonung der (vermuteten) Herkunft/Religion.

Gewalttätige Religionsauslegungen werden von dieser Strömung zudem nicht als eingrenzbares Problem angesehen, sondern als Essenz und Mentalität, auf die auch die liberalsten Religions- und Kulturauffassungen zwingend hinausliefen.

Feindschaftliche Äußerungen werden hierbei häufig auf einwandernde Menschen oder ihre Nachkommen als Kulturträger und “Islamisierer” fokussiert – auch dann, wenn es im Grunde Atheisten sind. Das verbuchen sie dann unter “Taqiya”, als bewusstes Verschweigen “wahrer” Absichten. In diesem Sinne ist es also für den einzelnen Menschen praktisch unmöglich, aus dem Feindschema herauszukommen. Einziger Ausweg: Öffentliche, möglichst einseitige Positionierung gegen den Islam. Özkan, die etwas gegen Kopftücher *und* Kruzifixe gesagt hatte, fällt in Ungnade, plakative Äußerungen von Kelek und Ates werden hingegen gerne vorgezeigt(Und bis hin zum Kampf gegen den Islam und Zuwanderung uminterpretiert), eher liberalreligiöse Interpreten wie Kaddor oder Mohagheghi existieren in dieser Welt nicht(Oder: Taqiya).

Parallel dazu gibt es die offen rassistischen Nationalsozialisten, die in ehemals sozialistischen Regionen erfolgreicher sind. Diese sehen als ihr “geostrategisches” Hauptproblem ebenfalls die Einwanderung aus dem asiatischen und afrikanischen Raum, sprechen allerdings nicht von wie auch immer tradierten “Kulturräumen”, sondern von angestammten “Großrassen” und hantieren nicht mit Kunstgriffen.

Von den unterschiedlich begründeten Feindbildern dieser zwei Strömungen sind innerhalb Europas weitgehend die selben Menschen betroffen, und aufgrund dieser ideologischen Überschneidung sind zwischen ihnen auch in begrenztem Maße Wanderungsbewegungen und gegenseitige Einflussnahmen möglich und finden statt(siehe Molau, Brinkmann, Herre).

Große Unterschiede zwischen beiden Strömungen sehe ich in diesem Zusammenhang allerdings im nach außen dargestellten Verhältnis zu Israel(Womit nicht das Verhältnis zu Juden in Deutschland gemeint ist). Die einen sehen in Israel ein vorbildliches “Bollwerk” gegen den Islam und feiern daher jeden Militärschlag ab. Die anderen sehen in Israel typisch antisemitisch-verschwörungstheoretisch die Heimstätte der hinter der Einwanderung stehenden “geheimen Drahtzieher”. Auf die innenpolitische Hauptschnittmenge, den Bereich der (jeweils etwas anders begründeten) kollektivistischen Fremdenfeindlichkeit, haben diese Unterschiede jedoch wenig Einfluss.

Ansonsten: Auf islamisch-konservativer Seite wird meines Erachtens nach häufig vermischt, was nicht zusammen gehört. Berechtigte Kritikansätze werden ebenfalls in diese Problemkategorie hineingestopft. Das zeigt sich meiner Meinung nach indirekt auch in der Weigerung, den Islamismus zu beschreiben, sowie in der Haltung, der Begriff als solcher sei bereits Islamophob. Und genau diese zweifelhafte Vermischung sehe ich im Begriff “Islamophob”. Er setzt kritische Strömungen mit den rassistischen Strömungen gleich – die es aber zu differenzieren gilt.


Lesetipp: “Antisemitismus und Islamophobie – Neue Feindbilder, alte Muster”

Und noch ein Lesetipp, eine ausführliche (und meiner Haltung nach die bisher gelungenste) Analyse von Unterschieden und Parallelen zwischen dem Antisemitismus und der Islam-/Moslemfeindlichkeit, veröffentlicht auf der Website der Heinrich-Böll-Stiftung..

Wie auch schon bei dem letzten Analyseansatz greife ich hier das Fazit vorweg:

Fazit

Antisemitismus und Islamophobie unterscheiden sich im postnationalsozialistischen Deutschland unter anderem durch ihre Explizitheit. Sie haben „traditionell“ andere – man könnte vielleicht sagen: komplementäre – Funktionen. Insofern ist es wichtig, die Unterschiede des Funktionierens von Antisemitismus und Islamophobie auf analytischer Ebene herauszuarbeiten, auch um Verschiebungen und Übernahmen festzustellen. Beide Phänomene sind empirisch vorhanden und haben eine Funktion in der rassistischen – der falschen – Erklärung der Welt.

Es ist offenkundig schwachsinnig, zu behaupten, heute liege in Bezug auf MuslimInnen die gleiche Situation vor wie für Jüdinnen und Juden „früher“. Es kann bei einem Vergleich von Antisemitismus und Islamophobie nicht um eine Relativierung des Holocausts gehen, sondern darum, rassistische Mechanismen zu erkennen, bevor es auch nur ansatzweise zu einer vergleichbaren Situation kommt. Dass der Holocaust, obwohl historisch singulär, prinzipiell wiederholbar ist, stellt keine neue These in der Antisemitismus- und Shoa-Forschung dar. Dass prinzipiell von einer Wiederholbarkeit der totalen Katastrophe ausgegangen werden muss, ist getrennt davon zu behandeln, dass die Shoa ein historisch singuläres Phänomen ist und historisch konkret Opfer und Täter benannt werden können. Aber: Erinnern allein reicht nicht, auch weil wir aus heutiger Perspektive wissen, dass die  Vernichtung der Juden im Dritten Reich ohne einen Jahrzehnte langen und Jahrhunderte alten vorbereitenden antisemitischen Diskurs nicht geschehen hätte können. Ausgehend von dem Imperativ der Geschichte, rassistische Diskurse zu dekonstruieren, bevor es zu spät ist, muss ein rassistischer Diskurs, der gesellschaftlich äußerst dominant zu werden droht, als solcher entlarvt werden. Dies auch, indem – bisweilen erschreckende – Parallelen zum antisemitischen Diskurses aufgezeigt und analysiert werden. Während es nach wie vor antisemitische Erklärungsmuster und Ressentiments gibt, erhalten islamfeindliche Stimmen immer größeren Einfluss in der Öffentlichkeit.

Der Verdienst der Antisemitismusforschung, Judentum und Antisemitismus getrennt voneinander zu verhandeln, muss auch auf andere Rassismen wie die Islamophobie übertragen werden. Voraussetzung hierfür ist es, zu verstehen, dass die Vorstellungen und Bilder über eine „Fremdgruppe“ mehr über die sie produzierende Gruppe und ihre Verfasstheit als über die als Outgroup markierte Gruppe aussagen.

Das Fazit ersetzt allerdings nicht den eigentlichen Text. Also daher bitte hier entlang, und Lesen und Verstehen.


Moscheen in der Nacht zum 2. Mai geschändet

Ein neuer Fall von “Islamkritik” in Anführungszeichen ereignete sich in Bielefeld.

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In der Nacht von Samstag 01.05.2010, 23.00 Uhr bis So., 02.05.2010, 05.00 Uhr brachten bislang unbekannte Täter ein "Hakenkreuz" und weitere Farbschmierereien mit schwarzer Lackfarbe an die D.I.T.I.B. Vatan Moschee, Windelsbleicher Str. in Bielefeld an. Weiterhin wurde das gesamte Gelände der Moschee von den Tätern mit gelbem Absperrband, das die Aufschrift "Achtung Gasleitung" trug, versehen. Die Direktion -K-, Kriminalinspektion 3, -Staatsschutz- übernahm die Ermittlungen vor Ort. Zeugen melden sich bitte unter der bekannten Telefonnummer 0521-545-0 bei der Polizei Bielefeld.

Aus einer DPA-Meldung:

Unbekannte haben in der Nacht zum Sonntag ein Hakenkreuz an die Ditib Vatan Moschee in Bielefeld geschmiert.

Ein weiterer in Rheinfelden an der Grenze zur Schweiz:

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An die Eingangstür zur Moschee ist ein schwarzes Hakenkreuz gesprüht, einige Meter weiter steht das Wort "Sieg", weitere Hakenkreuze sind angedeutet, zum Teil falsch herum. Gökpinar davon aus, dass es mehrere Täter waren, weil eben nicht nur eine Scheibe eingeworfen wurde und auch nicht nur eine Schmiererei an die Fassade gesprüht wurde.

(…)

"Angst haben wir keine, aber wir sind traurig", sagt Jasa Gökpinar, der selbst über Jahrzehnte Vorsitzender der Gemeinde war, seit 30 Jahren in Rheinfelden lebt, mittlerweile mit seiner ganzen Familie eingebürgert ist und sich auch im Runden Tisch einbringt. Er versteht nicht, dass so etwas in "einer so kleinen Stadt wie Rheinfelden passiert, wo jeder jeden kennt. Wie schlimm muss es dann erst in großen Städten sein", fragt er sich. Eine Gemeindeversammlung werde wohl nicht einberufen, aber beim kommenden Freitagsgebet werde der Angriff sicher thematisiert. Vor einigen Jahren, erinnert sich Gökpinar habe es schon einmal eine eingeworfene Scheibe und Schmierereien gegeben.

(…)

Wieweit Rechtsradikale die Täter waren, ist für ihn unklar: "Das Anbringen von Hakenkreuzen mag es nahe legen, aber vielleicht wollten die Täter auch so mehr Aufmerksamkeit erlangen". Verräterischer ist für ihn das Wort "Sieg". "Was für einen absurden Sieg haben die Täter errungen, wenn sie anonym und heimlich in der Dunkelheit der Nacht vorgehen mussten. Dass sie künftig keine Siege erringen können, ist unser aller Aufgabe", so Ross.

Hinweise etwaiger Zeugen an das Polizeirevier Rheinfelden, 74040 oder die Kriminalpolizei Lörrach, 07621/176-0.

In in der Vergangenheit gab es Aufregung um beide Moscheen, die insbesondere in den Kulturkämpfer- und Nazilagern zu erheblichen Wutausbrüchen führte. Bei der Bielefelder Moschee ging es um einen Minarettbau, in Rheinfelden um den Muezzinruf – im Industriegebiet, mit drei 30-Watt-Lautsprechern. Letzterer Fall wurde im Zuge der Schweizer Anti-Minarett-Initiative stark aufgebauscht.

Update:
Im Bielefelder Fall wurden zwei der Täter gefasst.